Noch eine Nacht Draußen.

… Und bald habe ich ein echtes Bett.
So zumindest die Theorie; in 24 Kilometern bin ich endlich wieder in einer Großstadt: Bialystock, die podlachen-Metropole soll mindestens drei Tage Pause verheißen.
Aber die Geschäfte laufen schlecht: Ich bin sauer, mal wieder über „Couchsurfing“ der berüchtigten Gastfreundschafts Plattform im Internet.
Keiner der fünf Leute die ich mühselig während meiner kurzen WiFi Sitzungen in den Cafes der wenigen Kleinstädte meines Weges, angeschrieben habe, antwortet. Das stellte ich genervt gestern in Lapy an meinem Tablet-PC fest.

Alle Mühe und digitale Bettelei vergebens, Freund Georg ruft mich billig über Scype-Telefonie am Straßenrand an und bucht mir ein Bett im „Podlasie Hostel“ für sieben Euro (25 Zloty) die Nacht im 8-Bett Zimmer.
Das tut jetzt echt gut, gerade jetzt da die Straße nun wirklich schlimm geworden ist; 20 Kilometer ohne Seitenstreifen im Dauerwettkampf um jeden Zentimeter mit den 40 Tonnern. Nieselregen, ätzend kalter Wind und atemberaubende Überholmanöver die mich oft fluchtartig ins Gebüsch abseits der Höllenstraße flüchten lassen.

Aber ausgeruht bin ich gut; die Nacht auf der Wiese war lang und kuschelig genug. (Bild) Die letzten 24 Kilometer nach Bialystock sollen noch deftig Kraft verlangen….

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Ein Bett in Lapy?

Oder wenigstens eine Garage….
Dort würde ich gern mal sowas wie ein festes Dach über mich haben wollen.
Zelten ist wunderbar, aber diese ewige Nasskälte, alles trieft und manchmal bleiben die Finger stundenlang eiskalt… da nützen auch die klammen Handschuhe nix…
Lapy wäre der nächste größere Ort, also schon eine Stadt mit 16.000 Einwohnern wo es vielleicht klappt dass mich jemand aufnimmt…
Interessant: die ersten Kilometer durch podlachisches Gebiet sind dann schon ml ganz anders als gedacht von Polens ärmster Region: Perfekte Straßen, jetzt auch teils mit neuen Leitplanken erstecken sich mir unter den Sohlen. Was das so reiche Masowien nicht bekommt, sahnt das arme, bäuerliche Podlachien um so mehr ab, was die EU – Fördertöpfe zur Sanierung rückständiger Regionen ausschütten.
Während Masowien selbst seine abseits gelegenen Landstraßen notdürftig flicken muss, bekommen die podlachischen Bauern feinsten Asphalt und damit nicht genug, super Konditionen machen das Häuserbauen hier Polenweit am billigsten; somit staune ich von Dorf zu Dorf über solch prächtige Neubauten wie sie in den „reichen“ Gegenden (Großpolen, Masowien) nicht oft gibt. Dort hatte ich ja schon über die oft halbfertigen Landhäuser die unverputzt geziegelt ein Bild wie aus Rumänien bieten.
Ganz anders hier in Podlachien, wo ich bisher die höchste Dichte an schiken Neubauten bestaunen kann.
Ok, sicher liegt das an den wohl sehr billigen Grundstücken hier, denn die Dörfer haben Not und Bange sich langfristig aufzulösen. Auch hier, und ganz besonders hier, steht die Gesellschaft vor ein nahezu unlösbares Problem der Überalterung.

In Lapy angekommen, mekrt man davon erstmal nicht so viel, die kleine Stadt wirkt geschäftig, überall gibts gutaussehende, junge Leute, oft etwas lapidar in Trainingsanzügen unterwegs, zu sehen.
Auch an den „Skleps“ den oft winzigen Läden mit rostigen Gittern meist nie einladend, wo die Aufschrift „Alkohole“ das schmale Sortiment entscheident ergänzt; dort lungert oft die arbeitlose Jugend herum, findet offenbar das kaputte Pflaster mit all seinen Pfützen attraktiver als die Wohnung nebenan im Plattenbau der 50er Jahre, die wohl geteilt mit Mama und Papa zu eng sind.
Aber auch viele Alte ersaufen ihre Langeweile mit dem was hier an jeder Ecke billig zu haben ist: Wodka und Bier, ein Lebenselexier woran ich mich in Richtung Osten immer mehr gewöhnen muss…

Bild: Wohl das Wahrzeichen von Lapy (16.000 Einwohner): Diese Kirche gleich am Ortseingang. Sakrale Neubauten sind ein spezielles polnisches Phänomen, da seit der Wende in den 90er Jahren überall gewaltige Betonkreationen im Auftrag des lieben Gottes, hochgezogen wurden.

Kontakte aber schaffe ich hier mangels Polnischkentnisse keine zu knüpfen. In zwei Lokalen bettel ich etwas um Obdach, hab aber das Gefühl mann verstehe nicht wirklich was ich so will, der Wanderwagen gibt zudem Rätsel auf, und ich bekomme lediglich eine Telefonummer von einer Zimmervermietung.
Also raus aus dem Ort duchs Nieselwetter, Proviant im Sklep aufgefüllt und zwei Kilometer weiter baue ich das nasse Zelt unter einer Kiefer auf einer einsamen Wiese.

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Masowien, eines der Herzen Polens.

… Nachträglich noch ein kleiner Bericht über das Land Masowien, was ich zuvor durchquert habe und wegen meines Talents hier keine Galerien erstellen zu können bisher versäumt hatte zu beschreiben; so groß wie Nordrhein Westfalen liegt dieses Herzland inmitten Polens als Heimaterde der Hauptstadt Warschau.
Wobei mit 35.000 Quadratkilometer sogar noch größer als Belgien hat dieses Masowien gerade mal die Hälfte der Einwohner, mit 5,6 Mio aber wiederum die Bevölkerungsstärkste Woiwodschaft (so heißen die polnischen Bundesländer) im Lande, die natürlich zur Hälfte in und um Warschau siedelt. Tendenz: Steigend, da hier im ganzen Land das meiste Geld verdient wird, die Metropole wie ein Monolit inmitten dieser ländlichen Weiten eine gewaltige Strahlkraft aufs übrige Volk ausübt, – gleich doppelt so hoch die Gehälter hier sind als noch im 200 km entfernten Lodsch, der alten Textil-Metropole.

So ist es eben mit den Hauptstädten (abgesehen vom armen Berlin) in der Welt, und Masowien lebt nahezu komplett als Heimadresse Warschaus.
Außen vor, wie ich ja schon berichtet hatte, sieht die Sache nicht ganz so glänzend aus; der ländliche Schlendrian schüttelt mit Schlaglöchern den Wanderwagen gründlich durch, halbfertige Billighäuser prägen sich als Markenzeichen für die Gegend ein, auch wenns um Lodsch bis hinter Poznan noch schlimmer aussehen mochte, um so komischer wird es weiter östlich, da wo das Ramsch-Vorort Warschau endet und die Masowische Osthälfte eigentlich schlimmeres vermuten lassen würde; mittelmäßig leben die Kommunen hier rund um die 22.000 Einwohnerstadt Ostrow im wirtschaftlichen Windschatten der fernen Metropole.
In Ostrow finde ich nur ein einziges Cafe zum Rückzug vor Wind und Regen bei lausigen plus dei Graden. Kaum Industrie, wohl nur die Überweisungen aus der Hauptstadt die sichtlich müde ihre Kraft bis hier hinschafft.
Mein Weg, vorbei an abgestürzten Lastwagen (Bild) zeigt mir unterschiedliche Landschaften Masowiens; von braunen Weiden in schneefreier Nachwinterruhe, bewachsen von schönen Kiefern die hier den Sandboden mit den Birken teilen, aber darauf eben nie wirklich groß werden.
Entweder weil der Boden zu karg oder die Menschen zu gierig ihrem Holz trachten; überall frische Baumstümpfe. Motorsägen höre ich beständig aus den weiten Wäldern am Horizont.
Bis hinter Warschau die Kiefern seltener werden, Erlen als Sumpfbäume das Landschaftsbild prägen, immer wieder Birken und Eschen, letztere viel kleiner als bei uns in Deutschland, weil das hier mittlerweile dominierende Kontinentalklima keinen Baum wirklich groß werden lässt. Außer die Eichen, aber da waren die Bauern oft mit Axt und Säge all die Jahrhunderte so schändlich am Werk…. kaum alte Baumriesen haben das Gemetzel der letzten 800 Jahre überlebt. Kaum ein Baum ist wirklich alt hier.
Auch die Äcker sind eher sandig, der Boden hell aber es reicht für eine Ernte sowie reichlich Viechzeug; Rinder sind hier zu Millionen Zuhause, ein Dorf nach dem anderen reit sich meiner „Via Terrestris“ dem Weltweg unter den Rädern meines Wanderwagens. Trist und grau ist es, aber das liegt wohl an der Jahreszeit.
Wie schön muss es wohl im Sommer hier sein?

Klatschnass aber gemütlich…

Ja, zwar hatte ich schonmal darüber geschrieben, aber es ist faszinierend dank einer so tollen Ausrüstung einfach perfekt, warm, kuschelig und weich zu schlafen in der Wildnis.

Der Regen ist da nicht so schlimm, die Zeltplane wird nur von Außen nass, die Tropfen perlen geräuschvoll ab, doch insgeheim macht sich die Nässe auf ganz anderen Wegen fast überall hin; Kondenz als Morgentau überzieht jeden Mikrometer meines Außen und Innenzeltes (Das Zelt besteht eben deshalb aus zwei Teilen) – lediglich von Innen, also mein Schlafgemach bleibt eben trocken.

Beim Einpacken des Lagers packe ich somit eine klatschnasse Zeltplane in den Sack, hab natürlich keine Chance die im Morgendunst um den Gefrierpunkt irgendwie zu trocknen.
Manchmal ist es kälter, und der Tau erstarrt zu hauchdünnen Schuppen oder Eisblumen, die ich einigermaßen vom Zelt schlagen kann, indem ich die Plane kräftig ausschüttel.

Doch nass bleibt nass, spätestens wenn es über fünf Grad steigt, dann leidet das Zelt eingequetscht in seinem Schlauch die nächsten 30 Kilometer bis es endlich wieder atmen kann. Dann ziehe ich die Stangen durch das nasse Etwas und der Inneraum atmet schnell seine Feuchte aus; Schlafsäcke und Daunenmatten betten sich rocken und sicher in die „Villa Wanderleben“.

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Grau in Grau, der Himmel über Podlachien…

… aber Sonne im Herzen.

So sollte es sein, ist es auch. Aber mit der Zeit verbrauchen sich die Energien des Lichts bei all den Tagen im nasskalten Wind, ob von Osten oder Westen, egal der ist immer (Arsch)kalt und oft auch noch feucht/nass.

Endlich mal, an diesem Morgen glaub ich es kaum: Verhaltene Sonnenstrahlen sollen das sein, im Versuch die schlecht gelaunten Nebelbänke über den Baumwipfeln zu durchdringen, das graue, fade Land daran zu erinnern das es noch ein anderes Licht gibt.

Podlachien, als der „ferne Osten“ Polens bekannt, darbt um den 10 März noch immer in einem leblosen Wintermuff, zwar nicht mehr starr vor Eiskälte, aber pampig, klebrig in einem Braun-Grünlich-Grau Einerlei, bei nasskaltem Wind, der  die Zweige von Erlen und Birken durchbläst, die immernoch nicht im Geringsten den Anschein einer (Vor)frühlings Knospe zeigen wollen.

Lediglich, aber auch nur lediglich erinnert der fast schon kindlich, lebendige Gesang einiger kleiner Vögel dass bald neues Leben blüht…

Abwarten heißt es hier jenseits der Weichsel, 150 Kilometer hinter Warschau; der Winter dauert hier einen Monat länger als weiter westlich, der März bringt in Ostpolen immernoch Kälte, viel Nässe und jede Menge Ungeduld auf den ersehnten Frühling zum April.

(Bild: Ein Hauch Sonne im Morgennebel um 7:30 Uhr, bevor der wieder den ganzen Tag ins Dauergrau verbannt)

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Gefangen im Zelt…

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Gefangen im Wald.
Oh je, seit heut Nacht um drei prasselt heftig der Regen, mittlerweile wieder hell draußen, überlege ich jetzt hin und her was ich machen soll; abwarten oder das Lager abbauen, allerdings von innen um letztlich mit den abschließenden Handgriffen alles Wetterfest unter der Plastikplane im Wanderwagen zu packen, mich selbst unter dem Regencape gesichert…

Momentan nutze ich ja die tolle offline Funktion von WordPress, kann also fern jeglicher www-Zugänge (Ferner als hier geht ja auch nicht) meine Abenteuer hier als Entwurf speichern und hoffentlich im nächsten Städtchen (Wysokie Mazowiekie) mit einem Klick veröffentlichen. – Sofern es dort irgendwo ein WiFi gibt.

Aber wovon träume ich …?  Gerade erstmal über die Grenze zur nächsten Region, hänge ich nun bei absolut ätzenden Niederschlag in Podlachien fest. Ja, Podlachien (auf Polnisch: Podlaskie) heißt diese neue und auf meinem Weg durch Polen auch letzte Region, zwar nicht wirklich nach paradiesischen Urlaubsträumen klingend, aber interessant; mit riesigen Sumpfgebieten, Urwäldern und der Grenzlage zu Weißrussland, sowie Litauen, eine letzte, spannende Station auf dieser insgesamt 870 km langen Polen-Wanderung.

Dazu erzähle ich gern später mehr, muss jetzt nur mal zusehen wie’s überhaupt weitergeht im Podlachien Abenteuer…. ich schreibe gemütlich liegend im trockenen Zelt, kuschelig all die Daunenpolster der Schlafsäcke um mich und muss gleich raus da…. noch heftiger prasselt’s nun, …Zeit noch zum ausgiebigen rasieren, Katzenwäsche was möglich ist…und ..uff, aufstehen und jaja, ich muss auch mal dick genervter Blick … bis gleich mal… oh jeee..

Sooooooo, wieder da. Was für ein Akt; Da ein Zelt nun mal kein Wohnmobil ist, sind auch bei Unwetter jegliche Toilettengänge Draußen von Nöten, und das im wahrsten Wortsinn. Wobei andersrum die Sache draußen im Walde irgendwie hygienischer von Statten geht; die ollen Kloschüsseln, wo auch immer, finde ich oft schlimmer als jegliche Gänge in freier Natur. …. Auch wenns regnet.

(Bild: inmitten endloser Felder steuere ich den einzigen Wald weit und breit an. Um 17 Uhr solls nach 35 km schluss sein mit dem Wandern)

Lost in Masovia…

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Krass, ca 100 Meter weit bin ich vom Kilometerlangen Sandpfad in den Wald hinein umd das Zeltlager dort sicher und geschützt zu errichten.
Alles gut, die Nacht war echt ruhig, völlig Wildscheinfrei, einfach garnichts hat gestört.
Der Wald meinte es so gut mit mir, dass er mich fast garnicht mehr gehen lässt…. nach dem Frühstück und der Katzenwäsche ziehe ich vergeblich und nochmals vergeblich dem Sandpfad entgegen.
200 Meter muss ich schon gegangen sein doch nichts in Sicht, nur Bäume….ohne Ende..

Ich gucke hoch: Baumwipfel, der Wald dreht sich, es gibt keine Richtung mehr, links, rechts alles spielt plötzlich keine Rolle mehr. Ja ich vergesse sogar wo ich gerade her gekommen bin…hallo?

Ruhe bewahren und überlegen.

Den über 30 Kilo schweren Wanderwagen pflüge ich schwerfällig durch das weiche, tiefe Moos, lasse den mal zurück und hänge meine Signalweste daran (die brauche ich auf den Verkehrsreichen Hauptstraßen) – jetzt sehe ich denn immer und verliere ihn nicht aus dem Blick, entferne mich im Umkreis von ca 150 Metern um diesen verdammten Weg wiederzufinden von dem ich gestern gekommen bin.

Uff, ein Glück… aufeinmal taucht er auf…im wirren Einerlei von Millionen, dünnen Waldkiefern….

Das lehrt mich mal besser aufzupassen wenns in tiefe Wälder geht…

Ostrow heißt die Stadt in der ich das jetzt poste, ca fünf Kilometer vom verwunschenen Wald entfernt, gönne mir einen Cappuccino und muss dringend Couchsurfing verwalten; in drei Tagen will ich Bialystok erreichen, die nächste und einzige Großstadt. Dort will ich aber nicht unter Bäume sondern bei Einheimischen unterkommen.

(Bild: Ratlos im polnischen Wald….)

Masowische Weiten ohne jedes WiFi…

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Och wie schrecklich: Heute braucht der moderne durchschnitts – Weltwanderer drei Sachen: Wasser, Brot und ein gutes WiFi… sonst kommt er sich ganz schnell als das vor, wie die meisten ihn ohnehin sehen; friedlich, allein (aber nie einsam) und Weltvergessen durch die Lande ziehend.
Soll ja auch irgendwo stimmen, aber mit den Tagen stauen sich die Gedanken, die Eindrücke und Verlangen seine Lieben zu kontaktieren… auch in den ödesten Weiten von Landstrichen die Masowien heißen.
Hier gibt es nähmlich rein garnichts, lediglich viele „Skleb“ jene Tante Emma Läden die oft von außen aussehen wie Garagen mit zwielichtigem Ver/Betrieb.
Aber super billig gibts da das Nötigste zu Essen für mich und vor allem Alkohol, in rauen Mengen überall zu haben. Somit sind meine täglichen zwei Fläschchen Bier auch gesichert.

Bei all der Einöde waren die letzten dei Tage echt erlebnisreich, gute Landkarten helfen mir meist fern der Hauptstraßen recht idyllisch meine Kilometer zu machen, und wieder ist es diese Lust mit den bloßen Füßen in all den Weiten zu bestehen.
Kontakte sind leider Mangelwahre hier in den Dörfern. Die Leute sprechen kaum oder wenig Englisch, Polnisch lerne ich nur sehr zögerlich. Und zudem sind die Bewohner im „Hinterland“ – wie es östlich von Warschau im Rest der Landes heißt, sehr reserviert.
Couchsurfing klappt allein mangels Internetzugang schonmal schwierig, und entlang der kleinen Städtchen meines Weges finde ich kaum Leute die dort angemeldet sind. Lediglich Bildlose Karteileichen kann ich ohne Aussicht auf Antwort anscheiben.
Jaja, zudem muss ich noch viel üben mit all dem hier. Meine Website ist nun zur professionellen Wortpress Nummer erwachsen. Ganz unabhängig vom Internetzugang kann ich jetzt sogar Sachen scheiben und diese speichern, später, irgendwann wenn ich endlich mal ein WiFi ergattere, das dann mit einem Knopfdruck posten. Juhu !!!

Nur üben muss ich noch, z.B. Abends im Zelt, wenn ich tief im Wald meine haarstäubenden Geschichten zu notieren weiß, und diese auch korrekt speichere ohne sie gleich aus Versehen zu löschen.
Alles Neuland, genau wie dieses „Masowien“ was momentan die Region ist welche ich durchziehe und kennenlerne.

Vier Tage ohne Internet also. Und warum? Siehe die Bilder; Wälder, Dörfer (aber so gesichtslos) und Wettermäßig dermaßen in Grau getönte Landstriche, dass dem Fotografenherz gründlich die Lust vergeht zu blühen.

Blühen, ein gutes Wort…. jetzt zum Frühlingsanfang liegt das ganze Land hier noch völlig in starrer Kälteruhe, ich sehe nirgends selbst erste Knospen die an sowas wie Vorfrühling erinnern.
Wobei dieses Land Masowien eigentlich noch kälter für diese Zeit sein sollte (es lege der Klimawandel lach) halten sich die plus zwei, drei Grad bei konstanten Dauergrau schon bereits über Wochen.
Eine wirklich herbe Umgebung die auch wirklich nur mit so frischer Wander – Wut als herbschöne Sache empfunden sein will.

Es ist dieser spezielle Alltag den ich so liebe: Wandern, immer gehen und gehen, mal eine Kirche gucken mal mit Besoffenen in den Dörfern spaßen und wieder wandern…. dann sich auf den „Feierabend“ freuen. Die Beine tuen schon „positiv weh“… die Füße bekommen ihre Waschung mit Mineralwasser aus der Plastikflasche und Seife.
Das Zelt brauch seine 40 Minuten (!) bis wirklich alles fertig ist und mein Himmelbett unter Kiefern im tiefen Wald steht.
Zeit fürs Bier, Zeit fürs (kalte) Buffet a la Wanderleben: Kartoffelsalat, Sahne Heringe und reichlich Brot, abgegriffen irgendwann zuvor im „Sklep“ und wenns mal etwas Luxus sein darf, saure Gurken eingelegt aus den schweren Glas kann ich dank Wanderwagen ohne Weiteres mitnehmen.

So groß wie Hamburg…

… ist diese Stadt.
Aber auch so schön?
Im Innern sicherlich nicht, wohl stolz, touristisch und ja, Hauptstädtisch durch und durch.
Doch außerhalb, wenn ich die Boulevards stadtaußwärts entlang ziehe, verramscht die stolze Metropole zum little Bombay; Trampelpfade und festgetretendes, bloßes Erdreich mit riesen Pfützen ersetzen die Bürgersteige.
Warschau nach Osten hin raus sieht wirklich dramatisch aus, zieht sich satte 25 km mittels nathlose, gesichtlose Vororte die wie ein gewaltiger Flohmarkt, bunt aber verloren wirken.
Zwischen Schlaglöcher und urbaner Strauchlandschaft wachsen blitzblank die neuen Arpartments aus dem matschigen Baustellen-Allerlei, soll erinnern das wir hier noch in einer (Welt)Metropole sind und sich wohl noch einiges tut; ich kanns nicht lassen, aber Zahlen und Fakten liegen mir; 690 Quadratkilometer mißt dieses Stadtgeflecht mit und um Warschau, also so groß wie Hamburg zum Vergleich (700 km2) worauf sich 2.270 Mio Menschen verteilen (Hamburg + Vororte = 2,1 Mio) allerdings mit einem Drittel der Wirtschaftskraft zur deutschen Hansestadt.

Heute will ich es mal schaffen aus dem urbanen Schlamassel hinaus zu kommen, bis weit hinter dem letzten Vorort Wolomin bis ins Grasland der Masovischen Weiten.

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Genug Metropole …

Erst Berlin, dann Warszawa (so heißt Warschau auf Polnisch) was ich heute nun verlasse. Endlich, wobei auch so ein komischer Wehmut dabei ist; diese freundliche Stadt, mit diesem fantastischen Oki-Doki Hostel wo der Wanderwagen die letzten zweieinhalb Monate Obdach fand.
Gestern war ich noch viel unterwegs, teils in Warschau – einfach nur so, teils im ewigen Internet: Couchsurfing machen, Profile/Leute finden in all den Orten der nächsten Tage auf dem Weg nach Osten…. Facebook auf meine neue Website einstellen, Scype einrichten (die Nerven lagen blank, nix hat funktioniert) um mit Mama möglichst oft in Kontakt zu bleiben.
Und so weiter ……………..

So, Aufregung und viel Energie an diesem Morgen lassen mich schon kurz vor neun starten. 20 Zloty „Tip“ muss ich mir einfach aus den Rippen schneiden, für die Kaffeekasse des Oki-Doki Hostels und auf gehts.

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Bild: Groooooßes Warschau: Kilometer zieht sich der Weg hinaus nach Osten durch die Millionenstadt, z.B. über Hochstraßen die brückenartig bis weit über die Weichsel auf die andere Seite führen. Der Wanderwagen läuft wie geschmiert; nach all der Zeit der Trennung, kommt zusammen was zusammen gehört.