Griechenland (04.07.2015) Ort: Matala

Am touristischen, textilpflichtigen Hauptstrand Matalas, grenzt der andere Berg zum Norden ab, der mit den meisten Höhlen mittlerweile nur noch gegen drei Euro “Eintritt” bestiegen werden darf. Wofür das Geld eigentlich genutzt wird, ist unklar, da die alten Höhlen kaum gewartet werden. Lediglich der Zaun um die ehemaligen Fluchtstätten zur Freiheit jener Hippie Tage, wird gelegentlich nachgespannt… fehlt nur noch ein scharfer Stacheldraht…. jaja, vor 45 Jahren sah das hier noch ganz anders aus: Bob Dylan oder Cat Stevens waren mal hier, machten Musik und lebten in einer damals großen Gemeinschaft in und um den Höhlen. Was muss das toll gewesen sein…. wenn ich nur eine Zeitmaschiene hätte …

Griechenland (04.07.2015) Ort: Matala

Über den Berg steige ich einige hundert Meter über schmale Schotter und Kletterwege hinab zum “Red Beach”, der eigentlich garnicht so rot aussieht. Egal, dort aber, fern – und doch so nah, kann endlich nackt gebadet werden. In und bei Matala lebt noch dieses Flair einer gewissen Freizügigkeit die noch aus alten Hippie Tagen stammt. Zudem leben im Ort ca 20 bis 30 Alternative (oder Alt-Hippies) die teils in den Höhlen wohnen die sich über’s weite Bergareal verteilen, oder eben in den Häusern Matalas, da einige als Auswanderer oder Aussteiger hier ein kleines Geschäft mit Schmuck betreiben.

Griechenland (04.07.2015) Ort: Matala ( 70 Einwohner, ca 1500 Touristen)

Was für ein Hammer: Matala, an der Südküste Kretas, da wo Europa nicht mehr südlicher geht….. ein Paradies. Gelegen an einer kleinen Bucht zwischen malerisch ins Meer fallende Sandsteinberge, besteht Matala eigentlich ausschließlich aus Ferienwohnungen und Restaurants, bunten Bazaarartigen Souveniergassen und dem kleinen Sandstrand, wo ich sofort ins klare, blaue Wasser stürme….
Matala gibt es schon lang: Vor schon 4000 Jahren war es ein kleiner Hafen zum südlichen Meer, vor zwei Jahrtausenden übernahmen die Römer das Fischernest, auch um die uralten Wohnhöhlen im gelben Sandsteinberg, direkt oberhalb des Strandes als Grabstätte zu nutzen. Ansonsten war Matala aber nie eine wirkliche Siedlung, gar eine Stadt. 1900 noch ein vergessenes Fischerdorf mit hundert Einwohnern, entdeckten aber gegen 1964 die ersten Alternativen und Hippies den Ort mit seinen Höhlen am Meer.

Griechenland (03.07.2015) Ort: Mires ( 6.300 Einwohner )

Trampen gebe ich wieder schnell auf, da der Norden von Kreta völlig überlaufen, recht aggresiv auf der Straße mir keine Chance lässt in Ruhe zwischen mir und Autofahrer ein Blick aufzbauen…. wieder setze ich mich in den Bus und lasse mich längs der großen Straße vorbei an den völlig mit Touristen überfüllten Hafenstädten Chania und Rethimno, wo ich froh bin hier nur durchfahren zu müssen. Im Moment halten sich gut eine Million Touristen auf der Insel auf. Kilometerweit reihen sich Hotels und Souvenir-Ramschläden, Badeläden, und unzählige (teure) Restaurants in Imbiss-Qualität aneinander. Der Rummel ist unglaublich.
Ganze vier Stunden dauert die 130 Km lange Fahrt nach Heraklion, der Haupstadt Kretas womit das Zentrum des Hexenkessels erreicht ist. Schnell gilt es nun den nächsten Bus nach Matala aufzutreiben, doch wegen der zähen Fahrt und die vielen Stops in den verstopften Badeorten, verlor ich viel, viel Zeit. Kein Bus fährt mehr bis Matala, lediglich 13 Km ins zuvor gelegene Mires.
Dort angekommen nach weiteren anderthalb Stunden Fahrt, diesmal quer von Nord nach Süd, finde ich in Mires ein viel entspannteren Ort vor als noch oben im Norden…. Mires ist als Hauptort in dieser weiten Senke hier im Süden Kretas, ein Marktplatz und Städtchen mit echt freundlichen Leuten. Ich lerne Paulana kennen in einer Bar, wo ich mal wieder den PC über Nacht lassen muss damit er lädt. Paulana ist 20, sieht toll aus und findet mein Wanderleben super-spannend. Ich weiß ihr genug zu erzählen, muss aber dann los, da die Müdigkeit mir keine Chance mehr lässt. Wieder und wieder sind es die Olivenbäume die hier nahezu alles bestimmen, die mir Schutz und Deckung spenden für’s Zelt. Mann, bin ich fertig heute…. *tief schlaf*…..

(Bild: Die Messara Ebene in Südkreta wird schon seit 9000 Jahren mit Olivenbäumen kultiviert. Hinter den Hügeln liegt dann Matala am Meer, wo ich dann morgen erst hinkomme.)

Griechenland (05.07.2015) Stadt: Heraklion

Da guckt er, der Bösewicht.
Wobei die Deutschen hier überhaupt nicht allgemein im Abseits stehen, schaffen es die Griechen, ein gesundes Verhältnis zwischen ferner Politik und diesem Deutschland zu wahren. Auch wenn Athen versucht mit Altforderungen aus dem zweiten Weltkrieg Salz in die Wunden zu streuen, kommt sowas bei der großen Mehrheit nicht an. Zumindest nicht im persönlichen Empfinden.

(Bild: OXI (gesprochen: “Ochi” bedeutet “nein” zu den Eurohilfen) sehe ich überall an diesem Tag der Volksabstimmung in der Stadt.)

Chaos oder Chaos, ….Griechenland hat sich entschieden.

Ganz nebenbei beobachte ich noch diese Stimmung hier im Land, spreche ständig mit vielen Leuten eben über diesen Euro (der hier kaum was wert ist) und über Deutschland, das komischerweise als total fixiert im Zentrum griechischen Befindens steht. Frankreich oder Holland, sowie viele andere Länder beteiligen sich doch auch an den Schuldenberg den Griechenland weiterhin himmelhoch aufhäuft, doch seit Wochen sehe ich immer nur Merkel oder den deutschen Finanzminister auf den Bildschirmen der Kneipen. Dennoch, mein Herkunftsland ist tatsächlich in keinster Weise irgendwie unbeliebt bei den Griechen, im Gegenteil; die Leute hier verstehen sehr wohl auseinanderzuhalten was hohe Politik und deutsche Besucher mit ihrer Meinung zum Thema, angeht.

Jetzt aber ist eben das passiert, was kommen muss: Das Volk hat sich gegen weitere Schulden entschieden, zurück zur Drachme da für Griechenland die Vorteile klar sind; zurückzahlen können sie ja eh nicht alles, und das ist ja schon lang bekannt.
Deshalb ist es auch egal ob die harten Euro-Schulden, – dann mit einer schwachen Drachme beglichen, noch viel höher würden als schon heute.
Wichtiger ist aber , dass die billigen Drachmen in Zukunft griechische Produkte auf den Märkten günstiger machen, einem Land dessen einzige Zukunft lediglich die Landwirtschaft und Tourismus ausmacht, hat somit den Vorteil.

Urlaub in Griechenland, sowie der fuselige Tsantali wird in Zukunft günstiger.

Doch letztentlich sieht es für das Land deswegen alles andere als rosig aus; “ob mit Euro oder Drachme, meine Taschen sind so oder so leer” sagte mal ein Rentner am Tresen.
Und gerade die Rentner werden hier immer mehr, wenig Nachwuchs kümmert sich um die wenigen Einnahmen des Staates, der zudem auch noch unter extreme Ausgaben ans Militär bereits weit über den Rand seiner Möglichkeiten gerät, alte Pensionsansprüche seiner vielen Beamten kaum auf ein Niveau reduzieren kann, wie es sehr bald nötig wäre. Denn ihre Höhe entspricht sogar teils mehr als der eines Deutschen…. und das in einem Land dessen Lohndurchschnitt mittlerweile mit Polen zu vergleichen wäre….

Da bin ich mal gespannt auf die dringende Schrumpfkur, vor allem bei den wahnwitzigen Preisen des griechischen Warenkorbs, der abgehobenen Gastronomie (gestern fand ich nirgends in der Innenstadt von Heraklion ein großes Bier vom Fass unter 5 € !!!) und vor allem den Produzenten selbst, die in Monopolstellung das ganze ganze Land knechten, kaum Wettbewerb zulassen. (Ja, siehe da, der böse Wettbewerb mit seinen Lohndumping…. andersrum verdienen die Griechen allerdings kaum am Gegenteil, nur mal wieder und lediglich die Reichen…)

Meine Reisen durch’s Land zeigen aber auch, dass es hier nicht schlimmer ist als in den meisten Ländern der Welt.
Selbst gleich nebenan in Mazedonien oder Bulgarien sieht die Sache noch viel schlimmer aus. Dort gibt es schon immer ukd auch in Zukunft, echte Armut….. wenn auch die Griechen mittlerweile über den teilweisen Verlust ihrer Gesundheitsversorgung ein echtes Armutsproblem bekommen haben, gibt es sowas in Rumänien oder Albanien schon immer.
Der Schmerz ist hier deshalb so stark, weil dieses Land nahezu von heut auf morgen von seinem hohen Ross hinunterfällt. Von einem völlig auf Pump gebauten, rosa Luftschloss, hoch, hoch in den Federwolken schwebend durch blinde Kreditwut immer größer werdend. ….Auf Augenhöhe mit der Oberliga mitteleuropäischem Lebensstandards, in einem Land dessen größte Fabrik die Athener Coca Cola Werke sein sollten ….

Das tut jetzt eben besonders weh…. und es hat bereits nur angefangen; viele Löhne werden oft zu spät bezahlt, auch wenn diese heute im Durchschnitt zwischen 500 und 800 Euro liegen. Doch wie kommt das zusammen wenn alle übrigen Preise auf ihr altes Niveau verharren?
Die Steuern…. ? So schimpft mir das ein Kellner entgegen dem ich einen Vogel zeigte, als er mir 3,50€ für den Capucchino an den Kopf knallte….. 23% Steuern sind nicht wenig, aber bei 3,50€ eben nur 80 Cent…. 2,80€ kostet der Capucchino dan Steuerfrei…. und das ist er hier oft genug.

Jaja, aber das haben sie nun davon: In den Cafes und vor allem den Restaurants hier in Heraklion, sehe ich nur den Totentanz eines immer mehr verpeilten Verhältnisses von geben und nehmen.

Mal sehen wenn die Drachme wieder da ist…. die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wer eins & eins zusammenzählt, weiß schon jetzt wie’s kommt; es wird wieder so hoch gepokert wie nur irgend möglich …

Griechenland (03.07.2015) Ort: Tavronitis ( 2.500 Einwohner )

Tag geschafft: Baum gesehen, mit ihm gesprochen und zurück zu Fuß nach Tavronitis (einem Städtchen mit einem Namen wie eine Bakterienentzündung) – Sowas muss schon organisiert sein; die fette Tasche hinterließ ich in einer Kneipe, damit schonmal eine Schwerlast von den Schultern war. Sowas kostet, da man schon allein aus Anstand irgendwas bestellen muss um ins Gespräch zu kommen. Ja, versucht habe ich es auch so schon mal, etwas gebettelt und erzählt dass ich kein Geld hätte für die teure Cola….. könnte ich auch so ein WiFi haben?
Das geht manchmal, ist aber recht blöd, und oft lässt irgendwie das persönliche miteinander (und füreinander) zu wünschen übrig. Also braucht es einen “sozialen Katalysator” – eben ein kleines Getränk für kleines Geld. Der PC blieb über Nacht sogar ganz im Lokal, da er fast kaputt, viele Stunden zum laden braucht. Gepäck wieder an mir und Ich tanke am Strand nochmal auf, steige ins tosende Meer und bin wieder sauber für die Nacht…..

Griechenland (03.07.2015) Ort: Kreta – Innland

Olivenbäume weit und breit. Überhaupt prägen die Ölbäume das gesamte Mittelmeer von Spanien bis hierher. Kreta ist da ganz bosonders “Oliv” und auch gut: Hier finde ich immer einen Zeltplatz schön versteckt zwischen den friedlichen Bäumen.

Oliven wachsen dort wo ansonsten wenig gedeiht. Kretas Hügelgebiete und Ebenen sind stark mineralisch teils komplett steinig und sehr trocken. Auf solchen Böden aber können Olivenbäume wachsen, – wenn auch nur sehr langsam.

Griechenland ( 03.07.2015 ) Ort: Ana Vouves

Was ist das Markenzeichen dieser Insel: Ganz klar, der Olivenbaum. Kretas Landwirtschaft ist nach dem Fremdenverkehr der zweitgrößte Geldbringer der Insel. Besonders die Olivenbäume prägen nahezu alle Weiten des Agrarlandes, abgesehen von einigen Wein oder Melonenfeldern, werden Oliven schon seit 9000 Jahre auf der Insel kultiviert. Alt werden sie, die Olivenbäume, und einen habe ich nun gefunden; den 2500 jährigen Olivenbaum von Ana Vouves, einem Dorf etwas abseits im Landesinnern gelegen von meiner Route entlang der nördlichen Küstenstraße. Trampen musste ich zu diesem abgelegenen Ort wo es lediglich möglich war dermaßen lang zu überleben für solch eine Pflanze; gefällt wegen ihres guten und harten Brennholzes, nahezu “zu tode geschnitten” über die Jahre, um aus den Ästen Brennholz zu gewinnen, werden die langlebigen Bäume über die Jahrzehnte. Solch eine Tortur hält selbst diese harte, wiederstandsfähige Baumart nicht ewig aus, und somit kommen eben sehr alte Olivenbäume kaum noch vor. Zudem führten Kriege, Kältezeiten (ja, auch auf Kreta können die Winter sogar Schnee bringen) und Hungerperioden über die Jahrunderte zusätzlich zu ganzen Abholzungsaktionen der Bäume, wegen ihres guten Holzes.
Lediglich in Ano Vouves aber auch in Kavousi (Ostkreta) gibt es zwei ganz, ganz alte: mit mindestens 2500 Jahren ist dieser Gigant der Zeiten so alt wie die Akropolis in Athen…. da werde ich schwindelig, und verbringe eine volle Stunde bei dem Baum….. eine Stunde um zu verstehen das ein Lebewesen 25 Jarhunderte leben kann ….