Spanien / Malaga / Granada

Benagalbon heißt mein Zuhause jetzt, ein Ort, oder wie auch immer solche “Suburbanen”, zentrumslosen Siedlungen genannt werden können,  die es hier entlang der Küste sehr zahlreich gibt.
Was nun ein Dorf ist, oder eine Stadt lässt sich deshalb nicht sagen; wild gewachsen sind diese Ansammlungen dichtgedrängter Familienhäuser, welche die Landschaft nahe des Meeres komplett zersiedeln; auch hier kaum noch Gegenden in der mal nicht ein Haus zu sehen ist, ganze Kolonien Reihen sich an den Berghängen, es wird enger und überall “Privater”, da immer mehr Menschen immer mehr Wohnraum verlangen,  nicht selten auch in Form einer Zweit oder gar Drittwohnung.
Hat unser Planet denn soviel Platz überhaupt ?

Zwar wächst die Bevölkerung Spaniens nicht mehr, da es momentan sehr schwer ist einen Job zu finden, und Hunderttausende Arbeitsmigranten wieder zurück nach Marokko oder Ecuador gehen, wohl aber nur vorübergehend,  zwar sind auch in Spanien die Geburtenraten sehr niedrig,  aber zukünftig kommen einfach immer mehr Neubürger hinzu, ob als arme Arbeiter aus Afrika oder gut abgesichert mit einer sicheren Rente/Pension (vor allem Letzteres) was zuverlässig weiterhin zum Anstieg der Besiedlung führen wird.
Beide Bevölkerungsgruppen haben Potentiale: Ältere,  gut bis mittelmäßig abgesicherte Mitteleuropäer nehmen in Zukunft zu, sie lieben die Spanische Riviera und sich kaufen und kaufen. Vornehmlich Häuser die hier überall herumstehen.
Zweitens -und das sind noch sehr viel mehr, kommen dennoch weitere Zuwanderer,  vor allem aus Afrika,  das ja nicht weit weg liegt.
Dort explodieren die Einwohnerzahlen gradezu, und viele träumen vom Auswandern nach Europa,  wo es trotz allgegenwärtigen “Kriesen” immernoch sehr (!) viel besser läuft,  als in ihren Heimatländern.
Spaniens Gesundheitswesen ist durchaus mit dem Deutschen vergleichbar, hier gibt es zudem immer genug zu Essen und auch ein Dach über dem Kopf ist wesentlich einfacher zu finden als in Nigeria, Marokko oder dem Senegal.
Sicher dürfte auch sein, dass dies in Zukunft so bleibt. Spanien wächst somit bald wieder weiter, noch mehr Häuser werden gebaut und noch mehr Landschaft zubetoniert…
Während sich die Großstädte mit eher armen Zuwanderern füllen,  ziehen die etwas Reicheren ins Umland.
So auch Eduardo, der seinen sicheren Beruf in der Kulturbehörde der Stadt Malaga hat, und 20 Kilometer außerhalb eben in diesem Benagalbon wohnt, dieser Strukturlosen Siedlung ohne Ortskern, gewachsen mit den Autos ihrer Bewohner nur über lange, kurvenreiche Straßen.
Manchmal prangt ein Supermarkt irgendwo dazwischen, irgendwo zwischen Benagalbon, Rincon de la Victoria, oder Torox…. nicht zu erkennen wo das eine anfängt und das andere aufhört.
Nur Tankstellen sind überall zu sehen; klar, ohne Auto ist man hier einfach verloren.
Da bleibt nur zu hoffen dass das Benzin immer weiterhin so schön billig bleibt……

So ist es aber eben das Auto welches auch mir so gut tut; Eduardo fährt tatsächlich mit mir nach Granada.
Ja, ich kanns kaum glauben, nach Granada, 150 Kilometer hoch in die Berge nach Norden.
Selbstverständlich um dort wohl eines der allerwichtigsten Zeugnisse,  Spanischer Geschichte und Baudenkmäler zu besuchen: Die Alhambra, jene berühmte Stadtburgfestung die vor 1000 Jahren von den Arabern erbaut, einen ganz wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Andalusischen Kultur vermittelt.  Ja, Andalusien, Spaniens größten Region, so groß wie ganz Österreich hat noch heute deutlich sichtbare Spuren seiner “Maurisch, Islamischen” Vergangenheit,  die bis ins Jahr 1492 anhielt;  die traditionelle Musik klingt ähnlich wie jene aus Marokko,  natürlich mit ganz eigenen Charakter,  aber selbst die Häuser hier gleichen der arabischen Bauweise;  Ausschließlich Flachdächer in den Städten lassen das Bild eher Orientalisch als Europäisch aussehen.

Dennoch aber hat Andalusien sehr starke Eigenheiten,  es ist wieder wie ein eigenes Land, ähnlich wie einst schon Katalonien auf meiner Reise,  aber natürlich sehr viel anders; Andalusien ist auch für uns Mitteleuropäer das “Rassische”, ja authentischste Spanienbild, geprägt vom ersten exotischen Touristenleben (neben Italien) der frühen 60er Jahre.

Auch ich besuche dieses “Land im Land”, bin nun auf dieser Alhambra, dem ersten Stolz Andalusiens, und schaue hinüber auf die Schneebedeckten Gipfel der 3480 Meter hohen Sierra Nevada…. ich umarme Eduardo und danke ihm. Allein mit dem Wanderwagen hätte ich es nie bis hierher geschafft.

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