Frankreich – Region Limousin –  (29.06.2014)

Wieder im Wald gelandet, haaach wie ich das doch liebe hier draußen; Wälder sind immer am besten um heimlich und ungestört seine Nachtruhe zu genießen. Schöne Lieder von den Vögeln frühmorgens inclusive.
Auch wenns mal wieder regnet, …. ich habe Zeit und warte gern, drehe mich nochmal um und schlummere weiter. Gestern taten noch die Knochen so weh, da ich beim trampen so viel die Straßen entlang zog, um bessere Stellplätze zum Anhalten der Autos zu testen…. schließlich wiegt mein Sack & Pack ja einiges…uff.

Aus Ussel bin ich dann schnell wieder raus, und fand gleich hinter dem letzten Haus diesen Fleck im Wald….

Frankreich (Region Limousin) 28.06.2014

Eeeendlich angekommen; in der Zielregion im allertiefsten Frankreich, dem Limousin, einem bergigen Bauernland voller Rinder und Wälder…
Gestern war ich noch im schönen Maćon, einer kleinen, aber sehr geschäftigen Stadt im südlichen Burgund, zeltete dort in einem Grünstreifen nach langer Tour (ca 450 km) per Anhalter.

Anschließend zog ich weiter, hob den Daumen in die regnerische Luft und hoppelte von Dorf zu Dorf; trampen in Frankreich scheint echt gut zu klappen. Nötig ist das auch bei dem wohl teuersten Zügen Europas (lediglich Schweden, Norwegen und die Schweiz sind ähnlich teuer) -in Frankreich sind die Bahn-Kilometer wohl vom Preis-Leistungs Verhältnis die unverschämtesten weltweit. Bei meinen Nachfragen an verschiedenen Bahnhöfen trifft mich jedesmal der Schlag… aber naja, bei unseren Nachbarn (die übrigens vom Einkommen nicht über dem Deutschen liegen) läuft ja so manches nicht richtig; während einer Heißhungerattake zahlte ich kürzlich sechs Euro für ein schlaffes Sandwich. Die Cola für 3,50 hatte ich mir dann verkniffen; Leitungswasser tuts auch.

Doch die Menschen hier sind dem offensichtlich Budget-Reisenden sehr freundlich gesonnen; bis Clermont Ferrand habe ich es noch geschafft, nahm aber noch einen Bus für die letzten 30 km bis nach Ussel (gesprochen: Üssel) und war gestern spät Abends dort im Wald zum zelten gelandet. Leider war schon alles tot im 17.000 Einwohner Ort, hier in dieser tiefsten Provinz, sodass es sowas von toll war dieses alte, trokene Dönerbrot noch im Vorrat zu haben. Eine Flasche Wasser hatte ich mir noch an einem Haus in der Nähe “erbetteln” müssen.

Warum denn schonwieder Frankreich ? (Auvergne)

Also oft werde ich gefragt, welche exotischen Länder ich die letzten vier Jahre meines Wanderlebens schon bereist habe… schließlich nenne ich mich ja einen “ Systemrwisenden Gesellschafter"  der alle 200 Länder erkunden will.
Die Antwort fällt noch nicht so super-abenteuerlich aus; erstmal Westeuropa habe ich "geschafft”, den Jakobsweg noch komplett spaziert und nun, meist per Anhalter durch eben die selben Länder des Camino Santiago; Spanien, Frankreich und England -jene großen “Schwerpunktländer” auf meiner “Via Terrestris” (dem Weltweg) die einzeln für sich schon Monate beanspruchen, da ich dort jede Region besuche. Auf dem Landweg natürlich.

Somit fehlen mir, was Frankreich anbelangt noch drei Regionen; den Limousin, die Pay de la Loire und die Bretagne, dann habe ich alle “Länder Frankreichs” gesehen.
Wie Spanien, wo ich ja insgesamt über ein halbes Jahr zubrachte, braucht auch unser großes Nachbarland seine Zeit.
Ja, Zeit… das ist wirklich wichtig, da die meisten anderen Ländersammeler, oder eben sogenannte “Systemreisende” einfach nur schnell ihre Ziele abarbeiten, und schnell wieder weiter……..

Ich aber bin langsamer. Natürlich “sammele” ich auch Länder; sowas machen wir ja alle mehr oder weniger gern. Doch Zeit haben und etwas genauer hinschauen iat mir wichtig.
Deshalb bin ich jetzt noch in Frankreich, praktisch nebenan, und nicht bereits schon auf Hetztour in Afrika oder China…. das kommt ja alles noch *freu*

Jaja, erstmal trampe ich jetzt wieder einige hundert Kilometer. Bis nach Metz, (30 Kilometer von der Deutschen Grenze entfernt) nahm ich heute noch den Zug. Trier ist ja gleich nebenan, mein zweites Zuhause wo mein lieber Georg-Edmond wohnt.
Mal sehen wie weit ich heute dann komme….

Den schweren Rucksack schultern und los gehts, die Straße nach Süden finden die aus der Stadt hinausführt, dann den Daumen in den Wind heben…..

Limousin, du tiefste Provinz im Herzen Frankreichs, ich kooooomme……

Heimaturlaub; Trier (16.06.2014)

Nach langer Zeit im annähernd “sesshaften” Dasein,  melde ich mich wieder, kurz vor dem heißersehnten Tag der Weiterreise,  zwar nochmal nach Frankreich,  aber es geht bald wieder weiter,  jaaaa, weiter. …

Arbeiten musste ich, einfach nur schnöde dem Geld hinterherlaufen,  mal hier, mal da etwas jobben. Als Tagelöhner wohl eher mein Leben hier Daheim bestreiten,  als noch groß anzusparen;  300 Euro habe ich aber schon für Frankreich;  noch die letzten drei Regionen auf meiner systematischen “Via Terrestris” (dem “Weltweg”) liegen vor mir: Der Limousin, die PayPal de la Loire, und die Bretagne. Dann ist Frankreich fast fertig; 21 Regionen habe ich dann bereist, nur noch Korsika, die schroffe Mittelmeerinsel fehlt dann, doch auch die besuche ich noch in diesem Sommer;  von Sardinien kommend auf meiner großen August-September-Oktober-Tour durch alle 20 Regionen des Italienischen Universums….

Do noch bin ich hier was ich mein “zweites Zuhause” nenne; mein erstes trage ich in mir, ich bin in mir selbst Zuhause, und somit an jedem Ort Daheim. …. Eine nicht unwichtige Voraussetzung für ein zufriedenes Leben unterwegs.
Jetzt aber weile ich in einem meiner sicheren Häfen, schlafe im Gästebett meines Elternhauses oder eben hier bei Georg-Edmond, meinem Freund und Helfer seit dem Jakobsweg vor fast vier Jahren.

Ich lasse mir Zeit,  will mich nicht beeilen und verbringe die letzten Tage hier bis zum 25.06. dann, zwei Tage nach meinem Geburtstag,  trampe ich ins Herz unseres großen Nachbarlandes bis in die recht unbekannte Region Limousin.
Was es dort zu sehen gibt, wird sich zeigen.
Jetzt tue ich meinen Lieben Daheim aber erstmal den Gefallen,  endlich mal auf meinem Geburtstag Zuhause zu sein. Mama wünscht sich das so.

Doch ich merke wieder diesen Luftzug…. ein warmer Sommern der mich bald wieder in die Ferne treibt….

Recklinghausen (Deutschland) 09.05.2014

Kann ein Wandersmann eigentlich Zuhause sein?

Ganz klar: Ja.

Hier und jetzt im Haus meiner Kindheit,  bei der Familie die Kraft finden die ich nur hier bekomme;  in der Ferne die Kraft  finden, die mir eben nur dort zuteil wird.
So pendelt sich das Gleichgewicht ein, zwischen hier und dort, zwischen Heimat und ihrem irgendwie so unerlässlichen Gegengewicht,  dem Fortsein, wobei Letzteres doch sehr überwiegt.

Jaja, ich habe sie, Mama, Papa, Bruder, Schwägerin + kleiner Ben… viele, viele Freunde & die zwei Hunde Else und Bifi.
Wenn ich plangemäß so am 25 Juni wieder losziehe, (drei Tage nach meinem Geburtstag) bin ich mindestens bis Januar weg. Wahrscheinlich, bis dahin wohl schon in Antalya (Türkei) werde ich die einzige Ausnahme begehen und mich ins Flugzeug setzen nach Düsseldorf,  um Weihnachten für zwei Wochen bei der Familie zu verbringen.  Anschließend aber zak, zak zurück nach Antalya,  dort weitermachen wo die “Via Terrestris” unterbrochen wurde.

Doch eines muss ich zugeben: Bereits dreimal habe ich nachts vom Wilden Campen oder Trampen geträumt. …. nach zwei Wochen im Hotel Mama kommt es wieder…. das Fernweh.

…. Wenn auch nur leicht….

Ein vorläufiger Endspurt (29.04.2014) Straßburg

Hier war ich schonmal, Straßburg die große Hauptstadt des Elsass, mit seiner sagenhaften Kathedrale. 
Also komme ich nun zum zweiten mal in diese Stadt. Beim zweiten mal sieht man mehr, oder anders.
Jetzt allenfalls,  sehe ich nur Regen und flüchte eher in Richtung Kneipe mit WiFi. Ganze drei Stunden, mit Blick auf die verregneten Straßen,  halte ich mich an diese unverschämt teure Cola-Zero und lasse mir mal ordentlich Zeit fürs Internet, schaue die Nachrichten und lese Wikipedia Einträge zu Elsässischen Orten.
Im historischen Zentrum gibt’s noch reichlich zu sehen. Doch die fahle Grauheit, nasskalter, schlechter Aprillaune, vermasselt mir gründlich die Fotosafari, gerade hier an einem so wunderbaren Ort. Fachwerk vom Feinsten, hochgotisches Fassadenwerk, grandiose Parks…. nichts will heute einfach schön aussehen… das Leichentuch miesester Wetterlaune liegt starr über die Stadt.

Egal, mit 15 Kilo Gepäck auf den Schultern,  schleppe ich mich durch die Gassen,  kann deshalb noch nicht einmal daran denken, mal ins Europaviertel zu gehen, zu weitläufig sind die außerhalb gelegenen Stahlbetonbauten,  jüngster Bauart des Europarates.  Straßburg,  ein wesentliches Element des berüchtigten “Europazirkus”, ist ja Sitz des Europarates,  viele hundert Kilometer vom Europaparlament in Brüssel,  sowie dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg entfernt, was natürlich alles andere als Zentralität und logistischer Effizienz entspricht. Europa halt…

Außerhalb von Straßburg befindet sich heute auch mein Ziel: Die andere Seite des Rheins, jene Grenze zwischen dem Elsass und Baden Württemberg,  jaja, zu DEUTSCHLAND.

Ich bin wieder Daheim.
Nach über sieben Monaten durch Westeuropa betrete ich erstmals  wieder mein Heimatland, wenn auch gut 550 Kilometer fern meines Zuhauses, im Grenzort Kehl.
Hier treffe ich den Domi, einem Gastronomen der mir einiges über die Franzosen im Grenzverkehr erzählen kann; Kehl, dicht an Straßburg gedrängt,  ist Deutsch. Straßburg Französisch. Somit bietet Kehl, ein eher unscheinbarer Ort mit vielen Geschäften und Kneipen,  eine wahre Wohltat geschröpfter Portemonnaies der armen Franzosen,  die selbst den unverschämten Preisen ihrer Gastronomie überdrüssig sind. Auf ins gelobte Land….sage auch ich, und bereite mich schonmal vor auf den Endspurt bald, 550 Kilometer nach Norden….nach Hause.
Dort mache ich dann erstmal ein paar Wochen Sommerurlaub.
HEIMATURLAUB.

Wooouhhw….was deftige Kost; in der letzten Region, dem Elsass wird aber sowas von herzhaft gegessen… so sehr, dass ich mich schon zufrieden gebe mit diesem Bild, was ich an einem Souvenierladen gefunden habe…
Das Elsass (zusammen mit Lothringen) war ja mal vor dem zweiten Weltkrieg Deutsch, eben auch was das Essen anbelangt.
Somit ist in ganz Frankreich die Elsässische Küche als die kräftigste bekannt. Lediglich um Lyon haut man ähnlich deftig rein, allerdings ohne Sauerkraut und Würstchen.

Zudem wird hier, in dieser flächenmäßig kleinsten Region Frankreichs, das landesweit bekannteste Bier gebraut, wem wunderts, das Kronenbourg, oder auch bekannt unter dem Label “16.66” – wer kennt es nicht zwischen Lille und Bordeaux ?!

Von Hericourt, einem kleinen Ort, wo ich noch im Wald zelten war, trampte ich weiter über Belfort nach Mulhouse (Mühlhaus) wo ich schon lang mit Yves verabredet war, den ich seit Gran Canaria kenne. Mulhouse, im Dreiländereck zu Deutschland und der Schweiz gelegen, ist eine verschlafene mittelgroße Stadt, das Zuhause von Yves der allein in einer echt tollen, kleinen Villa lebt,  in der ich wunderbar nächtigen konnte.
Kurz war unsere Zeit, viel die Prozente im Blut vom guten Wein… am nächsten Tag schleppe ich mich eher von der Couch und werde promt aber wieder von der Freundlichkeit dieser Leute hier überrascht;  Yves spendiert mir das Zugtiket nach Straßburg,  saftige 18 Euro die er mir vergönnt,  wohl aus Unlust mich jetzt zur nächsten Autobahnauffahrt zu schicken, von der ich dann Trampe.

Endlich mal Bahnfahren. Düster ziehen die Vogesen, eine sanfte aber bestimmende Bergkette, links an mir vorüber, spiegelglatt das Land aus dem sie sich erheben, grau und garstig die Witterung heute. Ein Foto gelingt kaum bei diesem Licht, wobei es doch so spektakulär aussieht, wie teils die zerfledderte Wolken in den Hängen kleben. 

FRANCHE COMPTE …. was ist das ?

…. Eine Region in Frankreich,  dem grooooßen Nachbarland, wo ich nun immer näher zur Deutschen Grenze gelange.
Nachdem ich von Lyon kommend in die Franche Compte eingereist bin, hatte ich mir kaum eine Vorstellung machen können von einer der wohl unbekanntesten Regionen dieses Landes; dünn besiedelt, hügelig und grün zeigt sich das Land. Mit 16.000 Quadratkilometer so groß wie Thüringen,  oder noch weit größer als z.B. den Libanon, hat diese Gegend eher nur Dörfer und picksaubere Kleinstädte zu bieten. Die Hauptstadt Besançon zeigt sich dementsprechend provinziell;  ruhig, vielleicht etwas verschlafen, aber nahezu schon steril vor Sauberkeit ahnt man hier schon die Nähe zur Schweiz.
Die France Compte, bekannt auch für ihren Käse der hier traditionell als Fon Due, eben wie in der Schweiz, hergerichtet wird, lebt neben dem Weinbau auch vom Grenzverkehr mit dem Stinkreichen Nachbarland, was der dörflich, ländlichen Gegend hier einen gewissen Wohlstand verschafft.
Stolz scheint man auch hier einige lokale Biere zu präsentieren,  ein kleines aber feines Zeichen, dass Deutschland nicht mehr weit ist….

Weit, grün und lieblich wirken die Kilometer hier auf den Straßen durch die Franche Compte, dessen freundliche Menschen mich gern vom Straßenrand auflesen und mich durchs Land Trampen lassen. Auch wenn fast keiner nur ein Wort versteht von dem was ich so erzähle. … wenn auch mittlerweile ich mehr und mehr das Französisch verstehe… aber eben nur das. Sprechen löst bei meinen Gegenüber nur Gelächter aus…also lassen wir das mal lieber…

Na, sieht das nicht gemütlich aus ?

Ist es auch, wobei hier bei Hericourt in Frankreich, nahe der Deutschen Grenze (ca 40 km) ganz schön Sauwetter ist… aber im Zelt ist es sooooo gemütlich;  prasselner Regen, Tierstimmen allerlei und sonstige Stimmen des Waldes, machen mir die Nacht nur noch süßer; 10 Stunden habe ich geschlafen hier…

Besançon, (26.04.2014)

Wer kennt Besançon ?
Jedenfalls bin ich jetzt hier- und schon bald wieder weg; kein Gastgeber fand sich in der 115.000 Einwohner zählenden Hauptstadt der Region FRANCHE COMPTE, die ich momentan erkunde.
Somit bleibt nur ein Stadtbummel mit tonnenschwerem Gepäck auf dem Rücken. Selbstverständlich hat die üppig ausgestattete Touristeninfo wieder mal zu und ich muss mich irgendwie so zurechtfinden,  suche nach authentischen Plätzen um Besançon etwas besser zu verstehen und somit auch in Erinnerung zu halten.

Doch eigentlich bin ich echt zufrieden: Endlich konnte ich gestern mal wieder Wild Zelten, nachdem mich das dritte Auto seit meiner Tour per Anhalter von Lyon aus im lieblichen Weindorf Arbols abgesetzt hatte.
Schnell noch im Aldi dort für 5 Euro ein komplettes Abemdessen eingekauft (St. Felicién-Käse,  Brot, Taboulé und eine echt leckere Mango) und just eine Nische gefunden fürs Zelt.
Mitten geschwungener Weinfelder baute ich gut versteckt mein “Haus” in einem der Grünstreifen dazwischen und schlief einfach wunderbar….

So, jetzt aber wieder los, noch eine Stunde durch Besançon und dann zur Straße Richtung Belfort, Richtung Elsass, – Richtung Deutschland. ….