Spanien ( Marbella )
Natürlich nicht immer zu Fuß gehe ich meine Wege; zu groß sind die Entfernungen, zu lang würde ich allein für Spanien brauchen um alle seine Regionen auf Schusters Rappen zu bezwingen.  Mindestens drei Jahre wären das, habe ich mal ausgerechnet.
Seis drum, dank der wichtigen Finanzspritze aus Marbella kann ich mich nun einige Zeit wieder etwas sorgenfreier bewegen und meine Pleite sei vorerst abgewendet.

*** Durchatmen ***

Spanien ( Marbella )
Und noch ein Bild aus Marbella.
Die Stadt selbst ist wie die meisten nicht unbedingt sehr fotogen; naja, eine dolle Promenade, üppige Gartenanlagen und sehr stylische Restaurants,  eines neben dem anderen sorgen für Wohlbefinden nonstop.
Aber doch sind es diese kleinen Momente wie hier zu meinem Frühstück auf diesem Felsen nahe der Promenade,  die unvergesslich bleiben.

Spanien ( Marbella )
Sonnenuntergang in Marbella.
Ganz weit draußen kann man den Felsen von Gibraltar erkennen,  der 60 Kilometer weit zu sehen ist.
Dort werde ich morgen sein… ich freue mich, aber irgendwie auch wieder schade,  dass ich nur diesen einen Abend mit Jens hier in Marbella verbringen konnte.

…. Morgen geht’s weiter, auf zum Horizont …..

Spanien / Malaga / Marbella

Uff, was schonwieder alles passiert ist die Tage; So wollte ich ja noch letzten Samstag und Sonntag bei Eduardo weilen und seinem Angebot folge leisten,  dort mal richtig zu Erholen,  einfach mal nichts zu tun … doch mitnichten, schon am Samstag zog es mich wieder weiter; eine Einladung nach Marbella war einfach zu verlockend.  Auf ins Abenteuer.

Wieder in einem Internetforum wurde mir die nötige Aufmerksamkeit zuteil,  die mich in diesen altmondänen Badeort führte.  Marbella, die alte Perle der Costa del Sol (Sonnenküste) ist natürlich nicht mehr das was es mal war, zu sehr in die Größe gewachsen ist der einstige Prominenten-Hotspot der Spanischen Riviera,  doch immernoch ist es ein wenig “besser” hier als woanders längs dieser Küste,  naja, vielleicht “anders”; Marbella unterscheidet sich von Benidorm oder Torremolinos, jene Touristenmetropolen die jeder kennt.
In Marbella sind noch die wohlhabenderen Winterflüchtlinge anzutreffen, ich sehe es deutlich bei einem Rundgang durch die Stadt.
Hier ist es deswegen auch nicht so billig;  das dicke Bier für einen Euro suche ich vergebens.

Noch denke ich aber zu sehr an Eduardo und Granada, bin noch etwas benebelt von seiner unglaublichen Gastfreundlich und Herzlichkeit.

Aber wie es nunmal in so einem Wanderleben ist, jetzt ist wieder alles anders, wieder alles neu.
Ich treffe einen Namensvetter: Jens der ebenfalls aus meiner Heimatregion kommt und hier teilweise wohnt. Er entdeckte meine Website und dachte sich, mich zu unterstützen: In seiner Wohnung kann ich zwar nicht bleiben,  doch das sei eigentlich auch egal, er gibt mir Geld, so viel, dass ich einfach in einem Hotelzimmer einchecken kann…. einfach so.
Fast ohnmächtig vor Glück nehme ich darüber hinaus war, welch interessante Person ich da getroffen habe;  noch bis nach Mitternacht unterhalten wir uns (Jens lud Jens noch in ein tolles Restaurant ein) und zog anschließend,  glückselig in ein Hostal. Mein erstes eigenes Zimmer hier in Spanien…. welch ein Luxus….

Ja, ich könnte nun so viel erzählen,  beschreiben und sagen wer Jens ist,  was ihn bewegte …. doch ich glaube das würde den Rahmen sprengen.
Manchmal behalte ich auch einige Dinge einfach mal für mich.
Manchmal.

Spanien ( Granada )
Auch Paul ist natürlich wieder dabei und bestaunt die altarabisch verzierten Gemäuer der Alhambra.
Überhaupt ist dieser Komplex echt schwer zu fassen, historisch als auch fotografisch; lediglich auf dem Berg gegenüber hat man eine Übersicht: Stadtburg Alhambra vorn, Sierra Nevada (ganz hohe Berge) dahinter.
Doch dort war ich allerdings Vormittags,  da stand die Sonne genau darüber und mir blieb nur ein Versuch fototechnisch zu agieren.  Aber eben nur kurz;  es ist einfach dieser Moment auf dem es ankommt,  der Moment hier zu sein und ganz ohne ständige Versuche oder Verkrampfungen das beste und wieder beste Foto zu schaffen, so schaute ich lang hinüber.
Diesen Ort, diesen Moment werde ich deshalb nie vergessen.

Spanien / Malaga / Granada

Benagalbon heißt mein Zuhause jetzt, ein Ort, oder wie auch immer solche “Suburbanen”, zentrumslosen Siedlungen genannt werden können,  die es hier entlang der Küste sehr zahlreich gibt.
Was nun ein Dorf ist, oder eine Stadt lässt sich deshalb nicht sagen; wild gewachsen sind diese Ansammlungen dichtgedrängter Familienhäuser, welche die Landschaft nahe des Meeres komplett zersiedeln; auch hier kaum noch Gegenden in der mal nicht ein Haus zu sehen ist, ganze Kolonien Reihen sich an den Berghängen, es wird enger und überall “Privater”, da immer mehr Menschen immer mehr Wohnraum verlangen,  nicht selten auch in Form einer Zweit oder gar Drittwohnung.
Hat unser Planet denn soviel Platz überhaupt ?

Zwar wächst die Bevölkerung Spaniens nicht mehr, da es momentan sehr schwer ist einen Job zu finden, und Hunderttausende Arbeitsmigranten wieder zurück nach Marokko oder Ecuador gehen, wohl aber nur vorübergehend,  zwar sind auch in Spanien die Geburtenraten sehr niedrig,  aber zukünftig kommen einfach immer mehr Neubürger hinzu, ob als arme Arbeiter aus Afrika oder gut abgesichert mit einer sicheren Rente/Pension (vor allem Letzteres) was zuverlässig weiterhin zum Anstieg der Besiedlung führen wird.
Beide Bevölkerungsgruppen haben Potentiale: Ältere,  gut bis mittelmäßig abgesicherte Mitteleuropäer nehmen in Zukunft zu, sie lieben die Spanische Riviera und sich kaufen und kaufen. Vornehmlich Häuser die hier überall herumstehen.
Zweitens -und das sind noch sehr viel mehr, kommen dennoch weitere Zuwanderer,  vor allem aus Afrika,  das ja nicht weit weg liegt.
Dort explodieren die Einwohnerzahlen gradezu, und viele träumen vom Auswandern nach Europa,  wo es trotz allgegenwärtigen “Kriesen” immernoch sehr (!) viel besser läuft,  als in ihren Heimatländern.
Spaniens Gesundheitswesen ist durchaus mit dem Deutschen vergleichbar, hier gibt es zudem immer genug zu Essen und auch ein Dach über dem Kopf ist wesentlich einfacher zu finden als in Nigeria, Marokko oder dem Senegal.
Sicher dürfte auch sein, dass dies in Zukunft so bleibt. Spanien wächst somit bald wieder weiter, noch mehr Häuser werden gebaut und noch mehr Landschaft zubetoniert…
Während sich die Großstädte mit eher armen Zuwanderern füllen,  ziehen die etwas Reicheren ins Umland.
So auch Eduardo, der seinen sicheren Beruf in der Kulturbehörde der Stadt Malaga hat, und 20 Kilometer außerhalb eben in diesem Benagalbon wohnt, dieser Strukturlosen Siedlung ohne Ortskern, gewachsen mit den Autos ihrer Bewohner nur über lange, kurvenreiche Straßen.
Manchmal prangt ein Supermarkt irgendwo dazwischen, irgendwo zwischen Benagalbon, Rincon de la Victoria, oder Torox…. nicht zu erkennen wo das eine anfängt und das andere aufhört.
Nur Tankstellen sind überall zu sehen; klar, ohne Auto ist man hier einfach verloren.
Da bleibt nur zu hoffen dass das Benzin immer weiterhin so schön billig bleibt……

So ist es aber eben das Auto welches auch mir so gut tut; Eduardo fährt tatsächlich mit mir nach Granada.
Ja, ich kanns kaum glauben, nach Granada, 150 Kilometer hoch in die Berge nach Norden.
Selbstverständlich um dort wohl eines der allerwichtigsten Zeugnisse,  Spanischer Geschichte und Baudenkmäler zu besuchen: Die Alhambra, jene berühmte Stadtburgfestung die vor 1000 Jahren von den Arabern erbaut, einen ganz wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Andalusischen Kultur vermittelt.  Ja, Andalusien, Spaniens größten Region, so groß wie ganz Österreich hat noch heute deutlich sichtbare Spuren seiner “Maurisch, Islamischen” Vergangenheit,  die bis ins Jahr 1492 anhielt;  die traditionelle Musik klingt ähnlich wie jene aus Marokko,  natürlich mit ganz eigenen Charakter,  aber selbst die Häuser hier gleichen der arabischen Bauweise;  Ausschließlich Flachdächer in den Städten lassen das Bild eher Orientalisch als Europäisch aussehen.

Dennoch aber hat Andalusien sehr starke Eigenheiten,  es ist wieder wie ein eigenes Land, ähnlich wie einst schon Katalonien auf meiner Reise,  aber natürlich sehr viel anders; Andalusien ist auch für uns Mitteleuropäer das “Rassische”, ja authentischste Spanienbild, geprägt vom ersten exotischen Touristenleben (neben Italien) der frühen 60er Jahre.

Auch ich besuche dieses “Land im Land”, bin nun auf dieser Alhambra, dem ersten Stolz Andalusiens, und schaue hinüber auf die Schneebedeckten Gipfel der 3480 Meter hohen Sierra Nevada…. ich umarme Eduardo und danke ihm. Allein mit dem Wanderwagen hätte ich es nie bis hierher geschafft.

Spamien / Malaga

Dank meines Fahrgeldes leiste ich mir wieder einen Bus, diesmal 160 Kilometern weizer nach Nerja, kurz vor Malaga. Auch dort bin ich natürlich wieder verabredet,  alles ein Resultat langer, zäher Onlinsuche in tausenden Profilen der Gastfreundschaftsnetzwerke.
Nach langer aber schöner Fahrt entlang der Küstenstraße, immer links das Meer und rechts die hohen Berge, erreiche ich Nerja, der bekannte Urlabsort wo ich Eduardo treffe, einen supernetten, engagierten Einheimischen,  der mich samt Wanderwagen im Kofferraum zu sich nach Benagalbon mit nimmt.
Eduardo ist hier wirklich Zuhause,  hat jede Menge Platz in seinem Haus und schon gleich zu Beginn,  weiß ich irgendwie: Hier bleibe ich sicherlich länger; wir verstehen uns auf Anhieb,  diesmal auf Englisch. Eduardo lädt mich erstmal zum Essen ein.

Spanien / Almeria

Zu Gast im “Deutschen Haus”…. na das tut mal wieder gut, endlich ohne Rücksicht Deutsch plappern, ohne Ende.
Möglich ist das nun bei Steffen in seiner großen Wohnung im neunten Stock,  wo ein weiterer Landsmann wohnt und Kollegen zu Besuch sind.
Umwerfend,  mit Meerblick vom Balkon hätte ich es im teuren Hotel auch keinen Deut besser gehabt,  dazu gibt es Wein mit Cola (oder Cola mit Wein?) mit viel lecker Essen.
In Almeria leben einige Klimaflüchtlinge aus Europas Mitte, was ich bei Couchsurfing.com schnell erkannte und Steffens Profil anschrieb.
Er arbeitet als Ingenieur für Umwelttechnick hier, zieht das gute Wetter dem höheren Gehalt in Deutschland vor.
Nachvollziehbar ist das: Blaues Meer, noch blauerer Himmel, und diese unglaublichen Berge die hinter Almeria ins Meer absteigen.

Am zweiten Tag verbringe ich wieder viel Zeit mit der Verwaltung meiner nächsten Übernachtungen über Couchsurfing, lade ordentlich Fotos bei Facebook runter (Bin frei unter Jens Kwass zu erreichen) und nutze den Rest des Tages für einen Streifzug durch die Stadt,  ich bin allein, Steffen arbeitet und erst am Abend sehen wir uns wieder.