Griechenland (02.07.2015) Ort: Kissamos ( 8.000 Einwohner )

Mann trifft sich; Deborah und John aus London starten von hier ihre einjährige Weltreise. Von Kreta nach Albanien, dann nach Südafrika, Singapur, und Nordamerika…. etwas schneller unterwegs als ich. Die beiden spendierten mir frischen Orangensaft, den ich gern mit spannenden Geschichten vom Wanderleben honoriere. Eine ganze Stunde hatten wir uns zu erzählen. Facebook sei dank, bleiben wir mal in Kontakt und vielleicht sehen wir uns in Kolumbien oder der Mongolei mal wieder ….

Griechenland (02.07.2015) Ort: Kissamos ( 8.000 Einwohner )

Angekommen, da wo Griechenland, ja Europa am südlichsten ist: Auf Kreta, dem ältesten Kulturland unseres Kontinents. Fast drei Kilometer liegt die Kleinstadt Kissamos von diesem Hafen entfernt, wo ich gestern noch zur zappendüsteren Nachtzeit, irgendwie was zum Übernachten finden musste…. gleich neben der Anlegestelle schlug ich mich weit in die scharfen Küstenfelsen vulkanischen Ursprungs, um dort einigermaßen geschützt zu nächtigen. Heute, eher schlecht als recht ausgeschlafen, strahlt mich ein genialer Tag auf einer genialen Insel an; Kreta, ein alter Urlaubstraum ist nun angesagt.

Griechenland (01.07.2015) Überfahrt von Peloponnes nach Kreta

23 Euro für ganze acht Stunden Überfahrt sind eigentlich nicht teuer. Klar, die Anek Lines, einer der schwerreichen Rederunternehmen im Lande, zahlen seit je her keine Steuern und sind somit ein fundamentaler Teil des gegenwärtigen Problems.
Warum zahlen die nicht? Kanz klar, Griechenland hat ungefähr 1000 Inseln, und damit diese logistisch überlebensfähig bleiben, subventioniert der Staat seit den 50er Jahren den Fährverkehr. Eine Sache die auch ich angemessen und richtig finde. Nur: In all den Jahren übernahmen die Rederfamilien nebenbei ganz andere Geschäftsfelder, alles aber natürlich frei von jeder Steuer; sozusagen wenn ein Rederunternehmen auch Strumpfhosen verkauft, ist das subventioniert. Mittlerweile kontrollieren diese mächtigen Familien weite Teile der griechischen Wirtschaft, deren Kerngeschäft, die Schifffahrt, eigentlich nur noch Randgeschäft ist; als Finanzdienstleister, im Energiesektor, oder als Immobilienkonzern häuften sie extreme Vermögen an, wucherten weit über die Grenzen Greichenlands mit ihren Geschäften, befreit von jeder Pflicht gegenüber ihres Staates, der nun seinen Kollaps offenkundig nicht mehr verhindern kann.
(Bild: Spät Abends an der kleinen Insel Andikhitira angekommen, dann weiter nach Kreta, in drei Stunden bin ich um Mitternacht da..)

Griechenland (01.07.2015) Stadt: Githio ( 5.000 Einwohner )

Dank einiger Spenden kann ich jetzt erstmal entspannt mit dem Bus fahren. Das trampen ist ja ganz schön, hat viel Flair von Abenteuer und Freiheit…. aber ist eben auch so anstrengend. So zahle ich vier Euro für 46 km bis zur Küste, dem letzten Ort hier auf der Peloponnes für mich, dort gehg es dann weiter mit dem Schiff nach Kreta…. Jaja, die Peloponnes. Hier sollte ich eigentlich länger bleiben, zu viel gibt es noch zu sehen in diesem wohl ältesten Land der Griechen (wie es die Peloponeser selbst gern behaupten) und schaue zurück auf die Berge, vor allem im Innland dieser Insel, die mit 21.000 Quadratkilometer genau so groß wie Hessen, oder fast so groß wie Rheinland Pfalz nicht gerade überschaubar ist. Vor allem dieses Arkadien würde ich noch gern genauer erleben; das bergige Landesinnere mit seinen sagenhaften Berggipfeln, spitz, sanft und vielfältig, seit der antike als ein Land von besonderer Schönheit bekannt. Nicht umsonst entwickelten sich die uralten Mykener eben ganau hier ihre für Griechenland fundermentale Hochkultur. Doch die letzten Tage waren vom Wetter her komischerweise nicht wirklich tauglich für Weitsicht auf Berg und Tal; graue Gewitterfronten grummelten täglich in der Ferne, überdeckten fast immer die malerische Landschaft mit ihren fast unwirklich aussehenden Bergen….. vielleicht liegt es ja an der Allegemeinsituation in Griechenland: Dunkle Wolken über Arkadien, dunkle Wolken über’s politische Athen ….. sowas bekomme ich eben hier zu hören von den Leuten die hier leben, wenn ich frage warum jetzt im Sommer so oft der Himmel grau ist ……. welche Antwort käme da passender?
( Bild: Mit dem Schiff auf nach Kreta……. Glück gehabt; die Fähre fährt nur einmal die Woche, immer Mittwochs genau jetzt wo ich zufällig eintreffe…. ansonsten entweder sieben Tage warten, oder ganz zurück nach Athen, von wo aus immer ein Schiff geht…. uuuff, das ging aber nochmal gut *schreck*)

Griechenland ( 01.07.2015) Stadt: Sparta ( 16.000 Einwohner )

Und nun jetzt Sparta, ein eher unscheinbarer Fleck auf der Landkarte, zumindest gegenwärtig, da vor 2400 Jahren hier einst das große Gegengewicht zu Athen residierte; Sparta -bei uns bekannt aus monumental Filmen und Kino, war sozusagen des Gegenstück seiner Zeit zur attischen Demokratie, war ähnlich der athener Polis als Stadt mit moderner Verwaltung ähnlich eines Stadtstaates aufgebaut, nur eben viel herarchischer, vor allem millitärischer. Das hatte auch gewisse Vorteile. Sparta kämpfte sich seinerzeit ganz weit hoch in die Liga der größten “Polis” wie damals die mächtigen Stadtreiche hießen, ja besiegte einmal sogar Athen, erlangte Berühmtheit durch seine Stärke in den siegreichen Perserkriegen. Doch im hin und her der langen Geschichte, verschwand das einstig schlagfertige Sparta in die Bedeutungslosigkeit. Wie Theben und Korinth verlagerten sich über die Jarhunderte die Machtverhältnisse, letztlich zugunsten Athens, was sich vor allem bis heute deutlich zeigt: Während Athen als mehrfache Millionenstadt zu nie da gewesender Größe dominiert, fristet Sparta heute lediglich als Provinznest, gegen 1830 neugegründet als modernistische Planstadt, eine urbane Randerscheinung im Lande. Auch von der stolzen, großen antiken Hauptstadt “Lakoniens” – wie damals das Reich Spartas hieß, sind nur noch wenige Mauerfundamente zu erkennen. Teils im modernen Stadtbild klaffen noch Baulücken wegen dem einen oder anderen Mauerwerk längs vergangener Epochen, und verwildern, teils in Nachbarschaft fürchterlicher Industriebauten, die natürlich längst selbst brach liegen.
Einen Schlafplatz finde ich hier allerdings leicht. Die Stadt ist klein und außerhalb sind es wieder die Olivenbäume die Schutz und Deckung spenden für mein Nachtlager.

Und ein Drama mit dem Peter ….

Griechenland (01.07.2015) Ort: Sparta

Ja, wir haben gemeinsam gefiebert: Am fünften Juli ist es soweit; Freund Peter aus Grevenbroich kommt nach Kreta und will ganze drei Wochen im Wanderleben dabei sein, mit Sack und Pack. Peter ist 64, arbeitet viel und wir freundeten uns vor zwei Jahren an, als Georg ihn mir vorstellte. Georg kennt ihn schon so lange die Akropolis über Athen wacht; schon als Chorknaben damals im Aachener Dom hatten sie sich gekannt und heute mischen die beiden 64 jährigen ganz schön mein Wanderleben auf…. Peter hatte zusammen mit mir eine komplette Ausrüstung zum Campen im Zelt zusammen gekauft, will bald mit mir über all die Inseln und draußen im Freien die Nächte verbringen.
Doch nun wird daraus nix; ein Leistenbruch macht die Aktion unmöglich, Peter darf nun erstmal keine Lasten tragen und muss absagen….. alles Vorfreude zum Scherbenhaufen zerbrochen….
Doch es geht weiter: Allein bleibe ich nun weiterhin und tröste meinen verhinderten Reisepartner mit zukunftsfrohen Aussichten; schließlich föngt doch das Leben erst mit 66 an, oder? Somit ist noch Zeit und die Welt noch groß.
Wir werden uns bald wiedersehen lieber Peter, ja und ärgern sollen wir uns schon….. denn wer seinen Ärger Luft macht, ist anschließend wieder freier….. also, ich trink dann mal einen auf uns.

(Danke für die Spende, damit schaffe ich die Fähren zu bezahlen über all die Inseln bis zur Türkei….. trampen über’s Meer geht nicht wirklich..)

Der Reiseplan und der Fluch einer Steckdose ….

Griechenland (01.07.2015) Ort: Sparta

So ist das in unseren modernen Zeiten; statt gemächlich Briefe zu schreiben mit Zeit und Muße, renne ich von einer Kneipe ins nächste Cafe, zahle viel zu viel Geld um ans WiFi zu dürfen (täglich zwischen drei bis sechs Euro) und vor allem den mittlerweile kaputten Akku zu laden.
Ich organisiere nahezu alles über meinen Tablet-PC der eigentlich das perfekte Gerät für solche Unternehmungen ist. Doch wenn der nun über sechs bis acht Stunden braucht, um wieder auf 100% Akkureserve zu kommen, sieht die Sache schwierig aus. Schließlich gibt es am Strand oder zwischen den Olivenbäumen wo ich ja immer zelte, keinen Strom, und ins unbezahlbare Hotel gehe ich ja bekanntlich nie…. aber dafür kann ich hier recht oft und immer aktuell vom Wanderleben erzählen, und das ist auch gut so.
Der Reiseplan bringt mich bald auf die Insel Kreta. Dort will ich den ältesten Olivenbaum Griechenlands finden und die ältesten Kulturstätten auch. Anschließend reise ich übers Meer weider nach Norden über die Luxusinsel Santorini, nach Naxos, Mykonos bis Samos oder Hios nahe der türkischen Küste. Also beibe ich noch zwei Wochen in Griechenland, werde dann für vier Wochen in der Türkei sein und ende Juli dann auf Georg in Istanbul treffen…. der hat nämlich für zwei Wochen tolle Hotels gebucht. Zwei Wochen Istanbul mit Georg im August…. das ist das Fernziel.

Griechenland (29.06.2015) Ort: Kalamata ( 54.000 Einwohner )

Das trampen macht mich völlig fertig. Dieses stundenlange stehen an hoffentlich richtigen Ausfallstraßen in praller Sonne nervt auf die Dauer echt gewaltig. Zudem brauche ich wieder mal einen Tag Pause, da auch das Gepäck nicht leichter wird und die Lasten meine Schultern dauerhaft schmerzen lassen. Also fahre ich für 7 € mit dem Bus nach Kalamata, einer Stadt am Meer im Süden des Peloponnes. Hier schleppe ich mich quer durch die ausgedehnte Stadt, überrede den Kassenmann für einen statt zwei Euro auf den alten Festungsberg zu dürfen. Vor mir sind nähmlich eine Gruppe Rentner aus England, offensichtlich gut betucht, zum reduzierten Eintritt für über 65 jährige eingelaufen. Und ich, völlig verschwitzt mit dem etwas schmutzigen, fetten Rucksack, muss mehr zahlen….. mit ein paar Witze aber schaffe ich es nun auch über 65 zu sein und brauche nur einen Euro berappen *freu*
Von der alten Burg Kalamatas sind nur Grundmauern zu sehen, die seit 800 Jahre eine sehr wechselvolle Geschichte erzählen können: Belagert und besetzt von Venezianern, Slaven, Franzosen, Albanern und Osmanen, letztlich völlig zerstört, komme ich eher der Aussicht hier auf dem Berg. Die Mauern aber heben sich als einzig historisches Zeugniss Kalamatas vom Stadtbild ab. Ansonsten muss ich dringend wieder ans Wasser, ziehe zwei Kilometer durch Kalamata bis zum Strand wo ich Schweiß und Anstrengung abwaschen kann. Wieder mit dem Bus plane ich heute nach Sparta zu kommen, weil ich hier nicht bleiben kann; zu sehr ausgedehnt zersiedelt sich Kalamata ins Umland, und fände hier kaum was für die Nacht im Freien ….( Bild: Die “Popen” von Kalamata, zumindest in Stein für meine Kamera. Leider erntete ich Schimpfe von inem echten Popen als ich ihn knipsen wollte…. und muss bisher fotographisch auf diese interessanten Erscheinungen verzichten… aber ich bleibe drann)

Griechenland (29.06.2015) Ort: Kyparissia ( 5.000 Einwohner )

Geheimnisvolle Bällchen am Strand von Kyparissia: Beim morgendlichen Bad im Meer fällt mir schon die suppige Brühe voller Partikel aus abgestorbenen Seegras auf. Ich bade eher schlecht als recht im seichten, recht trüben Meerwasser um etwas die Katerstimmung abzuwaschen. Naja, erfrischt bin ich ja und die lustigen Bälle am Strand sind typisch für’s südliche Mittelmeer; die faserigen Partikel vom Seegras rollen sich beim seichten Wellengang zu solchen Kugeln auf, die dann massenhaft an den Stränden rumliegen. Überhaupt stellt Seegras ein Problem für viele Badestrände da, weil durch das ganz normale Absondern welker Halme, Unmengen an “Kompost” entsteht, der manchmal haufenweise an den Stränden anschwemmt. Seegras ist keine Alge, sondern eine Grasart die im (wärmeren) Salzwasser gedeit, also einer der ganz wenigen Wasserpflanzen des Meeres.

Griechenland (29.06.2015) Ort: Kyparissia ( 5.000 Einwohner )

In Olympia fand ich wieder zwischen den allgegenwärtigen Olivenbäumen Schutz für die Nacht. Den Tag darauf fahre ich wieder mit dem Bus zurück nach Pyrgos, und von dort schaffe ich es bis nach Kyparissia zu trampen. Lernte in einem Ort zuvor Sabine kennen, eine weltreisene Krankenschwester die sich teils hier niedergelassen hat und mir echt viel Bier spendiert, soviel dass ich etwas besoffen irgendwo in einem der in Griechenland vielen Ruinenviertel, bestehend aus alten Industrie und Gewerbebauten der 30er bis 60er Jahre, zelte.