So, mal mit einer Überschrift versuche ich den Tag oder Eintrag künftig zu beschreiben. Auch wenn diese jetzt nicht wirklich fröhlich daherkommt. ..
Jaja, satte 13 Stunden dauert hier unten so eine Nacht im Winter, dem Spanier solls ja recht sein, die sind ja eh lieber Nachtaktiv, also viel Zeit für die und wenig für mich; bin rein Tagaktiv und schlafe nur sehr wenig dieser Stunden.
Wie damals in Schottland, peitscht der Sturm die Zeltplanen hin und her, wieder faucht der Wind wie ein wütender, böser Geist um die scharfen Felsen umher, raubt mir jede Ruhe und überhaupt ist dieser Ort recht unheimlich; eine seltsame Steinhütte, – gruselig klafft wie ein großes, dunkles Maul ihr Eingang mir im Dunkeln entgegen, als ich mal wieder aus dem Zelt steige um zu schauen wet oder was hier los ist; seltsame Geräusche machen mich zusätzlich unruhig, ich denke wilde Hunde machen hier die Runde, habe es zuvor schon an deren “Hinterlassenschaften” erkannt… außerdem liegen überall Knochen herum.
Nicht gerade vertrauenswürdig.
Irgendwann, ja irgendwann ist auch mal so eine Nacht vorüber. Hoffentlich finde ich für den nächsten Abend was besseres.
Auch Biwakieren ist hier nicht wirklich empfehlenswert; ohne Zelt, lediglich im Schlafsack unter freiem Himmel ist zwar möglich, da es nicht kalt ist und nie regnet, aber kleine Skorpione, Zecken (manchmal finde ich schon im Zelt Marienkäfer-große Zecken….) und sonstiges Kleingetier wie Ratten, sind hier allgegenwärtig und bin ihnen schutzlos ausgeliefert.
In einer grandiosen Landschaft voller Weitsicht, überladen mit Windrädern die viele Kilometer weit die Gegend prägen, ziehe ich weiter, esse viel da in Tarifa wieder ein Lidl-Supermarkt zu finden war, dort kaufte ich kräftig ein, geschätzte 8000 Kalorien für nur 8 Euro… das kann wirklich nur Lidl…….
Ich bin kräftig heute, schaue auf Tarifa zurück und genieße die Sicht; Afrika liegt permanent auf der anderen Seite dieser Meerenge, dort liegen die hohen Berge Marokkos diffus in der Ferne schwebend. Nur noch 14 Kilometer trennen die Gewässer von Mittelmeer und Atlantik, die sich genau hier vermischen, die Kontinente.
Jetzt schreite ich nahe dem Atlantik immer weiter Richtung Cadiz, was noch 120 Kilometer fern ist, sehe in nahezu unendlich weiten, leeren Landschaften. Entweder Äcker, die jetzt abgeerntet, braun und Wüstenhaft daliegen, oder Weiden, Kilometerweit für die Stiere der Nation, breiten sich links und rechts längs der Landstraße aus.
Was ist schon ein Tag…. wieder werden die Schatten länger und wieder denke ich an die Nacht, so allmählich muss ich nun was finden.
Wieder gehen meine geübten Blicke ins Leere; kein Meter der hier zum Quartier-aufschlagen geeignet, geschweige den zugänglich wäre…. Kilometer um Kilometer sperrt Stacheldraht die Landstraße vom Umland ab… ohnehin könnte ich mitten auf dem Baumlosen Ackerland nicht einfach Zelten; erstens ist es ja bekanntlich verboten (…) zweitens würde der starke Wind die Sache sowieso sinnlos machen.
Doch nun erscheinen Bäume, die Rettung eines jeden der Deckung sucht. Doch auch hier, Stacheldraht Kilometerweise. Damit wird weniger von außen als von innen abgegrenzt; Kühe und Bullen spicken bis zum Horizont diese riesigen Areale.
Doch ich versuche es mal: irgendwann ist der Zaun niedrig genug um rüberzuklettern, ich löse das Gepäck in seine Einzelteile auf, zuerst der schwere Rucksack den ich hinüber schmeiße, dann einige Einzelteile und nun der Wanderwagen.
Uuuufff, wieder versuche ich es den gesamten, wenn auch halb entladenen Wanderwagen über die 1, 5 Meter hohe Drahtbarierre zu hieven. Ich gebe nicht auf, schreie fast vor Verausgabung, doch ich scheitere; es geht einfach nicht, zu schwer, einfach viel zu schwer….
Ein Auto hupt beim vorbeifahren, zu offenkundig ist mein Vorhaben hier einzudringen.
Ich gebe auf, packe die Sachen wieder ein, nachdem ich wie ein Artist über den Zaun geschwungen bin.
Verdammt, mit dem Wanderwagen komme ich nur sehr, sehr begrenzt irgendwo hin oder rein. Ein großer Nachteil meines eigentlich so praktischen Lastenträgers.
Schon seit langem sitze ich hier in der Falle: Ewig lang verunmöglichen unüberwindliche Kakteennarierren den Zugang ins Umland.
Die elend lange Straße liegt wie abgeriegelt in dieser Landschaft, es gibt keine Möglichkeit von ihr abzuweichen.
Wieder kommt der Abend bedrohlich nah und ich habe immernoch keine Aussicht auf ein Nachtlager.
Ein Dorf erscheint dann schon als etwas Hoffnungsvolles, doch jegliche Bemühungen auf Kontaktaufnahme scheitert am hysterischen Bellen der vielen, großen Hunde hier, die selbst ihre Halter im Lärm so überfordern, dass diese mich erkennlich ignorieren.
Ein unschönes, leider objektives Gefühl des Unwilkommenseins beschleicht mich, angesichts dieser schrecklichen Biester, die sowas von aggressiv mein Erscheinen schon von weitem beantworten.
Hunde sind der Schrecken eines jeden Besuchers, wohl auch der Schrecken einer intakten Gesellschaft, in der das Misstrauen nicht die mit Abstand größte gegenseitige Wahrnehmung voneinander ist….