Schottland / Glasgow

Ich genieße die pulsierende Großstadt,  und habe einen jungen Malayen kennengelernt, der auch noch deutsch spricht, da er in unserem schönen Land studiert.
Als wor zum Chinaimbiss am großen Hauptbahnhof essen gehen wollten, sah ich an einem verlassenen Tisch eine fast ganze Portion Süssaures Hünchen mit Nudeln.
Sowas würde eigentlich und normalerweise in den Müll landen, doch instinktiv griff ich zu und packte mir die noch warme Portion in meinem Alutopf.
Mein asiatischer Begleiter war natürlich total verwirrt,  doch ich erzählte ihm einfach, das gute Essen an die Tauben zu verfüttern,  drüben im Park nachher.
Auch das war ihm höchst suspekt.
Naja, aber später dann – beim Asiaten hatte ich kir lediglich eine Cola gegönnt,  verputzte ich die immernoch lauwarme Nudelspeise, die mir irgendein Unbekannter unbewusst gesonsert hat…

Liegengelassenes oder weggeschmissenes Essen findet sich in den Lokalen dieser Welt in dermaßen rauen Mengen, dass man allein davon eine weitere Milliarde Menschen sättigen könnte.  Am Tag!
Ich nutze es halt, werde so kostenlos satt und greife zu sobald sich mir was bietet…

Schottland ( Lesmahagow )
Meine Lieben, vielen Dank für diese Fantastische Zeit. Ich werde euch nie vergessen.
Von rechts nach links – Slavik aus Litauen der Handwerker, Raganath der Mönch,  ich, Moses aus Südspanien der auf Jobsuche hier ist, und Joe mein “Betreuer”  – die gute Seele der Farm.

Slavik, Raganat und Joe, leben hier das ganze Jahr über.  Alles Gute euch.

Schottland

So, nun ist es wieder an der Zeit weiter zu ziehen…  ich verlasse das liebliche Leben auf der Farm mit ihrem exotischen Spirit Hare Krishnas.
Was für eine Zeit; mir tut noch der Rücken weh, überall,  vor allem an den Beinen bin ich von Wunden und blauen Flecken übersät…. eigentlich alles andere als pure Erholung,  doch meinen alten Job, den ich schon etwas vermisst habe, konnte ich hier wunderbar ausleben.
Jetzt aber reicht es mir wieder und ich finde meinen Weg weiter nach Norden, solange es noch einigermaßen warm bleibt hier oben.

Jaja, bin noch etwas konfus; der Abschied liebgewonnener Freunde mit denen ich mich all die Tage durchs Gehölz zu groß geratener Bäume kämpfte,  und die überwältigende Gastfreundschaft dieser spirituellen Menschen, geht mir im Moment nach.

Hier in Glasgow sitze ich jetzt in einem Cafe, trinke Tee und verbinde mein Reisetablet mit dem WiFi, und kann es immernoch nicht wirklich fassen, eine beträchtliche Spende für meine Arbeit bekommen zu haben.
Ja, die eigentlich freiwillige Sache, für ein freies Bett & gutes Essen, scheint dem Farmbetreiber einiges wert gewesen zu sein; er unterstützte mich, will mir bei meiner Wanderung helfen und sich dankbar erweisen, dass ich so sehr viel länger da war als geplant.

Eigentlich haben die ja wirklich wenig Geld. Doch so Krishna es wollte, bin ich jetzt erstmal recht gut abgesichert.

Einerseits bin ich froh, wieder weiter zu ziehen, anderseits vermisse ich das Farmleben schon jetzt.

Hier im “Prckhams”, einem Cafe und Weinbar frage ich mal einige Gäste nach einem Übernachtungsplatz hier in der Großstadt Glasgow.

Den Tee hier, kann ich mir ja jetzt leisten 🙂

Schottland

So, heute ist mein (fast) freier Tag, und habe nur eine gute Stunde schaffen müssen.  Die Knochen tun weh, und überall habe ich blaue Flecken an den Beinen und Armen sowie Kratzer als hätte ich mit einem Puma gekämpft.
Dabei hatte ich lediglich so ziemlich alles an Bäumen und Hecken beschnitten,  was auf dieser Farm zu finden war…
Uff, jetzt faulenze ich endlich in meinem muffigen Mehrbettzimmer und warte auf morgen, dann geht’s wieder nach Glasgow wo ich nochmal über Nacht bleibe,  werde dort schon jemanden finden der mich bei sich aufnimmt. Immerhin leben dort ja über 1, 2 Millionen Menschen…

Momentan bin ich echt sauer auf Couchsurfing, jenes von mir zuvor hochgepriesenes Gastgreundschaftsnetzwerk im Internet, was mir private Übernachtungen ermöglicht in all den Orten meines Weges.
Dort hat sich in letzter Zeit einiges geändert.  Für jede Anfrage auf eines der örtlichen Personen-Profile einer Stadt meiner Wahl, soll ich eine ausführliche Begründung meines Besuchs in eben dieser Stadt  verfassen, um überhaupt an die Profile der Gastgeber zu kommen.
Ist das nach einiger Zeit geschafft, darf ich kir jemanden aussuchen und schreibe sie/ihn an. Doch damit nicht genug, ich soll nun auch ausführlich begründen,  warum ich gerade diese Person ausgesucht habe; ziehe mir also irgendwas an den Haaren herbei,  da ich ja die Person nicht kenne, lediglich Bilder und Hobbys anschauen kann, was aber auch wiederum nicht zu sehr ins persönliche gehen darf (!) da Couchsurfing mit aller Ausdrücklichkeit darauf hinweist, kein Kontaktportal für die Partnersuche zu sein. Sowas sei hier verpönt.
Ja was den jetzt?
Also schreibe ich dann eine Begründung,  verrichte somit vor meinen potentiellen Gastgeber einen virtuellen Kniefall, schreibe und schreibe; schließlich muss ich ein gewisses Pensum vollmachen, da sonst die Anfrage wegen einer zu kurzen Begründung nicht versendet werden kann.
Das Ende vom Lied ist, das es hiermit nun wirklich zu Ende ist; 70% aller Anfragen die ich auf diese Weise mache, werden nicht beantwortet und gehen ins Leere.
25% werden abgelehnt,  oft aus Zeitgründen,  aber zumimdest im freundlichen Ton.
5% sagen dann zu und ich kann mich freuen.
Somit muss man nahezu um eine “Couch” betteln, schöne Argumente liefern, sich regelrecht bewerben.
Sowas kann man ja alles noch verkraften, wenn es den nicht der Regelfall ist, sich pro Stadt bei durchschnittlich 15 Gastgebern zu melden….

Grundsätzlich gilt,  große Städte sind am schwierigsten. Vor allem in Touristenorten werden die Profile eingetragener Gastgeber regelrecht mit Anfragen überschwemmt,  was die mangelhafte Antwortrate umgekehrt begründet.
Bei aller freundschaftlicher Wortwahl und Speichelleckerei die ich dem potentiellen Gastgeber entgegenbringen muss, hieß es in einer der ohnehin spärlichen Antworten: “Na dann biel Spass bei der Suche”.
Selbstverständlich wurden meine Beschwerdemails an die Website Couchsurfing.com, das Ganze etwas fairer und vor allem unbürokratischer für Gäste zu gestalten,  nicht beantwortet. Damit stehen sie ganz in der Tradition dieses eigentlich wunderbaren und praktischen Netzwerkes.

Als ich die Tage kurz in Glasgow war und einer der hochbegehrten Schlafplätze zum Nulltarif mit  persönlichem Anschluss ergatterte,  erzählte mir ein weiterer Couchsurfer ( wir teilten uns die Adresse ) er hätte allein für Glasgow 20 Anfragen erstellen müssen für diesen Treffer.

Fazit des ganzen: Couchsurfing hat seinen Reiz verloren.  Zwar versuchen die Betreiber den Gastgeber mit all diesen Formalien zurecht vor Anmache und dummen Fragen zu schützen,  doch kann dieser sich in diesem Fall ganz sicher selbst wehren, und Spammails ignorieren.

Naja, da ich schlicht keine Zeit habe, täglich stundenlang im Internet zu hängen um wildfremde Menschen zu schreiben, wie toll sie sind, nehme ich allmählich Abstand vom ehemals geliebten Couchsurfing und übe mich im “Analogcouchsurfing”, dem finden von Gastgebern auf der Straße,  in der Kneipe oder sonstwo.
Das ist mittlerweile wesentlich einfacher.

Schottland ( Lesmahagow )
Natürlich esse ich immer mit der (rechten) Hand. Das machen zwar selbst hier nur wenige, aber Indien ist einer meiner ganz großen Leidenschaften, auch wenn ich hier irgendwo in Schottland bin.
Außerdem lebe ich hier völlig Geldfrei; selbstverständlich kostet mir die ganze Verpflegung (viel Essen, Bett, Dusche und saubere Kleidung)  keinen Cent. Hab ich mir ja auch verdient, denke ich.

Schottland ( Lesmahagow )
Diese bunte Vielfalt in der ganz eigenen Welt der Hare Krishna Gläubigen, gefällt mir einfach.
Auch als Atheist und Humanist, wie ich es bin, ist es möglich sich hier wohl zu fühlen;  die Gastfreundschaft, Offenheit, sowie Unverbindlichkeit, eröffnet einem schnell die Einsicht, dass  die Hare Krishna Religion nichts mit einer Sekte zu tun hat. – Ein leider weit verbreitetes Vorurteil.

Schottland

Mit der Zeit aber, und bei aller Freude hier, sehne ich mich schon nach mein Zelt zurück,  nach der Einsamkeit und den langen Straßen auf denen ich trampe.
Doch so habe ich meinen Gastgebern versprochen hier die gesamten Baumschnittarbeiten zu erledigen, und muss somit noch bis Montag rechnen. Dann durfte ich nach Glasgow kommen, jener Stadt wo ich nur kurz zwischenzeitlich zu Besuch war, als mich die Tage Phil, ein älterer,  etwas rundlicher “Real Scottish Guy” bei “Couchsurfing” zu sich nach Hause einlud.
Dort gab es dann erstmal deftige Würstchen, Stampfkartoffeln und Dosenbier; ein kleiner Kulturschok, aber irgendwo wieder mal richtig Schottisch.
Mittlerweile scheint sich die ganze Arbeit hier sogar noch nachhaltig zu lohnen; immerhin versprach man, mir etwas Geld zu spenden für die unverhältnismäßige Arbeit; sollte dies eine normale Gartenbaufirma oder ein Baumdienst erledigen, kämen schnell und locker über 3000 Pfund zusammen. Das sind 3500 Euro die mein Einsatz hier der Farm erspart.
Klar, man hat mir sogar eine nagelneue Motorsäge beschafft, doch die wird hier noch sehr viel gebraucht,  schließlich hinterlasse ich hier ein wahres Schlachtfeld voller Astwerk und gesägter Holzstämme, was total durcheinander herumliegt.
Bis die behäbigen Herrschaften im orangenen Mönchsgewand sich aus der Meditation erheben und nur die Hälfte wieder aufzuräumen schaffen, dürften wohl ganze Ewigkeiten vergehen…. jedenfalls hat mir Joe, mein erster Ansprechpartner hier, verprochen,  über Facebook zu berichten wie es hier vorran geht.
Ewig kann ich ja auch nicht bleiben…