England / Nottingham

Soooo, angekommen in der Robin Hood-Stadt, eigentlich schon gestern, da ich wieder mit dem Bus Vorlieb nehmen musste.
Also trampen ist hier in Mittelengland leider etwas unmöglich.  Zu dicht ist das Land besiedelt,  zu engmaschig das Straßennetz und somit auch zu unübersichtlich weite Strecken zu bekommen; die Fahrer die mich bereitwillig mitnehmen wollen, schicke ich gleich wieder weiter, da sie immer sonwtwo hinwollen, nie aber in meine Richtung…

Gottseidank aber habe ich noch das Geld von der Krishna-Farm und kann mir (noch) die teuren Bustikets leisten,  Bahnfahren kostet sogar noch mehr. Uff, irgendwan werde ich wieder im warm3n Süden sein, in Spanien. Dort ist nicht nur das Wetter viel schöner,  sondern auch alles billiger.

Momentan bin ich etwas muffig; sitze schon zwei Stunden bei MacDonalds mitten in Nottingham und warte bisher vergeblich auf ein Ende des Dauerregens. Stadtbesichtigung ade… zimindest vorläufig.

Gestern abet war es noch schön,  ich traf Andy, meinen Gastgeber hier und blieb allerdings zu lang wach. Nur fünf Stunden Schlaf macht immernoch müde. Allein Zuhause bei Andy bleiben,  war allerdings auch nicht drin,  bis sieben ist er nun arbeiten und dann kann ich wieder zurück.
…. Werde wohl sowas von ins Bett dann fallen, gääähn…

Dennoch, die Stadt ist Schön und Lebendig.  Ein paar Rundgänge sind auch mit Regen drin,  anschließend relaxen im Cafe und im Internet stöbern. Das wäre heute mein Plan.

Morgen dann gehts weiter nach Leicester, etwas südlich von hier gelegen, wo es wieder eine Krishna-Farm geben soll… ich bin gespannt und hoffe es gibt auch bald wieder Sonne.

England ( York )
Also wenn es ja ein “New York” gibt (ich hoffe jeder kennt es), dann muss es wohl auch sicherlich ein “Old York” geben… Ist auch so; hier in York in Mittelengland fand ich eine freundliche Stadt die schon fast 2000 Jahre lang besteht,  ja sogar von den Römern einst erbaut, einer der ältesten und auch schönsten Städte Englands ist.
Selbst die Kathedrale im Zentrum wirkt etwas größer und mächtiger als anderswo im Land, bin aber nicht hineingegangen,  leider viel zu teuer der “Eintritt” *grummel*

England ( York )
Tolle Freunde und Gastgeber hier in York: Manfred und der 2, 05 Meter große Onanda aus Kenia.
Onanda kaufte sich eines Tages mal einen Pass in Nairobi, schaffte es dann nach England, traf Manfred hier und zak, er blieb.
Schon seit vielen Jahren wartet er fieberhaft auf die endgültig,  lang ersehnte Aufenthaltserlaubnis auf dauer. Bleiben darf er zwar, aber arbeiten ist ihm verboten.
Mann, ich hoffe das du bald endlich wirklich frei bist. Ich wünsche es dir von Herzen…

England / York

Yeaaaaa, was für eine tolle Zeit: Hier im “Old York”, also jener Stadt der dem wohl viel bekannteren New York einst seinen Namen gab, hatte ich jetzt eine wunderbare Zeit.
Das habe ich meinen wunderbaren Gastgebern Manfred und Onanda zu verdanken die mich hier so herzlich aufnahmen.
Jetzt ist aber wieder eine schöne Zeit vorbei und ich ziehe weiter in die nächste Stadt,  nach Nottingham, 120 Kilometer weiter südlich.

Manfred, der eigentlich aus dem Sauerland stammt, wohnt hier schon über 25 Jahre in seinem sehr originellen Reihenhaus; alle Möbel,  Bilder und sonstiger liebenswerter Kram ist aus second Hand Beständen zusammengesammelt.
Das Resultat ist eine unvergleichlich,  gemütliche Wohnung in der trotz dreier Bewohner,  genug Platz für Gäste bleibt.

Jaja, Gäste hat Manfred oft hier, doch wir haben uns diesmal ganz besonders gut verstanden; ich fühlte mich hier sowas von wohl, ja fast schon wie Zuhause.
Mehr Wohlfühlen geht halt nicht.
Volle Punktzahl. *freu*

England / York

Der heutige Tag ist aber alles andere als toll: kaum wird es wieder hell, da prasseln schon die ersten Regentropfen auf die Zeltplane.
Heute habe ich aber Zeit und warte eingehüllt in meinen warmen Decken den Regen ab, Frühstücke noch ausgibig; meine Essensvorräte müssen aufgebraucht werden.

Aber wieder ist es arschkalt, meine Finger frieren fast ab als ich das nasse Vorzelt in die enge Tasche stopfe, gehe schlecht gelaunt zum Autorasthof und halte die kalte Hand in den Wind um von hier weg zu kommen.
Die Stunden vergehen und immer wieder fliehe ich vor den Regenschauern die sich peitschend übers Land schieben, es ist nasskalt und ich bin schon steif und starr, merke kaum noch meine Füße.
Als dann nocn meine Mütze vom Wind fortgeblasen wird und ich 50 Meter über die Straßen hinterherrennen muss, gib ich auf, packe meine schweren Taschen und kämpfe mich wieder durch das Gewirr von Gesichtslosen Wohngenieten, verirre mich, werde aber von einem beherzten Anwohner zum Busbahnhof gebracht und kehre nach Newcastle zurück.
Hier kaufe ich mir jetzt einfach ein Bustiket nach York, 100 Kilometer fur 16 Pfund.

Der Bus rast durch die grünen Weiten Englands, der Regen gibt alles und prasselt wie aus der Gießkanne gegen die Fenster.
Heute war das mal nichts mit dem Trampen. Egal, solange ich noch etwas flüssig bin, nutze ich das auch.

England ( Newcastle )
Newvastle hat seinen Niedergang der letzten Jahrzehnte überwunden.  Überall wird gebaut und die vormals unbekannte Provinzstadt entwickelt sich mehr und mehr zu einer echten Metropole mit einem unglaublichen Nachtleben, unübersichtlich vielen Restaurants,  ja sogar eine Chinatown gibt es hier.
Besonders die Universität macht die Stadt jung; selbst aus China zieht es ganze Heerscharen von Studenten an diesen Ort.

England / Newcastle

So sieht also die erste Nacht in England aus.
Gerade mal vier Stunden Schlaf schaffte ich hier auf dem Dach; zu viele Geräusche, zu viele Gefahren hier im Jungle der Großstadt,  viel riskanter als der tiefe dunkle Wald mit all seinen Tieren ist dieses Reich der Menschen hier…
Das archaische Brüllen besoffener Jugendlicher, ganz in der Nähe -bis um drei Uhr, deutet auf den zivilisatorischen Zustand der jetzigen Lage.
Zerlumpte Stadtstreicher aus der Suche nach Zigarettenkippen, machen die Sache auch nicht sicherer.
Deshalb ist es auch so unpassend, sich einfach in den nächsten Park zu betten. Dort treiben sich in allen Städten immer die seltsamsten Gestalten herum.
Ein Überfall auf mein Zeltlager ist da sicher nicht unmöglich,  da sind mir die Wildschweine als nächtliche Besucher lieber, mit denen kann ich umgehen, die sind besser einschätzbar….

Kaum wird es wieder heller, baue ich schon das Lager ab. Ich bin überraschend fit heute morgen, die Sonne scheint sogar und mache mich auf den Weg durch die frühmorgentliche Stadt, schaue mir alles an, esse bei MacDonalds und genieße die Zeit hier.
Gegen späten Nachmittag,  verlasse ich mit einem Vorortbus das Zentrum und versuche den Zugang zur Autobahn zu finden, der gut 15 Kilometer außerhalb liegt.
Nach langer, langer Suche,  durch endlose, eintönige Wohn und Gewerbegebiete, schaffe ich es dann endlich zu diesem Rasthof, wo viele Autos Richtung Süden fahren und diese sich auch anhalten lassen.
Doch wieder ist der Tag vorüber und ich schlage mich in den dichten Wald neben der Tankstelle, weit genug um etwas geschützt im Dickicht für heute Feierabend zu machen.
Im Streulicht der letzten Sonnenstrahlen und dem fernen Rauschen des Motorways, genieße ich jetzt die Ruhe und esse ordentlich Chiabattabrot mit Pesto.

Morgen will ich dann nach York trampen…

England / Verloren in Newcastle

Einigermaßen gut finde ich den Anschluss per Anhalter aus Edinburgh hinaus, und komme recht fix weiter.
Somit verlasse ich nun Schottland,  den hohen Norden Britanniens; wird aber auch Zeit, da es kälter und nasser werden soll. Ich spüre schon diese Schwere in der Luft,  besonders Nachts wenns schon unter 10 Grad fällt.
Mein nächstes Ziel für heute heißt Newcastle, eine Hafenstadt im Norden Englands gelegen, eingebettet in einem Ballungsraum vieler kleinerer Vororte, gesichtsloser Wohngegenden.
Hier bin ich wieder ganz doll herzlich eingeladen, diesmal von John, einem Einheimischen der mal in Deutschland gelebt hat und mich im Network “Planet Romeo” fand.
Dehalb seine Einladung die so unverhofft in mein Mailpostkasten geflattert ist.

Doch leider musste ich vergebens warten, der Treffpunkt,  ein Café am Hauptbahnhof existierte garnicht, weshalb ich davon ausgehe, dass er sich bloß vertan hat und warte am Eingang des Gebäudes eine lange Zeit.

Doch mir schwinden die Kräfte,  der lange Weg, das Trampen und diese aufgeregte Stadt laugen mich aus. Ich gebe auf und muss mir nun irgendwas suchen. Hier mitten in Newcastle an diesem Freitag Abend….

Auf den abendlichen Straßen erstrahlen die vielen bunten Lichter eines der angesagtesten Nightlifemetropolen des Landes; Newcastle brummt und vibriert an allen Ecken,  überall junge Leute, wummernde Bässe aus den Clubs, sowie permanent Polizeisirenen im Hintergrund.  Als wenn ich hier in New Yotk wäre….

Mein Anemd aber sieht wohl etwas glanzloser aus. Vorbei an supergestylten Schönheiten der Nacht, drängele ich mich mit meinen dicken, klobigen Taschen von einem Hostel ins nächste;  verzweifelt suche ich nach einem bezahlbaren Bett, stelle aber mit Entsetzen fest, dass hier jegliches Preis-Leistungs Verhältnis völlig aus den Fugen geraten ist; 25 Pfund ( 29 € ) kostet das Bett im großen Schlafsaal, mit halbdefektem Klo auf dem Flur -für alle.
Lediglich ein Angebot von 20 Pfund im letzten Hostel meiner Hetzjagt, fürs Bett lässt ein Gefühl der Gnade zu, überlege sogar noch, bin aber dann doch froh zu hören,  dass alles komplett ausgebucht sei.
Somit verbrenne ich nicht mein knappes Geld und suche mir nun irgendwas. Irgendwas.
Verlorwn und mittlerweile meinen Instinkten folgend, schlurfe ich schweren Gepäcks durch die immr lauter werdenden Straßen der Partymetropole.
Vorbei an gröhlenden Kerlen biege ich ab in einem dunklen Pfad, laufe über einen großen Parkplatz weiter bis zum Ende, klettere auf ein niederes Vordach, schmeiße meinen dicken Rucksack ein Dach höher und klettere noch weiter hinauf.
Hier also soll er sein, der Ort meiner nächtlichen Einkehr.
Eine Landschaft aus Dachpappe, Schornsteinen und Giebeln, inmitten dieser lauten, rauschenden Großstadt.
Polizeisirenen, kreischende Besoffene, das würgen eines verirrten Kneipengängers sind zu hören,  aber alles in recht sicherer Distanz.
Hier oben auf den Dächern dürfte ich zumimdest sicher sein, baue mein Zelt auf und mache die erste Erfahrungen des “Urban Camping”.