…. Jens in Porto, der Stadt des Portweines der mir über die Tage ganz schön zu schaffen machte…. Sozialleben gab’s reichlich, da so ein Hostel einem internationalen Taubenschlag gleicht; Abends ging ich aus mit Lily aus Wien,  Josè aus Buenos Aires, Maria & Maria, jeweils aus Rio de Janeiro und Guatemala City…. da kommen Geschichten zusammen,  -sowie auch reichlich Promille…

Porto liegt wie Lissabon am Meer,  ist aber im Vergleich zur Hauptstadt noch wesentlich entspannter, etwas provinzieller, überrascht allerdings mit einem starken, eigenen Charakter,  der sich einem schnell erschließt;  Porto ist anders als Lissabon,  noch günstiger und somit einfach freundlich.  Wo sonst gibt’s einen Mac Donalds mit Kronleuchtern in einer prunkvollen Halle eines alten Herrschaftshauses, mitten im Stadtzentrum ? Wo ein dickes, fettes Hostel direkt neben dem Wahrzeichen (der Kathedrale von Porto, dessen schlanker Granitturm die Altstadt überragt) wo ein Bett acht Euro kostet?

Allerdings hat sowas auch seine Gründe,  Porto darbt, Porto ist einfach schrecklich arm; mehr als noch in Lissabon,  klaffen im Stadtbild Bauruinen, und Brachflächen. Leerstand und graue Tristesse sind keine Seltenheit;  doch irgendwie hat sowas Charme,  Porto wirkt nicht wirklich krank (wobei die Arbeitslosigkeit hier Rekorde bricht…)  sondern eher wie stehengeblieben aus Zeiten der 50er bis 70er Jahre.
Also wer noch den alten Zeiten klapperiger Straßenbahnen und holperigen Bürgersteigen hinterhertrauert,  Tante Emmaläden  und ein fast Neonlichtfreies Stadtbild vermisst, der reise schnell nach Porto….

… Flucht ins Urbane…. der Februar krallt sich Portugal…

Die Nacht im Dickicht, kurz hinter Fuguera ist eine Katastrophe,  ganz im Wortsinn. Wahnsinnige Sturmböen lassen Äste brechen und den Regen nahezu waagerecht peitschen, der nahe Ozean flippt nun total aus und mittendrin ich in meiner kleinen Blase aus grüner Plane, einemummelt im warmen und vor allem trockenen Decken, sich (mittlerweile) garnicht mehr störend an solchen Weltuntergängen, schlafe sogar einigermaßen. 
Ich verlasse mich auf das Zelt, was bisher nie seinen Geist aufgab.
Von innen baue ich das Nachtlager ab, packe all die Schlafsäcke ein, rolle die Luftmatratze zusammen, kleide mich und putze mir noch die Zähne.  Draußen hört und hört es nicht auf zu plästern, bis nur noch das Außenzelt steht, eine Regenpause und schnell den Wanderwagen packen, für Minuten ist jetzt alles offen und ich bin Schutzlos, doch meine Nase weiß wann der Regen Pause macht.
Ich ziehe von dannen, gehe noch 5 Kilometer zurück durch Figueras, wickel mir sogar noch den Schal um…. soooo lausig ist die Kälte hier.

Also auf nach Porto, hier bleibe ich nun doch keinen Tag länger und nehme den Zug nach Coimbra, der sich wie eine lahme Ente von Nest zu Nest quält. Satte 60 Minuten für die 40 Kilometer braucht der.
Weitere vier Stunden (inklusive Umstiege) sind noch für die nächsten 120 Kilometern angesagt.  Der Vorteil an der Sache: Nur 11, 20€ kostet die Ochsentour durch ein Land welches so anders wie Spanien rüberkommt; eher an Polen oder eben Ex-Jugoslavien (da ab und zu mal ein paar Palmen zu sehen sind) erinnert Portugal, da es im Gegensatz zu Spanien, noch völlig altbacken und im Charme der 70er Jahre überrascht.
Die Bahnhöfe sowie Gehsteige, Ampeln und manchmal auch die Züge sind Jahrzehnte alt, der Putz blättert hier und da, und mehr als oft sehe ich Ruinen, ob als riesige Fabrickkomplexe in der zersiedelten Landschaft, oder als verfallene Wohnhäuser,  Villen, und nicht definierbarer Baumasse in den Städten.
Portugal ist schon anders als Spanien,  auch Sprachlich, was wirklich ganz anders klingt als ich dachte; hier verstehe ich jetzt garnichts mehr… aber mittlerweile habe ich es drauf: Obrigado, das Portugiesische “Danke”, musste ich ganz schön lang üben,  bis es ohne weiteres so im Alltag klappt..

So, der Zug schiebt sich schwerfällig in Porto ein, der zweitgrößten Stadt Portugals,  auch bekannt als “Hauptstadt des Nordens”, wegen seiner Lage im Land. Hier suche ich jetzt erstmal dieses Yes Hostel was mir in Lissabon so gefallen hatte. In Porto soll das Bett dort nur acht Euro kosten…. wieder eine neue Stadt, juhuuu, auf geht’s……

( Portugal – Figueras da Foz )

Großes Saubermachen am weiten Sandstrand von Figueras: Draußen im weiten Atlantik sind sie, die egoistischen, nichts an Anstand oder Zivilbürgertum interessierenden Fischer die immernoch alles erdenkliche an Müll einfach ins Meer entsorgen, – der natürlich bald seinen Weg wieder zurück zum Land findet und wie hier in Figueras Tonnenweise die Strände versaut. Schlimmer noch, die ausrangierten Treibnetze – ohnehin schon schädlich genug im herkömmlichen Einsatz,  fliegen natürlich auch einfach in die “unendliche Müllkippe Meer” – wie es wohl offensichtlich die Fischer sehen, und richten als Todbringende Falle für alles möglich Lebendige auf Hochsee (kennt ihr noch den Mondfisch, den ich mal beschrieben hatte?) unglaublichen Schaden an; Fische, Delphine,  Seeschildkröten und sogar Kleinwale werden diese Rücksichtslosigkeit zum tödlichen Verhängnis.
Jaja, auf hoher See, dort ist die Spezies Mensch noch schwer zu kontrollieren,  und zak, schon nutzt dieser sowas augenblicklich aus. Wäre ja viel zu viel “Arbeit” altes Netz und Co kostenlos am Hafen in den Müll zu entsorgen……

Figueras da Foz. (Portugal)

Weit abseits von der Millionenstadt hoffe ich auf Strand,  Meer und etwas Wildniss, letzteres gibt es zwar in Portugals kaum noch, aber wenigstens einen sichtgeschützen Wild-Zeltplatz sollte wohl drinn sein. Den finde ich auch dann direkt hinter der großen Feriensiedlung Figuera, gut geschützt zwischen windschiefen Pinien.
Zuvor aber war da noch dieset herrliche Sonnenschein, fast schon eine Ausnahme in diesem scheußlichen Februar, wo auch Portugal und eben dieses Figuera eher Cuxhaven im Winter gleicht.

Noch einmal möchte ich am Atlantik liegen, diesmal an einem echten riesigen Sandstrand bevor mein “Weltweg” weiter Richtung Landesinneren führt…. 18 Grad, salziger Wind und schäumende Wellen, das hält mich jetzt einige Stunden hier…

Selbst die Straßenbahn ist in Lissabon noch so wie zu Omas Zeiten. Überhaupt wirken viele Sachen hier wie noch aus den 80er Jahren. Noch unverbaut, wenn auch recht verbraucht und abgewohnt wirkt Lissabon oft, doch die Investoren (und/oder Invasoren) loben schon die vielen Möglichkeiten in den Medien, mit ihren Geld die Authentizität Lissabons zu vergiften.

Noch gibt es dieses “echte” Lissabon auf Schritt und Tritt,  Tante Emma Läden,  Ruppeliges Pflaster, und bröckelnde Fassaden,  (ich erinnere mich noch an eine Fernsehsendung vor ca 10 Jahren,  als berichtet wurde, dass hier ein ganzes Haus einfach zusammmengebrochen war…)
und alte Ampeln wie noch bei uns vor 30 Jahren….

Statt wieder irgendein Wahrzeichen zu zeigen,  sind es eher die kleinen, ganz individuellen Momente bei meinen Streifzügen durch Lissabon, die es so unvergesslich macht, so wie den engagierten Seifenblasenmann, der hier auf einem der vielen Plätze die ganze Zeit sowas macht.

Ganz Lissabon ist überall richtig kunstvoll mit diesen Bruchmarmor Pflastersteinen ausgelegt,  auf denen der Seifenblasenmann steht, das ist genauso charakteristisch für die Stadt wie ihre soziale Wirklichkeit;  unglaublich viele verdingen sich mit Betteln, Musizieren, oder sonstwas für klitzekleines Geld.  40 Cent krame ich aus meiner Tasche für ihn. Wir beide sind im selben Boot.

Lissabon die Freundliche…

Da habe ich immer etwas Angst im Bauch, oder besser gesagt Respekt;  wenn ich mich den Metropolen nähre, Orte die Millionen Menschen begehren, wo ein Wettbewerb um alles entbrennt,  was dem menschlichen Naturell eher fernliegt; Stress, Aggression und Anonymität sind die Folgen dieses eher weniger artgerechten Phänomens, was Millionenstadt heißt.
In Barcelona war es so, in Valencia und Sevilla, jetzt brause ich im Bus hoch über den Tejo in die Hafenstadt ein, unter mir das Zuhause von 1, 5 Millionen Menschen die in und um Lissabon leben, die Hauptstadt Portugals.
Der Tejo breitet sich hier ganze zwei Kilometer aus, der Fluss an dem “Lisboa”, wie die Stadt auf Portugiesisch heißt,  liegt, und geht hier gleich in den Atlantik über.  Nocheinmal habe ich das Gefühl im Jumbojet einfliegend in die Stadt zu kommen, so gewaltig hoch prangt dieser kolossale Brückenbau über allem. Nur dass es ausgerechnet jetzt grau und verregnet sein muss,  ärgert mich wahnsinnig.  Kein Ausblick also. Nur schemenhaft nehme ich den fast 100 Meter hohen steinernen Jesus war, der mit ausgebreiteten Armen (wie in Rio de Janeiro) auf die Stadt schaut.

Lange brauche ich bis zum Zentrum,  und dort im Herzen der großen Stadt,  mitten in der “Beixa”, der Modernen Altstadt,  gleich neben der “Alten Altstadt”, der Alfama gelegen, mein Heim für die nächsten drei Tage zu finden, dem wohl coolsten Hostel überhaupt.

Ja, außer dem Wetter ist es freundlich dieses Lissabon,  meine Angst im Bauch verfliegt als ich überall die günstigen Preise sehe an den Schautafelen der Restaurants,  mit den relaxten Leuten plaudere, und ohne Weiteres für faire 11 Euro pro Nacht ein Bett (im 4-Bett Zimmer) ergattere.

Kein London Stress,  wo alles ausgebucht und extrem überteuert ist, kein Paris Wahnsinn,  wo das 0, 4 Liter Glas Bier vom Fass 8 Euro kostet…. hier lösche ich gleich erstmal für ein viertel des Pariser Wuchers meinen Durst auf Wasser, Malz & Hopfen. Frisches “Sagres” vom Fass ist angesagt,  nachdem das klatschnasse Zelt ( noch vom Campingplatz in Evora) sowie alles andere Nasse im Gepäckraum einigermaßen ausgebreitet Luft bekommt.

———

Mittlerweile bin ich schon zwei Tage hier und morgen geht’s wieder weiter. Lissabon gefällt mir, die Stadt erinnert mich irgendwie an Berlins der 90er, etwas Schrullig und zerfallen ist’s hier immer wieder mal; völlig vergammelte Häuser,  ja ganze Straßenzüge sehen aus wie jene Favelas in der alten Kolonie drüben, in Brasilien. Die Mieten hier sind billig, Essen gehen erschwinglich und überhaupt sind die Leute hier viel relaxter, man hat Zeit und redet mit jedem,  ist nicht überheblich als Haupstädter. Lissabon ist für Menschen gemacht,  und nicht umgekehrt wie gar London es zeigt…

Doch mittlerweile umgibt mich eine urbane Müdigkeit,  auch freundliche Städte verlangen einem was ab; viel gelaufen bin ich die letzten Tage, und ständig war ich im Dialog mit ihr: Dem Charakter dieser eben ganz speziellen Persönlichkeit, der sich nach und nach eröffnet wenn man sich in ihr treiben lässt,  in Lissabon der Freundlichen….

Portugal; Regen und keine guten Nachrichten….

So, bin jetzt schon zwei Tage in neuen Gefilden, seit Monaten mal wieder außerhalb Spaniens, dem Schwerpunktland auf meinem Weg durch die Welt mit all ihren Nationen, und weile nun in Portugal, wo es allerdings nur noch grau, trüb und vor allem klatschnass ist.
Dank Jens, meinem edlen Sponsor aus Marbella, leiste ich mir schon seit langem die Bustikets, die mich problemlos über all die endlosen  Kilometer der Iberischen Halbinsel katapultieren,  mit PS starken Überlandbussen, die auch ohne Weiteres den klobigen Wanderwagen aufnehmen.
Teuer sind die Fahrten nicht wirklich;  mit ca 70 Cent pro 10 Kilometer,  liegen die Preise noch deutlich unter Deutsche Bahn Niveau.
So brause ich nun durch alle Regionen Spaniens, nehme Potugal in 10 Tagen und freue mich mal auf diese Erfrischung eines anderen Landes; jedoch ein grausiges Wetter,  sowie die E-Mail vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) nicht über meinen baldigen Weg nach Jerusalem berichten zu wollen,  lässt mich jetzt blöd aus der Wäsche gucken. Viel Hoffnung hatte ich mir, zumindest von Regionalen Medien gemacht, doch egal, es ist mein Ding und ih schaffe es auch so.
Jedenfalls sitze ich jetzt hier in Lissabon und es läuft alles ganz gut, hauptsächlich auch wegen meiner momentanen Unabhängigkeit nicht gleich jedem hinterherrennen zu müssen,  dank einer phänomenalen Begegnung in Marbella einst….

Gestern landete ich noch ganz spießig auf einem Campingplatz im Ort Evora, der nur acht Euro kostete, konnte noch heute Morgen nach völlig durchregneten Nacht etwas die Stadt angucken und sah zu nach Lissabon zu kommen; 12 Euro und auf gehts durch eine grüne,  von Steineichen durchsetzte Weidelandschaft, weit und sanft gewellt, allerdings immer vom Grau schwerer Regenwolken bedroht, die mir in Lissabon dann ordentlich zu schaffen machten;  völlig diesig und trüb begrüßte mich eine der schönsten Städte, der Bus flog nahezu über diese fürchterlich hohe Brücke in die Innenstadt ein, allerdings ohne jeglichen Ausblick,  der von hier einfach der Hammer wäre. .. doch es sollte ein Vorzeichen sein auf weiteres Trübsal.  Nach Jerusalem gehe ich wohl nur für mich, ohne dem Fernsehen, wie ich gerade noch im Antwortschreiben auf dem Tablet sehen durfte.
Außerdem bin ich jetzt gerade in einem Hostel gelandet.  Völlig durchnässt irrte ich lang durch Lissabon,  fand kein WiFi, kein Couchsurfing, zahlte also, -ich kann’s ja momentan, wenn auch nur im sparsamsten Sinne, und freue mich dennoch über faire 11 Euro die Nacht im Vier-Bett Zimmer.
Für Samstag aber gehe ich noch eine Nacht Couchsurfen hier in Lissabon, eine Einladung steht bereits und für die nächsten Städte muss ich mich noch ordentlich ins Zeug legen, mich “bewerben” als Gast, stundenlang vorm Tablet hängen und Profile durchstöbern….

Och mann…. ich habe dennoch schlechte Laune, habe mir echt einiges auf die Medien eingebildet und dachte die Nummer mit Jerusalem kracht jetzt voll durch….

Naja, noch kann ja alles passieren und ich sollte mich eigentlich freuen; ich bin jetzt in Lissabon, in einem der genialsten Hostels mit tollen Leuten aus aller Welt und höre die spannensten Geschichten, spare aber auch selbst nicht vom größten Abenteuer meinerseits zu berichten,  dem Wanderleben….

Zu Gast in Badajoz, bei Angelina (Mama) und der kleinen Marina. Badajoz, weit im Niemandsland, direkt an der Grenze zu Portugal ist viel interessanter als ich dachte; mit großer Stadtburg und einer Mittelalterlichen Innenstadt, zudem noch bewohnt von ganz relaxten Leuten, die noch nicht so genervt von all den Touristenmassen sind, überrascht mich dieser sympathischer Ort.
Doch ich bleibe nur eine Nacht, danach geht’s erstmal nach Portugal weiter, auf meinem Weg durch alle Länder. ..