Spanien  ( Mazarron )
Stress unter’m Olivenbaum…
Eigentlich wollte ich hier einen schönen Feierabend verbringen,  gut Essen mit lecker Bier.
Doch meine zwei linken Hände machten dem einen Strich durch die Rechnung,  ich schaffte es nicht den platten Reifen zu flicken,  da ich immer wieder den Schlauch aufs neue beschädigte. 
Am nächsten Tag muss ich wieder in die Stadt zurück ….

Spanien / Mazarron

Zu kalt ist es an diesem dennoch schönen,  glasklaren Morgen dessen starker Sonnenschein zwar total die Sicht ablenkt, aber es nicht vermag ein wenig zu wärmen.
Ich gebe auf und esse im gehen, wandere Schokolade essend weiter, bis es dann doch endlich erträglicher wird, ich wieder die Luft um mich herum genießen kann.

Die Landstraße nach Mazarron ist wirklich ruhig, wenig Autos stören die Stille.  Schon von großer Weite sind sie zu hören,  zerschneiden auf einer seltsam vertrauten wenn auch absolut unnatürliche Akustik die Ruhe.  Sie bringen schon unterbewusst so eine Unruhe die ich nur zu gerne misse.
Manchmal aber geht es, dann dürften es wohlwollende zehn Minuten sein wo mir die Straße ganz allein gehört.
Besonders hier und jetzt, nachdem ich mich den Bergzug hinaufgekämpft habe und auf dem 352 Meter hohen La Cuesta Pass stehe, in die Ferne schaue,  sicherlich 60 Kilometer weit. Das sind die goldenen Momente des Wanderlebens.

Leider aber ist es wieder die allgegenwärtige,  menschliche Unvernunft die einem zuverlässig die Freude trübt;  der provisorische Parkplatz hier oben dient zugleich auch als Müllkippe.  Die Autofahrer entsorgen alles nur erdenkliche hier ins Freie, nur kein Abfall auf dem Beifahrersitz oder sonstwo dulden…. ja sich noch die Mühe zu machen diesen einzupacken und Daheim entsorgen.  Die meisten machen das ja, auch ich verstaue meinen Abfall solange, bis ich den entsprechend entsorgen kann ( manchmal nervt das, vor allem wenn die alte Raviolidose ausläuft )
Doch 10 – 20 % der Gesellschaft sind einfach unverbesserlich,  sie werden nie damit aufhören in ihrer maßlosen Blödheit unseren Planeten zu versauen.

In Mazarron kaufe ich wieder bei Lidl ein, der liegt gleich am Weg und Deutesche Urlauber, die hier in Puerto Mazarron überwintern,  schenken mir 5 Euro. Das tut mal gut.

Acht Kilometer mag ich noch schaffen,  Mazarron liegt verschwunden hinter mir und das graue, buschige Gras der umliegenden Berghänge ruft mich zur Rast.
In einer ruppigen Aktion drücke ich den Wanderwagen durch das kratzige, kniehohe Buschwerk bis auf einer ebenen Fläche,  direkt neben einem alten Olivenbaum der Platz für die Nacht gefunden ist.
Das Bier packe ich schonmal aus, das Zelt steht schnell.  Ich habe Lust auf zwei Stunden völlige Stille,  lang und langsam zu essen, doch dann sehe ich den platten Vorderreifen.
Welch ein Ärger,  aber egal.
Ich überwinde mich den eben zu flicken, versuche den Schlauch abzuziehen und finde schnell das winzige Löchlein im Schlauch. Ein Dorn fand den Weg ins Gummi.
Schnell den Kleber drauf, den Mantel auf die Felge und fertig.
Doch ganz aufpumpen lässt sich der Reifen immer noch nicht. Also nochmal alles runter; Mantel ab, Schlauch raus und nachgucken. Flicken.
Wieder rauf damit,  ich kämpfe mich ab und beschädige den Schlauch das es zischt.
Wut kommt in mir auf, und berapple mich um ein weiteres mal  alles zu wiederholen.
Mitnichten, beim vierten Versuch gehen mir die Flicken aus, es klappt einfach nicht.
Mir wird ganz heiß,  auf dem Jakobsweg habe ich das tausendmal gemacht, warum geht das jetzt nicht ???
Verzweiflung macht sich breit, weil das Fazit – zwei Stunden Reifenflicken ohne Erfolg heißt…. das kann ich keinem Erzählen, ich habe es nicht geschafft, habe ständig den Schlauch beschädigt,  wohl beim ab und aufziehen…
Toll, morgen kann ich erstmal schön wieder zurück nach Mazarron latschen, ganze acht Kilometer mit plattem Reifen. Das Bier trinke ich noch überstürzt,  da es wieder mal dunkelt….

Die Nacht ist komisch,  ich will nicht sagen Taghell, aber der Mond ist diesmal besonders kräftig am scheinen.
Offenkundig sieht das zahlreiches Getier ganz ähnlich und tut sein übriges; ich schlafe schlecht, da ständig Eidechsen aber wahrscheinlich auch Ratten am Zelt nagen, meine Essensvoräte wittern und mich fürchterlich ärgern.
Auch wilde Hunde hats hier draußen;  beim Pipi machen im nächtlichen Mondschein, 20 Meter vom Zelt entfernt,  habe ich sie gesehen,  weit weg aber klar und deutlich.
Sie sind nicht aggressiv,  eher zurückhaltend und hinterhältig.  Auch die Hunde haben es auf die Salami in meiner Wanderwagen-Küchentasche abgesehen.
Ich weiß mir nur noch mit dem Pfefferspray zu behelfen,  sprühe vorichtig ein wenig vor dem Zelt auf die Erde, unterschätze aber die Materie und bekomme sowas von Niesanfälle, das ich nun wirklich alles in der Umgebung verscheucht haben dürfte.
Zum Glück schlafe ich die nächsten Stunden der langen Nacht recht gut.

Spanien / Cartagena

Weit schaffe ich es noch, die Gegend aber wirkt verschlossen,  zu viele Zäune versperren den Zugang ins Land links und rechts der Straße.  Aberkilometerweit sind hier nur Pfirsich-Plantagen zu bewundern.  Die Autos zischen nur so an mir vorüber,  in Schrittgeschwindigkeit aber komme ich mir so hilflos vor, wähne mich aber wieder in Sicherheit mit den Bergen im Visier,  die ruhig und friedlich,  wie gemalt am Horizont liegen.
In ihren sanften Windungen möchte ich heute Ruhe finden, brauche einiges an Zeit bis ich dann endlich dorthin gelange, stteife durch zentrumslose Streusiedlungen, weit auseinander liegende Landhäuser einfachster Bauart.
Vorbei an fürchterlich abweisende Köter, finde ich tief zwischen niederen Gebirge die ersehnte Sicherheit, baue das Zelt unter einem kleinen Baum auf.
Jetzt wird es wieder schnell kalt, mir bleibt wenig Zeit fürs Abendessen.  18:30 Uhr, es ist stockfinster. Ich schlafe jetzt…

Spanien ( Cartagena )
Wie schön es doch am Hafen von Cartagena ist. Kräftiger Wind, aber immer Sonnenschein.
Cartagena wetteifert mit Murcia in der Region.  Zugegeben,  ich fand es hier schöner, das Meer, die Wärme (plötzlich waren es satte 10 Grad wärmer,  als ich aus dem Bus von Murcia kam)
und die schicke Fußgängerzone überraschen mich.

Spanien / Cartagena

Mit frisch reparierten Wanderwagen, verabschiede ich mich von Dori und Antoni, gut ausgeschlafen, gewaschen und satt, marschiere ich zum “Estation de Autobus”, dem Busbahnhof um ans nächste Zeil zu gelangen: Cartagena, 50 Kilometer weiter südlich am Meer.
Dank einer kleinen Geldspende bin ich in der Lage die 4, 10 Euro zu berappen, schafge den Wanderwagen (in seine Einzelteile zerlegt) in den Gepäckraum des Busses und ab geht die Post, endlich wieder über die Straßen sausen in ganz anderen Geschwindigkeiten.

Cartagena ist die ganz große Nummer zwei in der Region Murcia, schon deshalb weil historisch einiges los war; Hannibal hatte einst hier seine Elefanten aus Afrika verladen,  da Cartagena damals der wichtigste Posten auf europäischen Boden für die Kartagher war. Das waren ja die großen Gegner für Rom, jene mit diesen zwei “punischen Kriegen”.
Lang ist’s her und heute zieht sich die Großstadt längs eines Bergtals zum Meer hin, wo der überschaubare Hafen allerdings ganz schöne Ungetüme an Kreuzfahrt-Schiffe beherbergt;  schon von weitem erkenne ich die träge Flut, betagter Touristen die langsam aber sicher die Promenade “erobern” werden.

Ich hingegen bleibe nicht in der Stadt,  schaue mich aber etwas um und verlasse den Ort gegen Nachmittag,  ausgestattet mit dem billigsten was die Nahrungsmittelindustrie herzustellen vermag, wandere lang und weit hinaus und schaue zurück;  Cartagena,  sehe ich dich wieder ?
Wahrscheinlich,  denn im fernen Kolumbien hatte man vor dreihundert Jahren auch ein Cartagena gegründet.  Das ist aber schon eine Millionenstadt geworden, liegt an der Karibik und eines ist mir jetzt schon klar: Ich werde an diesen Tag denken, irgendwann wenn ich Cartagenas Schwester in Kolumbien besuche.

Spanien ( Murcia )
Und wieder ist es die Natur die Murcia unvergesslich macht, wie dieser unglaubliche Baum. Dieser Australische Ficus wird viele Jahrhunderte alt, wächst schnell und wurde vor langer Zeit in Spanien als Zierbaum in den großen Stadtparks verbreitet.
Die Botanik hier ist schon eher “Subtropisch” da es im Winter immernoch bis null Grad runter gehen kann (heute sind es schon acht…) was z.B. schon für Kokospalmen zu kalt ist.
Aber allen was hier an Pflanzen ganz im Unterschied zu Deutschland gedeiht,  ist schon wahnsinnig spannend.

Spanien ( Murcia )
Tja, also irgendwas zeichnet eine Stadt im Besonderen aus, lässt sie unverkennbar sein, und bleibt in Erinnerung.
Murcia ist eher einer von den Unscheinbaren Orten, zwar recht groß aber eben Durchschnittlich.
Doch eines bleibt: Wenn ich an Murcia denke, bleibt diese Palme im Gedächtnis,  ja eine Palme; vor dem Rathaus wurden vor ca 70 Jahren diese Fächerpalmen gepflanzt,  aber eine davon war anders, es ist eine Hochwachsende Art.
Als Jungpflanze sehen ja alle gleich aus, doch später war es dann wohl auch zu spät einzugreifen; – in Deutschland hätte man das irgendwie wieder korrigiert,  doch hier in Spanien lebt man eben damit, dass nicht immer alles nach Plan gehen muss….

Spanien / Murcia

Und tatsächlich,  Antonio der Ingenieur und zugleich mein Gastgeber,  hat es wirklich geschafft;  der Wanderwagen läuft wieder wie geschmiert.  Nachdem Antonio die Maße wusste und heute in seiner Firma die Teile bearbeiten konnte, war es ihm eine Leichtigkeit alles zu installieren.

Was für ein Glück,  ich mag garnicht wissen, wie ich das mit meinen zwei linken Händen ganz allein hingekriegt hätte. … so bleibt mir nur noch der bescheidene Versuch,  meinen Dank in einem kleinen Geschenk auszudrücken;  ich suchte halb Murcia ab um dort einen Weißwein aus der guten Heimat zu finden,  ein Dornfelder soll es dann sein, – El Cortes Ingles (dem größten Spanischen Kaufhauses) sei Dank, ich finde Deutschen Wein hier…

Ja, was gibt es überhaupt zu Murcia zu sagen ?
Eigentlich ist diese große Stadt (500.000 Einwohner) nicht wirklich interessant,  die Altstadt ist klein und recht verbaut mit Gebäuden der 50er Jahre,  und lediglich die alte Kathedrale dominiert, weit sichtbar über das eintönige Häusermeer.
Aber der permanent sonnige Himmel und die Berge im Hintergrund schaffen eine tolle Lage, das Meer liegt 50 Kilometer weit, was allerdings im Sommer für regelmäßige 40 Grad und mehr sorgt.

Spanien  ( Murcia )
Auch kulinarisch versuche ich die Region zu verstehen;  Murcia ist bekannt für seine “Pastel de Carne”, kleine spiralförmige Teigtaschen in einer Papierform aufgebacken, gefüllt mit lecker Hackfleisch vom Rind, etwas Ei und Paprika.
Neben dem “Estrella Murcia”, dem lokalen Bier, ist das die Spezialität der Region.
Außerdem konnte ich noch “Morcillas” essen, ebenfalls kleine Teigtaschen,  aber nach Murcia-Art mit  gut gewürzter Blutwurst gefüllt.
In der Region Murcia werden auch die Blätter des Zitronenbaums paniert und frittiert.
…. Paul hatte wie immet seinen Spaß beim guten Essen…