Gestern hatten wir unser Ziel, den großen Lake Erne erreicht und müssen nun wieder an den Rückweg denken.
Somit macht heute unsere Violet wieder in Enneskillen fest, dem freundlichen Städchen am oberen Erne-Fluss, der weiter südlich in den Shannon mündet.
Landschaft und Wetter unterscheiden sich kaum zwischen den beiden “Irlanden", jener Republik und dem britischen Nordirland, das ja Teil des Vereinigten Königreichs unter der Regentschaft Londons steht. Auch wenn das die meisten Iren immernoch nicht gutheißen; mit kaum noch 60% stellen sie in Nordirland zwar den größten Anteil an der Bevölkerung, verlieren sich aber kulturell eher in der Dominanz englischer Expansionskräfte.
Doch dem Klima stören irgendwelche Grenzen kaum; herrlicher Sonnenschein, klare Luft und gigantische Wolkenberge wechseln schnell, viel schneller als bei uns, in graues, heftiges Regenwetter. Zum Glück aber fast immer nur kurz, so das es eher spannend, ja schon dramatisch daherkommt: Wie sieht es in zwei Stunden aus?
In Irland sind solche Fragen offener als an jedem anderen Punkt in Europa, hier schlägt das Wetter sprichwörtlich in Windeseile um. In jeder Richtung.
Die Menschen aber gleichen sich nicht ganz so. Norirland ist wie gesagt ja ziemlich britisch, also eher Englisch geprägt. In den zahlreichen Bars, die hier immernoch Pubs heißen, trinkt man nicht mehr so konsequent das Guinnes, wie sonst in Irland, sondern mehr helle Biersorten. Ansonsten gleichen sich die Essgewohnheiten ohnehin sehr; die Irische Küche ist schlicht aner deftig, so wie jene in England. Fish & Chips, sowie den einen oder anderen Eintopf sind in Irland genauso traditionell wie auf der großen Nachbarinsel.
Auch die “Teatime" wird hier in Irland leidenschaftlich gepflegt, wenn auch nicht unbedingt so spießig wie es die Engländer mögen.
Ja, ganz besonders ist noch das Frühstück zu loben: Ich als Freund deftiger Kost zum Tagesstart, liebe das irische Frühstück; mindestens 1500 Kalorien sollen zuverlässig, bis weit zum Nachmittag, vor Hunger schützen.
Schon auf meinem Jakobsweg litt ich unter der laffen Art der Franzosen – ganz besonders der Spanier, ein “Frühstück" bestehend aus einem Hauch von Nahrhaftigkeit zu verkosten.
Morgen komme ich wieder ins echte Irland, müssen durch viele Schleusen landab in die Mitte der Insel.
Aber Nordirland sieht mich ja bald wieder, in drei Wochen wenn Edmond wieder nach Hause muss und mein Weg mit der Fähre von Belfast nach Schottland führt.
Aber bis dahin habe ich hier auf dieser wundervollen Insel noch viel Zeit 🙂