Irland – Fanore

Leider liege ich noch immer danieder. Die Sehnenentzündung am rechten Fuß ist natürlich nicht so schnell abgeheilt als ich noch gestern im Schmerztaumel erhoffte….
Dafür gehts  heute aber besser, ich kann schon wieder einigermaßen gehen, wenn auch nur im Schlurfgang.
Edmond, mein Reisebegleiter hier in Irland, ist heute morgen somit allein zu den Aran – Inseln aufgebrochen, zum wandern bei perfekten Sonnenwetter an der milden aber strammen Atlantikluft. Ach jaaa, was wäre ich jetzt gern dabei………..
Zum Glück gibts hier im großartigen B&B, wie die Gastunterkünfte hier heißen,  ein Wlan, und ich kann somit meiner Langeweile im “Krankenzimmer" ein wenig was entgegensetzen.

Hier, weit im Westen Irlands, sprechen einige wenige Menschen noch die alte Sprache ihrer Vorfahren, den Kelten die schon vor Jahrtausenden Gälisch sprachen.
Nur sehr wenig Iren verstehen sowas noch, lediglich auf den äußeren Inseln vor der Westküste, sowie einigen Landzungen hat diese Sprache überlebt.
Dennoch ist im ganzen Land auf den Ortsschildern immer eine Übersetzung auf Gälisch zu sehen, ein Versuch der Regierung sich seiner nationalen Herkunft zu besinnen.
Doch der Erfolg ist mäßig; in Irland spricht man heute Englisch,  eine eigentlich ungeliebte Hinterlassenschaft der langen englischen Besetzung und nur mit großer,  weit verspäteter Anstrengung,  versucht die Politik die Sprache der alten Vorfahren wieder zu beleben.

Zu Gast bei der lieben, alten Dame von Fanore, einer Streusiedlung  weit im Nirgendwo an der langen irischen Westküste, wo mich Edmond ( Bildmitte ) einlädt zu nächtigen.
Das Sommerwetter hier im hohen Norden ist herrlich. Selbst die Winter sind nicht so kalt hier wie bei uns; Palmen wachsen hier in Irland in so manch Gärten.

Die Stadt Galway, im Westen Irlands war nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Fanore. Endlich mal wieder eine Stadt.
Galway hat 76.000 Einwohner und ist immer übervoll mit Touristen die sich massenweise in den unzähligen Pubs vollsaufen.
Wenn das Kleingeld stimmt, den  ein großes Bier kostet locker vier Euro…

Irland – Galway

Nach zwei Wochen mitten im tiefsten Sumpfgebiet im Herzen Irlands, erreiche ich nun endlich den Westen, den Teil Irlands der mir von den Postkarten bekannt  ist; weite grüne Landschaften, Berge und Meer.
Nach langer, schöner Zeit auf dem Boot, die allerdings auch fern jeglicher körperlicher Ertüchtigung von statten ging, freue ich mich um so mehr auf die nächsten Tage der langen Wanderwege: Zu früh gefreut; nun liege ich hier bei zwar netten Gastbebern in einem weichen Bett, bin aber auch schwer geschädigt,  da die erste Überlandwanderung durch die weite Felslandschaft mir eine saftige Sehnenentzündung bescherte….
Innerhalb einer Stunde, so ziemlich am ende des Tagesmarsches,  setzten erst  leichte, dann entsetzliche Schmerzen in der Sehne, oben auf dem rechten Fuß ein. So schlimm, dass ich sogar die letzten fünf Kilometer mit dem Auto gerettet werden musste.
Ob ich morgen wieder fit bin, weiß ich nicht. Die Fährtikets zu den Aran Islands hat Edmond schon bestellt.  Ich freue mich doch so… aber kann momentan noch nicht einmal zwei Meter gehen….

Aaaaaaber genug gejammert.
Die Gegend hier im herrlichen Westen Irlands ist einfach großartig,  ganz anders als bei den Flüssen und Seen in der Mitte der Insel.
Hier brandet der wilde Atlantik an die Steilküste,  der milde aber stramme Wind duftet salzig. Das Land ist rau und die Sicht so weit….

#Irland – Shannon

Die Tage ziehen ins Land, das mittlerweile ganz irisch – dem Regenwetter verfallen ist. Aber irgendwie macht das nichts; hier auf der grünen Insel würde ich mich schon wundern,  wenns nur Sonnenschein gäbe…. der Regen gehört zum Land, wie die Sonne an Spaniens Südküste.
Noch immer bin ich auf dem Boot unterwegs,  womit wir nun bereits auf dem Rückweg sind, nach Athlone wo in drei Tagen Abschied von der “Violet" angesagt ist.
Momentan sitze ich schon bereits seit Stunden hier in einer gemütlichen Kneipe im verregneten Örtchen Dromod und stöbere beständig bei “Couchsurfing" nach Gastgeber für die Zeit wenn Edmond mich verlassen muss.
Dann bin ich wieder auf mich allein gestellt und das soll vorbereitet sein.

Was mir schon heute ziemlich nahe ging, war der Gedanke dass mein Paul, (mein  berühmter, plüschiger Marienkäfer) nicht mehr dabei sein kann, wenn ich allein, ohne Edmond in die Ferne ziehe… da ich per Anhalter unterwegs sein werde, habe ich im Rucksack keinen Platz mehr für den dicken Paul, der zuvor im Wanderwagen ja bestens aufgehoben war. Doch da es sich mit dem klobigen Wanderwagen eher schlecht trampt, ließ ich auch ihn erstmal Zuhause.
Doch es schmerzt schon sehr. Als wenn etwas aus dem Herz gerissen wird…
Jaja, ist schon etwas albern, aber wer meine Wege bisher verfolgt hatte, weiß wie Paul und ich die vielen Abenteuer überstanden. Sowas verbindet.

Jetzt gehe ich wieder zurück zum Boot, das drüben in der Marina liegt und schaue wo Edmond bleibt;  es wird Zeit für das allabendliche Nationalgetränk der Iren: Einem Pint (0, 56 Liter) Guinnes….

Grossbritannien ( Nordirland )
Devenish Island vor ca 800 Jahren.
Der Rundturm war soeben fertigestellt, Kloster und Kapelle, sowie Gärten bilden die Grundlage dieser mittelalterlichen Mönchssiedlung, die vom 5 bis zum 15 Jahrhundert rund 1000 Jahre Bestand.
Rundhütten mit Schilfdächern waren hier im Flussgebiet die typische Bauweise dieser Zeit.
…. 1000 Jahre Bestehen… dann 400 Jahre Stille und aufeinmal, irgendwann im Sommer 2013, stehe ich mittendrin, in diesem alten Ort….

Grossbritannien  ( Nordirland )
Devernish Island inmitten des Inselgewirrs des Lower Lough Erne, die bisher älteste Siedlung die ich in Irland fand.
Zwar heute ein Geisterdorf, aber historisch ein Schwergewicht; vor 1400 Jahren als Kloster gegründet,  wuchs die Ansiedlung zum Dorf, dessen Wahrzeichen damals wie heute die für Ost und Mittelirland typischen Rundtürme sind.
Heute finden sich nur noch der Turm und einige Ruinen auf der Insel, die nur mit dem Boot zu erreichen ist.

Grossbritannien – Nordirland

Gestern hatten wir unser Ziel, den großen Lake Erne erreicht und müssen nun wieder an den Rückweg denken.
Somit macht heute unsere Violet wieder in Enneskillen fest, dem freundlichen Städchen am oberen Erne-Fluss, der weiter südlich in den Shannon mündet.

Landschaft und Wetter unterscheiden sich kaum zwischen den beiden “Irlanden", jener Republik und dem britischen Nordirland, das ja Teil des Vereinigten Königreichs unter der Regentschaft Londons steht. Auch wenn das die meisten Iren immernoch nicht gutheißen;  mit kaum noch 60% stellen sie in Nordirland zwar den größten Anteil an der Bevölkerung,  verlieren sich aber kulturell eher in der Dominanz englischer Expansionskräfte.
Doch dem Klima stören irgendwelche Grenzen kaum; herrlicher Sonnenschein, klare Luft und gigantische Wolkenberge wechseln schnell, viel schneller als bei uns, in graues, heftiges Regenwetter.  Zum Glück aber fast immer nur kurz, so das es eher spannend, ja schon dramatisch daherkommt: Wie sieht es in zwei Stunden aus?
In Irland sind solche Fragen offener als an jedem anderen Punkt in Europa,  hier schlägt das Wetter sprichwörtlich in Windeseile um. In jeder Richtung.

Die Menschen aber gleichen sich nicht ganz so. Norirland ist wie gesagt ja ziemlich britisch, also eher Englisch geprägt.  In den zahlreichen Bars, die hier immernoch Pubs heißen,  trinkt man nicht mehr so konsequent das Guinnes, wie sonst in Irland, sondern mehr helle Biersorten. Ansonsten gleichen sich die Essgewohnheiten ohnehin sehr; die Irische Küche ist schlicht aner deftig,  so wie jene in England. Fish & Chips, sowie den einen oder anderen Eintopf sind in Irland genauso traditionell wie auf der großen Nachbarinsel.
Auch die “Teatime" wird hier in Irland leidenschaftlich gepflegt,  wenn auch nicht unbedingt so spießig wie es die Engländer mögen.
Ja, ganz besonders ist noch das Frühstück zu loben: Ich als Freund deftiger Kost zum Tagesstart, liebe das irische Frühstück;  mindestens 1500 Kalorien sollen zuverlässig, bis weit zum Nachmittag, vor Hunger schützen.
Schon auf meinem Jakobsweg litt ich unter der laffen Art der Franzosen – ganz besonders der Spanier, ein “Frühstück" bestehend aus einem Hauch von Nahrhaftigkeit zu verkosten.

Morgen komme ich wieder ins echte Irland, müssen durch viele Schleusen landab in die Mitte der Insel.
Aber Nordirland sieht mich ja bald wieder,  in drei Wochen wenn Edmond wieder nach Hause muss und mein Weg mit der Fähre von Belfast nach Schottland führt.
Aber bis dahin habe ich hier auf dieser wundervollen Insel noch viel Zeit 🙂