Schottland ( Edinburgh )
Der Schloßberg, hoch über der Stadt gelegen ist mir nur deshalb offen, weil Anthony mir den Eintritt von gesalzenen 16 Pfund spendiert.
Dennoch stapeln sich hier die Touristenmassen sprichwörtlich.
Autor: Jens Kwass
Schottland / Edinburgh
Tolle Zeiten hier in der Schottischen Haupstadt. Im Hostel treffe ich viele Menschen aus aller Welt, auch Min Min aus China, mit der ich mich lang über das Städtewachstum in ihrem Land unterhalten konnte, einer meiner Lieblingsthemen.
Edinburgh war mir vorher eher etwas unheimlich; Unmengen an Touristen (was ja auch stimmt) wälzen sich durch die Straßen und alles sei teuer. Stimmt nicht ganz, die Stadt wirkt dennoch freundlich und einigermaßen entspannt.
Einige Hügel, ja Berge stellen sich mitten ins Stadtbild, somit eine optisch recht überschaubare Atmosphäre entsteht, in der man sich gut zurechtfindet. Überhaupt wirken “Stadtberge” oder “Bergstädte” immer etwas beschaulicher oder übersichtlicher; die Sicht stoppt hier nicht gleich an der nächsten Häuserfront.
Mit Anthony, fand ich hier dann einen tollen Gastgeber, der mich für die letzte Nacht bei sich aufgenommen hat.
Als Angestellter der ehrwürdigen “Usherhall”, dem Konzerthaus Edinghburgs, zeigte er mir nicht nur diese, somdern führte mich noch auf den großen Schlossberg aus, dessen 16 Pfund Eintrittspreis für mich einfach unerschwinglich wäre.
Welch eine Zeit hier in Edinburgh, dem letzten, finalen Platz hier oben in Schottland.
Schottland ( Edinburgh )
Eine tolle Stadt; freundlich, übersichtlich und nocht so überteuert wie befürchtet. Anthony, mein Gastgeber hier, zeigt mir seine Heimat: Schottlands Hauptstadt.
Schottland / Edinburgh
Und noch ein Nachtrag: Nicht nur die Schottländer sind alles andere als geizig, auch unsere Landsleute haben Herz.
Ein deutsches Touristenpaar schenkt mir soeben 10 Pfund, damit ich heute wieder ins Hostel kann.
Eingach unglaublich, mein Lebenswandel, das Wanderleben scheint einige so zu begeistern, das es mir sogar in finanzieller Hinsicht hilft…
Dennoch sind das natürlich Ausnahmen und ich muss schauen bald wieder etwas Arbeit zu finden…
Nun aber wieder ab in die schöne Stadt, damit ich noch was von Edinburgh sehe…
Schottland / Edinburgh
So, endlich bin ich jetzt im Herzen dieses schönen Landes, in der Hauptstadt Edinburgh.
Gestern allerdings war es nicht einfach; zwar schaffte ich die gesamte Tour von Aberdeen bis hierher zu trampen, kam aber recht spät in der turbulenten Touristenmetropole an. Schnell in die Kneipe und rein ins WiFi, doch wieder hat mich meine Couchsurfinghoffnung hängen lassen; der Postkasten war leer, wobei kir jemand aus Edinburgh zusagte, mich aufzunehmen.
Ohne Adresse aber surft es sich schlecht auf den Couchen der Stadt und ich machte mich spät auf dem Weg durch die Citylichter, auf der Suche nach einem Hostel…
Tatsächlich kann ich mir das auch durchaus leisten; Martin, mein vorheriger Gastgeber aus Aberdeen, kaufte nicht nur einiges zu Essen für mich, sondern drückte mir noch 10 Pfund in die Hand…. da sage doch einer die Schotten seien geizig !?
Also wie ein solches Gerücht sich jemals verbreiteten konnte, ist mir ein Rätsel.
Erst das dritte Hostel hatte nach schweißtreibender Suche noch ein letztes Bett frei. Edinburg ist nach London die größte Touristenstadt im Land und das merkt man; alles ausgebucht, die Restaurants rappelvoll, im Stadtzentrum fast nur Besucher aus aller Welt, (neuerdings jede Menge Chinesen)
und alles dreht sich nur um Sightseeing…
Aber schön ist es hier wirklich. Edinburgh ist eine wirkliche “Hauptstadt”, auch wenn Schottland zu Großbritannien gehört, pflegen die Schotten ihr eigens Image sehr, besonders hier an diesem Ort.
Allerdings sehe ich auch hier nur sehr selten einen Schotten im Kilt, dem traditionellen Rock, auch die typische karierte Kleidung ist höchstens noch auf Hochzeiten oder örtlichen Festivals zu bewundern. Hier im Alltag aber, sehen alle so aus wie bei uns. Die Welt wird einheitlicher, überall gleicher; Kravatten und Faltenhose sind hier genauso oft zu sehen wie in China, den USA, oder Indien…
Schottland / Aberdeen
….Bin soeben aufgewacht, im eigenem Zimmer bei einem netten Bewohner von Aberdeen. Habe also doch noch einen Schlafplatz gefunden.
Mit dem Zelten ist das ja mittlerweile so eine Sache; zehn Grad kalt wird es in der Nacht, da brauche ich schon zusätzlich eine Decke zum Schlafsack.
Dehalb bin ich jetzt künftig auf Gärten angewiesen, um bei dessen Besitzer den nötigen Zusatz an wärmenden Decken zu bekommen. Wildes Campen im Wald oder sonstwo, dürfte somit etwas schwieriger werden. Der Winter kommt halt ins Geschehen, die Nächte zumindest, werden schon erheblich frischer….
Aber ich arbeite daran; heute versuche ich weiter nach Süden zu kommen und trampe erstmals über eine Autobahn bis nach Edinburgh, der Hauptstadt Schottlands.
Mal sehen ob ich das schaffe; schon aus Aberdeen rauszukommen ist die erste Nummer, da ich eine gute Stelle an der Verkehrsreichen Ausfallstraße finden muss. Da ist erstmal reichlich Kilometermachen zu Fuß angesagt…
Aberdeen ist eine seltsame Stadt mit viel eigenen Charakter. Die “Granit City” wie sie auch genannt wird, erscheint fast völlig im Grau des Granitgesteins, aus dem sie geschaffen ist; alle Gebäude erstrahlen in einem besonderen Grau, was irgendwie nicht trist oder langweilig daherkommt, sondern eine eher natürliche, ja mineralische Frische ausstrahlt.
Somit ist diese große 220.000 Einwohnerstadt schon was Besonderes.
… Auch im preislicher Hinsicht; als ich gestern bei einem Couchaurfingmeeting versetzt wurde, und somit ernsthaft überlegte in ein Hostel zu nächtigen, bekam ich dort fast einen Schock: 22 Pfund (27 Euro) kostet hier ein Bett im Mehrbetzimmer, mit insgesamt 10 Betten im stickigen Raum und dem Klo auf dem Flur draußen….
Man sagte mir, diws sei ja die “City of Oil”, da ja tatsächlich der Hauptwirtschaftszweig der Stadt auf die Bohrinseln draußen in der Nordsee beruht. Da verdient man ja bekanntlich nicht schlecht, doch als wenn die Backpacker ebenfalls frisch von den Ölplatformen kämen, verlangt man hier Wucherpreise wie fast schon in London…
Schottland ( Old Church of Urquart )
Das ist sie, die einsame Kirche auf dem Acker, die aber mittlerweile zum Gästehaus umfunktioniert wurde.
Im Inneren sind über Etagen gemütliche Zimmer eingebaut.
Die Räume hier sind buchbar und im Internet unter Old Church of Urquart zu finden. Von hieraus lassen sich Ausflüge nach Überall im Nordosten Schottlands Unternehmen.
Wohnen in einer Kirche, das ist doch mal was… ich jedoch fühlte mich im großen, gepflegten Garten wohl, wie immer im Zelt.
Schottland / Aberdeen
Einen schönen guten Morgen.
Zwar etwas verhangen und vor allem kalt, starte ich nun erstmal mit einem Fußmarsch. Vom Dörfchen Urquart bis zur Hauptstraße nach Aberdeen sind es einige Kilometer die ich schweren Gepäcks gehen muss. Dann versuche ich schnell 80 Kilometer zu trampen…
Mein Ziel für heute heißt Aberdeen, eine Großstadt für der ich allerdings keine Einladung zum Übernachten ergattern konnte. Auch hier gingen ganze sechs Anfragen bei Couchsurfing ins Leere…
Mal sehen wo ich dann heute mal wieder lande… jedenfalls freue ich mich erstmal auf die Stadt.
Schottland / Urquart
Nach einiger Zeit, gut zwei Tage später bin ich wieder dort wo die Sonne scheint, hier hinter Elgin im kleinen Dorf Urquart wo nun mein Zelt im herrlichen Garten der alten Dorfkirche steht und ich mich vom langen Trampen erhole.
Vom finsteren Dunnet Head brachten mich ein deutsches Ehepaar weiter nach John o’ Groats, einem winzigen Nest im allerhöchsten Norden, weiterhin im zähen Grau versunken, wo mir fast die nassen Füße vor Kälte abfielen.
Doch nach langer Zeit des Ausharrens am Straßenrand (hier fahren nur wenige umher) schaffte ich es wieder nach Wick zu trampen, und von dort aus Stück für Stück weiter gen Süden.
Bald schon aber, löste sich wie von Zauberhand der allumfassende Brei aus grauem Dunst und wie eine Fata Morgana leuchtet Sonnenlicht übers verhalten blaue Meer hinüber.
Was für ein Moment, meine feuchtkalten Sachen wärmen sich im nu auf, und zwar langsam, aber sicher trampe ich weiter.
Elgin und die dahinter liegende Kirche aber erreichte ich leider nicht. Zu langsam kam ich voran und schlug mich am Rande der Küstenstaße ins Dickicht fur die Nacht.
Diesmal aber konnte ich super gut schlafen. Kein Sturm, kein nächtlicher Dauerregen.
Hier und jetzt bin ich aber wieder bei Freunden: Peter und sein Partner, leben über dem Sommer in dieser Kirche mitten auf den Äckern nahe dem Dorf Urquart gelegen, die allerdings nicht mehr ihrer eigentlichen Bestimmung dient, sondern als “B&B” fungiert, dem in Schottland bekannt, üblichen Bed and Breakfast.
Das Innere des über 170 Jahre alten Kirchenbaues, wurde mit Zimmern ausgebaut in denen Gäste untergebracht sind.
Auch ein großes, gemütliches Wohnzimmer mit vielen Whiskysorten im Angebot rundet die Sache ab.
Peter schwärmt von der “Schottischen Reviera” wie er diese Gegend hier nennt; zu Recht, denn bei diesem herrlichen Sommerwetter strahlt die Landschaft mit ihren gelben Äckern, sanften Hügeln und einer überraschend blauen Nordsee ( ja, ich bin hier oben an der Nord-Nordsee angekommen) wirklich viel Lieblichkeit aus.
Schottland ( Dunnet Head )
Nass, (vor allem die Füße) und mittlerweile im grauesten Wetter, stehe ich hier vor der Stele des nördlichsten Punktes der Britischen Insel.
Ab jetzt wendet sich meine Reiserichtung: Nur noch nach Süden geht es jetzt….. immer nur nach Süden…..



