Spanien / Mazarron

Diese Nacht ist vorüber.  Insgesamt liege ich jetzt 13 Stunden hier, bin gefühlte tausendmal aufgewacht weshalb ich noch immer müde bin.
Recht antriebslos baue ich das Lager ab und versuche den platten Vorderreifen wenigstens für die acht Kilometer zurück nach Mazarron fit zu machen.
Dazu fülle ich den Mantel mit Gras, damit er den Weg aushält. Ja, dieses drahtige Gras welches selbst mit dem scharfen Messer schwer zu schneiden ist packe ich jetzt da rein und rolle los..

Mazarron ist eine Art Doppelstadt, die alte Stadt oben hinter den Bergen und der Hafen, “Puerto Mazarron” fünf Kilometer weiter am Meer, was in den letzten Jahrzehnten weit größer geworden ist seit der Massentourismus in Spanien Einkehr gehalten hatte.

Es ist eine Ochsentour, zwei Fahrradläden in der Oberstadt haben so einen kleinen Schlauch nicht im Angebot,  können meinen auch nicht mehr “professionell” reparieren.
Erst in Puerto Mazarron gibt es kurz vor der Siesta, der gefürchteten,  in Spanien alles stilllegende Mittagspause Hilfe.

Der raubeinige Typ unterrichtet mich in der Art und Weise des Reifenwechsels, packt mit bloßen Händen Mantel und Schlauch rauf und runter.
Das muss ich jetzt können,  kann doch nict war sein…
Echt peinlich…..  habe wirklich überlegt ob ich das hier überhaupt hineinschreiben soll, aber so ist es nunmal, ganz ungeschminkt.

Vier Fahrradgeschäfte gibt es in beiden Mazarrons, alle hatte ich abgeklappert,  zwischendurch essen, kurz ins WiFi, Handy aufladen (in einer Bar) mit Mama sypen und feststellen das der ganze Tag flöten geht.
So bleibt mir jetzt nur noch ein ausgedehnter Abend am Zelt, in den Bergen neben Mazarron. Am Busbahnhof komme ich noch mit Touristen aus Österreich ins Gespräch,  lasse mich dann einladen mit ihnen mitzufahren,  fünf Kilometer weit raus, da ist viel Platz zum Zelten.
Die netten Leute wissen auch meinen weiteren Weg zu beschreiben;  längs des Strandes käme ich bis nach Aguilas, wo ich morgen zum Couchsurfen verabredet bin.
Doch auf dem Weg zum langen Marsch entlang der Playa, schickt mich ein beherzter Engländer wieder zurück auf den asphaltierten Boden der Tatsache; der Strand ist unbefestigt und so fragt er mich ob ich diesen denn pflügen wolle mit meinem Bollerwagen…

Wieder auf der Straße finde ich gleich am Ortsausgang ein brachliegendes Gelände voller Geröll,  steige auf einen Vorsprung des Hügels, das Zelt steht hoch über die Stadt und habe einen wahnsinns Abend.  Sonnenuntergang und Bier…

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