Im Schatten der Metropole. ( MADRID )

Salamanca, das ist schonwieder lang her, zumindest gefühlt,  da es die letzten Tage wieder mal in sich hatten; Blitzaufenthalt in Avila, da dort mein Gastgeber wenig Zeit für mich hatte, zumindest Tagsüber,  da er irgendwann Nachts ein opulentes Mahl mit Freunden und mir plante, ich dies aber schaffte dem zu entgehen…. erinnere ich mich nur an einem wunderbaren, weichen Himmelbett in dem ich ganze 11 Stuttgart durchschlief. Herrlich.

Diese typische Iberische Mentalität der Schlaflosigkeit kann ich selbst bei allem Verständnis für fremde Kulturen auf diesem Planeten,  nie und nimmer übernehmen.  Zu sehr brauche ich meine mindestens acht, besser noch neun Stunden Schlaf, und die sind hier in diesem Teil der Welt echt schwer zu bekommen.
Ich weiß wohl aber das Avila, 100 Kilometer weiter von Salamanca, eines der wohl absolut genialsten Orte im Lande ist, wo eine drei Kilometer lange Stadtmauer, perfekt erhalten die ganze Altstadt malerisch umrahmt.
Leider, leider und nochmals leider konnte ich das ganze nicht fotografieren;  morgens, als ich extra noch aus die Stadt hinauslief, mir die Mühe machte einen exponierten Punkt dafür aufzutreiben, stand die gleißende Morgensonne exakt über der Kathedrale von Avila,  als sei Jesus gerade höchstpersöhnlich vor Ort… unmöglich die Kamera in die Lichtflut zu halten und mir bleibt nur der Blick, “gespeichert” für immer in meinem Herzen.
Bye Avila.

Doch schon hier meldet sich Schwingungen stressiger und unruhiger Stimmungen; Madrid ist nahe, lediglich 90 Kilometer,  gleich hinter den zum Anfassen nahen, schneebedeckten Gipfel der “Systema Central”, den bis zu 2400 Meter hohen Bergen im Zentrum Spaniens, und der Ärger geht schon gleich beim Tiket dorthin los: satte 10, 50 € kostet die Fahrt mit dem Bus, aber nun plötzlich soll ich für den Wanderwagen fast das Doppelte berappen, 19 Euro für läppische 90 Km… das dreifache als noch die gleichlange Fahrt von Salamanca… Diskutieren hilft garnichts, hier will man Geld sehen wofür auf (fast) allen Fahrten durchs weite Land, nichts verlangt wurde…
Sauer wechselte ich zur gottseidank vorhandenen Bahnverbindung. Dort kam ich dann für immernoch teure 12 € nach Madrid. (Spanien ist was Überland-Busverbindungen angeht echt günstig;  ungefähr die Hälfte vom Deutschen Bahn-Niveau)

Dem ganzen Ärger verdanke ich nur dieser schrecklichen 4,6 Millionenstadt Madrid, über der alles an Verkehrsströme gelenkt werden, auch mein Weg nach Toledo, was eigentlich südlich,  Abseits davon liegt. Somit muss ich in Madrid extra umsteigen, … hört sich ja auch einfach an, ist es aber nicht; erstmal sollte ich noch mehr als eine unglaubliche Stunde warten, allein um ein Tiket an einem der nur zu 70% besetzten Schalter der völlig überlasteten Verkaufstellen zu erstehen. Dann, nach Nervenaufreibenden 70 (!) Minuten ( es gilt ein “Wartetiket” zu ziehen, -meines hatte die Nummer 608, momentan stand der Zähler auf 489….) war ich zwar stolzer Besitzer eines Tikets nach Toledo (Gleich von Avila war es natürlich nicht möglich ein Tiket über Madrid hinweg nach Toledo zu kaufen) bekam aber noch den dicksten Hammer gleich anschließend deftig zu spüren: Wie in einem Flughafen schikanieren mich schärfste Sicherheitskontrollen auf dem Weg zum Bahngleis, ich hatte nur noch 15 Minuten Zeit, doch der dicke, fette Wanderwagen sollte komplett vor dem Fließband der Sicherheitskontrolle ausgepackt werden, ein Ding der Unmöglichkeit,  tausend Sachen, Wäsche,  je einfach alles was man zum Leben braucht sind hier verstaut… ich flehte das ganze Ding einfach aufs Fließband zu wuchten und durch damit, aber nein, irgendwie hatte gerade der jenige welchem ich in die Arme lief, eine ungemein fiese Lust mich zu schikanieren; fragte mich woher ich komme… ich antwortete stinksauer “aus Pakistan”.
Mittlerweile lachten sogar die Leute rundherum über den Klamauk, doch für mich war der Zug sprichwörtlich abgefahren;  nach extremer Logistik alles wieder einzupacken,  halbwegs zu sortieren,  überall verstreute Sachen aufzusammeln (Rasierer, Essgeschirr,  Socken, Unterhosen und Kissen, Schlafsäcke….) sah ich nur noch meinen Zug nach Toledo fortfahren.
Unglaublich,  unglaublich,  exakt wie am Flughafen aus einem Terrorstaat sind hier die Kontrollen am BAHNHOF von Madrid. 
Ganze dreimal wurde mein Tiket geprüft.
Nun stand ich da am leeren Gleis in der lauten Halle… zurück an den Schalter zur Erstattung des verlorenen Fahrpreises konnte ich nicht, da mir übel wurde beim Gedanken mir dafür wieder ein “Wartetiket” zu ziehen….
Ich zerrisse mein Tiket und ging Kilometerweit zum Busbahnhof, zur Konkurrenz. 
Im Dunkeln erreichte ich irgendwann Toledo. Ohne Gastgeber,  ohne Aussicht auf irgendwas zum Schlafen dort…

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