Schottland / Inverness

Zurück an der Straße,  brauche ich nicht lang und werde mitgenommen. Nicht ein strammer Schotte im Kilt, sondern eine Taiwanesin nimmt mich nach Inverness mit, einer der nördlichsten Städte Großbritanniens,  die mich aber bei mildesten Sommertemperaturen begrüßt.
Zum Glück,  denn das Klima kann hier äußerst kratzbürstig sein, – sagen die Einheimischen.
Heute bin ich wieder mal verabredet, mit jemanden den ich schon vor Wochen im Internet kennenlernte und gleich um 18:Uhr am Busbahnhof treffe zum “Couchsurfen”.
Auch wenn auch er nicht über Couchsurfing.com, sondern über ein kleineres Network in ähnlicher Art von mir gefunden wurde, macht das Internet immernoch einiges möglich.
Manchmal sogar zu vieles; Kontakte knüpfen,  Bloggen, Informationen bei Wikipedia lesen, usw, lassen auch mich, den ach so freien Wandersmann, zum Onlinejunckie werden….

Wie so oft sitze ich jetzt wieder für ein, zwei, drei Stunden an meinen Tablet-PC in einer Bar, und walte meines Amtes…  eine Tasse Tee für 1, 80 Pound ist da die Eintritskarte.
….Facebook schaffe ich aber heute nicht mehr.

Schön, die coole Housemusik hier… so, jetzt aber genug. Habe nur noch wenig Zeit zum skypen mit Edmond und Mama….

Schottland ( Loch Ness )
Auch ich habe hier Ausschau gehalten; Nessie, das berühmte Monster aus dem See, ist auch mir nicht begenet… Einerseits zum Glück auch ( wer weiß wovor mich der Sturz am Seeufer bewahrt hat… ) anderseits würde eine Begegnung wohl die beste Story bedeuten und mein Projekt Wanderleben  wäre weltberühmt.
….Schaut doch mal ganz genau hin… vielleicht sieht man ja doch was  Verdächtiges….

Schottland / Loch Ness

Also den Loch Ness kenne ich schon lange. Damals hatten wir den in der Schule im Englischunterricht zum Thema und jetzt sitze ich hier am Zelt ganz in seiner Nähe.
13 Stunden verbrachte ich nun hier im Unterholz,  bot zahlreichen Moskitos reichlich Nahrung und wurde nächtens von Spinnen als Kletterobjekt benutzt.
Jetzt wird es an der Zeit mal diesen Loch Ness zu finden um ein reinigendes Bad zu nehmen.  Bin ein wenig verschwitzt,  da – kaum zu glauben, die Nacht wirklich warm war…

Die Briten dürften wohl die größten Adelsanwesen überhaupt haben; wieder versperrt ein solches ” Estate” den Weg zur besten Aussicht.  Doch hier draußen sind die Tore zum Glück offen, da auch viele der alten Adelssitze teils als Hotelanlagen, Golfplätze oder sonstigem Müßiggang gegen Bezahlung offenstehen.
Somit stapfe ich mal mit meinen schweren Taschen durch die pompösen Tore und schreite auf einsamen Pfad durch eine parkähnliche Landschaft, instinktiv dem großen Wasser entgegen,  das sich blaublitzend durch das Dickicht des Privatwaldes abzeichnet. Niemand sieht mich hier und ich schlage mich durchs Gestrüpp ans ersehnte Ufer des legendären Loch Ness.
Hier sieht mich keiner, mache mich nackt und holpere über die glitschigen Steine ins eiskalte bräunliche Nass, rutsche aber aus und klatsche danieder.
Ob ich aus Schreck oder wegen der wahnsinnskälte des Wassers fast einen Herzinfarkt kriege, erschließt sich kir nicht auf Anhieb.
Mit zitterndem Knien, aber Gottseidank völlig unverletzt,  gib ich mein Vorhaben auf und genieße nur noch diesen Ort hier, der von Zeit zu Zeit doch noch immer friedlicher wird, nicht zuletzt weil ein wunderbares Wetter alles so schön macht…

Eine gute Stunde später,  schleiche ich mich wieder zurück,  durch die gepflegten Anlagen an die Straße und trampe weiter nach Inverness, meinem heutigen Tagesziel.

Schottland / Fort William

Endlich gehts jetzt weiter in den hohen Norden, in die berühmten “Highlands”.
Allerdings muss ich erstmal aus dieser gewaltigen Stadt rauskommen, und sowas ist per Anhalter nie einfach.
Doch zum Glück habe ich ja das Geld von der Farm; Joe meinte ja, es sei dafür,  um meinen weiteren Weg zu erleichtern,  was ich mir hier und jetzt an der großen Busstation zu Herzen nehme. So teuer können die nächsten 140 Kilometer nach Fort Williams ja nicht sein.
Doch mitnichten: Saftige 23 Pfund sagt mir die dicke Tante barsch ins Gesicht und schnappt sich so schnell den dicken zwanzig-pfund Schein, dass ich keine Chance habe zu reagieren, – musste sogar noch drei Münzen drauflegen.
Egal, nur dieses eine mal, denke ich und begrabe somit jegliche weiteren Ambitionen mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch dieses Land zu kommen… 28 Euro für läppische 140 Kilometer. Das tut weh…

Weiter stadtauswärts aber lichtet sich mein Gemüt wieder; Bilderbuchlandschaften ziehen an den großen Fenstern meines Luxusgefährts vorbei, selbst der Dauerregen und die tiefen Wolken die sich teils wie Watte um die Berge legen, scheint hier nicht zu stören.  Schließlich ist das ja Schottland und ewigen Sonnenschein findet man hier am wenigsten auf diesem Kontinent.
Mein Ziel Fort Williams, das eingebettet zwischen sanften Hügeln an einem Meeresarm liegt,  ist allerdings alles andere als ein beschauliches Örtchen; Touristenmassen und erschlagende Blechlawienen sorgen nachhaltig für Sehnsucht nach einer gewissen Idylle,  die einst der Fischerort ausgestrahlt haben muss und bewegt mich schnell zum weiterziehen. Nochmal saftige 10 Pfund um lediglich 20 Kilometer weiter nach Norden zu kommen berappe ich der Einfachheit halber, da hier gleich der nächste Bus startbereit steht.

Port Augustus, mittlerweile am berühmten See Loch Ness gelegen, ist zwar noch kleiner, aber ebenfalls völlig überlaufen;  wie Fort Williams scheint der Ort lediglich aus Ferienhäuser und Hotels zu bestehen und die Touristenscharen wo jeder ein großkalibrigen Fotoapparat an sich hat, erinnern an Soldaten mit ihren obligatorischen Waffen am Körper.

Diesmal fliehe ich aus dem Pulk nicht wieder mit einem Bus. Irgendwann muss ja auch mal schluss sein mit dem Geldverschleudern und versuche am Ortausgang zu trampen, was augenblicklich klappt: Schon das zweite Auto hält und bringt mich erstmal gute 10 Kilometer weiter, wo nur Wald, Natur und der See ist.
Hier mitten an der Schnellstraße schlage ich mich in den Wald Richtung See, finde den aber nicht  da ein gewaltiges Privatanwesen, (was in Großbritannien nicht selten ist ) den Weg zum Wasser versperrt.
So zelte ich erstmal hier im Dickicht,  auch wenn es erst vier Uhr ist.

Gestern bei John in Glasgow hatte ich ja zu wenig Schlaf,  den hole ich jetzt und hier nach….

Schottland. ( Glasgow )
In der Fußgängerzone von Glasgow auf der Suche nach einem Gastgeber für heute Abend.
Zu sehen ist in dieser wirklich großen Stadt allerdings nicht viel; zwar hat Glasgow große Anstrengungen unternommen um sein Schmuddelimage los zu werden, ist aber noch immer als Arbeiterstadt bekannt.
Heute erinnert mich das Stadtbild eher an jenes von Dortmund oder Essen in meiner Heimat, dem Ruhrgebiet.