Zu kalt ist es an diesem dennoch schönen, glasklaren Morgen dessen starker Sonnenschein zwar total die Sicht ablenkt, aber es nicht vermag ein wenig zu wärmen.
Ich gebe auf und esse im gehen, wandere Schokolade essend weiter, bis es dann doch endlich erträglicher wird, ich wieder die Luft um mich herum genießen kann.
Die Landstraße nach Mazarron ist wirklich ruhig, wenig Autos stören die Stille. Schon von großer Weite sind sie zu hören, zerschneiden auf einer seltsam vertrauten wenn auch absolut unnatürliche Akustik die Ruhe. Sie bringen schon unterbewusst so eine Unruhe die ich nur zu gerne misse.
Manchmal aber geht es, dann dürften es wohlwollende zehn Minuten sein wo mir die Straße ganz allein gehört.
Besonders hier und jetzt, nachdem ich mich den Bergzug hinaufgekämpft habe und auf dem 352 Meter hohen La Cuesta Pass stehe, in die Ferne schaue, sicherlich 60 Kilometer weit. Das sind die goldenen Momente des Wanderlebens.
Leider aber ist es wieder die allgegenwärtige, menschliche Unvernunft die einem zuverlässig die Freude trübt; der provisorische Parkplatz hier oben dient zugleich auch als Müllkippe. Die Autofahrer entsorgen alles nur erdenkliche hier ins Freie, nur kein Abfall auf dem Beifahrersitz oder sonstwo dulden…. ja sich noch die Mühe zu machen diesen einzupacken und Daheim entsorgen. Die meisten machen das ja, auch ich verstaue meinen Abfall solange, bis ich den entsprechend entsorgen kann ( manchmal nervt das, vor allem wenn die alte Raviolidose ausläuft )
Doch 10 – 20 % der Gesellschaft sind einfach unverbesserlich, sie werden nie damit aufhören in ihrer maßlosen Blödheit unseren Planeten zu versauen.
In Mazarron kaufe ich wieder bei Lidl ein, der liegt gleich am Weg und Deutesche Urlauber, die hier in Puerto Mazarron überwintern, schenken mir 5 Euro. Das tut mal gut.
Acht Kilometer mag ich noch schaffen, Mazarron liegt verschwunden hinter mir und das graue, buschige Gras der umliegenden Berghänge ruft mich zur Rast.
In einer ruppigen Aktion drücke ich den Wanderwagen durch das kratzige, kniehohe Buschwerk bis auf einer ebenen Fläche, direkt neben einem alten Olivenbaum der Platz für die Nacht gefunden ist.
Das Bier packe ich schonmal aus, das Zelt steht schnell. Ich habe Lust auf zwei Stunden völlige Stille, lang und langsam zu essen, doch dann sehe ich den platten Vorderreifen.
Welch ein Ärger, aber egal.
Ich überwinde mich den eben zu flicken, versuche den Schlauch abzuziehen und finde schnell das winzige Löchlein im Schlauch. Ein Dorn fand den Weg ins Gummi.
Schnell den Kleber drauf, den Mantel auf die Felge und fertig.
Doch ganz aufpumpen lässt sich der Reifen immer noch nicht. Also nochmal alles runter; Mantel ab, Schlauch raus und nachgucken. Flicken.
Wieder rauf damit, ich kämpfe mich ab und beschädige den Schlauch das es zischt.
Wut kommt in mir auf, und berapple mich um ein weiteres mal alles zu wiederholen.
Mitnichten, beim vierten Versuch gehen mir die Flicken aus, es klappt einfach nicht.
Mir wird ganz heiß, auf dem Jakobsweg habe ich das tausendmal gemacht, warum geht das jetzt nicht ???
Verzweiflung macht sich breit, weil das Fazit – zwei Stunden Reifenflicken ohne Erfolg heißt…. das kann ich keinem Erzählen, ich habe es nicht geschafft, habe ständig den Schlauch beschädigt, wohl beim ab und aufziehen…
Toll, morgen kann ich erstmal schön wieder zurück nach Mazarron latschen, ganze acht Kilometer mit plattem Reifen. Das Bier trinke ich noch überstürzt, da es wieder mal dunkelt….
Die Nacht ist komisch, ich will nicht sagen Taghell, aber der Mond ist diesmal besonders kräftig am scheinen.
Offenkundig sieht das zahlreiches Getier ganz ähnlich und tut sein übriges; ich schlafe schlecht, da ständig Eidechsen aber wahrscheinlich auch Ratten am Zelt nagen, meine Essensvoräte wittern und mich fürchterlich ärgern.
Auch wilde Hunde hats hier draußen; beim Pipi machen im nächtlichen Mondschein, 20 Meter vom Zelt entfernt, habe ich sie gesehen, weit weg aber klar und deutlich.
Sie sind nicht aggressiv, eher zurückhaltend und hinterhältig. Auch die Hunde haben es auf die Salami in meiner Wanderwagen-Küchentasche abgesehen.
Ich weiß mir nur noch mit dem Pfefferspray zu behelfen, sprühe vorichtig ein wenig vor dem Zelt auf die Erde, unterschätze aber die Materie und bekomme sowas von Niesanfälle, das ich nun wirklich alles in der Umgebung verscheucht haben dürfte.
Zum Glück schlafe ich die nächsten Stunden der langen Nacht recht gut.