Deutschland (01.10.2015) Stadt: Recklinghausen (115.000 Einwohner)

Schnell noch 1500 Kilometer machen, schnell, schnell, bevor der Hammer-Winter einbricht und das Wanderleben zum Frostleben macht….
Nach sechs Wochen Pause, nutze ich somit die schönen Tage um schonmal die erste Etappe in Richtung China zu starten: 600 km Deutschland sind ja auch mal was, bis zur polnischen Grenze. Also immer ostwärts, ostwärts und nochmals ostwärts. Grund genug um der Redaktion der Recklinghäuser Zeitung einen Besuch abszustatten, die jetzt am Samstag darüber berichten wird; Interviev und Fotoshooting am Hauptmarkt im Herzen der recklinghäuser Innenstadt sind angesagt. Ja, und wieder auch Abschied nehmen, von Mama und Tante Betti. Aber diesmal ohne die üblichen Tränen; zwei Monate Wanderzeit sind ja nicht so schlimm…. (Bild: Start in der Heimatstadt mit den Lieben, + interessierte Passantin (rechts im Bild) die gleich mit aufs Bild möchte.)

Deutschland (30.09.2015)
Auf gehts zur nächsten Wanderschaft in die Unendlichkeit: Etappe Nr.1 von RECKLINGHAUSEN nach RIGA;

– Warum Riga? Die Hauptstadt Lettlands liegt ca 1500 km weit, also gut zwei Monate Wanderzeit entfernt. Dann haben wir schon Dezember, also höchste Zeit dem schlimmen Winter zu entkommen und zurück in die Heimat zu fliehen. Bis März will ich dann Zuhause in Recklinghausen überwintern, um dann wieder zurück die nächste Etappe nach St.Petersburg über Moskau bks zum Ural in Angriff zu nehmen …. hoffentlich mit einem dicken Russen-Visum………. ….. …… Jaja, doch erst gehts ganz gemütlich durch heimische Landen: Von Recklinghausen nach Osten; Hamm – Beckum – Bielefeld – Herford – Minden – Bad Oyenhausen – Hannover – Braunschweig – Magdeburg – Berlin; 600 km bis zur polnischen Grenze, dann 500 km weiter bis Kaliningrad, – sofern die Herrschaften mir ein Visum für die Wanderschaft erlauben. Ansonsten durch Litauen, und überhaupt durchs Baltikum; Litauen und Lettland. Riga liegt an der kalten, stürmischen Ostsee, wo es dann höchste Zeit wird kurz nach Hause zu kommen, der Wanderwagen (Gepäckwagen bleibt vor Ort) und ich muss zusehen das Projekt zu stemmen ein Russland Visum für ein ganzes Jahr zu kriegen…… davon brauche ich insgesamt sogar zwei um das größte Flächenland der Welt zu bezwingen ……

Heimaturlaub (13.09.2015) – neuste Planung –

Tja, zumindest auf dem Papier gibt es sie schon, die Fortsetzung der “Via Terrestris” nun mal hinaus aus Europa in die Unendlichkeit…. ja, ganz weit und wieder alles komplett zu Fuß; über 10.000 km in Richtung Osten, erstmal durch Europas endlosen Weiten bis zum Ural, dann der Kampf gegen die endlosesten Weiten die es überhaupt gibt: Russlands Horizonte bezwingen….. abertausende von Kilometer durch Sibirien bis China und Japan….. ja, sowas traue ich mir wirklich zu, der Wanderwagen wird gerade wieder fit gemacht, einiges zu tun aber bei allem Eifer, bei allen Strapazen im Kampf gegen das weiteste Land der Welt, bei all der extremen Kälte in langen, dunklen Wintern, bei milliarden Moskitos im Sommer, bei den vielen Vodka-Anschlägen auf die Leber, bei den Wölfen und Bären in Angesicht des Zeltlagers, bei all der Sehnsucht in den unendlichen Einöden….. bekomme ich überhaupt ein Visum für längere Zeit in Russland?
Ist letztlich die Bürokratie der mächtigste Gegner in diesem Lande?

Heimaturlaub (31.08 bis 08.09.2015) Insel Sylt.

Kaum wieder Zuhause und schon wieder unterwegs, wobei wie kann ich dieser Einladung wiederstehen? Einige Tage auf Sylt im ganz (ganz!) hohen Norden unseres schönen Landes…. Freund Georg kommt schon 24 Jahre hier her, genauso wie Bruno (aus Bologna) und Markus (aus Brüssel). Ein weiterer musste absagen und ein (mein) Bett in Westerland war frei. Somit kann der Kontrast kaum größer sein: Vorher 40 Grad täglich im tiefsten Süden Europas, und nun stramme Nordseebriesen im spätsommerlichen Duft von Salz und reifen Strandhafer auf den Dünen… was ein Change… Ansonsten: Bäume fällen in Trier und Recklinghausen um etwas die Wander-Kasse zu füttern. Auch ein lieben Dank an einige Spenden von Lesern meines Reiseblogs. – Ohne euch würde ich nicht wissen wie’s weitergeht….. Pläne sind aber schon voll in Arbeit: Der Wanderwagen soll aufgerüstet werden, und schon in zwei Wochen will (muss) ich wieder los; 1400 km zu Fuß nach Osten….. bis Riga, -die erste Etappe auf dem “ewigen Weg nach China” ……

Heimaturlaub (20.08.2015)

Lang nichts mehr geschrieben hier…. also gut angekommen über die 2350 km Heimfahrt durch ewiges Flachland, schlichte Ländereien (Mazedonien, Serbien, Ost-Kroatien, Slowenien, Österreich, durch Süddeutschland – davon könnte ich noch viel erzählen, doch was sehe ich von diesen Ländern im Transit? Wenig, wenn auch ein kleiner Eindruck z.B. von Serbien, einem finsteren Land irgendwo im tiefsten Balkan, (Bild: Wolkenbruch hinter Belgrad/Serbien) – trist und dunkel in den deutschen Köpfen manifest; stimmt aber überhaupt nicht, offen, freundlich, unkompliziert, super günstig, und Lust machend auf mehr; ich komme wieder. Irgendwann. ….. …… …… Zuhause schwimme ich im Glück, ein Gefühl wie im Traum tiefster Harmonie….. unglaublich. (Bild: Bruder Tim macht sich über die Souveniers vom Balkan her…. 1,5 Liter exotisches Bier aus der Plastikflasche)

Griechenland (14.08.2015) Stadt: Katerini ( 51.000 Einwohner )

Wie die Zeit vergeht, schnell aber auch intensiv: Thessaloniki verließ ich mit dem Zug, da meine nun allerletzten Reserven die neun Euro fürs Ticket zu berappen vermochten. 70 km durch flaches, sonnengedörrtes Ackerland. Sogar bewässerte Reisfelder sah ich hier. In der sehr geschäftigen Kleinstadt Katerini suchte ich dieses Orfeas Classic Hotel, wo ich diesmal final verabredet bin mit der Familie…. jaja, all die Leute die ich traf, all die verschiedenen Termine ob mit Andy damals noch in Italien, Rainer in Albanien, Peter für Kreta, der mir so viel Geld schenkte weil er nicht kommen konnte, oder Freund Georg in Istanbul….. und immer war er sooooo fern, der Termin mit Mama und Papa hier in Griechenland, und nun ist es soweit: Ich werde abgeholt, 2560 km sind sie gefahren von Recklinghausen bis nach hier, durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro, und Albanien bis Nord-Griechenland. Freudiges Wiedersehen nach langer Sehnsucht; die Lieben sind da, nach langer Zeit des wartens, ob all die letzten Monate, oder eben heute die sieben Stunden, die ich früher hier war im Orfeas Classic, mit Balkon und Blick auf den zentralen Citypark und all den Geschäften drumherum in Katerini. Zwei Tage Urlaub waren genug für die eher Bade-touristische Gegend; Katerini selbst, hat kaum sehenswerte Sachen, ist eine Stadt des üblichen 1960er Einerlei, fader Zweckbauten in grauweiss. Strand mit endlos-Sonnenschirmpanorama gibts sechs Kilometer abseits, und dann noch ein letztes, historisches Leckerchen: Dion, eine antike Ausgrabung mit allen was dazugehört; Amphitheather, Tempel-Überreste, römische Badehäuser mit reichlich Mosaiken (Bild: Mama & Papa bei 35 Grad zur Mosaik-bewunderung) und antike Straßen (Bild: Mama tanzt den Greco-Antika). Das alles nahe dem Olymp, dem mit 2917 Metern höchsten Berg Grichenlands, wo bei aller Diffusheit nicht wirklich klar wird, wo der höchste Punkt liegt, da dieser Olymp ein ganzes Massiv vieler Gipfel ist, und das in ständig diesiger Wolkenpracht und mittelmäßiger Sicht. Ein nicht sehr fotogener Berg ….(Bild: Olymp-Massiv mit Tomatenfeld davor) Ja, und schwimmen waren wir viel…. noch ein letztes mal schwimme ich lang im Badewannen-warmen Wasser, erinnere mich an all die vielen Küsten von Sizilien über Albanien, ganz Greichenland bis zur Türkei, wo dieses Meer immer so herrlich frisch und freundlich zu mir war. Morgen fahre ich mit ihnen dann fort, zurück nach Hause, werde das Mittelmeer nun nicht mehr wiedersehen, und neue Weltregionen bald erwandern….. doch zuerst ab nach Hause. Mal sehen wie lang ich brauche bis zur nächsten Tour, 4500 km zu Fuß durch die ganze Türkei, bis zum Ararat an der Grenze zu Armenien, von wo ich bis Russland nach China laufen will….. Doch noch bin ich hier, leide immernoch an fürchterlichen Dünschiss, der mal explosiv ist, mal nen ganzen Tag aussetzt…. ein schwelendes Dilemma seit vor anderthalb Wochen in Istanbul…. oh jeee…. Egal, morgen gehts ja wieder heim, Papa prescht über Mazedonien, Serbien (!) Ost-Kroatien, Slovenien, Österreich bis ins Ruhrgebiet. Drei Tage Fahrt mit Imodium Tabletten. Das müsste klappen *hoff*

Griechenland (13.08.2015) Stadt: Thessaloniki ( 770.000 Einwohner )

Mein letzter “einsamer” Tag, hier in Thessaloniki der zweitgrößten Stadt Griechenlands. Erst Zelt, dann Hostel; nach langer, anstrengender Suche, fand ich noch ein Bett im Schlafsaal, zwar für happige 20 Euro, aber somit habe ich heute Ruhe und Zeit ohne Gepäck die Stadt zu erkunden. Trotz ihrer Größe wirkt die Stadt überschaubar, ihre nach dem ersten Weltkrieg neu aufgebaute Innenstadt im typisch neugriechischen Schachbrettmuster langweilt wie überall im Land mit hohen, grauen Zweckbauten niederer Qualität. Zerfall und blätternder Putz überall, Leerstand und uralte Baustellen offener Löcher in den Straßen bieten ein Bild einer Lethargie die angesichts der aktuellen Lage nicht wirklich verwundert. Allerdings freue ich mich über all die vielen römischen Mauern, Bögen und Gebäuden aus einer Zeit vor ca 1700 Jahren erbaut, die hier überall verteilt in der Innenstadt herumstehen. Sowas “erfrischt”, und letztlich steige ich auf den weißen Turm, dem Wahrzeichen Thessalonikis. Von oben überblickt man die Stadt aus 26 Metern Höhe, denkt besser nicht darüber nach wie es hier vor 300 Jahren aussah; als Foltergefängnis und Hinrichtungsstätte dienten die dicken Mauern hier zu Sultans Zeiten, weshalb das Ding auch mal “roter Turm” hieß, dem Blute wegen….. glücklicherweise ist heute alles viel friedlicher…. Thessaloniki war vor 2330 Jahren von einem Makedonischen König als “Thessalonikē” gegründet, nach dem Namen seiner Frau. Makedonien war mal ein großes Reich griechischer Prägung und noch heute heißt die Region so, was reichlich Zoff mit dem nördlich gelegenen Mazedonien mit sich bringt: Das darf eigentlich nicht so heißen, weil halb Nordgriechenland makedonisch (namentlich mazedonisch) geprägt sei. Wie Istanbul durchlebte die Hafenstadt die typische historische Reihenfolge: Erst Griechisch, dann Römisch, dann Byzantinisch, dann Osmanisch. Aus letzterer Zeit stammt auch dieser dicke Turm (weißer Turm) erbaut von diesem Supermann Sinan, der Alles-Architekt seiner Zeit.

Griechenland (13.08.2015) Stadt: Thessaloniki ( 770.000 Einwohner )

Guten Mooooorgen, Thessaloniki bot mir genug Platz zum Übernachten, und zwar auf einer der vielen Brachflächen überall im Stadtgebiet, etwas abseits der dichten Innenstadt. So liegt auch der “International Busterminal” in solch einer total gottverlassenen, trostlosen Gegend die wirklich an diverse Kulissen bekannter Endzeitfilme erinnert. Wärend einige Backpacker ratlos am grauen Parkplatz herumstanden und in ihren Smartphons verzweifelt im WiFi nach Orientierung oder Zimmer suchten, schritt ich voran, suchte erstmal irgendwas zu Essen und kam schnell in ein Roma Viertel hinein, wo es zwar ein paar Käsebrote, Bier und Wasser gab, aber die vielen Bruchbuden, offene, wilde Gärten und Dornenstrauch-Müllplätze alles andere als einladend wirkten, erst recht wenn besoffene Zigeunerjungs plötzlich zum pinkeln aus dem Dickicht wankten. Zurück zur großen Brücke. Zu viel Müll hier, weiter Richtung Hafen, die Autos und LKWs krachten hautnah an mir vorbei, bis auf grauer Sand und unendlich viele, platte Plastikflaschen gabs keinen Seitenstreifenm wohl aber Platz hinterm Zaun, der hier und da ein Loch hatte. Dort schlüpfte ich durch, kämpfte mich kurzer Hosen durchs hohe, kratzige Kraut, was dörr und trocken auf viele Meter das ehemalige Klärwerk hier bewuchert. Muss wohl eins sein, da überall seltsame Betonbecken mit grünem Jauchenwasser drinn, myriaden Moskitos produzierend, hier offen lagen. Einst teuer erbaut vor noch nicht mal so langer Zeit, stehen hier diese Gebäude brach herum, verfallen….. und dahinten klaffen offene Kloaken in den Himmel stinkend….. klatschnass geschwitzt baute ich im Moskitowirbel das Zelt in Höchstgeschwindigkeit auf, zog mit Mühe die nassen Sachen vom Leib nachdem der Reißverschluss zu gemacht, für Sicherheit sorgte. Tausend Dollar für eine frische Dusche……… aber that’s Wanderleben. Klebend – feucht versuchte ich einzuschlafen.

Griechenland (12.08.2015)

Dank einer 50 Euro Spende von einem Fan in Süddeutschland, kann ich nun das Ticket für 45€ zahlen und die über 600 km lange Strecke nach “Selanik” antreten, so heißt Thessaloniki nämlich auf türkisch. Istanbul zieht sich mit seinen brandneuen Vorstädten lang daher bis wieder bis zum Horizont die thrakischen Sonnenblumenfelder zu sehen sind.
Eine satte Stunde dauert das Gezumpel an der Grenze zu Griechenland. Drei Stichproben und die Wartezeit steigt ins Unermessliche: ausgerechnet zwei alte Damen wurden bis auf ihre Moleküle zerlegt, ob im Kreuzverhör oder dessen Gepäck; fette Rollkoffer und dicke Taschen, was solche Omas eben halt so haben. Das erzählte mir mein russischer Sitznachbar, dem als dritter das gleiche wiederfuhr. Pässe abgeben, wieder ausgeben, dann nochmal das Ganze…. -schöne Grenzenwelt- dieser Planet…… da hätte Ahmad nicht mal im Ansatz irgendeine Chance hier …..
Glücklich ein EU Bürger zu sein, sehe ich auf eine sanft gebirgige Landschaft, ohne jegliche Besiedlung, viele, viele Kilometer lang…. dann kommen die obersten Inseln des ägäischen Meeres am Horizont, erst Samothraki, dann Thassos, schwebend in der maritimen Ferne einfach toll aussehend (Bild) und Städte wie Alexandrupolis oder Kavala sich malerisch zwischen Küste und Meer schmiegen. Das alles leider im Vorbeiflug….. der Bus hielt noch zum Essen in der Türkei, kurz vor Keşan, wo mir für 15 Lira (5€) noch ein komplettes Mahl plus Limonata-Zitrone vergönnt war. Im Gier-Griechenland dann berappe ich freche drei Euro für eine Dose Fanta….. hab eben nicht nach dem Preis gefragt, selber schuld. Entgegen der Information die Fahrt dauere nur acht Stunden, komme ich 11 Std später dann endlich in Thessaloniki an, der Bus war nur zu 40% ausgelastet anfangs, jetzt hier am “International Bus Terminal” steige ich mit nur sechs weiteren Leuten aus, Türken und Griechen, die gegenseitig auf Verwandschaftsbesuch sind oder waren.

Türkei (11.08.2015) Stadt: Istanbul ( 15.100.000 Einwohner )

Von harten Wirklichkeiten zurück in unsere Welt: Gutes Essen, Bier und nochmals fettes Essen. Wobei diese Hitze den Hunger drückt, kann man dennoch ganz schnell über 4000 Kalorien kommen hier in Istanbul. Ob Essen im “Ficcin” oder Haufenweise als “Meze” aus den Trögen der vielen Fressbuden….. mein Gott, welch krasse Gegensätze; Ahmad geht mir/uns nach….. doch was sollen wir machen? Wir helfen ihm bald, wenn er aufbricht in unsere Welt…. ich muss es wie ein Arzt nehmen, trenne das eine von dem anderen. Ok, unser letzter Tag heute in ISTANBUL, fast zwei Wochen lang war ich hier, hab mit Georg tolle Tage gehabt, – auch gelitten (schwere Hitze, ….gestern hatten wir uns mal ordentlich gezofft…) und danke ihm für diese Zeit voller unglaublicher Eindrücke. Die Bilder zeigen noch einige Sachen der letzten Tage hier. Ich könnte noch tonnenweise mehr dazupacken…. aber es reicht erstmal, Istanbul ist einfach gewaltig.