Warschauer Frühling…

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Tja, so sieht es erstmal aus, sechs Stunden später nachdem ich mit Serge (einem Bekannten) im sonnigen Berlin gestartet bin. Finstere Nasskälte hat Warschau eisenhart im Griff.
Ich atme die feutkalte Luft tief durch, freue mich erstmal nachhaltig über den kostenlosen Lift die letzten 600 km, – sparen eben wo es nur geht…. und viel, viel quasseln inklusive. Das verkürzt die lange Zeit im Auto.

Etwas benommen verabschiede ich mich von Serge, den ich morgen wiedertreffe zum Essen. Finde instinktiv dieses Hostel im schimmernden Nachtlicht der nebeligen Großstadt, wo seit zweieinhalb Monaten mein Wanderwagen zwischengeparkt in einem Dachboden wartet… jetzt kommt wieder zusammen was zusammen gehört.

Auch wenn das Mädel an der Rezeption nicht davon weiß, bleibe ich sowas von gelassen, zahle erstmal die 80 Zloty (20€) für diese ersten zwei Nächte in der Stadt.

Ein Vierbettzimmer, rote Wände, weiche Betten. Ich allein.

Bier vom Fass und Mac Donalds in Toplage mit Blick auf den alten Kulturpalast (Bild) … 2000 Kalorien für die Nacht.

Ich bin total müde….

(Warschau, – 2.270.000 Einwohner )

 

Berlin ist so gut zu mir…

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…Oder mein Freund Jürgen?
Der ist nähmlich mein ganz großer Retter auf all den Pfaden der digitalen Welt, jenem Universum virtueller Realitäten das mir einfach so fern ist.
Ferner als die hintersten Berge jenseits von Sibirien…

Aber geschafft. Fast geschafft: Nach langer Arbeit kann ich nun stolz berichten, dass mein neues Aushängeschild fertig ist. Ja, die Website www.wanderleben.com hat ein neues Kleid, mühselig geschneidert von meinem großartigen Helfer der mich fünf Tage bei sich aufnimmt. Zeit die nötig war und ist; nahezu alles was ich die letzten vier Jahre geschrieben und gepostet hatte, musste rüber nach „WordPress“, einer neuen, viel modernern Plattform für Websites.

Das krasse ist, das Jürgen nahezu alles allein gestemmt hat weil mein Informatik -Supertalent gerade mal fürs Bedienen der Taschenrechnerfunktion reicht; Nerven hatte er reichlich lassen müssen deswegen, aber nach einem entspannten Gang über dem Kudamm sah die Sache schon wieder viel besser aus. (Bild)

Und überhaupt: Berlin ist meine Wahlheimat. Hier habe ich neben Jürgen noch weitere gute Freunde, und komme so oft wieder wie es das Wanderleben erlaubt…

Jaja, wobei noch einiges nicht fertig ist, viele alte Beiträge in meiner Seite noch aufwändig bearbeitet werden müssen, starte ich am Dienstag endlich wieder nach Warschau. Weitermachen mit dem Weg Richtung Osten…. Das Russlandvisum ist in Arbeit, die neue Website fremdelt mir noch entgegen, Ich werde erst langsam damit fertig, muss mich in die Materie hineinarbeiten.

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (03.12.2015) Stadt: Warschau.

Hostel Feeling pur: Musik, knallige Farben, Bier vom Fass alles billig und viele Traveler aus aller Welt. Im “Oki-Doki Hostel” fand ich auch eine sichere Bleibe für den Wanderwagen bis spätetstens März, wenns von hier wieder weiter geht….. heute hab ich noch bis 16:00 Uhr Zeit, dann geht der Bus nach DORTMUND… ab nach Hause in den “Heimaturlaub”.

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (02.12.2015) Stadt: Warschau.

Ein Denkmahl für die Geste: Willys Kniefall war tatsächlich einer der wichtigsten Schritte zur Versöhnung, nicht zur Vergebung. Sowas kann nie vergeben werden, aber wir lernten in diesem neuen, vereinten Europa erneut das Zusammenleben. Eine historisch prägende Lehre, sollte man meinen. Aber schauen wir in die Gegenwart sehen wir wieder Dinge die so nicht sein dürfen: Hat Israel nicht selbst ein Gedächtniss zur kontrolle des eigenen Handelns? Oder warum sei es in Jerusalem legitim mit der totalen Abschottung des Gazastreifens ein ähnliches Verhalten zu zeigen? Einen 360 Quadratkilometer (kleinen) Landstrich mit 1.933 Mio Palästinensern in das größte Freiluftgefängniss zu verwandeln, nahezu ausgehungert ohne eine Chance zur Flucht den Menschen die Hölle zu bereiten…. auch wenn Gaza keinesfalls mit dem Warschauer Ghetto zu vergleichen ist, sehe ich eine so beängstigende Analogie, eine Wiederholung, wenn auch im Ansatz – zur Bewältigung eines alten Traumas…. so drängt es mir nahezu auf. Antisemitismus sieht klar anders aus. Israel-Kritik jedoch nicht, eben, weil man auch nicht vergessen darf, dass es sehr viele Israelis genauso sehen wie ich.

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (02.12.2015) Stadt: Warschau.

Viele Sachen die hier zusammenkommen; Geschichte ohne Ende ist auch hier der Berg auf dem ich sitze. Warschau ist nicht wirklich alt, zumindest nicht im Vergleich zu anderen Städten, besteht seit dem Hochmittelalter, war und ist Jahrhunderte lang Hauptstadt Polens, was auch dramatische Aufmerksamkeit brachte. 1941 war es hier schlimmer als in den größten Slums Indiens als die deutsche Besatzung 450.000 Juden auf gerade mal 3,1 Quadratkilometer einpferchte, diese teils aushungern ließ, mit täglichen tötungsaktionen auf offener Straße. Diesem finalen Abgrund menschlichen Handelns ist bis heute dieses schwarze Mahnmal gewidmet, etwas außerhalb der Altstadt gelegen neben dem großen jüdischen Museum. Ein unglaublicher Ort, beklemmend wie faszinierend, da einst vor genau 45 Jahren Bundeskanzler Willy Brandt hier auf den Stufen, den berühmten Kniefall von Warschau vollbrachte.

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (02.12.2015) Stadt: Warschau.

Oh jeee, ich schleuder mit meinem Kleingeld um mich, aber am fast letzten Tag im Lande, erlaube ich mir das. Ca. 30 Euro sind übrig, und davon kann ich mir z.B noch den “Bigos” leisten, den typisch polnischen Sauerkraut, mit Schweinsbraten, Waldpilzen, abgeschmeckt mit polnischen Rotwein für 34 Zloty (8€)

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (02.12.2015) Stadt: Warschau.

Und so sehen sie aus, die Pierogis. Die einfachste Form bestelle ich mal; gefüllt mit Schweinshack, einfach mit heißer Butter serviert ein kleiner, polnischer Bauernschmaus, der aber richtig satt macht. Deftig, einfach und güstig; für 20 Zloty (5€) zu haben, und das in der eher teuren Altstadt von Warschau (!)

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (02.12.2015) Stadt: Warschau ……………… ( 2.270.000 Einwohner )

Jetzt gibts Saures mit dem Nudelholz…. oder einfach nur “Pierogis” eine Nationalspeise in Polen; Teigtaschen mit alles Mögliche an Füllung bekommt man in Warschau neben Mc Donalds und Subway immernoch viel.Ähnlich der deutschen Küche sind die Leckereien in Polen deftig und gut. Außerdem kann ich das alles noch bezahlen; anders als noch in Italien oder Griechenland zahle ich hier ca 5 Euro und bin polnisch-satt.

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (02.12.2015) Stadt: Warschau …………….( 2.270.000 Einwohner )

Immer noch das Wahrzeichen der Metropole; der Kulturpalast von 1955, noch aus finsteren Zeiten des Sozialismus als optisches Bollwerk seiner Zeit errichtet. Lange Zeit war es sogar verboten etwas Höheres in der Stadt zu bauen. Das hat sich mittlerweile geändert; schon sind Pläne konkret für das Orbis Plaza, 315 Meter hoch mit 72 Stockwerke…. nicht weit daneben. Naja, für saftige 20 Zloty (5€) durfte ich da hinauf um über die Stadt zu blicken, 114 Meter hoch ragt der Sandstein bis zu den hohen Gewölben hoch über der Stadt, und noch viel weiter als eine Art Uhrturm mit langer, langer Antenne obendrauf. Die “Stalintorte” wie das Ding seit je her von den Warschauern genannt wird, war nicht immer akzeptiert, war eher ein Primat der komplexen Integration des Sozialismus in Polen, was wieder und wieder beherrscht von eben solchen Fremdmächten immer nach eigener Identität rang. Heute, so glaube ich, spiegelt sich das Verständnis zur eigenen Überwindung zwischen den politischen Kulturen in den dicken Sandsteinmauern der Stalintorte wieder; Polen und besonders Warschau empfinden sich heute als historisch vielfältig, und mehrdeutig in seiner gegenwärtigen Identität; pluralistisch nennt man solche Gesellschaftsempfinden, so wie etwa bei uns in Deutschland schon seit den 68ern. Doch neuerdings droht diese freiheitliche Identität einem neuen, agressiven Nationalismus zu weichen…

Viva Polonia – 800 km zu Fuß durch Polen (02.12.2015) Stadt: Warschau …………………….( 2.270.000 Einwohner )

Modernes Warschau: Der Blick aus 114 Metern Höhe über die wachsende Stadt; gleich gegenüber der 192 Meter hohe “Zlota 44”,gerade frisch fertig in den Himmel geschraubt, aber etwas rechts im Hintergrund wächst schon die Konkurrenz 220 Meter in die Luft; der “Warsaw Spire” wäre dann das zweithöchste Bauwerk der Stadt, – wenn man die Antenne des 60 Jahre alten Kulturpalastes mitrechnet (232 m) was noch immer die Nummer eins der (neuen Wolkenkratzer)Stadt Warschau ist.