Endlich wieder wandern, doch vorher muss (!!!) Ich nochmal in den Bus, da es tatsächlich keine Möglichkeit gibt zwischen Gibraltar und Algeciras, was auf der anderen Seite der Bucht liegt, Fußläufig zu gelangen, auch nicht mit dem Fahrrad. … Willkommen auf dem Autoplaneten Erde… lediglich eine Autobahn führt entlang der großen Bucht. Ich stopfe den Wanderwagen in ein diesmal winzigen Laderaum und fahre halt die 20 Kilometer nach Algeciras.
Algeciras ist ebenfalls einer der südlichsten Orte Spaniens, gleich gegenüber schaue ich nun auf den markanten Felsen von Gibraltar, der wirklich beeindruckend den Blick verweilen lässt.
Doch jetzt schaue ich mir noch Algeciras an, das “Tor zu Marokko” da hier die Fähren dorthin fahren. Vorbei an vielen Arabischen Läden verlasse ich die große Stadt über die Ausfallstraße weiter nach Süden. Hier schlage ich mich gleich nebenan ins sichere Gebüsch und habe eine echt gute Nacht im Zelt.
Gut ausgeschlafen ziehe ich morgens weiter, der Wind wird heftiger und erst jetzt merke ich wie sehr man diesen unterschätzt; schon seit zwei Wochen gab es keine einzige Minute Windstille, permanent weht es mir ins Gesicht, oder von allen Seiten. Ich merke dass es auf Dauer ganz schön nerven kann.
Aber anstatt einer Pause, gibt’s nun noch kräftig einen oben drauf: Windräder entlang der ohnehin dauerhaft Sturmumtosten Landstraße, die hoch über die Hügel führt, deuten auf noch windigere Tage hin; Tarifa und die Gegend dahinter ist Spaniens windigste Gegend.
Wankend und Sturmverzerrt im Gesicht, näher ich mich Tarifa, der Surferkapitale hier im äußersten Süden.
Na, so südlich fühle ich mich eher nicht, auch die Kleinstadt selbst erinnert mich eher an Wick oder Thurso, jene nördlichsten Städte die ich noch im Sommer, hoch, hoch oben in Schottland gesehen habe… irgendwie so künstlich in die kahle Landschaft gepflanzt, wirkten solche Grenzorte in natürlichen Randzonen.
Eine kleine Steinhöhle, gerade mal groß genug um mich vor dem allgegenwärtigen Dauerwind zu schützen, bietet sich als Nachtlager gut an. Die liegt in einer alten, vom Salzwasser erodierten Zementmauer direkt an dieser Inselfestung die über eine Brücke zu erreichbar, genau vor Tarifa liegt.
Eigentlich nicht zugänglich, wahrscheinlich irgendein Militärkram, ist das wohl meine einzige Möglichkeit.
Da es aber noch früh ist, gehe ich wieder in die Stadt, verbringe dort einige Stunden im Internet um Couchsurfing in Cadiz zu ermöglichen, meinem finalen Ziel der nächsten Tage.
Wieder zurück in der Abenddämmerung, möchte ich meine Nische in dieser Mauer nahe dem Meer beziehen, muss die Sache aber begraben; ein Afrikaner lungert unweit davon mit alten Decken und haufenweise Plastiktüten, herum. Unmöglich sich jetzt seiner angesichtig, mit al meinen Sachen, gemütlich zu machen. Wer weiß, -allen Vorurteilen zum Trotz, was passieren mag, wenn ich einschlafe.
Jedenfalls brauch man kein Experte zu sein um zu erkennen, daß ich hochwertige Klamotten zum “Draußen Leben” mitführe, also genau sowas was solche Typen gut gebrauchen können.
Ich ärgere mich und wittere Stress: Kaum irgendwelche Verstecke nahe Tarifa gibt es, um dort wild zu Campen.
Hmmm, lediglich dieser Steinbruch weit vor der Stadt wäre da noch…. etwas unsicher aber als einzige Lösung für heute, renne ich aus dem Ort, hoch die Straße hinauf, weiter und weiter… mann, ist das lang, ich dachte es wäre nicht so ganz weit.
Ich beeile mich deshalb, weil es schonwieder dunkel wird, jetzt um 18 Uhr…. und im Dunkeln das Lager errichten ist einfach superstressig.
So soll es auch sein; sehr “mittelmäßig” finde ich diesen Platz, nachdem der Wanderwagen über die Leitplanken gewuchtet nun in ein tiefes, Verließ-artiges Loch geholpert wird, um nach längerem Weg in dessen Tiefpunkt sein Ziel zu erreichen.
Ja, wie ein Kometeneinschlag bohrt sich dieses Loch in den braunen Fels, hier wurden einst Steinplatten gewonnen, lang ist’s aber her. Nur noch rostiges Werkzeug liegt herum und Unmengen an Steinen, ohne Ende Steine.
Wobei ganz unten, weht, ja stürmt der schreckliche Wind hier immernoch. Ein Trauma, so versuche ich mit allergrößter Mühe das Zelt hier aufzubauen, schaffe es im Halbdunkel noch soeben, meine Kissen, der Schlafsack und jede Menge Kleinkram fliegt nur so umher.
Ich fluche, spucke in den Wind und somit mir selbst ins Gesicht; dermaßen wirbelt es hier unten, doch woanders kann ich jetzt nicht mehr hin.
Im wild flatternden Zelt, (ich denke noch an die Höllennacht am Dunnet-Heat in Schottland) esse ich endlich, Taschenlampe sei dank, doch diese verglimmt mir dann auch noch, wie eine schwache Zigarettenkippe.
So verharre ich im Zelt liegend und warte nun 12-13 Stunden ab, bis es dann wieder hell wird und ein neuer, windiger Dezembertag in Südspanien beginnt.