Spanien / Almeria

Mit dem Bus brause ich Almeria entgegen, vorbei an endlos, ja wirklich endlosen Plastiklandschaften, den allgegenwärtigen Treibhäusern. Im Zentrum dieser skurrilen Landschaft dann El Ejido, die “Plastikstadt” wie sie hier genannt wird.
Ganz modern und natürlich nicht aus Plastikplanen wirkt El Ejido, das in den letzten zwanzig Jahren planlos gewachsen ist; Hochhäuser und fette Einkaufzentren zeigen wie gut das Geschäft mit den Tomaten und Pfirsichen läuft.
Lediglich – und damit aber die mit Abstand größte Mehrheit der Beteiligten,  haben davon nicht viel, unglaubliche 2-3 Euro bekommen die Erntehelfer hier …. pro Tag !!!
Natürlich sind das fast nie Spanier,  -Marokkaner,  Schwarzafrikaner und Rumänen arbeiten in den Schwülheißen Plastikverließen den ganzen Tag.

So sehe ich sie auf den Feldern schuften, denke auch an Sergej, den ich übrigens hinter Aguilas vom Fenster des Busses an der Straße entlangwandern sah, und an mich selber… wir alle suchen unseren Weg auf verschiedener Weise; doch ich habe hier das meiste Glück,  ich habe einen “richtigen” Pass in der Tasche. Muss (noch) nicht auf diese Felder -hätte aber ohnehin keine Chance,  im Wettbewerb mit all diesen Hammerharten Typen aus Afrika oder sonstigen Höllen dieser Welt, sieht der lustige Aussteiger aus der Wohlfühlgesellschaft ganz schön alt aus….

Der ist aber nun auf dem Weg zu Steffen, einem Deutschen Auswanderer der in Almeria lebt. Ich ärgere mich noch über die anderen Passagiere,  die auf keinen Fall abwartend ihre Koffer und Taschen mit aller Gewalt an meinem dicken Wanderwagen  vorbei hinusreißen müssen, der ist ja im Laderaum gut verstaut. Doch die Unfernunft mancher Leute ist echt komisch, Almeria ist Endstation,  da kommt alles Gepäck hinaus.
Doch wer zuerst aussteigt, will auch zuerst seinen weit hinten verpackten Koffer haben, jetzt sofort, ohne jede Rücksicht. ..

Jaja, der Mensch ist halt Evolutionstheoretisch noch nicht lang vom Tierreich getrennt,  hier wird’s wieder deutlich.

Almeria: Das klingt wie Musik…..   ja, eine Erinnerung aus der Kindheit,  wenn die Eltern oder die Tante von der groooooßen, so unbekannten Welt sprachen….

Jetzt bin ich einfach hier.

Spanien / Aguilas / Almeria

Was für eine Wohltat,  der kräftige Strahl aus der Brause reinigt Körper und Seele. Wie neu geschaffen geselle ich mich nun ins Wohnzimmer zu Piku, einem Langhaarigen 50 Jährigen,  der ordentlich Marihuana paffend wie ein Guru aus Indien ausschaut,  mit seiner dermaßen weiten Hose, dass man in dieser sogar zelten könnte.
Zusammen mit Merce, seiner hübschen Frau, esse ich endlich wieder gut und warm. Um nicht unhöflich zu sein, halte ich noch zwei Stunden aus, gehe aber dan emdlich in die ersehnte Haia….

Ich schlafe komplett durch, wache auf und schon geht’s wieder weiter. Piku ist Gärtner und mal wieder zu spät,  schnell packe ich meine tausend Sachen und muss mit ihm aus der Wohnung.
Herzlich verabschieden wir uns vom eigentlich recht kurzen Miteinander,  und rolle den Wanderwagen aus der Wohnanlage. Mist, jetzt bin ich eingesperrt;  Piku hat vergessen mir das Tor aufzuschließen.
In Spanien sind viele Wohnungen wie ein Sicherheitstrakt organisiert,  nur mit verschiedenen Schlüsseln gelingt der Zugang, erstens in den Hof, dann das Haus, dann die Wohnung.

Ganze 20 Minuten irre ich durch den parkähnlichen Garten bis mich endlich ein Anwohner befreit.  Er dachte sich schon ich sei ein Eindringling,  fragte mich vom Balkon aus  irgendwas auf Spanisch. Ich deute einfach auf den Ausgang und war bald frei.

Gleich nebenan kaufe ich erstmal ein, Mama hat mir ein bisschen überwiesen und somit besorge ich mir frisches Brot,  Salami und eine Dose Oliven,  gefüllt mit salzigem Fisch. Die bekomme ich immer bei meinen Gastbesuchen hier in Spanien und bin nun völlig verrückt danach.

Aber siehe da… im Supermarkt treffe ich plötzlich Sergej wieder. Beim Einkauf.  Na, manchmal, aber auch nur manchmal mache er das gibt er kleinlaut bei.
Na, ob er doch sein Geld hat, weiß ich nicht…. ich jedenfalls muss immer mehr aufpassen,  da nur noch wenig Währung mein Geldbeutel ziert.
Wieder trennen sich unsere Wege, trotz meiner knappen Kasse suche ich den Bus nach Almeria, während Sergej heute weiter läuft,  40 Kilometer Richtung Vera in Andalusien.

7.70 Euro zahle ich für die 110 Kilometer nach Almeria, aber das gehört zum “Plan”, schließlich soll ich am 10.11 in Cadiz sein, dass so weit weg liegt,  das ich es nie zu Fuß schaffen würde.
Dann steige ich aufs Schiff und setze nach Gran Canaria über,  zum Überwintern.  Mein Freund Edmond hat mir das Ticket gesponsert, er ist es auch der mich dann auf der Insel treffen wird.

Doch heute geht’s erstmal weiter nach Almeria, jaaaaa, Almeria dieser bekannte Name von Sonne, Strand und Süden.
Dort bin ich nämlich wieder verabredet über Couchsurfing,  bin dann zu Gast bei Steffen einem Deutschen Auswanderer der mich für zwei Tage aufnimmt.

Somit bin ich aus der Region Murcia raus, einem kleinen aber sehr interessanten Teil Spaniens; ich denke an Dori und Antoni in Murcia-Stadt, an die trockenen Sandberge mit den kratzigen Sträuchern,  die mir immer ein sicheres Zuhause für mein Zelt waren, an Cartagena die Schöne,  an Mazarron und meinem Desaster mit der Reifenpanne, ich denke an die sanften Berge, an die viel höheren dahinter,  an den wohl blauesten Himmel überhaupt,  ja an so vieles.

Jetzt komme ich ein anderes “Land” Spaniens, ich bin in Andalusien.

Spanien / Region Murcia

Etwas verloren, ziehe ich weiter durch die nicht enden wollende Wildwest-Landschaft, freue mich aber auch über das Panorama in seiner Langsamkeit Menschlichen Schritttempos.
Ich schreite auf der “Rambla de Los Miñarros”, eben einer bekannten Panoramastraße, was allerdings auch immer mehr Testosteronjunkies wissen und mit ihren PS-starken Rennmaschienen aprupt für ein Ende der friedlichen Ruhe sorgen; manchmal mit 200 fetzen sie nur zwei Meter an mir vorbei, zerreißen mit einem entsetzlichen Lärm (jeder will wohl der lauteste sein) den Frieden.
Zum Glück aber verschwinden sie soch schnell wie sie kommen… jajajaja, ich denke jetzt natürlich auch an meinem Papa, der macht genau sowas auch, auch er hätte hier seine helle Freude,  würde wenn es geht sogar mit Raketenantrieb die Schallmauer zerfetzen, dass die Berge erzittern…..

Aber auch andere Charaktere bietet mir der Weg: Einsam und verlassen zieht dieser Wandersmann weit vor mir längs der langen Straße,  ich hole auf und komme sofort ins Gespräch;  Sergej, ein Russe aus der Nähe von Volgograd (ehemals Stalingrad) läuft schon seit Jahren zu Fuß durch Europa.  Im Gegensatz zu mir lebt er fast ganz ohne Geld, erzählt mir im gebrochenen Englisch manchmal Regenwürmer zu essen, Wurzeln und sonstiges,  einfach um zu überleben.
Ein wirklicher Aussteiger also, der keine Hilfe von jemandem annehmen will.
Sergej will es mal bis nach Brasilien schaffen, dort im Amazonas-Regenwald “Überleben”, wie er immer gern betont.
Doch jetzt wandert er täglich 40 – 50 Kilometer in doe gleiche Richtung wie ich, nach Südwesten bis  Gibraltar,  was danach kommt,  wisse er noch nicht.
Ich bin fasziniert,  da mein Wanderleben im Vergleich zu seinem eher Komfortabel daherkommt,  er wolle auch garnicht bei fremden Leuten in der Wohnung schlafen, (so wie ich es mache) und zieht die Nacht unzer freien Himmel vor. Sergej liebt die Natur, wolle von ihr leben.
Nunja, ich bin dennoch misstrauisch,  selbst beim Versuch so über die Runden zu kommen,  scheitere ich sofort; zu sehr mag ich mein Bier am Abend, meine kleinen Leckereien hier und da, sowie ein gewisses Sozialleben als Gast in all den Städten.

Aber wir sind auch als Aussteiger verschieden, die einen sind die Organisierten,  die anderen die Knallharten,  Letzteres trifft auf mich eher nicht zu…

Außerdem spaziert Sergej fröhlich ohne jegliche Dokumente durch’s vereinte Europa.  Er behauptet seinen russischen Pass vernichtet zu haben, komme eben ganz ohne aus.
Uff, ich bin stutzig,  durchschnittlich alle drei Tage “kontrolliert” mich irgendein Polizist der mich vom Straßenrand mit dem nicht unauffälligen Wanderwagen aufgabelt. Selbst dann werde ich nie dieses beklemmende Gefühl nicht los… (irgendwie machen mir diese militärisch wirkenden Cops Angst. ..)
Und nun kommt dieser Typ aus Russland (für Russen besteht eine scharfe Visapflicht in der EU) und sagt ihm könne hier niemand was.
Na, ob das so alles stimmt sei mal dahingestellt,  aber ansonsten ist er schon ein ganz heftiger Kerl.
Wir wandern zusammen noch über 15 Kilometer,  und Sergej quasselt nahezu pausenlos die ganze Zeit, ich dachte dass schon ich wirklich nicht schlecht sei, aber er kann es besser;  die längste “Redepause” dauerte keine drei Minuten….

Die einst so idyllische Straße führt mehr und mehr in die typischen Streusiedlungen, wo Zäune,  mit schäbigen, ständig laut bellenden Hunden dahinter, und jede Menge Treibhäuser das Wandern weniger erfreulich werden lässt.  Zudem bin ich auch müde, habe aber doch noch Zuversicht Aguilas zu erreichen.  Da wartet ja ein gutes Essen, eine Dusche und ein Bett auf mich.

Allerdings endet aufeinmal die Möglichkeit eines jeden Läufers und Radfahrers den Weg fortzusetzen,  da hier die “Autovia” anfängt,  also eine Autobahn wo es natürlich verboten ist weiter zu spazieren.
Offensichtlich gibt es keine Alternative,  ab hier muss man schlicht und einfach ins Taxi umsteigen,  oder einen Bus suchen. Unglaublich,  welch eine Autovernarrte Welt…
Doch da wir beide zur Kategorie “Superhelden” zählen,  stören wir uns herzlich wenig daran und setzen nun den Weg auf den wunderbar breiten Seitenstreifen der Autovia fort.
Ganze vier Kilometer schreiten wir auf verbotenen Asphalt einer zim Glück wenig befahrenen Autobahn, aber was sollen wir sonst tun ? Einfach umkehren ?
Mitnichten,  Aguilas taucht irgendwann am Horizont auf, eine herrlich am Meer gelegene Kleinstadt im Sonnenuntergang begrüßt uns.
Sergej, der sich noch irgendwo Stadtauswärts eine “Pinie” suchen will (er schläft am liebsten unter Pinienbäume, weil es dort so schön weich und Windsicher sei) zieht rechts ab, mein Weg führt weiter in die Stadt,  wo ich nicht lange brauche um die Adresse zu finden wo mich Piku und seine liebe Frau Merce empfangen….

45 Kilometer bin ich heute gegangen um dieses Ziel noch zu erreichen.  Jetzt erstmal eine tolle Dusche, uuufff, bin ich fertig jetzt…..

Spanien ( Region Murcia )
Aber auch in den rauen Bergen hält der Mensch Einzug: Wo es nur geht, breiten sich diese Plastikplanen aus, unter denen Tomaten, Pfirsiche,  oder Paprikas gedeihen, die dann letztlich im Aldi von Düsseldorf oder Hamburg landen.
Schließlich wollen wir ja auch im Winter unser Obst und Gemüse.  Hier kommt es her…

Spanien ( Region Murcia )
So sieht nicht nur der Wilde Westen aus, sondern auch große,  weite Teile Spaniens; Unfruchtbares, sandiges Geröllland, wo nur kratzige, halbtote Dornsträucher existieren.
Aber auch das hat seinen Reiz,  hier ist man dafür auch mal allein, hat seine Ruhe… ja, diese Gegend ist hier mein Zuhause,  hier finde ich immer ein Plätzchen für das Zelt.

Spanien / Region Murcia

Meine Finger spüre ich kaum noch, das ist am schlimmsten,  da keine Handschuhe im Gepäck sind.  Einfach welche kaufen geht ja auch nicht mehr,  kein Geld.  Nun muß ich mit dem auskommen was ich habe.
Aber schon bald laufe ich mich ein und komme allerdings viel später als gedacht an jenem Ort vorbei, wo ich gestern gescheitert bin. Schaue noch von der Straße hoch zum kleinen Olivenbaum und denke, weiter jetzt….
Durch wunderschön,  bergig, karge Landschaften führt mein Weg, und so allmählich beginnen sie; einer der typischsten Phänomene (Süd)Spanischer Landschaftsgestaltung: Plastikplanen, immer wieder Plastiktreibhäuser die zwischen den niederen Bergen wie riesige Fremdkörper in der Sonne gleißen.
Jeder einigermaßen nutzbare Boden wird genutzt,  so daß teils einige Treibhäuser in den Berghängen kleben.
Dann wird die Straße schlechter in ihrer Qualität,  gut für mich allerdings,  da jetzt nur sehr selten Autos den Weg kreuzen.  Die Stille hier ist einfach herrlich,  nun ziehe ich durch eine Berglandschaft wie man sie aus den Westernfilmen kennt; trockenes Strauchwerk, darbene Kakteen, farbenfrohe Felsen zwischendurch und ein sowas von blauer Himmel darüber.  Die alte Straße führt oft über ausgetrocknete Flussbetten, überall Felsen und dicke Steine, manchmal eine Palme, manchmal auch eine Hazienda.
Es fehlt nur noch der Indianer auf dem Pferd der gleich um die Ecke kommt…. ja, und heiß ist es sogar auch geworden.

Ein bißchen mulmig wird mir schon,  ich habe noch kaum Wasser, trinke den letzten Schluck und ertappe mich beim Zweifel,  überhaupt hier richtig zu sein. Kilometer um Kilometer zwar diese schöne Landschaft,  aber einfach nichts und wieder nichts deutet auf eine baldige Siedlung hin. Aguilas soll doch nur 20-25 Kilometer weit sein, hieß es gestern noch…. die bin ich heute schon gegangen. …
Na, ich versuche mal eines der wenigen Autos anzuhalten, um vielleicht von denen zu erfahren wo ich wirklich bin, verdammt, keine Landkarte…. kann sie mir halt nicht kaufen.

Mit der leeren Pulle in der Hand winke ich immer wieder, alle zehn Minuten ein Auto zu, doch die kümmern sich einen Kericht um mich, klar ich bin ja au h in Spanien und dort weiß jeder dass z.B. Trampen absolut nicht angesagt ist. Zu viele “Rumänen” auf der Straße,  zu viele Banditen überall,  hieß es immer wieder bei meinen Recherchen von den Einheimischen.
Doch schon von weitem sehe ich diese dicke Kiste mit dem gelben Nummernschild angerauscht kommen; ein Wohnmobil aus Holland, und es hält sogar promt.
Jetzt habe ich sogar eiskalte Cola, bekomme frisches Wasser und – was haben Holländer wohl im Gepäck ?  – Etwas Käse mit Brot, wenn schon, denn schon.
Naja, der Weg führt wirklich nach Aguilas, das liegt aber noch mindestens 20 Kilometer weit…. erfahre ich noch.

Hmm, na dann wird aus dem Treffen mit Piku heute wohl nichts, es ist einfach zu weit resigniere ich..
… Hätte ja schon mal wieder Lust auf einer frischen Dusche und ein warmes Mahl… erstmal weiter sehen, ich bin heute ungewöhnlich fit und laufe und laufe…..

Spanien / Region Murcia

Wieder ist es sowas von kalt heute morgen…. dafür dass es sich so gut schläft in meinen Mega-Schlafsäcken, die ich ja dank Super-Lastenträger-Wanderwagen mitführen kann, brauche ich nach dem Aufwachen immer recht lang bis ich den Schneid habe aus der molligen Wärme zu steigen.
Zudem ist es auch heute wieder ein Traumerlebnis, den Sonnenaufgang durch’s offene Zelt zu bewundern,  noch im Halbschlaf die erhebliche Frische des knackigen Morgens zu inhalieren.

Nicht wissend wie weit dieses Aguilas überhaupt ist, ziehe ich los, wieder im gehen essend, da die Kälte mich treibt,  eigentlich wollte ich doch dem Winter entkommen,  eigentlich dachte ich in Spanien davor sicher zu sein…. zumindest tagsüber steigen hier die Temperaturen auf sehr gemütliche 22 Grad, da will ich ja nicht zuviel verlangen.
Doch um 4 Uhr Morgens spürt man auch hier wie sehr der Winter diesen Kontinent im Zangengriff hatt, fast null Grad lähmen auch im wärmsten Teil Europas so ziemlich alles.

Spanien / Mazarron

Diese Nacht ist vorüber.  Insgesamt liege ich jetzt 13 Stunden hier, bin gefühlte tausendmal aufgewacht weshalb ich noch immer müde bin.
Recht antriebslos baue ich das Lager ab und versuche den platten Vorderreifen wenigstens für die acht Kilometer zurück nach Mazarron fit zu machen.
Dazu fülle ich den Mantel mit Gras, damit er den Weg aushält. Ja, dieses drahtige Gras welches selbst mit dem scharfen Messer schwer zu schneiden ist packe ich jetzt da rein und rolle los..

Mazarron ist eine Art Doppelstadt, die alte Stadt oben hinter den Bergen und der Hafen, “Puerto Mazarron” fünf Kilometer weiter am Meer, was in den letzten Jahrzehnten weit größer geworden ist seit der Massentourismus in Spanien Einkehr gehalten hatte.

Es ist eine Ochsentour, zwei Fahrradläden in der Oberstadt haben so einen kleinen Schlauch nicht im Angebot,  können meinen auch nicht mehr “professionell” reparieren.
Erst in Puerto Mazarron gibt es kurz vor der Siesta, der gefürchteten,  in Spanien alles stilllegende Mittagspause Hilfe.

Der raubeinige Typ unterrichtet mich in der Art und Weise des Reifenwechsels, packt mit bloßen Händen Mantel und Schlauch rauf und runter.
Das muss ich jetzt können,  kann doch nict war sein…
Echt peinlich…..  habe wirklich überlegt ob ich das hier überhaupt hineinschreiben soll, aber so ist es nunmal, ganz ungeschminkt.

Vier Fahrradgeschäfte gibt es in beiden Mazarrons, alle hatte ich abgeklappert,  zwischendurch essen, kurz ins WiFi, Handy aufladen (in einer Bar) mit Mama sypen und feststellen das der ganze Tag flöten geht.
So bleibt mir jetzt nur noch ein ausgedehnter Abend am Zelt, in den Bergen neben Mazarron. Am Busbahnhof komme ich noch mit Touristen aus Österreich ins Gespräch,  lasse mich dann einladen mit ihnen mitzufahren,  fünf Kilometer weit raus, da ist viel Platz zum Zelten.
Die netten Leute wissen auch meinen weiteren Weg zu beschreiben;  längs des Strandes käme ich bis nach Aguilas, wo ich morgen zum Couchsurfen verabredet bin.
Doch auf dem Weg zum langen Marsch entlang der Playa, schickt mich ein beherzter Engländer wieder zurück auf den asphaltierten Boden der Tatsache; der Strand ist unbefestigt und so fragt er mich ob ich diesen denn pflügen wolle mit meinem Bollerwagen…

Wieder auf der Straße finde ich gleich am Ortsausgang ein brachliegendes Gelände voller Geröll,  steige auf einen Vorsprung des Hügels, das Zelt steht hoch über die Stadt und habe einen wahnsinns Abend.  Sonnenuntergang und Bier…