Wenn nicht China, dann der Wald.

Hier bin ich glücklich (natürlich auch anderswo) und eben auch nur möglich wenn ich in fremden Städten umherziehe.

Diesmal per Anhalter mal wieder nach Berlin, war aber sehr langsam, machte länger Halt in Bielefeld, Hannover und Hildesheim.
Zeit spielt keine Rolle, die Welt vor mir, wenn auch als Tageschau-App, Süddeutsche oder TAZ, Weltspiegel oder alles was ich zu lesen kriege.

Kontakte gibts genug, eigentlich alles perfekt, wenn auch zu langweilig um gleich einen ganzen Blog hier täglich zu füllen.

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Wieder in den Wäldern zu Gast, mit vollen Taschen aus dem Kaufladen das letzte Geld ausgeben. Diesmal im Stadtwald in Göttingen.

Arbeit soll es ja angeblich mehr den je geben, heißt es so schön. Nur finde ich nirgends was um wenigstens davon was ansparen zu können um im Wanderleben auch wieder jenseits der heimischen Grenzen zu kommen. Für Deutschland reichts, Essen, Kaffe, Zeitung und Bier kostet nicht viel und so muss ich auch schön hierbleiben.
Das Russenvisum kann ich noch nicht einmal bezahlen, die 175€ für weitere drei Monate als auch die ca 250€ Flugkosten bis Kazan (wo ich vor mittlerweile einem Jahr angekommen war) sind mittlerweile unerreichbarer Luxus, auch weil ich seitdem die Krankenkasse selbst aufbringe, sozusagen jeden Monat meine 200 Euro Spareinlage der Zwangsversicherung abführe.
Die Sponsoren von einst, sind offenbar weitergezogen zur trendigen Konkurrenz die mit Go-Pro und High Tech auf Titan-Mountainbikes durch Afrika radeln.

Ich ziehe mich seidem zimlich ins Private zurück, hoffe natürlich noch auf einen Treffer, einen Job, einem Helfer, was auch immer.

Peking oder Tokyo. Da wäre ich jetzt genau gern, Sommer in Japan… doch jetzt bin ich erstmal in Göttingen angekommen, hier war ich noch nie.
Hildesheim war sogar noch spannender mit seinen großen Gildenhäusern am Hauptmarkt. Hab nichts davon gezeigt.

Ja, ein Freund schrieb (mal wieder) dass es zu ruhig um mich geworden sei. Gehört wohl dazu und irgendwann gehts wieder weiter. Ich warte, mache, tue ja selbst. Vielleicht auch nicht alles.

Aber muss immer alles – alles sein?

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Gemütlich trampen sogar im sitzen. Wieder nach Berlin mit ganz viel Zwischenstops.

Eine eigene Stadt: Neukölln in Berlin.

Früher hieß das Ding mal Rixdorf, wurde vor 105 Jahren dann in Neukölln unbenannt; zu schlimm war schon damals der Ruf der verlotterten Vorstadt, dem kriminellen Rixdorf der Jarhunderwende.
Cölln war mal eine andere historische Siedlung aus der sich Berlin einst zusammensetzte; Neukölln ließ auf einen neuen Anfang hoffen.
Heute, ein ganzes Jarhundert später, laufe ich durch den Bezirk, dem Stadtteil mit seinen 363.000 Einwohnern mal so eben groß wie Wuppertal, 35.000 Einwohner sind hier noch nicht mit eingerechnet; Araber aus Syrien, oder Palästinenser die sich gern als Libanesen bezeichnen, lassen sich hier massenhaft nieder; eine zuvor etablierte Sozialstuktur, vor allem entlang der fantastischen Sonnenallee die mich so sehr an die Talab Harb in Kairo erinnert, gibt es hier schon; Moscheen, Kulturvereine und überall, ja überall Falafel, Schawarma und Shischabars…. Neukölln wächst, zwar informell aber stetig.

Im Gelsenkirchen von Berlin konnte ich sogar ein Hostel finden für 14 Euro die Nacht, Neukölln fasziniert mich, erinnert mich sogar etwas an Recklinghausen Süd, wo ich herkomme, wenn auch alles hier viel größer ist.

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Die Karl Marx Allee zieht sich einmal quer durch den großen Bezirk Neukölln, hier wo der Döner noch 2,50€ kostet, aber Vorsicht auch hier, die Gier der Vermieter hat auch das Berlin-Fieber gepackt, und schon kostet der Q-Meter um die 5000 Euro....

Knallhart auf schmalen Schultern.

Das tut weh, den ganzen Tag gefühlte drei Tonnen auf die ohnehin kleinen Schultern lässt mir den Tunnelblick aufzwingen. Kilometer um Kilometer vermisse ich den Wanderwagen nun doch, kann aber immer wieder in enge Cafes rein, oder klettere durch Bauzaunlöcher, was ohne den fahrbaren Gepäckwagen wiederum viel besser läuft.

Schlafen im Zelt, ob auf urbane, wilde Grünflächen, Park-Wildnis zwischen zugewucherten Gleisen, oder hop, hop, über den hohen Metallgitterzaun auf dunklen Efeu in der Grünanlage des Sportplatzes in Britz-Süd.

Schöneberg, Neukölln… Welten liegen dazwischen, Tage vergehen und ich sehe zu meine Zeit, – wie lang oder kurz auch immer, in Berlin zu genießen.
Bin total frei, esse gut und billig, habe übermorgen wieder einen Job im Ruhrgebiet. Der Flixbus für neun Euro ist schon gebucht.

Danach kehre ich wieder zurück in die Stadt meiner Träume, wo man so viel erlebt, warte oder ersinne neue Ideen um weit ins Ausland katapultiert, das Wanderleben fortzusetzen.

Urban-Wild-Camping in der Metropole…

Heißt mein großes Comeback jetzt … wenn überhaupt, nach vielen Monaten Heimat war ich eigentlich nie wirklich aus dem Wanderleben raus. War immer frei, hatte viel Zeit, war mal hier mal da, Zuhause im Ruhrgebiet, nur eben nicht weit weg.

Ach mann, hatte einfach nirgends genug Moneten zusammenkriegen können um wieder zurück auf die Russische Piste zu kommen; Flugtiket, Visum, Krankenkasse (…) und so weiter, sind und waren finanziell einfach eine zu große Hürde.

Jetzt, und wie immer hoffe ich weiter auf Wunder und schlage mich mal mit Rucksack und Zelt durch Berlin, dort wo ich eigentlich mehrere Freunde habe, wo ich mal wohnte und nun ganz allein, total frei, ja wenn auch mit permanent 15 kg auf den schmerzenden Schultern durch die riesige Stadt treibe.

Habe einen Plan, wandere langsam aber stetig quer durch die Bezirke, wovon Berlin insgesamt 12 hat, alle an sich selbst riesengroß wie Großstädte, voller eigener Zentren von weiter Ausdehnung mit hunderttausenden von Einwohnern.
Berlin kenne ich ja schon recht gut, und versuche jetzt in dieser Zeit wo ich noch in Deutschland etwas festhänge, diese Stadt weiter von innen, von unten, ja von ihrer wilden Seite her zu erkunden. Inmitten des Häusermeeres in urbaner Wildnis aus Brachflächen, in Stadtwälder oder Parks, – wo auch immer, zu Campen. Nur kein Geld darf es kosten, Campingplätze gibts ja auch, sind aber eben nicht umsonst und dazu noch fürchterlich langweilig.

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Erstmal im Grunewald das Zelt aufschlagen. Die erste wilde Camping-Nacht in Berlin startet im bürgerlichen Stegiltz-Zehlendorf wo der große Stadtwald mal eine einfache Übung ist.

Steglitz-Zehlendorf ist Berlins bürgerlichster Stadtteil (eigentlich Bezirk) mit 320.000 Bewohner auf weiten 103 Quadratkilometern. Da ist viel Platz, da schon der Grunewald ein riesiges Areal dort einnimmt. Lange, breite Straßen und niedrige Eigentumshäuser, immer wieder Geschossbauten in schwerer, manchmal verzierter, manchmal schlichter Bauweise ihrer jeweiligen Epoche wirken erstmal ein wenig langweilig. Zumindest wenn man hier stundenlang zu Fuß umherzieht.

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Die 141 jährige Friedenseiche ist für mich Baumfreund sofort DAS Wahrzeichen von Zehlendorf, der wohlhabenden Bürgervorstadt Berlins, beim Grunewald und Wannsee gelegen.

Hier ziehe ich umher, pausiere viel da das Gepäck schwer wiegt.
Den Wanderwagen nehme ich hier nicht gern mit, zu umständlich wirds wenn ich in vollen Cafes (fürs Internet) oder Kaufläden & Shoppingcenter will. Freies WiFi oder kostenlose, saubere Toiletten, sowie billigen Espresso finde ich in den Glaspalästen des bösen Kapitalismus eben ganz einfach.

Bezierk Nr. 1 durchwandere ich also vom Unterzentrum Zehlendorf bis Steglitz, ca fünf km weiter entlang der großen Berliner Straße, esse im großstätdtischen Steglitz im „China House“ für 6,50 gebratenden Reis mit Huhn & eine Fassbrause dabei, plaudere mit einer alten, sehr gepflegten Dame über meinen sperrigen Rucksack, erweiche sie offenbar so sehr mit meinen Lebensweg, dass sie 10€ springen lässt.

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Steglitz City mit seinem 125 Meter hohen Fluch der (bau)wilden 60er Jahre: Dem Steglitzer Kreisel, Berlins größter Asbestruine, die entweder und entgültig abgerissen oder (luxus)saniert als Wohnturm werden soll.

Was sind schon Stunden?
Nur sehr langsam kann ich gehen mit all den Kilos auf den ohnehin schmalen Schultern, treffe wieder auf Bekannte (erst im Internet) die ich Zuhause in Tempelhof-Schöneberg besuche, bekomme dort eine Dusche, lade die Geräte sowie den Kalorienbedarf meines Bauches.
Gezahlt wird üppig: Mit Geschichten aus 5 Jahren Wanderleben ….
Eine Einladung zur Übernachtung, ein Viertel weiter, lehne ich dankend ab; im Zelt und Wild will ich diese Stadt erleben…..

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Neuer Stadtteil (Bezirk): Tempelhof-Schöneberg ist viel dichter als Steglitz-Zehlendorf, und suche lang nach einen einigermaßen sicheren Platz fürs Zelt. Endlich gefunden: Hier am Südkreuz-Bahnhof gibt es noch ein wildes Stück Berlin für mich 🙂

Unterwegs in Berlin.

Der reinste Luxus: Zeit haben.
Jetzt und heute (22.02, Mittwoch) in meinem geliebten Berlin, wo ich die regenreichen Tage gemütlich auf dem Sofa bei Freund Jürgen Drensek verbringe.
Einige wenige Jobs als Gartenhilfe sowie Baumfällungen (was ich ja handwerklich eben kann) erlauben mir den Espresso bei „Romeo & Romeo“ in meinem geliebten Schöneberger Kiez; ein paar Euro reichen, essen mit Jürgen der mir immer aktuell von seinen Weltreisen zu berichten weiß; momentan das einzige was mir bleibt, zuhören, träumen…..

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Mit Marcel in unserem "Wohnzimmer" dem Kiez-Cafe Romeo & Romeo an der legendären Motzstr. Marcel ist in meinem Alter und will auch hinaus in die Welt. Somit überlegen wir schonmal zu zweit wie wir ans Kleingeld kommen um spätestens zum Sommer ins Wanderleben zu wechseln.

Eigentlich bin ich ja sowas von zufrieden; täglich ziehe ich ca 15 – 20 Kilometer durch die große Stadt und lasse mich treiben, lese viel und telefoniere mit Mama und Freund Georg der gerade in Thailand über die touristische Monotonie von Phatong klagt.
Ich ärgere mich über lose Zusagen einiger Heckenschnitte sowie Gartenarbeiten die mal übermorgen, mal irgendwann in drei Wochen anliegen…. in drei Tagen will ich ja wieder zurück ins Ruhrgebiet zur Familie, habe dort auch genug Aufträge für die Reisekasse, fürs Stammlokal „Nicos Taverne“ in Recklinghausen Süd, stundenlanges lesen, Google Maps, neue Statistiken von Einwohnerzahlen afrikanischer Städte, mein Zukunftsforschungsprojekt (www.metropolen-der-zukunft.com) füllt mich dermaßen aus, dass ich fast nur noch davon (mental) leben könnte.

Tapentenwechsel aber ist manchmal wichtig; für unglaubliche neun Euro (9 €) brachte mich der Flixbus vom Ruhrgebiet nach Berlin. Sechs Stunden fahrzeit.

Es regnet tagelang, der dritte Espresso regt mich wild, will laufen durch die riesige Stadt, des fiese Wetter sprüht pausenlos Niederschlag vor die Schaufenster des Romeo.
Zeit haben.
Klingt wohl alles eher nach Langeweile.
Nein, ganz und garnicht. Lediglich die strammen Muskeln meines drahtigen Leibes rufen nach Auslastung, wärend die Seele zwar voller Träume und Visionen sich inmitten des Glücks wähnt, gegenwärtig „angekommen“ im Himmelreich jenseits jeder materieller Verantwortung ihrer kompletten Selbstverwirklichung bewusst ist.
„Besser“ ginge es ja immer. Es ist völlig normal das Menschen permanent zum maximalen streben; jetzt in Peking oder Novosibirsk sein wäre so ein Maximum für mich.
Meine Kaffe-Nachbarn lassen in ihren Denkblasen Träume lesen wie höhere Gehälter, eine eigene, größere Wohnung im angesagtesten Kiez hier in Berlin, ein besseres Auto, mehr Urlaub, weitere Fernreisen bitte.
Aber man will ja nicht klagen.

Somit nutze ich die Freiheit der eigenen Unbeschwertheit, besitze nur das was ich angezogen habe, laufe schon monatelang mit so zimlich den gleichen Klamotten herum, verschiebe ständig den immer dringender werdeneden Neukauf meiner zerfläddernen Meindl-Wanderschuhe.
Berlin ist um mich, 3.866.000 Menschen um mich, davon 230.000 „ortsansässige nicht-registrierte“ meist Syrer oder Osteuropäer die hier in die Metropole drängen.
Ja, sowas interessiert mich ungemein; 45.000 Berliner mehr dürften es dieses Jahr schonwieder werden. Die Wohnungspreise schießen im Wahn hinauf, die ganze Stadt floriert entgegen aller Prognosen der 90er Jahre. Heute lasse ich mich treiben in diesem Riesenlabor urbaner Kultur die es nur hier gibt. Auch wenn die Hauseigentümer hier meinen, die Mieten möglichst bald (und völlig grundlos) auf’s Niveau von London oder Paris zu katapultieren. Eben in einer Stadt wo 2000 Euro Netto schon ein besserer Lohn sind.

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Hier hatte ich 2009 mal gewohnt, im gelben Haus (Bildmitte) in Top-Lage mitten zwischen dem Zentrum West und Ost in Berlin. Noch heute gibts hier viele Sozialwohnungen, die allerdings extrem begehrt kaum noch zu bekommen sind. Noch begehrter die immernoch vielen Brachflächen hier, wo selbstverständlich komplett Luxus oder Hochpreis-Wohnungen entstehen sollen.

Ich war mal anderthalb Jahre hier in Berlin, wohnte hier und wollte nie mehr weg.
Damals war es noch möglich hier eine Bleibe zu finden, inmitten vom Nuttenkiez an der Kurfürstenstraße erkannte ich meine Chance ganz, ganz nah am angesagtesten Viertel in Schöneberg zu wohnen; die aufdringlichen Bordsteinschwalben vor der Haustür, sind nicht jedermanns Sache und ich bekam die 30 Quadratmeter für 330€ warm mitten in Berlin.
Wohnung gefunden, aber Jobmäßig lief garnichts.
Zu schlecht waren und sind die Löhne als Baumpfleger, wollte noch das Abi nachholen, dann studieren… aber nach anderthalb Jahren gewurschtel durch’s Billig-Handwerk (Sklaven-Zeitarbeitsfirmen, Möbelpacken für ein Appel & Ei, Callcenter zum Hungerlohn, usw..) war Feierabend, ich folgte dem Ruf der alten Firma im Ruhrgebiet, sparte soviel es ging und startete ins Wanderleben.

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Mein altes Berlin schwindet; jetzt kommen die Super-Immobilien, immer höher und teuerer verändern neue Hochhäuser das Stadtbild. Anderseits mag ich sie auch, Veränderungen, eine coole Scyline .... 116 Meter sind's erst hier am "Zoofenster" in der City West. Über 250 Meter sollen sie noch werden, neue Wolkenkratzer nahe dem Kudamm, oder am Alex. Berlin will höher werden als Frankfurt...

Ja, was schreibe ich überhaupt hier im Wanderleben?
Ich denke das gehört schon hierher, dürfte ja auch alles nicht uninteressant sein, oder?
Außerdem lebe ich hier und jetzt nahezu vogelfrei, eine Art Wanderleben im Ruhemodus.

Ich versuche jetzt einfach mal viel öfter hier zu schreiben was ich abseits des Welt-Wanderlebens hier so erlebe.
Die Welt aus der Sicht eines komplett Freien, – vielleicht eine neutralere Sicht der Dinge wenn man sich selbst kaum im Wege steht?

Einfach wieder zurück nach Sibirien.

14.02.2017.

Nun hänge ich all die Monate hier ab, hab zwar eine schöne Zeit, aber komme einfach überhaupt nicht weiter, versuchte den Friedensmarsch nach Aleppo auf 300 km von Berlin bis Prag, suche ständig nach Jobs um wenigstens wieder zurück nach KAZAN zu kommen, ach ja, Flugticket + neues drei Monats-Russen-Visum; 500 € sind allein dafür schonmal weg, 1000 für Taschengeld für 8700 km bis China/Wladiwostok, trampen, oder Lienienbusse längs der Magistralen durchs weiteste Land der Welt, so billig essen wie nur möglich.

Ja, ich habe mich entschieden einfach weiterzumachen, eben nicht mehr zu Fuß, aber die gleiche Richtung, von Stadt zu Stadt als Backpacker durchs größte Land der Welt ins hinterste Asien.
Jetzt jobbe ich mal hier und da in Gärten, schneide Hecken und tue ganze Tageskolonnen rein garnichts, weil einfach nix passiert.
Handwerk = Leben am Limit, reichen würden die Löhne nur für mein Stammlokal, Bier vom Fass und gut Essen, aber groß sparen bis zum Sommer kann ich vergessen *seufz.

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Also nochmal: Zurück nach Russland, und nun in drei Monaten per Anhalter (trampen) zum Etappenziel bis China.... auch abenteuerlich genug denke ich.

Nächster Job: Tannen fällen in Düsseldorf übermorgen, bringt 200 Euro die ich aber gleich für die doofe Krankenkasse abschreiben kann. Wenn ich Glück habe, finde ich für April in der Schweiz noch was zu tun.

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Hinter Russland wartet dann die nächste "Welt" auf mich: China, wo ich den kalten Nordosten (drei Provinzen) durchquere um mit dem Schiff nach Südkorea zu kommen.

Ob zu Fuß oder eben mit dem Rucksack übers Land in billigen Bussen…. hauptsache ich komme weit weg, mal in ganz andere Länder die noch immer im Detail so unbekannt sind.

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Wie eben Japan: Jeder kennt die Autos, Sushi sowie Mangas. Aber wie sehen die 11 Regionen Japans aus, und wie komme ich zielgerichtet durch das wohl teuerste Land der Welt mit Rucksack, Zelt & klammen Portemonaie ???

Soll ich es also wagen?

Das Mindeste zusammenkratzen und einfach wieder los?

Diesmal mit vielen Filmen von einer zwar langsamen Reise, und noch mehr Bildern in gewohnter Qualität, eben ohne Wanderwagen (Visa-ärger sei Dank) aber ansonsten wie immer mit Zelt & Isomatte, Feierabendbier zum Sonnenuntergang, bis zum Fujijama….

Winterkälte, Sehnsucht, Erfüllung, Heimat.

Einige Tage nach dem Friedensmarsch, von Prag den Flixbus nach Nürnberg, dort Couchsurfen und Geschichten erzählen, meine Währung, um ein deftiges Essen spendiert zu bekommen. Wieder weiter, Internetbuchungen mit den letzten Geldern meiner lieben Spender nach Frankfurt brachten mich zu Weltenbummlerkollege Reiner (wir waren damals im Kleinbus durch Albanien & Kosovo), dann weiter nach Trier wo schon Freund Georg (65) wartete; für fast 80€ quer durchs Land, Wanderwagen sei Dank, denn der kostet im Frachtraum der Busse nochmal fast den doppelten Fahrpreis.

Jetzt hinter Gardienen und ganz dicken Wänden eines 130 Jahre alten Stadthauses in der dichtbesiedelten, südlichen Trierer Innenstadt, habe ich ein weiches, warmes Bett.
Schaue raus und könnte mir vorstellen mal ein ganzes Jahr zu bleiben, brauche neue Konzepte im Wanderleben, brauche natürlich auch Geld aber eben auch, – und das ist noch wichtiger: Zeit.

Ich bilde mir eben ein dass es läuft, dass ein Sponsor weiterhin und sicher das Wanderleben aufgreift, meine Lust und Kraft nutzt um daraus entweder eine Mediennummer zu machen, oder es privat mit mir teilt, mitwandert, oder einfach so das Abenteuer „fördert“.
Ich werde sehen.

Der Friedensmarsch hat Prag auch schon längst weiter in Richtung Brünn nach Südosten verlassen, leider ohne mich.
Ein riesiger Weltatlas liegt offen auf dem dicken Teppich vor mir, ich recherschire fieberhaft in neuen Zahlen über Einwohner afrikanischer Länder und deren Städte, überall Wachstum ohne Ende dort, alles wächst immer weiter. Das ist Thema meines analogen Websitprojektes www.metropolen-der-zukunft.com
Gibt also sehr viel zu tun, auch Literatur und viele Gespräche, sowie gängige Medien der Politik und Gesellschaft fesseln mich.
Wichtig: Ich muss täglich möglichst viel gehen, mindestens 4-5 Kilometer, bestenfalls 15.
Ziehe meine oft gleichen Runden durch die Trierer Altstadt, durch die 1800 Jahre alte Porta Nigra, und überlege hin und her, wie es mit der Menscheit weitergeht; Trump – Petry – Pegida, und so weiter, in Russland glaubt jeder dritte, die Homosexuellen seien die größte Bedrohung ihrer Welt … 
Meine Berechnungen zu den größten Städten der Zukunft, als auch die Idee ein Buch über’s Anthropozän zu schreiben, dem aktuellen Zeitalter einer entnaturalisierung technomorpher Menschheit, analog zur Menschlichkeit selbst.

Also ganz viel Kopfkino, und ja, ach so…. da gibt es eben noch diese letzten, so tiefgreifenden Erlebnisse mit Wanderwagen auf dem Civil March for Aleppo, sowie ganzer sechs Jahre Wanderleben überhaupt.

Es soll weitergehen, aber eben etwas besser abgesichert. Bin ja sehr unabhängig mit Zelt und allem da Draußen, aber nun möchte ich bald in Japan, China, Brasilien, oder in Afrika wandern, vielleicht auch Systemreisen, so wie ich das Wanderleben mal vor Jahren plante; systematisch jedes Land, und darin jede Region (Provinz, Bundesstaat) dokumentieren als Backpacker, ganz nah bei Land und Leute.
Entscheidet sich je nachdem was die Sponsoren wünschen, ich bin offen und bereit.

So, ich schreibe jetzt somit recht oft aus dem „Heimatleben“ – dem so wichtigen Gegengewicht zum Wanderleben, lade mich auf mit Sehnsucht und dokumentiere die Zeit, ja Zeit, die ob Wander oder Heimatleben das zentrale Element des Glücks ist.

Der Marsch zieht morgen weiter, ich muss gehen …

… Woanders hin, das „Wunder von Prag“ ist noch nicht geschehen, kein Sponsor/Supporter für mich der die nächsten 6-7 Monate Wanderzeit bis August/September zum finalen Ziel Aleppo oder der Syrischen Grenze kurz zuvor, einigermaßen absichert.
Also dann, den Wanderwagen rein in den Flixbus, der ist nun gebucht, erstmal bis Nürnberg…. bloß nichts überstürzen, das liegt in Deutschland am nächsten, habe dort schon einen Couchsurfing-Gastgeber aufgetrieben.

Der Friedensmarsch zieht morgen wieder weiter, war zwei Tage hier in Prag. Ich war bei den ganzen Aktionen nicht dabei, muss unbedingt meinen Abstand nehmen nach all der Zeit, all den gemeinsamen Kilometern seit Berlin …. zu sehr täte der offizielle Abschied weh, Versuche mich zu überreden weiter zu laufen um so mehr…

Deshalb freue ich mich so zu sehen, (verfolge das Geschehen auf der Facebook Seite vom Civil March for Aleppo) dass wieder ganz viele neue Leute hinzugekommen sind, fühle mich selbst abkömmlicher.

Ja, das wars dann: 310 km von Berlin bis Prag, dieses Expirement, was ich nun als durchaus gelungen abschließen kann. Über drei Wochen dabei, habe Höhen und Tiefen erlebt, gesehen wie die Gruppe wächst, lernt, diskutiert, sich verändert, sich anpasst, schrumpft, kämpft, lebt, liebt und immernoch weit in die Zukunft blickt.

Alle fünf Tage wecheln 60% der Wanderer auf dem Marsch, alle paar Wochen nahezu 80%…. seit Berlin sind nur noch ganz wenige dabei, neue tolle Leute treffen täglich die „alten Hasen“. Einer davon war ich, jetzt klammheimlich wieder in dieser anderen Welt, hier im Hostel abseits des lebendigen Alltags dieses fantastischen Events, diesem Unternehmen der Menschlichkeit.
Zieht weiter, ich danke euch für diese unvergessliche Zeit, verzeiht mir die Feigheit nie Goodbye gesagt zu haben….
Ich folge euch im Herzen weiterhin..

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Ort des Geschehens: Prag, die gemütliche Haupstadt Tschechiens (trotz schlimmen Schmuddelwetters bei minus 2 Grad) wo der Abschied vom Friedensmarsch leichter fällt, die Metropole zerstreut, Sinne und Befinden.

Montag der 16 Januar, schonwieder dunkel draußen, aber hier drinnen im Hostel so gemütlich wärend der Schneeregen Draußen vor die Doppelverglasten Fenster prasselt.
Die letzten müden Euros gib ich nun etwas zu popper aus, esse viel und gut, nach mir die Sintflut. Morgen früh um acht fahre ich im Bus zurück. Ob doch noch der große Sponsor anruft oder eine Mail morgen früh, kurz vorm Start bei Mc Donalds das Schiksal in Richtung Aleppo wendet?
Träume sind Schäume, zumindest jener im Bierkrug vor mir ist echt…. mmmmhh, sooo gut das Bier hier im Nachbarland Tschechien, auf Aleppo, auf den Civil March for Aleppo.

Mann, ist das alles aufregend gewesen 🙂

No money no Walk ….

… Wieder sind so viele Tage vergangen, wieder schreibe ich hier nach zu langer Zeit, verbrachte lieber mit Kati oder Dennis, oder vielen anderen temporären Mitläufern des Friedensmarsches, die Zeit. Eine kalte Zeit, verdammt kalt aber sowas würde mich eher weniger aufhalten.

Acht Monate, ja acht Monate (manchmal machen sechs Monate die Runde) soll der Marsch nun laut neuerer Planung bis zum finalen Ziel dauern.
Vier Monate wollte/könnte ich es schaffen, dank einiger Spenden wäre ich fähig zumal bis Wien zu kommen, also noch drei, vier Wochen weiter durch den strengen Winter, Schritt für Schritt, Meter für Meter…. mal in der Gruppe, mal allein, ganz für mich allein, weil eingepfercht vom Blaulicht und schnittigen, Ninja-artig aussehenden Spezialeinheiten, zieht der grade mal 25 bis 30 Leute zählende Tross für mich viel zu bewacht, zu sehr eingeengt übers Land. Wir sind ja schließlich eine Demo mit weißen Fahnen und frontales Banner, keine Wandertruppe eben.

Ich könnte der Enge ab und zu entfliehen, einfach mal im Zelt draußen im Schnee mein eigenes Ding machen und am nächsten Tag wieder dazustoßen. Nur so würden all die tausend Kilometer wohl auszuhalten sein, auch wenn ich die Truppe so sehr mag, mal mittendrinn zu sein.

Die Schuhe fläddern immer mehr aus, sind nun tagtäglich nass wegen dem Schneematsch. Ich brauche deshalb um so öfter all die Pausen in Kneipen und Cafes längs der Straßen hier in Tchechien, mein kleiner Luxus eben um diese scheußlichen Monate von Kälte, Dunkelheit und Nässe zu überstehen.
Doch so billig das gute, deftige Essen hier auch ist, so bregrenzter das Budget mittlerweile, kein wirklicher Sponsor hat zugesagt, ich wackle, wanke in meinem Selbstbewusstsein, glaube mittlerweile selbst nicht mehr an den ganzen Weg..

Prag, Samstag der 14 Januar. Drei Tage bin ich schon der Gruppe vorrausgelaufen, hatte mich hinter Leitmaritz gelöst um aus dem Polizeikorsett zu lösen, mal allein in der Stille über die böhmischen Dörfer zu ziehen (wie hießen die noch alle?)…. überlege wie ich noch irgendwie jemanden überzeugen könnte, mich zu sponsoren, oder soll ich nur noch bis Prag laufen?

320 km dürfte ich jetzt seit über drei Wochen mit und für den Civil March for Aleppo gegangen sein, gern auch das zehnfache wenn das Schiksal so wollte.
Aber ich spüre dass es jetzt doch Zeit ist wieder Heim zu kehren, versucht hatte ich alles, fast alles. Ein Sponsoring von Meindl, dessen Schuhe ich nun seit 3000 km ununterbrochen trage, wäre realistisch. Bin aber ausgebrannt was all das verdammte Marketing betrifft, will lieber alle Energie ins Wandern stecken, in diesen so strengen Winter, ins Bloggen hier und vielleicht Filme machen…..

Gestern bin ich endlich wieder 40 km gewalkt, war ganz schön heftig, aber nach all den Wochen im 15 bis 20 km Gruppenrythmus mal wieder ganz den alten Wanderleben-Tagen gerecht.
Heute nur 12 km, nach einer 14 Stunden Winter Nacht im Zelt. Gut ausgeschlafen hinein in die 1,3 Millionenstadt Prag, ins „Sir Toby Hostel“ für drei Tage mal.
Kostet nur neun Euro die Nacht im 12-Bettzimmer, ein großes Bier vom Fass: 1 €, ein deftiges tschechisches Essen: 4 bis 6 €.

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Allein in Prag angekommen. Der Fernwanderer braucht mal seine Einsamkeit, so wie hier mitten im Stadtzentrum kurz auf Erkundungstour.

Dredsen – Heidenau – Bad Gottleuba

Schnee, Kälte, und wieder eine „Circel of Power“, diesmal mitten auf dem Altmarkt in der 565.000 Einwohnerstadt Dresden wo gottseidank keine Frauke Petry uns attackiert und überhaupt keine Pöbler irgendwie das Klischee der berüchtigten Ostwut bestätigen konnten… ich bin mal (ganz wie in Brandenburg) echt positiv begeistert.

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Der Freundeskreis diesmal auf dem dresdener Altmarkt, wieder mal richtig groß mit 126 Leuten für die nächste Tagesetappe nach Heidenau, ganze 15 km weiter.

Ganz kurz konnte ich noch am Tag des Abgangs aus Dresden zumindest im Ansatz das kulturelle Gewicht dieser Stadt erahnen, ging früher los um mal die Semperoper und den Zwinger zu sehen.

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Das muss sein: Einmal die Semperoper sehen, dann war ich auch (neben ein Essen im Watzke) wirklich in Dresden.

Die nächsten 15 km nach Heidenau sind auf der Landkarte nicht wirklich der Brüller, ein Vorort der Großstadt Dresden wo für ca 90 von uns ein Nachtlager sicher ist.
Wieder eine Turnhalle (wie sollen auch so viele unterkommen?) wartet auf Schlafsäcke und Suppentöpfe. Heidenau, berüchtigt und rechts (?) begrüßt uns erstmal als kostenlose Unterkunft (die Turnhalle hat Toiletten und Heizung) ja, und dann kamen noch Heidenauer, wollten alles wissen, laufen die ganze belebte Halle ab und verteilen „Vitamine“ Obst für die Winterläufer, wirklich nötig dieser Tage.

Sonntag, 20 Kilometer südlich von Heidenau, kommen wir der Grenze immer näher: Tschechien ist bald angesagt, ich ärgere mich über den WiFi/Internet Entzug zu deutschen Landen und hoffe auf eine offenere Onlinekultur in Tschechien, sitze jetzt ausnahmsweise im Hotel/Gastrohaus Hillig in Bad Gottleuba, grenzläufig zum Ost-Erzgebirge und der sächsichen Schweiz, wo ein WiFi und ……. ein frisch gezapftes vom Fass (Eibauer) schon um 14:25 nach der Ankunft, einfach mal gut tut, auch wenns schon zu früh ist.
Der Schnee sowie der fürchterlich kalte Wind zehren gewaltig an die Kondition aller, und ich könnte wieder unendlich erzählen.
Jetzt trinke ich erstmal und schalte ab.
Der Tag ist mal wieder fast vorbei. Noch 3170 km bis Aleppo…