In Frankreich kommt man nicht daran vorbei; der “Pastis” ein starker Anisschnaps der aber mit reichlich Wasser verdünnt immernoch ganz schön reinhaut…. der klare, 45%tige Schnaps färbt sich mit Wasser dann gelblich.
Sowas lieben die Franzosen wie wir das Bier.  (Mein Fall ist es allerdings nicht)

Außerdem ist es wieder entsetzlich teuer geworden;  In Spanien kosteten Drinks und Speisen gerade mal die Hälfte von dem was ich hier in Frankreich berappen muss… -ein gezapftes Bier (0, 5L) kostet hier unglaubliche 5 Euro (!)
Ein Käffchen schnell mal 2, 50 €……

Languedoc Roussillon

So heißt die südlichste Region auf dem Französischen Festland,  von der Straße aus Barcelona kommend, freue ich mich nun auf den lieblichsten, vielleicht auch sympathischsten Teil Südfrankreichs; der Languedoc, eine zum Teil ganz flache Landschaft mit viel Weinbau,  Grasland und vielen dem Mittelmeer vorgelagerten Seen deren Salzwasser nur karge Vegetation zulässt,  aber auch Heimat hunderttausender Flamingos ist, die wohl aus Afrika hierher kommen.
Diese Marschlandschaft ist in Frankreich einzigartig, das Klima ist hier selbst im Winter bei weitem milder als noch 300 Kilometer nördlich,  und vor allem seien die Menschen hier einfach netter, das Leben erschwinglicher als an der berühmten Cote Azur, 200 km weitet östlich.  -Sagen mir die Franzosen.

Einen davon kenne ich jetzt gut: Maxime, ein Zuwanderer aus dem fernen Elsass, fand hier in Montpellier vor 15 Jahren seine neue Heimat,  hier ganz unten im tiefsten Süden der “Grande Nation”, die ansonsten allerorten in schmuddeliger Winterkälte erstarrt.
Nur hier nicht, und seine Gastfreundschaft brachte er gleich mit; drei ganze Tage bin ich in seiner kleinen Wohnung zum “Couchsurfen” eingeladen, im hypermodernen Stadtteil Malbosc, irgendwo im Stadtgebiet der Großstadt Montpellier,  die so ganz anders rüberkommt wie all diese Spanischen Städte der letzten Zeit….
Viel zurückhaltender und unscheinbarer sehen Französische Städte aus, ganz im Gegensatz zu den Hochhauswahn der selbst Spanische Kleinststädte seltsam verunstaltet. In Frankreich kommt mir die große Universitätsstadt Montpellier da schon eher beschaulich vor, auch wenn hier großes im Plan ist: Montpellier 2040 sieht vor die Stadt weit expandieren zu lassen; Frankreich wächst und wächst,  jedes Jahr sind es 350.000 Franzosen mehr, teils durch eine sehr ausgeglichene Geburtenrate,  die sehr im Gegensatz zum großen Nachbar im Osten steht,  zum anderen durch all die Zuwanderer, vor allem aus Afrika.
Wahrscheinlich kommt es so, dass Frankreich um 2050 sogar Deutschland in der Einwohnerzahl überholen wird, (Frankreich heute = 64, 5 Millionen Einwohner,  Deutschland = 80, 5 Mio)

Und Montpellier? Liegt ganz unten in der Sonne…. Neubauten überall,  junge Leute die hier bleiben wollen und jede Menge Platz; Frankreich ist groß,  gut 35% größer als Deutschland und hier lässt es sich gut leben; Maxime lädt mich sogar noch zu einem tollen Ausflug in die Umgebung von Montpellier ein, ich sehe das Meer und die wirklich charmante Kleinstadt Sete, einer von ganz vielen Kanälen und Gewässern durchzogene Ortschaft, zwischen dem Meer und einem See auf den kleinen Landstreifen gelegen, der vom Monte Saint Claire begrenzt wird, auf dem wir dank Maximes Fahrlust mit dem Auto hinaufbrausen; ich schaue weit in die Landschaft, fasse mal wieder mein Glück kaum einen solch tollen Menschen getroffen zu haben, – ich bin gedanklich noch bei diesem fantastischen Essen, einer Spezialität der Gegend; Muscheln in grüner Würzsoße mit Tagliatelle. Dazu der wohl typischst Französische Aperitif,  dieser “Pastis”, ein Anisschnaps mit Wasser verdünnt,  und einem Rosè dazu….  Gott in Frankreich,  ja das bin ich jetzt 🙂

Der letzte Blick auf Mallorca….
Wieder mit dem Schiff verlasse ich die Insel, die noch lang am Horizont zu sehen ist, bis ihre hohen Berge der Tramuntana endgültig im Dunst der Ferne verschwinden.
Zurück nach Barcelona reise ich nun, acht Stunden Überfahrt bis zum Abend wo ich wieder bei meinem Freund Tim unterkomme, mein treuer Gastgeber für Barcelona.
An sehr klaren Tagen, so erzählt man in Barcelona,  könne man sogar vom Montserrat, dem hohen, spitzen Berg hinter der Millionenstadt,  Mallorcas Tramuntana sehen, wenn auch sehr schwach.
Barcelona ist nun mein letzter Ort in diesem wunderbaren,  großen Land. Einem Land wie ein kleiner Kontinent dessen 17 “Länder” ich nun alle -mehr oder weniger intensiv,  erforschen konnte; angefangen mit dem Jakobsweg im Norden, weiter durch den Süden bis zu den weit abgelegenen Kanarischen Inseln, bis über Portugal und Spaniens Mitte, quer durch zurück nach Barcelona mit einem Abstecher zu den Balearen (Mallorca).
Das war nun die Intensität eines “Schwerpunktlandes” wie ich es selbst gern nenne, eine kleine (Iberische) Welt, teils in sich geschlossen,  teils so sehr verschieden.
Ich werde es vermissen,  ….fehlen werden mir die günstigen Tapas, der “Russische Salad” dessen preiswerten Kalorien mich lang am Leben hielten, die allgegenwärtigen Bars an jeder Ecke,  oder einfach diese Sprache welche die lautesten Menschen Europas pausenlos und alle gleichzeitig so gern sprechen, so überzeugt mir klarmachen wollen, dass bald die ganze Welt Spnisch spricht….

Das alles ist nun einfach vorbei, jetzt wo ich mit dem Bus 330 Kilometer weiter nach Frankreich ziehe, – dank eines privaten Sponsors, der mir möglich macht die nun gesalzenen 43 € zu berappen fürs Ticket. Frankreich ist nun angesagt wo ich noch neun Regionen (von insgesamt 22) bis Mitte Mai erkunden will, – ein neues und zugleich altes Schwerpunktland meines Projektes Wanderleben, was mich vielleicht in 25 Jahren zu seiner Vollendung, zum meistgereisten Menschen dieser Welt machen könnte.
Nun setze ich fort was ich auf dem Jakobsweg vor zwei Jahren (wie in Spanien) angefangen habe: Frankreichs Regionen erkunden, 13 davon habe ich schon durchwandert damals, neun fehlen noch.
Ich freue mich jetzt, der Bus durchzieht die südlichsten Ausläufer der Pyrenäen und hinter den hohen Bergen fängt eine komplett andere Welt an; eine viel leerere Landschaft, nicht so zersiedelt wie noch in Spanien sehe ich nun. Weite, weite Ebenen Grasland, manchmal auch Weinreben endlos, lassen mich freudig werden; ich freue mich nun endlich wieder in Frankreich zu sein….

Region Nr. 17…

… Ist nun auch wieder Geschichte;  nachdem ich zwar nur sechs Tage auf der Insel war, konnte ich mir aber zumindest einen Eindruck verschaffen,  nicht nur um einfach zu sagen: “ja, ich war einmal da gewesen”, sondern auch ein Gefühl für den Ort zu bekommen,  ein “Mallorca Gefühl”.

Abseits meines hauptsächlichen Standortes, zu Gast bei Ricky in Playa de Palma mitten im/am “Ballermann” gelegen,  bin ich noch mit dem Bus hoch in den Norden der Insel um einfach mal die Ausdehnung zu erfahren.  80 Kilometer von Palma bis nach Port de Polença sind es einmal quer über die Insel, die mit ihren 3600 Quadratkilometern nur wenig größer als Teneriffa ist, viel größer aber als Gran Canaria und somit Spaniens dickste Insel ist.
Im Westen ragen hoch die markanten Gipfel der “Serra Tramuntana” in den blauen Himmel, ein richtiges Gebirge dem die weiten, sanft hügeligen Ebenen im Osten gegenüberliegen, eine weite Landschaft komplett zersiedelt; 950.000 Einwohner,  (davon 65.000 Deutsche “Residenten”) lassen auf der Insel kaum noch Platz, Mallorca kommt mir irgendwie wie ein riesiger Garten vor, wo nahezu jeder Grashalm gekämmt und gelegt ist, wo perfekte Infrastrukturen einen reibungslosen Durchgang der jährlich gut 10 Millionen Touristen garantieren sollen.
Da schlurfe ich etwas unterfordert durch dieses Port de Polença,  einem perfekten Kulissen-Wohlfühl Ort, der mich zugegeben etwas langweilt. Ich suche nach etwas “echtem”, nach etwas vielleicht wilden…. und klettere abseits der blanken Fassaden, abseits der Reihenbepflanzungen aus der urbanen Perfektion über einen der Zäune,  hoch in die steilen Hügel.
Ja, hier bin ich nun in einem anderen Mallorca,  da wo man nicht hin darf, klettere weiter und weiter, ungefähr 200 Meter hoch auf nacktem Fels, teils durchwachsen mit kratzigen Gestrüpp oder kleinen Buschpalmen und stehe irgendwann oben auf einem Vorsprung, lausche der Ruhe hier oben und gucke auf den pittoresken Hafen da unten…. ich bin stolz,  hier oben in der Wildnis sitze ich nun fast eine ganze Stunde und fühle mich als sei ich auf einem Mallorca vor 200 Jahren zu sein, wende meinen Blick von all den Wohn und Hotelblöcken gen Westen und sehe nur noch Stein und Gebüsch.
Später klettere ich hinab und nehme den nächsten Bus zurück nach Palma.

Wo wir mal alle hinkommen…..

Mir geht’s wirklich blitzartig wieder besser; gerade mal einen Tag später konnte ich schon die 15 Kilometer Fussmarsch antreten, zum nächsten Gastgeber der direkt am “Ballermann” wohnt.

Schuld war wohl das Mallorkinische Leitungswasser,  kaum abgesetzt ging es mir schlagartig besser.  Mehr noch, ich konnte sogar gegenüber meinem Gastgeber Ricky noch höflich sein und mit ihm in die “heiligen Hallen” einmarschieren, zum Bierkönig, jener legendären Sauffabrik die jeder Landsmann kennt, vom Professor bis zum Penner…. Malle, wie Mallorca oft genannt wird, (oder schlimmer noch: Malotze) hat es echt in sich; wo ich nur hingucke, überall Deutsche Nasen, selbst jetzt hier zum WiFi, sitze ich im “Et Dömsche”, einer Kölschen Kneipe (und trinke Kamillentee) bin in der “Bierstrasse” (…. wo ich momentan Kamillentee trinke) und sage nur “17”…

Die Zahl 17 hat es hier wohl in sich: 17 Spanische Regionen habe ich nun besucht, und somit alle in diesem großen Land, inklusive der Balearen wo ich nun bin.
Zugleich ist Mallorca auch bekannt als 17tes Bundesland unserer schönen Heimat… und das mit gutem Grund: Ich hatte noch nie so eine solche Presänz von Landsleuten in solch einer Konzentration in irgendeinem Land gesehen;  Bierkönig, Oberbayern oder Deutsches Eck, sind hier nicht nur Legenden, sondern eine kulturelle Normalität der Gegenwart,  wenn auch mit seichtem Beigeschmack,  da hier lediglich sinnliches Berauschen oder sonstige Physische Sättigungen (oft im Übermaß) angesagt sind, ganz ähnlich wie noch auf Gran Canaria, wenn auch diese Inseln sowas von verschieden sind; Mallorca, ein Teil der Balearen, unterscheidet sich enorm von den Kanadischen Inseln,  allein schon weil die sich jeweils in verschieden Meeren befinden.

Heute erhole ich mich noch, wobei es gestern im Bierkönig schonwieder feucht herging; einige Biere flossen durch meinen gerade mal genesenen Bauch, was aber hier an diesem Ort einfach unvermeidlich ist…  schließlich bin ich jetzt auf Malle.

Krank auf der Insel…

Jetzt liege ich wieder danieder, bin zwar auf Mallorca,  aber momentan zu nichts im Stande. Schrecklicher Durchfall + Erbrechen plagen mich wieder, doch eine Nacht habe ich noch hier bei Miguel, der mich in seine wirklich großen Wohnung am Stadtrand von Palma aufgenommen hat.
Schade eigentlich, dass ichnun als Krankenfall sein Gast bin. Aber was kann man machen, besser hier in einem Bett & eigenem Zimmer als im Zelt, irgendwo in den Bergen…. sowas kenne ich ja noch gut genug,  als damals auf dem Jakobsweg irgendwo im Busch am Wegesrand mein Zelt einziges trautes Heim gewesen ist, kein Wasset, keiner der mich pflegt… welch eine schlimme Zeit…
Doch auch jetzt wo ich zumindest in besseren Umständen bin, merke ich erstmal wie sehr ich die Familie & meinen Freund vermisse.
Ist wohl ganz normal denke ich, ein auf und ab….

Morgen aber muss ich unbedingt wieder fit sein, dann war ich schon zwei ganze Krank-Nächte hier bei Miguel.

Zeit habe ich ja jetzt um bei Couchsurfing zu suchen…. wo werde ich morgen landen…?

Barcelona…

Wieder 300 Kilometer weiter im Dreh & Angelpunkt Barcelona,  wo ich wieder bei Tim untergekommen bin, jener Tim der mich mal vor langer Zeit am Anfang der großen Spanien Erkundung hier auf der Straße traf.  Jetzt sind wir Kumpel geworden und habe “ meinen Mann in/für Barcelona.  -Wobei ich eher dass Gefühl habe ihn nicht nur hier zu treffen,  Tim weiß echt viel über die Welt da draußen und mag wie ich das Reisen. Die Welt mag groß sein, doch manchmal kann sie auch ganz, ganz klein werden; Tim, maybe meet you in Papua Neuguinea anytime….

Barcelona nutze nun als Sprungbrett zur letzten Region des "Spanischen Kontinents”, wie ich gern dieses so vielfältige Land nenne, nach Mallorca, jaja, da wo wir alle mal hinkommen….. weil hier die Fähren nach Palma ablegen um in acht Stunden Überfahrt die berühmte Mittelmeerinsel zu erreichen,  – allerdings erst ab 23:00 Uhr, also schlafen auf dem Fußboden im Schiff ist heute angesagt.
Auf “Malle” allerdings bin ich wieder über “Couchsurfing” fündig geworden; Miquel heißt diesmal mein Gastgeber und nimmt mich für zwei Tage bei sich zu Hause in Palma auf. Anschließend plane ich drei, vier Tage durch die Insel zu wandern und draußen im Zelt zu nächtigen.

Aaaaber erstmal vertreibe ich mir hier in Barcelona die Zeit, wundere mich über die vielen Chinesen hier und trinke alkoholfreies Bier.

Morgen, ganz früh komme ich auf MALLORCA an… 🙂

Saragossa – Aragon.

In Catalayud hielt ich nur an, um diese lange Fahrt von Madrid nach Saragossa etwas zu entspannen.  Zu weit wären mir die 330 Kilometer am Stück. Zeit habe ich ja und langsam möchte ich mich auf Aragonien vorbereiten,  einer eher weniger bekannten Region in Spanien, die aber mit 47.000 Quadratmeter zwar größer als die Niederlande sind, allerdings mit 1,3 Millionen Bewohner nur ein demographischer Zwerg im Lande ist. Kurioserweise leben nahezu die Hälfte der “Aragones” in der Hauptstadt Saragossa (Spanisch: Zaragoza) die wirklich eine echte Großstadt ist; gewaltige Hochhausviertel erinnern eher an China; Saragossa wuchs in den 60ern sowie während der Amok-Bauboomphase bis 2007 wie ein Geschwür. Deutlicher wird das auch beim Betrachten des neuen Bahnhofes, etwas außerhalb der Stadt;  40 Minuten brauchte ich dort um mich allein nur zurechtzufinden. (und ich sowas bin ich ja nicht doof…)
Mir entstand der Eindruck,  Saragossa plante mal zur größten Stadt der Welt zu erwachsen, dermaßen überdimensioniert prangt dieser Monsterbau in seiner Wucht.

Dabei ist Saragossa eigentliche noch nicht einmal eine  Metropole im eigentlichen Sinne; diese müssten mindestens eine Million Einwohner haben, oder eine Global herausragende Stellung vorweisen (wie z.B. Zürich), doch Saragossa ist dafür um einiges entspannter,  kaum von den Touristenmassen berührt und deshalb noch wirklich sehr, sehr Spanisch, wobei ganz deutlich hier viel mehr Afrikaner und vor allem Chinesen leben. Letztere sind offensichtlich gut integriert,  was sich durch den “Barcelona Effekt” kennzeichnet;  -eine von mir selbst kreierte Bezeichnung der mir einst in Barcelona aufgefallenen “Chinesen Bars”, klassische Bar Betriebe die nach und nach von Chinesen übernommen werden, die allerdings die örtliche Kultur und Umhangsart pflegen, die Sprache gut beherrschen und im Gegensatz zu den Marrokanischen Lokalen, gut von der Spanischen Bevölkerung angenommen werden.

Hier lebe ich nun für ganze zwei Tage, wieder zu Gast bei einem der hier lebt; Juan (ja wieder ein Juan…)  der als Englischlehrer arbeitet, nimmt mich auf. In einem eigenen Bett (keine Couch diesmal) schlafe ich besser als in jedem Hotel, da der soziale Anschluss einfach unvergleichlich ist.
Heute bin ich somit den ganzen Tag vom Wanderwagen befreit, und schaue mich in Saragossa um, der großen, unbekannten Stadt mit ihrer gewaltigen Kathedrale,  die auch Basilika ist, Saragossas erstes Wahrzeichen.
Die Del Pinar Kathedrale ist eher ein junger Bau, ähnelt mit ihren gewaltigen vier Türmen,  je 120 Meter hoch, an einer großen Moschee. Mich hat diese Bauweise allein so fasziniert,  dass ich nicht widerstehe die drei Euro für eine Turmbesteigung zu berappen; die Belohnung aber kann sich wirklich sehen lassen: Welch ein Ausblick auf Saragossa, der großen Stadt an Spaniens größten Fluss, dem Ebro….