Noch ist es fürchterlich kalt, Anfang März hier in den Bergen Aragoniens, der nun vorletzten Region die ich nun in Spanien erreicht habe. Lausige 0 Grad sind es hier über Nacht, Frost liegt auf dem Zelt, der Wanderwagen ist ohne Räder,  die montiere ich beim wild – Campen immer ab, damit er sich nicht ohne weiteres selbstständig macht….

Diesmal finde ich mein Nachtlager in den Kalkbergen bei Catalayud, einer Kleinstadt 250 Kilometer weit von Madrid und somit gut zwei Bus-Stunden entfernt.  Keine 20 Minuten gehe ich aus dem Ort und finde mich in einer recht wilden, verlassenen Gegend wider auf dessen kargen Böden nur kurzes Gras und duftende Kräuter gedeihen.  Auf einem Terassenartigen Versprung zwischen den Bergflanken genieße ich eine wunderbar ruhige Nacht. Schön warm dank meiner drei Schlafsäcke bleibt es auch über Nacht.

Einer von Millionen…..

….will man wohl meinen, einer der für mich da ist in dieser Stadt und mir für die Zeit hier ein Bett + Frühstück spendet.
Francisco lebt schon 25 Jahre im bunten Studenten und Migrantenviertel Lavapies, im Süden der Madrider Innenstadt,  voller lebendiger Kneipen, so ein bißchen das Kreuzberg/Kreuzköln Madrids, wo ein Bier vom Fass auch mal 1, 50 € kostet….

Eine schöne Zeit war es, und diesmal sogar völlig Alkoholfrei (ich muss aufpassen) was mir wirklichen mal gut tut…

Bye Madrid, es geht weiter nun nach Osten in die vorletzte Region meiner Spanienerkundung: Nach Aragon, dem unbekannten Land am Ebro….

MADRID, …. im Zentrum des Iberischen Mini-Kontinents…

Da hat sich mich wieder, die erst so garstige Stadt im Herzen dieser riesigen Landmasse Spanischer Länder,  die zusammen dieses so fragile “Spanien” ausmachen.
Fragil, so war und ist es auch woanders in diesen Breiten;  so schief wie noch kürzlich die Bilanzen der Banken im Lande waren,  so schief stehen auch ihrer Türme, zumindest in symbolischer Relation, im Epizentrum Madrid, wo alle Fäden dieser eigenen, spanischen Welt zusammenlaufen.
Man spürt es hier auf Schritt und Tritt,  sowie im übrigen Land; alles und jeder redet über diese Hauptstadt, die fern jeder Küste so weit im Landesinneren liegt, mit 4,6 Millionen Einwohner (incl. Innere Vororte) noch etwas größer als Berlin ist und dank der Kriese (…) eigentlich garnicht so teuer daherkommt. 
Madrid ist im Vergleich zu London, Paris und Moskau eher eine mittelmäßige Metropole,  einigermaßen überschaubar und einigermaßen freundlich….

Zudem befinde ich mich nun auch in der Region Nr. 15, von insgesamt 17 im ganzen Land; auf über 8000 Quadratkilometer erstreckt sich der Stadtstaat Madrid inklusive Ackerland und 2300 Meter hohe Berge im Norden, auf ein Abwechslungsreiches, ausgedehntes Areal; im fürchterlich heißen Sommer, flüchten die Bewohner gern in die kühlen Berge, die so hoch wie die deutschen Alpen, schon einen gewissen Ausgleich zur Meerferne schaffen.

Madrid ist ein Gemisch aller Kulturen das Landes, die junge Hauptstraße zog seit je her die Menschen aus allen Teilen dieses so vielfältigen Landes an, sodass es auch schwer ist zu lokalisieren,  was hier Ortstypisch auf dem Tisch kommt… sicher ist wohl dieser “Madrilienische” Tapa, bestehend aus ein Stück Brot, Kartoffelkuchen sowie etwas Pansen…. letzterer ist aber (ich habe zwei Stückchen “geschafft”) entsetzlich schleimig und sogar noch eklig faserig…. (soviel zu meinem Geschmack)
– Eine eher typisch Kastilische Speise, in jener Region Madrid ja auch liegt.

Toledo…. kurz wieder in der Provinz.

Noch im Dunkeln, was ich eigentlich überhaupt nicht mag, suchte ich mir abseits der Altstadt von Toledo, einen Platz fürs Zelt. Zum Glück fand ich schnell im Schein eines kräftigen Mondes, was geeignetes und schlief wieder in wilder Natur…. verdaute das ganze Theater von Madrid, und beschloss meinen Plan zu ändern,  nicht wieder nach Madrid zurück zu kehren, nicht schonwieder in diesen Höllenort…
Doch alsbald erfuhr ich dass es einfach nicht an die Hauptstadt vorbeigeht; alle Wege gehen über Madrid,  es sei denn ich will genau nach Süden,  doch da war ich ja schon und überlege wie ich ohne Madrid nach Aragon komme, der vorletzten Region meines Spanienabenteuers, weiter im Osten….
Toledo war auch mal Hauptstadt Spaniens, ist jetzt aber nur noch ein riesengroßes Freilichtmuseum und noch Hauptstadt, immerhin von der Kastillia Mancha, einer weiteren Region im Zentrum des Landes wo ich nun auch war. (Siehe Bild)

So stellte ich mich eben dem Gegner und biete Madrid die Stirn; zumindest habe ich dort jemanden zum Couchsurfen aufgetrieben,  bin also nicht allein in der Metropole.

Auf geht’s,  wieder mit dem Bus -und diesmal,  komischerweise für 5 Euro, ziehe ich wieder zurück in die City….

Im Schatten der Metropole. ( MADRID )

Salamanca, das ist schonwieder lang her, zumindest gefühlt,  da es die letzten Tage wieder mal in sich hatten; Blitzaufenthalt in Avila, da dort mein Gastgeber wenig Zeit für mich hatte, zumindest Tagsüber,  da er irgendwann Nachts ein opulentes Mahl mit Freunden und mir plante, ich dies aber schaffte dem zu entgehen…. erinnere ich mich nur an einem wunderbaren, weichen Himmelbett in dem ich ganze 11 Stuttgart durchschlief. Herrlich.

Diese typische Iberische Mentalität der Schlaflosigkeit kann ich selbst bei allem Verständnis für fremde Kulturen auf diesem Planeten,  nie und nimmer übernehmen.  Zu sehr brauche ich meine mindestens acht, besser noch neun Stunden Schlaf, und die sind hier in diesem Teil der Welt echt schwer zu bekommen.
Ich weiß wohl aber das Avila, 100 Kilometer weiter von Salamanca, eines der wohl absolut genialsten Orte im Lande ist, wo eine drei Kilometer lange Stadtmauer, perfekt erhalten die ganze Altstadt malerisch umrahmt.
Leider, leider und nochmals leider konnte ich das ganze nicht fotografieren;  morgens, als ich extra noch aus die Stadt hinauslief, mir die Mühe machte einen exponierten Punkt dafür aufzutreiben, stand die gleißende Morgensonne exakt über der Kathedrale von Avila,  als sei Jesus gerade höchstpersöhnlich vor Ort… unmöglich die Kamera in die Lichtflut zu halten und mir bleibt nur der Blick, “gespeichert” für immer in meinem Herzen.
Bye Avila.

Doch schon hier meldet sich Schwingungen stressiger und unruhiger Stimmungen; Madrid ist nahe, lediglich 90 Kilometer,  gleich hinter den zum Anfassen nahen, schneebedeckten Gipfel der “Systema Central”, den bis zu 2400 Meter hohen Bergen im Zentrum Spaniens, und der Ärger geht schon gleich beim Tiket dorthin los: satte 10, 50 € kostet die Fahrt mit dem Bus, aber nun plötzlich soll ich für den Wanderwagen fast das Doppelte berappen, 19 Euro für läppische 90 Km… das dreifache als noch die gleichlange Fahrt von Salamanca… Diskutieren hilft garnichts, hier will man Geld sehen wofür auf (fast) allen Fahrten durchs weite Land, nichts verlangt wurde…
Sauer wechselte ich zur gottseidank vorhandenen Bahnverbindung. Dort kam ich dann für immernoch teure 12 € nach Madrid. (Spanien ist was Überland-Busverbindungen angeht echt günstig;  ungefähr die Hälfte vom Deutschen Bahn-Niveau)

Dem ganzen Ärger verdanke ich nur dieser schrecklichen 4,6 Millionenstadt Madrid, über der alles an Verkehrsströme gelenkt werden, auch mein Weg nach Toledo, was eigentlich südlich,  Abseits davon liegt. Somit muss ich in Madrid extra umsteigen, … hört sich ja auch einfach an, ist es aber nicht; erstmal sollte ich noch mehr als eine unglaubliche Stunde warten, allein um ein Tiket an einem der nur zu 70% besetzten Schalter der völlig überlasteten Verkaufstellen zu erstehen. Dann, nach Nervenaufreibenden 70 (!) Minuten ( es gilt ein “Wartetiket” zu ziehen, -meines hatte die Nummer 608, momentan stand der Zähler auf 489….) war ich zwar stolzer Besitzer eines Tikets nach Toledo (Gleich von Avila war es natürlich nicht möglich ein Tiket über Madrid hinweg nach Toledo zu kaufen) bekam aber noch den dicksten Hammer gleich anschließend deftig zu spüren: Wie in einem Flughafen schikanieren mich schärfste Sicherheitskontrollen auf dem Weg zum Bahngleis, ich hatte nur noch 15 Minuten Zeit, doch der dicke, fette Wanderwagen sollte komplett vor dem Fließband der Sicherheitskontrolle ausgepackt werden, ein Ding der Unmöglichkeit,  tausend Sachen, Wäsche,  je einfach alles was man zum Leben braucht sind hier verstaut… ich flehte das ganze Ding einfach aufs Fließband zu wuchten und durch damit, aber nein, irgendwie hatte gerade der jenige welchem ich in die Arme lief, eine ungemein fiese Lust mich zu schikanieren; fragte mich woher ich komme… ich antwortete stinksauer “aus Pakistan”.
Mittlerweile lachten sogar die Leute rundherum über den Klamauk, doch für mich war der Zug sprichwörtlich abgefahren;  nach extremer Logistik alles wieder einzupacken,  halbwegs zu sortieren,  überall verstreute Sachen aufzusammeln (Rasierer, Essgeschirr,  Socken, Unterhosen und Kissen, Schlafsäcke….) sah ich nur noch meinen Zug nach Toledo fortfahren.
Unglaublich,  unglaublich,  exakt wie am Flughafen aus einem Terrorstaat sind hier die Kontrollen am BAHNHOF von Madrid. 
Ganze dreimal wurde mein Tiket geprüft.
Nun stand ich da am leeren Gleis in der lauten Halle… zurück an den Schalter zur Erstattung des verlorenen Fahrpreises konnte ich nicht, da mir übel wurde beim Gedanken mir dafür wieder ein “Wartetiket” zu ziehen….
Ich zerrisse mein Tiket und ging Kilometerweit zum Busbahnhof, zur Konkurrenz. 
Im Dunkeln erreichte ich irgendwann Toledo. Ohne Gastgeber,  ohne Aussicht auf irgendwas zum Schlafen dort…

Und noch dieses tolle Muschelhaus; 300 Jakobsmuscheln symbolisieren die Bedeutung des hisigen Jakobsweges (der Via de la Plata, – oder “Silberweg”) welcher hier vorbeiführt und die Süd – Nord Route, alternativ zum Camino Frances (dem “Hape Kerkeling Weg” im Norden) bedient.

Salamanca hat die älteste Universität Spaniens und auch ganz besonders heute ist die Stadt ein ganz wichtiger Bildungsstandort im Lande; 40.000 Studenten prägen nahezu das Stadtbild,  ein interessanter Kontrast zur wunderbar erhaltenen Altstadt,  die schon vor über 2200 Jahren ihren Anfang nahm.

… Salamanca, immernoch ganz, ganz tief drinnen…

Ganz weit im Hinterland und doch mittendrin im Herzen der Nation; Salamanca eines der kulturellen Schwergewichte des großen Landes welches ich schon so lange und so ausführlich bereise, ist momentan der Ort meines Verweilens.
Wieder zu Gast in einer Studenten-WG, kämpfe ich gegen die ständige Gefahr des abendlichen Versumpfens in den so vielen und so unglaublichen gemütlich,  geselligen Tapa Bars, die hier dermaßen Bestandteil der Kultur sind, wie bei uns die Tagesschau am Abend. Außerdem ist auch hier alles so billig und erschwinglich;  selbst ich mit meinem Mikro-Budget komme gut und lecker über die Runden, ganz besonders wenn noch Idris (mein Gastgeber) seine Geheimtipps verrät,  wo es mehr schmeckt und noch billiger ist; unglaublich dieser “Spanish Way of Life”…. an dem man sich schon gewöhnen kann, wenn auch nicht an allem: Diese kollektive Schlaflosigkeit unter der diese Kultur teilweiser leidet, ist und wird nie mein Ding, bekanntlich kommt bei mir schon gegen neun das Sandmännchen,  in Spanien eine lächerliche Zeit den Tag zu beschließen.

Naja, wobei ich noch hier ganz hinten, weit im Land bin, geht’s bald doch ganz schnell. Noch zweieinhalb Wochen und ich bin in Frankreich,  irgendwie ein erfrischender Gedanke,  irgendwie aber auch etwas beängstigend;  ich habe mich schon so gewöhnt an viele Sachen hier… jaja, Gedanken,  Gedanken. .. aber noch bin ich ja hier.

150.000 Einwohner sind hier in Salamanca Zuhause, davon fast 40.000 Studenten was diese Stadt schon anders macht. Die vielen jungen Leute lassen die Stadt nicht so überaltert erscheinen wie es sonst in den Spanischen  Provinznestern übliche ist.
Historisch macht der Ort auch einiges her: Eine wuchtige Kathedrale und viele überhauptnicht langweilige Zeugnisse einer ganz besonderen Geschichte machen Salamanca unvergesslich.
Besonders dieses “Muschelhaus”, ein 500 Jähriger Adelspalast erinnert mich mit seinen 300 großen,  steinernen Muscheln außen an den Fassaden, wieder an den Jakobsweg, dem diese auch gewidmet sind. Hier verläuft dieser “Silberweg” eine alte Römische Handelsstraße von Süden nach Norden dem ich schon vor Wochen in den ländlichen Weiten der Extremadura begegnet bin.

Ach jaaa, einen ganzen Tag heute in Salamanca nur zum klüngeln, und dabei ist sogar das Wetter klasse, endlich seit Wochen sowas wie Frühling;  Sonnenschein und 16 Grad.

Dennoch wachsen hier in Salamanca keine (oder kaum) Palmen, wie sonst üblich in ganz Spanien.  Zu kalt ist es hier im Winter, da die Stadt 800 Meter auf dem riesengroßen Plateau der Mittelspanischen “Meseta” liegt.  Morgen geht’s weiter nach Avila, einer ebenfalls sehr historischen Ortschaft, die sogar über 1100 Meter über den Meeresspiegel noch frischer sein mag… doch egal, die Sonne soll bleiben hatte ich gehört,  dann kanns ja gern wieder weitergehen 🙂

Zamora … (Spanien)

Wieder eine neue Region, wieder ein neues “Land” auf dem Iberischen Mini-Kontinent was ich nun auf meinem “Welt – Weg” erreiche.
Gestern noch im völliger verregenten Puebla de Sanabria, was als Zielort gleich hinter der Grenze von Portugal aus, meine Fussläufige Wanderschaft beendete, und heute schonwieder in Zamora, welches ich diesmal mit dem Zug “erwandert” habe.
90 Kilometer weiter in die unendliche Hochebene Zentralspaniens, auch “Meseta” genannt, mir noch wohlbekannt aus Tagen des Nordspanischen Jakobsweges, bin ich jetzt in der Provinzstadt Zamora bei Esmeralda zu Besuch.
Endlich wieder mal ein Dach über mir, Esmeralda lässt mich in ihrer Wohnung auf der Couch nächtigen,  und endlich gibt’s auch wieder eine tolle Dusche… auch wenn ich im Wald zuvor nicht unbedingt “dreckig” blieb, da es bei einer gewissen “professionellen” Katzenwäsche durchaus möglich ist offensichtlich hygienisch zu sein, fehlt mir schnell das Gefühl einer ausgibigen Reinigung, die halt nur in Sachen Badezimmer klappt.  ( Ein Versuch in einem überlaufenden Gebiergsbach zu baden, schlug fehl;  einfach zu extrem kalt…)

Somit ist es schon möglich und machbar über sehr lange Zeit, sauber und gepflegt auszusehen; auch meinen Akkurasierer lade ich immer wieder mal auf unterwegs,  (in den Bars wo ich auch WiFi bekomme ) um mich am nächsten Morgen am Zelt, fein zu machen.
Doch nur diese blöde Wäsche ist immer so eine Sache; Socken, Unterwäsche und überhaupt,  alles stinkt total und schnell… ohne ausgibges Durchwaschen, ja ohne Waschmaschine ist es echt schwer auch noch angenehm zu riechen…. dieser unsägliche Menschliche Körper ist einfach eine wahre Stinkmaschiene, schwitzt, ölt und mufft permanent.  Ein Kampf gegen Windmühlen,  ein ständiges Organisieren gegen den eigenen Mief den man selbst auch noch nicht merkt…  alles eine Übungsfrage mit der Zeit.

Jetzt aber vertröme ich wieder Frühlingshafte Wohlgerüche, ganz gemäß Esmeraldas Wahl des Weichspülers im Duft jener Zeit die wir alle hier so vermissen: DEN FRÜHLING.
Naja, ich bin jetzt wieder GANZ sauber und wir haben immerhin schon März,  wenigstens ein Name der irgendwas mit Frühling zu tun hat…auch wenn das hier im tiefster,  Spanischer Provinz kaum zu merken ist. Lausige vier Grad waren es heute morgen, bei scharfen, nasskaltem Wind…
So kämpfte ich mich durch Zamora, war überrascht von der tollen Altstadt,  gelegen auf einem hohen Felsen zieht sich diese einen Kilometer auf seinem schmalen Rücken daher, ausnahmsweise mal im Sonnenschein das Ganze,  schaue ich vom Schlosspark bei der 950 Jahre alten Kathedrale ins flache, weite, ja so weite Land Kastiliens, Spaniens ureigenster Kern und die Wiege dieser Kultur.

Um die Größen Spanischer Regionen zu verstehen,  passt der Vergleich mit dem Mittelgroßen Portugal; die Kastilia Leon, die Region in der ich nun bin, ist mit 94.000 Quadratkilometern sogar noch ein bißchen größer als ganz Portugal (92.000 km), wobei wiederum Portugal viermal mehr Einwohner hat .
Jaja, deshalb bin ich noch immer, oder schon wieder in Spanien, diesem eben so großen “Schwerpunktland” auf meinem “Camino Mundo”, dem “Weltweg” durch alle Länder und Regionen dieser wunderbaren Welt….

So, wieder raus…. Portugal liegt hinter mir und ich habe das Land zu Fuß verlassen.  Ganz bewusst suchte ich mir auf der Landkarte den Ort Bragança, ganz, ganz hinten im äußersten Nordost-Zipfel Portugals aus, um von dort über eine einsame Landstraße durch kaum bewohntes Gebiet nach Spanien zu wandern.
Das habe ich auch durchziehen müssen,  -müssen schon deshalb,  weil es wirklich ein ätzendes Wetter war, Eiskalt, Nasskalt und so dermaßen Ungemütlich,  dass ich mich noch und nöcher dabei erwischte, einfach ins Hotel die Zeit bis zum 02.03. abzusitzen….
Doch ich hielt durch, gab nicht auf und zeltete ganze vier Nächte im Freien…. habe somit meine Unabhängigkeit bewahrt, und ja, ich schlief sogar wirklich gut in diesen Regennächten.

Bewährung bestanden.  Zelt, Ausrüstung sowie die Knochen haben ausgehalten,  alles blieb (mehr oder weniger) trocken.

Sogar irgendwie Spaß gemacht hatte die ganze Nummer, da es schon ein tolles Gefühl ist solchen widrigen Witterungen zu widerstehen, im Zelt bei Sturm und nasser Kälte, warm zu träumen.

Und so genoss ich sie,  die Pastelas, Portugals Nationalschlemmerei: Kleine Blätterteigküchlein, gefüllt mit einer Art Sahnepudding. Mmhhh, sowas braucht der frierende Abenteurer der nun somit weiß: Wer die Pastela Nata nicht kennt,  war auch nie in Portugal…. sagte man mir einst, drüben im Land dws Fado…

… Die letzten Tage in Portugal.

Soooo, jetzt bin ich schonwieder ganz woanders, vorher noch im schönen Porto, wo ich eigentlich länger bleiben wollte,  gestern noch in Villa Real, 100 Kilometer weiter im Landesinneren,  heute nun im hintersten Zipfel, hoch im Nordosten Portugals,  in Bragança, dem letzten Ort vor der Spanischen Grenze.
Aber ertmal zu meinem  ersten Desaster: In Porto hatte ich gestern noch eine Couch aufgetrieben,  chekte aus dem Hostel aus und wollte anschließend zu meinem Gastgeber,  dem aber ganz plötzlich einfiel, dass ja sein kleiner Bruder Geburtstag hatte,  und unbedingt,  ganz schnell zu ihm in die Provinz muss. Somit stand ich auf der Straße.
Einfach zurück ins Hostel war aber auch nicht mehr drin;  nicht schonwieder kann und mag ich bezahlen für die Nacht, zu oft, seit Lissabon berappte ich die zwar billigen, aber halt nicht kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten finanziell.
Damit ist Schluss jetzt, also …. ab aufs Land jetzt, Porto wäre zwar noch allemal interessant für ganze zwei weitere Tage, doch so sollte es eben sein.
Ich fuhr nach Vila Real, einer Kleinstadt 100 km weiter östlich, nur 100 Kilometer,  da ich nie stundenlang fahren mag, und eventuell mehr vom Land sehe.
Vila Real aber bot kaum fototaugliche Szenen,  zu verstopft  mit tausenden von Autos war die geschäftige Kleinstadt,  die trotz ihrer niedrigen Einwohnerzahl voller Hochhäuser ist, was dem Bild, vor allem wegen dieser permanenten Karossen wirklich schadet.
Auch hier habe ich keine Adresse zum Übernachten finden können,  Portugal  scheint in Sachen Gastfreundschaft und Couchsurfing nicht wirklich überzeugen. So schlug ich mich wieder in die umliegenden Berge, zeltete im Wald und schlief im wie aus Eimern schüttenden Regenguss, somit zum zweiten Desaster;  bis um 9:00 Uhr ging das so weiter, ich harrte im trockenen Zelt gut geschützt aus, bloß nicht raus jetzt… bis es endlich aufhörte.

Das nasse Zelt wieder im Gepäck und auf ging es zurück nach Vila Real, vier Kilometer zum Busbahnhof und weiter nach Bragança, wo ich jetzt bin.

Bragança,  man wollte meinen es sei ein weltvergessener Ort sowas von ganz hinten in der letzten Ecke Portugals, doch weit gefehlt,  die Stadt wirkt sehr modern, viel Granit und jede Menge junge Leute dank einer landesweit bekannten Universität. Doch auch hier gingen ganze fünf Anfragen bei Couchsurfing ins Leere…. warum eigentlich?  So allmählich kann das doch kein Pech mehr sein, bei insgesamt acht Städte die ich in Portugal auf Couchsurfing.org untersucht hatte…. naja, egal, ich bin ja nur noch bis morgen im Land und dann wieder in Spanien.

…. Ja, in Spanien wo ich bei unglaublich klaren Himmel und gleißenden Sonnenschein ( ja, es ist wie ein Wunder) schon die strahlend weißen Schneegipfel der Sierra Cabrera Baja sehen kann, in 40 Km Entfernung. Dort laufe ich noch heute hin, zumindest mache ich mich auf dem Weg und zelte nun die nächsten 2-3 Tage im einsamen Hochland, südlich meines so geliebten “Caminos” ( dem Jakobsweg) den ich schon zweimal ging…. jetzt bin ich ich ihm wieder so nah… mein Herz leuchtet.

Noch ordentlich Proviant besorgen und ab geht die Post. …

Good bye, Portugal….