Spanien / Murcia

Hey, mann was erlebe ich hier ?
Dori, meine Gastgeberin in Murcia lebt in einer Etagenwohnung zusammen mit Antonio, ihrem Mann. Nicht nur dass ich in den beiden wundervolle Leute getroffen habe die mir ein so behagliches Gefühl des Wilkommenseins vermitteln,  nein, Antonio ist auch noch Ingenieur und ziemlich daran interessiert mein aktuell – brisantes Radbruch Problem am Wamderwagen zu beheben.

Ja, da wo es wirklich eng wurde, kommt plötzlich ein Lichtschein daher; Antonio mißt alles aus, stellt viele Fragen und überlegt wo die nötigen Teile für die Reparatur zu finden sind.

Auch so kann das Wamderleben sein, nicht immer ist alles verloren, und ganz Spanisch gibt es natürlich ein tolles Abendessen: Gebratene Dorade, gut gewürzt, eine Käse – Schinkenplatte (sehr Geschmacksintensiv) und vor allem jede Menge “Russischer Salat”, der berühmte -sehr Spanische Kartoffelsalat mit Thunfisch.
Selbstverständlich alles mit einem guten Rioja….. 

Mmmmmmhhhh, ich kann es kaum glauben,  welch ein Essen, einfach aber sowas von lecker.

Danke Dori und Antonio für diese umwerfende Gastfreundschaft.  Beide freuen sich ebenfalls über ihren Besuch und ich spare nicht an spannenden Geschichten aus dem Wanderleben…    ….zu erzählen gibts ja wirklich genug……

Spanien / Murcia

Welch eine schöne Nacht.  Ich habe fast die ganzen 12 Stunden durchgeschlafen,  sicherlich auch wegen dem reichhaltigen Essen zuvor.  Zum Glück hatte ich ja noch gut eingekauft in Orihuela, da war der Pignik am Zeltlager perfekt.

Heute erreiche ich Murcia, die Stadt die der ganzen Region ihren Namen verleiht.  Somit bin ich nun aus der “Comunidad Valenciana” raus, dieser Region an der so touristischen Coata Blanca und schaue zurück auf unvergessliche Tage; bei Benito in der Metropole Valencia, Höhlenschwimmen mit Kiku bei Javea, die “leere Millionenstadt” Benidorm, und der grimmige wie liebenswerte Achim vom Straßenlokal OVNI.

Jaja und jetzt kann ich sogar gemütlich trödeln,  Murcia ist nur noch 10 Kilometer weit und heute bin ich erst für 18 Uhr verabredet;  Couchsurfing ist wieder angesagt und ich erreiche ganz “plangemäß” Murcia für heute.

Schön wär’s, wenn da nicht diese Katastrophe passiert: Wieder kracht das Vorderrad am Wanderwagen aus der Fassung.  Diesmal sogar an beiden Seiten seiner Befestigung. 
Wieder…. deshalb weil es auf dem Jakobsweg vergangenen Jahres auch öfters passierte,  nur nicht dermaßen heftig wie jetzt.
Da mein Konstrukteur im Fachhandel Daheim mir zusicherte, mit seiner neuen Bauweise der Befestigung, über lange Zeit keine Probleme zu bekommen,  hatte ich tatsächlich kein Werkzeug,  keine Ersatzteile,  ja kein Garnichts im Gepäck dabei…
Ich hatte es einfach vergessen und nun stehe ich hier.  Zum Glück aber löse ich die Sache erstmal “auf Russisch”, packe also das Isoband aus und wickele ohne Ende das klebrige Plastik um die gebrochenen Winkel.
Mit Erfolg,  zumindest komme ich so wieder weiter und schlingere sehr behilfsmäßig nach Murcia hinein, suche schon instinktiv nach Werkstätten und Fahrradläden links und rechts. Leider aber vermisse ich schon ganz schnell sie so vertraute Hilfsbereitschaft,  wie ich sie ja vom Jakobsweg noch kenne; eiskalte Absagen kassiere ich am laufenden Band,  ganz klar dann, wenn es heißt,  ich habe kein (oder kaum) Geld in der Tasche….
Tja, that’s wanderleben, nicht nur umsonst Essen und Schlafen will organisiert, sondern auch die eine oder andere Reparatur am Wagen sollte möglichst kostenlos erfogen. Das ist halt die Kunst.

Doch da stoße ich merklich an die Grenzen.  Egal, immerhin habe ich ja kein Auto, kein Mopped, sondern nur einen modifizierten Kinderwagen dabei,  da müsste es doch möglich sein so ziemlich alles allein reparieren zu können.

Morgen mache ich mich an die Arbeit,  suche neue Metallwinkel in der passenden Größe,  muss mir halt Werkzeug kaufen (wahrscheinlich Pfennigartikel) und muss es schaffen den Wagen wieder flott zu kriegen…
Gleich treffe ich ja Dori wo ich eingeladen bin. Die wird mir sicherlich erzählen wo man solche Sachen in der Großstadt Murcia findet…. ja, morgen habe ich echt zu tun… stöööön… wollte mir eigentlich Murcia angucken…..

Spanien ( Murcia )
Wieder ein Zelt in der Wildnis.  Ja, die Wildnis, die es manchmal zu suchen gilt; im Obst und Gemüsegebiet zwischen Orihuela und Murcia wäre ich auf der Straße gelandet. Nimand der dort Ansässigen wollte mir erlauben irgendwo zu zelten. Die Bauern, Unternehmer und Arbeiter der Gegend sind schroff und sehr misstrauisch.
Ein guter Grund hier oben im Berg mein Heil zu suchen….

Spanien / Murcia

Wieder ist der Tag fast vorbei, ich laufe und laufe hier durch eine Landschaft wo jeder Quadratmeter Boden verbaut oder bearbeitet ist, schließlich bin ich hier in einer der fruchtbarsten Gebiete des Landes.
Ewige Kilometer steht hier ein Haus neben dem anderen,  nur unterbrochen von Gemüseäckern und natürlich den allgegenwärtigen Zitronenplantagen. Ja, ich bin jetzt im Zitronenland, in der Region Murcia angekommen,  laufe durch die Stadt Beniel die sich endlos ins zersiedelte Land einfügt,  so dass es unmöglich scheint,  hier irgendwo zu zelten.
Selbstverständlich versuche ich es in einer der vielen Bars oder Restaurants, die hier wohl für die vielen Arbeiter der umliegenden Fabriken sind, scheitere aber an der Sprachbarierre. Keine Chance hier irgendjemanden für mein Anliegen zu erweichen. Müde aber flott suche ich die Nähe der Berge,  die ständig im fernen Hintergrund liegen um dort Platz zu finden.
Schon färben sich die wenigen Wolken (das Wetter ist inzwischen wieder herrlich schön) rosa in der tiefligenden Sonne, ein Zeichen dass ich jetzt rasch was finden muss. In der Dunkelheit habe ich nämlich keine Chance…

Kartoffelfabriken, Silos und graue Gewerbehallen, Zäune und jede Menge Müll,  Zitronenplantagen, überall geparkte Autos sowie dröhnenden LKWs lassen mich immer schneller und sehnsüchtiger die Nähe der Berge suchen.
Ich hetze vorbei an einfachen Wohnhäuser die teilweise leerstehend als zweit oder Drittwohnungen so schön jetzt ein Heim für mich armen Wandersmann wären,  doch dann schaffe ich es in den letzten Sonnenstrahlen auf einen Berg. Die Landschaft wird karger,  ist kaum besiedelt und tief in den schroffen Geröllabgängen, wurschtel ich mich mit dem Wanderwagen durchs kratzige Gestrüpp.

Hier ist er nun, mein Ort für diese Nacht. Sicht und Windgeschützt  danke ich Paul, meinem Plüschkissen für das Glück.

Spanien / Orihuela

Es ist schwer bei dieser Kälte aus dem Zelt zu schlüpfen,  so schön warm ist es in meinen Umhüllungen, doch endlich ist es wieder hell draußen.  Ein neuer, wenn auch kurzer Novembertag begrüßt das mediterrane Land.
Wichtig ist, gut zu essen, gleich am frühen Morgen.
Schon am Vortag achte ich sehr auf genug Vorrat für ein kräftiges Frühstück anschließend.  Dickes Brot reiße ich Stückweise um es mit ganzen Happen von Nutellaartiger Schokocreme zu verputzen, dann finde ich noch herzhaft, fettige Salami, trinke die letzten Wasservorräte leer und Räume das Lager.
Ganze 40 Minuten brauche ich so im Schnitt dafür bis alles perfekt gepackt und geordnet ist. Immerhin sind das gut 25 Kilo Gepäck,  Zähneputzen und eine Rasur (der Akkurasierer schafft 3-4 Tage!) kommen noch dazu. Dann bin ich froh das es endlich wieder losgeht…

Die nächste Stadt heißt Orihuela, sieht aif der Landkarte eher mikrig aus, hat aber mal eben ganze 80.000 Einwohner.
Hier bin ich lediglich im Durchlauf, suche den örtlichen Lidl, da es dort einfach am billigsten ist, kaufe wieder für fünf Euro Proviant,  futtere den aber fast komplett an Ort und Stelle wieder auf.  Mann, was ich viel zu Essen brauche…. wieder und wieder habe ich Hunger,  sicherlich weil es einfach so selten warmes Essen gibt, dieses Dosenfutter bringt zwar ordentlich Kalorien,  ist aber als kalte Küche auf Dauer irgendwie “leer”….
Etwas ernüchtert muss ich halt wieder was einkaufen,  zähle mein noch vorhandenes Geld und stelle fest,  mit nur 40 Euro nicht mehr ganz so weit zu kommen…

Immerhin darf ich in einer Kneipe ins WiFi, ohne etwas dafür an Getränken zu bestellen,  kann so weiter meine “Couchsurfing-Connections” verwalten und planen, in der “Tageschau” lesen, und mit meiner Heimat ” Skypen”.

Spanien / Orihuela

Dieser Morgen ist aner kalt: Gerade mal fünf Grad sind es jetzt.  Die Tahe waren es noch Hitzerekorde mit über 33 Grad im November und nun umgekehrt. …
Nur gut dass ich so viel Gepäck im dicken Wanderwagen mitführe, so packe ich mich dick ein; Schal, Handschuhe und Jacke sind angesagt.
Es wirkt irritierend wie die vielen Palmen im eisigen Wind rauschen und rascheln,  hier unten im tiefsten Süden ist es doch immer warm ?!

Aber schnell steigen die Grade,  mein Weg führt heute weiter Richtung Murcia und ziehe weit durch eine weite Landschaft in einer so anderen, ja winterlichen Klarheit.
Mal warm, mal kalt wechsel ich oft die Kleidung unterwegs, klaue mir am Rande der Fernstraße einige Orangen die hier Kilometerweit in Plantagen die Landschaft kennzeichnen.

In einem Steinbruch nahe der Piste, kurz vor der Stadt Orihuela finde ich heute mein Ende, kuschel mich erschöpft in die warmen Schlafsäcke, vertilge die Essensvorräte die mir Jorge noch auf den Weg gab, und ergebe mich wieder nach 18 Uhr der langen, langen Nacht….

Spanien / Elche ( Elx )

Überhaupt bin ich in Alicante wenig erfolgreich;  weder einen Schlafplatz, noch etwas kostenloses zu Essen fand ich hier.
Brot aber ist hier billig zu kriegen,  auch in seiner flüssigen Form. So berappe ich lediglich 1.20 Euro für einen Liter Bier. Da lässt’ s sich leben.
Einige Kilometer Stadtauswärts beeile ich mich einen geschützten Ort für das Nachtlager zu finden, kein Problem im momentanen Kriesenland Spanien, wo Kilometerweit darbene Gewerbegebiete mit ihren öden Brachflächen und reichlich Wildnis dazwischen,  genug Platz für’s wandernde Volk bieten.
So schlage ich mich in eine verwilderte Gartenanlage einer aufgegebenen Firma und finde Ruhe für die lange Nacht; schon um 18 Uhr wird es dunkel… 12-13 Stunden Schlaf und Döserei sind da unumgänglich.  Licht zum lesen habe ich zwar, aber ungern beleuchte ich in dieser Finsternis mein Zelt, was mich weithin sichtbar macht und eventuell unliebsamen Besuch anlocken könnte.
Zumindest ausgeschlafen bin ich somit immer.

Die nächste Stadt hat es so mit ihren Namen; Elche oder Elx, eine weitere Großstadt wurde einst von den arabischen Mauren gegründet,  die ihr diesen Namen gaben. Das ist lang her, gut ein Jahrtausend und heute ist Elche als die Palmenstadt Spaniens bekannt. .. einfach überall Palmen…

Hinter dem bekannten Alicante im Innland gelegen, versucht Elche sein Image mit den Palmen auszubauen.  Bei meinen Streifzügen schaue ich in ganze Wälder von Dattelpalmen die im Wind bei total blauen Himmel wedeln.
Natürlich sind auch längs der Straßen,  den “Avenidas” ausschließlich Palmen gepflanzt worden, die Parks gleichen einem Tropengarten übervoll mit allen Sorten von Palmen.

Elche, ja das prägt sich wirklich ein ist meine Palmenoase. Hier finde ich meinen Weg auch zu Jorge, der mich für diesen Samstagabend einlud,  mal ganz ohne Party und durchzechter Nacht,  wie hier in Spanien ganz besonders üblich.
Nein, einfach ganz normal um zehn ins Bett gehen. Das prägt sich ebenfalls ein, tatsächlich finde ich einen Spanier,  der Samstagabend früh die Haia aufsucht.
Ich bin begeistert.
Jorge ist kein Exot deshalb,  ganz “Naturgemäß” hatte er sein Soll einen Tag zuvor ganz ordnungsgemäß erfüllt und war heute entsprechend müde.
Mir der gewöhnlich 10 Stunden schläft,  solls recht sein.