Barbate

Im Ort Barbate, 10 Kilometer weiter bin ich jetzt schon Stunden um wieder meinem Internetaufgaben gerecht zu werden; immernoch kein Gastgeber für Cadiz – ich werde langsam nervös…. wieder drei Uhr und ich muss los, da ich mir nicht wieder ein Hotelzimmer leisten kann.
Werde ich heute einen Platz zum Campen finden?

Ich ziehe gleich entlang der Küste und hoffe auf eine Nische.
Noch zwei Tage, dann erreiche ich Cadiz von wo die Fähre zu den Kanaren geht.
… Muss noch Einkaufen gleich, mit Mama und Freund habe ich schon geskypt,  Und dann wieder auf die Straße.
Jaja, Wanderleben ist nicht immer Lotterleben….

… Einmal ist keinmal… ( Zahara de los Atunes )

Tja, so kommt es dann. Ich laufe in die Nacht hinein, zwar in wunderschönen Farben die der spätabendliche Himmel wie ein Versuch der Wiedergutmachung präsentiert,  aber gründlich abgekämpft, bis zum nächsten Ort, dem Städtchen Zahara an der Küste.
Stockdunkel ist es nun, die Autos schneiden mich, hupen lang und mahnend,  da die Nummer jetzt wirklich gefährlich wird; nicht mal im Ansatz sind irgendwelche Vorkehrungen für Radfahrer eingerichtet,  kein Zentimeter Randstreifen auf dieser eigentlich neu ausgebauten Lockalstraße. Alle paar Minuten muss ich mit dem ganzen Wanderwagen seitlich die Böschung runter wenn ein Auto mir entgegen schmettert, ganze zwei Kilometer treibe ich diesen Spießroutenlauf bis Zahara endlich erreicht ist.
Welch ein Wahnsinn;  wer ohne Auto heute auf dieser Welt meint unterwegs zu sein, soll spüren wer überall das Sagen hat; das Automobil nimmt mehr und mehr seinen Platz auf dieser Welt ein, irgendwann “müssen” alle Menschen oder können wir nur noch Auto fahren. Kein Platz mehr fürs Fußvolk, kein Platz mehr für bald 10 Milliarden Menschen? – Wegen mehreren Milliarden Autos?
Ich spüre es schon jetzt wie es der Welt in Zukunft ergehen mag. Platz für 10 Mrd Menschen gibt es noch auf der Erde, aber nicht für mehrere Mrd Autos…. (schon heute “bevölkern” über 1 Mrd Autos den Planeten, Tendenz: Stark steigend)

Am Strand versuche ich noch einmal mein Glück,  es ist kalt geworden,  ich bin verschwitzt und fühle mich klebrig,  lege mich in den weichen Sand, flüchte aber schnell wieder; der Wind fegt den Sand förmlich in die Haut.  Ich drehe und winde mich, aber keine Chance.
Der Wanderwagen knistert im Getriebe,  überall Sand, überall….

Der Wind treibt mich geradezu ins Hostal; 30 Euro zahle ich, mir ist alles egal jetzt.
Doch dann dieses Zimmer: Ein Traum, ein ganzes Zimmer für mich. Kein Wind, kein Sand, keine Kakteen, keine Zäune, keine Hunde, jaaaaa ich dusche mich heiß ab, mindestens 20 Minuten lang.

Einmal ins Hotel, einmal…. denn einmal ist keinmal.

Schwere Zeiten für „Freischläfer“…

So, mal mit einer Überschrift versuche ich den Tag oder Eintrag künftig zu beschreiben.  Auch wenn diese jetzt nicht wirklich fröhlich daherkommt. ..

Jaja, satte 13 Stunden dauert hier unten so eine Nacht im Winter,  dem Spanier solls ja recht sein, die sind ja eh lieber Nachtaktiv, also viel Zeit für die und wenig für mich; bin rein Tagaktiv und schlafe nur sehr wenig dieser Stunden.
Wie damals in Schottland,  peitscht der Sturm die Zeltplanen hin und her, wieder faucht der Wind wie ein wütender,  böser Geist um die scharfen Felsen umher, raubt mir jede Ruhe und überhaupt ist dieser Ort recht unheimlich;  eine seltsame Steinhütte, – gruselig klafft wie ein großes, dunkles Maul ihr Eingang mir im Dunkeln entgegen,  als ich mal wieder aus dem Zelt steige um zu schauen wet oder was hier los ist; seltsame Geräusche machen mich zusätzlich unruhig,  ich denke wilde Hunde machen hier die Runde, habe es zuvor schon an deren “Hinterlassenschaften” erkannt… außerdem liegen überall Knochen herum.
Nicht gerade vertrauenswürdig.

Irgendwann,  ja irgendwann ist auch mal so eine Nacht vorüber.  Hoffentlich finde ich für den nächsten Abend was besseres.
Auch Biwakieren ist hier nicht wirklich empfehlenswert;  ohne Zelt, lediglich im Schlafsack unter freiem Himmel ist zwar möglich, da es  nicht kalt ist und nie regnet,  aber kleine Skorpione, Zecken (manchmal finde ich schon im Zelt Marienkäfer-große Zecken….) und sonstiges Kleingetier wie Ratten, sind hier allgegenwärtig und bin ihnen schutzlos ausgeliefert.

In einer grandiosen Landschaft voller Weitsicht, überladen mit Windrädern die viele Kilometer weit die Gegend prägen, ziehe ich weiter, esse viel da in Tarifa wieder ein Lidl-Supermarkt zu finden war, dort kaufte ich kräftig ein, geschätzte 8000 Kalorien für nur 8 Euro… das kann wirklich nur Lidl…….

Ich bin kräftig heute,  schaue auf Tarifa zurück und genieße die Sicht; Afrika liegt permanent auf der anderen Seite dieser Meerenge, dort liegen die hohen Berge Marokkos diffus in der Ferne schwebend. Nur noch 14 Kilometer trennen die Gewässer von Mittelmeer und Atlantik, die sich genau hier vermischen, die Kontinente.
Jetzt schreite ich nahe dem Atlantik immer weiter Richtung Cadiz,  was noch 120 Kilometer fern ist, sehe in nahezu unendlich weiten, leeren Landschaften.  Entweder Äcker,  die jetzt abgeerntet, braun und Wüstenhaft daliegen, oder Weiden, Kilometerweit für die Stiere der Nation, breiten sich links und rechts längs der Landstraße aus.
Was ist schon ein Tag….  wieder werden die Schatten länger und wieder denke ich an die Nacht, so allmählich muss ich nun was finden.
Wieder gehen meine geübten Blicke ins Leere; kein Meter der hier zum Quartier-aufschlagen geeignet,  geschweige den zugänglich wäre…. Kilometer um Kilometer sperrt Stacheldraht die Landstraße vom Umland ab… ohnehin könnte ich mitten auf dem Baumlosen Ackerland nicht einfach Zelten; erstens ist es ja bekanntlich verboten (…) zweitens würde der starke Wind die Sache  sowieso sinnlos machen.
Doch nun erscheinen Bäume,  die Rettung eines jeden der Deckung sucht. Doch auch hier, Stacheldraht Kilometerweise. Damit wird weniger von außen als von innen abgegrenzt;  Kühe und Bullen spicken bis zum Horizont diese riesigen Areale.
Doch ich versuche es mal: irgendwann ist der Zaun niedrig genug um rüberzuklettern, ich löse das Gepäck in seine Einzelteile auf, zuerst der schwere Rucksack den ich hinüber schmeiße, dann einige Einzelteile und nun der Wanderwagen.
Uuuufff, wieder versuche ich es den gesamten,  wenn auch halb entladenen Wanderwagen über die 1, 5 Meter hohe Drahtbarierre zu hieven. Ich gebe nicht auf, schreie fast vor Verausgabung, doch ich scheitere;  es geht einfach nicht, zu schwer,  einfach viel zu schwer….
Ein Auto hupt beim vorbeifahren,  zu offenkundig ist mein Vorhaben hier einzudringen.
Ich gebe auf, packe die Sachen wieder ein, nachdem ich wie ein Artist über den Zaun geschwungen bin.
Verdammt,  mit dem Wanderwagen komme ich nur sehr, sehr begrenzt irgendwo hin oder rein. Ein großer Nachteil meines eigentlich so praktischen Lastenträgers.

Schon seit langem sitze ich hier in der Falle: Ewig lang verunmöglichen unüberwindliche Kakteennarierren den Zugang ins Umland.
Die elend lange Straße liegt wie abgeriegelt in dieser Landschaft,  es gibt keine Möglichkeit von ihr abzuweichen.
Wieder kommt der Abend bedrohlich nah und ich habe immernoch keine Aussicht auf ein Nachtlager.
Ein Dorf erscheint dann schon als etwas Hoffnungsvolles, doch jegliche Bemühungen auf Kontaktaufnahme scheitert am hysterischen Bellen der vielen, großen Hunde hier, die selbst ihre Halter im Lärm so überfordern,  dass diese mich erkennlich ignorieren.
Ein unschönes, leider objektives Gefühl des Unwilkommenseins beschleicht mich, angesichts dieser schrecklichen Biester, die sowas von aggressiv mein Erscheinen schon von weitem beantworten.
Hunde sind der Schrecken eines jeden Besuchers, wohl auch der Schrecken einer intakten Gesellschaft,  in der das Misstrauen nicht die mit Abstand größte gegenseitige Wahrnehmung voneinander ist….

Spanien / Tarifa

Endlich wieder wandern, doch vorher muss (!!!) Ich nochmal in den Bus,  da es tatsächlich keine Möglichkeit gibt zwischen Gibraltar und Algeciras, was auf der anderen Seite der Bucht liegt,  Fußläufig zu gelangen, auch nicht mit dem Fahrrad. … Willkommen auf dem Autoplaneten Erde… lediglich eine Autobahn führt entlang der großen Bucht.  Ich stopfe den Wanderwagen in ein diesmal winzigen Laderaum und fahre halt die 20 Kilometer nach Algeciras.

Algeciras ist ebenfalls einer der südlichsten Orte Spaniens, gleich gegenüber schaue ich nun auf den markanten Felsen von Gibraltar,  der wirklich beeindruckend den Blick verweilen lässt.
Doch jetzt schaue ich mir noch Algeciras an, das “Tor zu Marokko” da hier die Fähren dorthin fahren. Vorbei an vielen Arabischen Läden verlasse ich die große Stadt über die Ausfallstraße weiter nach Süden.  Hier schlage ich mich gleich nebenan ins sichere Gebüsch und habe eine echt gute Nacht im Zelt.

Gut ausgeschlafen ziehe ich morgens weiter, der Wind wird heftiger und erst jetzt merke ich wie sehr man diesen unterschätzt;  schon seit zwei Wochen gab es keine einzige Minute Windstille, permanent weht es mir ins Gesicht,  oder von allen Seiten.  Ich merke dass es auf Dauer ganz schön nerven kann.
Aber anstatt einer Pause,  gibt’s nun noch kräftig einen oben drauf: Windräder entlang der ohnehin dauerhaft Sturmumtosten Landstraße,  die hoch über die Hügel führt,  deuten auf noch windigere Tage hin; Tarifa und die Gegend dahinter ist Spaniens windigste Gegend.
Wankend und Sturmverzerrt im Gesicht,  näher ich mich Tarifa, der Surferkapitale hier im äußersten Süden.
Na, so südlich fühle ich mich eher nicht, auch die Kleinstadt selbst erinnert mich eher an Wick oder Thurso, jene nördlichsten Städte die ich noch im Sommer, hoch, hoch oben in Schottland gesehen habe… irgendwie so künstlich in die kahle Landschaft gepflanzt,  wirkten solche Grenzorte in natürlichen Randzonen.

Eine kleine Steinhöhle, gerade mal groß genug um mich vor dem allgegenwärtigen Dauerwind zu schützen,  bietet sich als Nachtlager gut an. Die liegt in einer alten, vom Salzwasser erodierten Zementmauer direkt an dieser Inselfestung die über eine Brücke zu erreichbar, genau vor Tarifa liegt.
Eigentlich nicht zugänglich, wahrscheinlich irgendein Militärkram, ist das wohl meine einzige Möglichkeit.
Da es aber noch früh ist, gehe ich wieder in die Stadt, verbringe dort einige Stunden im Internet um Couchsurfing in Cadiz zu ermöglichen,  meinem finalen Ziel der nächsten Tage.
Wieder zurück in der Abenddämmerung,  möchte ich meine Nische in dieser Mauer nahe dem Meer beziehen,  muss die Sache aber begraben;  ein Afrikaner lungert unweit davon mit alten Decken und haufenweise Plastiktüten, herum.  Unmöglich sich jetzt seiner angesichtig, mit al meinen Sachen, gemütlich zu machen. Wer weiß,  -allen Vorurteilen zum Trotz, was passieren mag, wenn ich einschlafe.
Jedenfalls brauch man kein Experte zu sein um zu erkennen,  daß ich hochwertige Klamotten zum “Draußen Leben” mitführe, also genau sowas was solche Typen gut gebrauchen können.
Ich ärgere mich und wittere Stress: Kaum irgendwelche Verstecke nahe Tarifa gibt es, um dort wild zu Campen.
Hmmm, lediglich dieser Steinbruch weit vor der Stadt wäre da noch…. etwas unsicher aber als einzige Lösung für heute, renne ich aus dem Ort, hoch die Straße hinauf,  weiter und weiter… mann, ist das lang, ich dachte es wäre nicht so ganz weit.
Ich beeile mich deshalb,  weil es schonwieder dunkel wird, jetzt um 18 Uhr…. und im Dunkeln das Lager errichten ist einfach superstressig.
So soll es auch sein; sehr “mittelmäßig” finde ich diesen Platz, nachdem der Wanderwagen über die Leitplanken gewuchtet nun in ein tiefes, Verließ-artiges Loch geholpert wird, um nach längerem Weg in dessen Tiefpunkt sein Ziel zu erreichen.
Ja, wie ein Kometeneinschlag bohrt sich dieses Loch in den braunen Fels, hier wurden einst Steinplatten gewonnen,  lang ist’s aber her. Nur noch rostiges Werkzeug liegt herum und Unmengen an Steinen, ohne Ende Steine.
Wobei ganz unten, weht, ja stürmt der schreckliche Wind hier immernoch. Ein Trauma, so versuche ich mit allergrößter Mühe das Zelt hier aufzubauen, schaffe es im Halbdunkel noch soeben, meine Kissen, der Schlafsack und jede Menge Kleinkram fliegt nur so umher.
Ich fluche, spucke in den Wind und somit mir selbst ins Gesicht;  dermaßen wirbelt es hier unten,  doch woanders kann ich jetzt nicht mehr hin.
Im wild flatternden Zelt, (ich denke noch an die Höllennacht am Dunnet-Heat in Schottland) esse ich endlich,  Taschenlampe sei dank, doch diese verglimmt mir dann auch noch, wie eine schwache Zigarettenkippe.
So verharre ich im Zelt liegend und warte nun 12-13 Stunden ab, bis es dann wieder hell wird und ein neuer, windiger Dezembertag in Südspanien beginnt.

Spanien / Algeciras

Schnell weg aus dem Verließ welches sich “Hostel” nennt und ab – mal wieder zum Bus. Gern würde ich heute nach Algeciras laufen, 20 Kilometer weiter, doch leider geht das nur für Autos; Fahrradfahrer oder gar Fußgänger haben keine Chance die Bucht von Gibraltar/Algeciras zu umgehen.
Lediglich und wieder wurde nur fürs Auto gebaut, lediglich eine Autobahn führt durch die große Ölraffinerie dazwischen.
Also zahle ich ein Ticket nach Algeciras, was auf der anderen Seite der Bucht liegt. Dort lasse ich mir heute Zeit, gehe erst gegen Nachmittag aus der Stadt weiter nach Süden bis in die Berge zum zelten.

Ich schaue hinüber und sehe nun den hohen, langen Felsberg von Gibraltar in der Ferne. Jetzt werde ich nur noch wandern, bis nach Cadiz drüben am Atlantik,  wo in sieben Tagen die Fähre nach La Palma losmacht.

Morgen möchte ich Tarifa erreichen,  den Südlichsten Ort  Spaniens und somit des Europäischen Festlandes.

Ich freue mich achon so auf heute Abend, dann gibts wieder lecker Essen mit Rotwein in freier Natur…….

Spanien ( Gibraltar )
Na das muss unbedingt noch sein: Wer kennt sie nicht,  die Affen von Gibraltar….
Wie die einzigen Affen Europas hier her kamen, ist nicht sicher geklärt.  Aber wahrscheinlich wurden sie aus Afrika,  welches ja hier in Sichtweite liegt, eingeschleppt.

Die Affen leben hier ganz oben, hoch über der Stadt auf dem Berg, einen konnte ich sogar anfassen,  weniger weil ich kuscheln wollte, sondern dieser mir an den Rucksack ging….

Spanien ( Gibraltar )
Tolle Aussicht auf Gibraltar-Stadt vom 400 Meter hohen Felsen aus. Auch die berühmte Straße von Gibraltar hat ihren Namen von dieser noch heute Englischen Kolonie,  es ist sie Meerenge wo sich Mittelmeer und Atlantik treffen.
Auch das Wetter ist hier im Winter etwas rauer;  zwar warm aber oft bewölkt und sehr, sehr windig.

Spanien / Gibraltar

Keiner will mich aufnehmen in Gibraltar.  Klar bei den Touristenmengen hier haben die wenigen Gastgeber einfach keine Lust mehr.
Komischerweise aber drängen sich 90% der Tagesbesucher lediglich in dieser langen Einkaufsstraße.  Die ist zwar schön,  aber eigentlich nixht schöner als jene in Marbella, Algeciras oder sonstwo.
Auch nicht billiger ist es hier. Ich weiß nicht warum alle nur Shoppen wollen um anschließend bei Mac Donalds die erstandenen Konsumartikel zu feiern, anstatt mal auf diesen unglaublichen Stadtberg zu klettern.
Der ist nämlich das absolute Wahrzeichen Gibraltars.
Hier oben kämpfe ich mich Meter um Meter hinauf, steige also aus dem rauschenden Getöse der Stadt in die Höhe,  sehe über die große Bucht von Gibraltar mit ihren vielen Schiffen und Industrieanlagen an ihren Ufern.
Ja, hier oben bin ich aufeinmal allein. Hätte ich nicht gedacht, da schon unten die Touristeninformationstafeln überall den Felsberg preisen….

Naja, aollen die da unten doch den ganzen Tag Essen und Shoppen. Somit genieße ich absolut mein ganz eigenes Gibraltar,  schaue hinunter und versuche das wohl lausigste Hostel was ich je geshen habe zu finden.
Dort bin ich nämlich untergebracht,  für freche 22 Euro (18 Gibraltar-Pfund) lediglich ein Bett mit dünner,  sehr kratziger Filzdecke,  keine Küchenbenutzung, kein Alkohol erlaubt (hatte mich so auf den Abend mit Rotwein gefreut) und dazu noch Superunfreundlich der “Service”.

Aber egal, der Gang über den Berg macht alles wieder gut.

Gibraltar ist eigentlich wie ein eigenes Land, eher ein Stadtsaat, sehr überschaubar,  30.000 Einwohner gros (oder klein) und noch ein “Fremdkörper” am “Spanischen Leib” wie ich einmal gelesen habe.
Spanien möchte eigentlich sein ehemaliges Gebiet zurückhaben, doch England denkt natürlich nicht mal daran…. feiert sogar regelmäßig seine Triumphe aus alten Kolonialtagen.

…. Armens, armes Spanien, so geschmäht und so gepeinigt,  steht es aber ganz aufeinmal dermaßen ohne Mitgefühl da, wenn es um die eigenen Exklaven geht: Den zwei “Dornen im Fleische Marokkos” wie es mal aus Marokko geheißen hat.
Gemeint sind hiermit Ceuta und Melilla, zwei Spanische Städte auf Marokkanischen Boden, ehemals militärisch Besetzt und heute nie und nimmer bereit diese aufzugeben.

Das ist heute Abend bei einem Glas Wasser im kalten Merbettzimmer unser Gesprächsthema,  was soll ich auch schon machen sonst. Mein offener Wein liegt ungenutzt im Gepäckraum und was zu Essen muss ich draußen.
Ich unterdrücke meinen Hunger und versuche schon um acht zu schlafen; Hostel-karges-Verließ will es so…

Spanien / La Linea / Gibraltar

Den Wanderwagen verstaue ich schnell und gekonnt unter den ungläubigen Blicken der Alsa-Angestellten,  der Überland Busgesellschaft hier im Lande.  Glücklicherweise sind die Laderäume wirklich groß, und einen saftigen Zuschlag,  weil der Wanderwagen auch mal als Fahrrad durchgehen kann, musste ich seit Barcelona nie mehr zahlen. (Dort entschied die Willkür eines äußerst schlecht gelaunten Busfahrers zum einzigen male anders)
… Fahrräder kosten nämlich noch zusätzlich einiges.

Ratzfatz bin ich nahe Gibraltar,  der berühmten, Britischen Kolonie ganz unten im tiefsten Süden Spaniens.
Doch ich mache Halt zuvor in La Linea, der Satelitenstadt vor der Grenze.  Hier sehe ich schnell zu aus dem Ort hinaus zu kommen, sehe die Hügel weit hinter der Stadt, lasse den markanten Felsen von Gibraltar hinter mir und gehe wieder Landeinwärts.
Ich bin müde,  gestern war ich lange wach,  weshalb ich mich auf ein Abenteuer in Gibraltar heute nicht einlassen will.
Noch immer hat sich keiner auf meine Anfragen bei Couchsurfing gemeldet,  somit habe ich in Gibraltar keine kostenlose Unterkunft.
Egal, hier oben weit hinter La Linea habe ich nach langer Suche entlich diesen Vorsprung auf einem Hügel nahe der allgegenwärtigen Neubausünden der vergangenen Boomzeit gefunden.
Überall,  ja überall wurden die trockenen, Dornbusch bewachsenen Hügel der Gegend zubetoniert. Häuser,  Häuser und nochmals Häuser.  Oft halbfertig und immernoch mit hohem Baukran daneben, zeigt es, wie abrupt einst dieser Wahn sein Ende fand.
Die Amok – Banken waren pleite.
Die meisten Baufirmen auch, und ließen ihre Kräne einfach stehen.

Hier oben genieße ich nun den tollen Ausblick nach Westen, sehe im Sonnenuntergang den Fels von Gibraltar und trinke einen jungen Roten dazu.
Wenns wieder nicht so kalt wäre jetzt…. ich rolle mir den Schlafsack um, ziehe die Stoffhandschuhe an die mir Eduardo schenkte (Eduardo war unglaublich Kälteempfindlich und konnte nicht glauben das ich hier draußen Überleben kann …) und halte dem eisigen Hauch einer beginnenden Dezembernacht noch etwas stand.
Nirgendwo in Europa ist das so (einigermaßen) einfach wie hier.