“Couchsurfing” im “Club Golf Maspalomas”.
Schon seit Tagen bin ich hier bei Hans, einem Deutschen Urlauber zu Gast und Überwintere weiterhin vor mich hin….. bei 20 Grad und Sonnenschein, Palmen, guten Essen und jeden Morgen das herrliche Wasser im Pool….
– Und dabei kostet mir die Sache hier keinen Cent…. *freu*
Autor: Jens Kwass
… Marbella …
Was ist schon Geld, sagte ich damals zu Jens als er mehr als notwendig zu spenden vermochte; irgendwie garnichts, wie auch alles… ja, somit hat sich mein erster Laster, diese ständigen Sorgen mal irgendwann auf der Straße ohne alles zu stehen, einfach erledigt. Zumindest für die nächsten Monate, und das auch nur wenn ich weiter so sparsam und bescheiden bleibe wie sonst.
Doch welch eine Erfahrung: Zwei Nächte für fast 500 Euro in dieser Anlage, umgeben aus Subtropischen Gärten mit einem Frühstücksbuffet wie ich es im Leben noch nie sah; allein und unsicher fand ich mich morgens im exklusiven “Sea Club” ein, leicht ließ sich die schwere Glastür öffnen zur komplett anderen Welt.
Da stand ich nun, mit meinen ausgeleierten Klamotten mittem im Glamour, Blicke trafen mich von solch anderen Menschen, wie man sie eben nur hier findet.
Wie ein fremdes Bakterium fühlte ich mich, eingedrungen in den Innenraum einer exklusiven Zelle, befeuert mit Antikörpern kritischet Blicke…. “Mister, you are welcom” heißt es dann doch noch vom eleganten Ober.
… Ich flüchte.
Ja, ich flüchte; “sorry, i wait for my friend” – und sah nur noch zu mich jenseits der Glastür wiederzufinden.
Das war alles zu viel, wobei total hungrig spurte ich über die Promenade von dannen in der Hoffnung auf einen Mac Donalds.
Verwirrt schwirrten mir noch die feinsten Köstlichkeiten im Sinne, die ich verschmähte, total überfordert hatte mich das.
Sehr viel später dann aber, saß ch auf den Bordstein neben einen Mercadona Markt und stopfte mich voll mit Weißbrot und Salami aus dem Sonderangebot.
Was passierte mit mir, kann ich allem Wiederstehhen, alles schaffen und jede Lage meistern (wie bisher) ?
Aber nur dem Luxus nicht ?
Naja, ich dachte besser so, als andersrum….
Jens war nur Abends bei mir, und wollte mit der Aktion mal eine andere Perspektive aufzeigen. Gelungen ist ihm das durchaus, da auch der Wohlstand im Überschwank ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieser Welt ist, und den durfte ich somit kennenlernen.
Am nächsten Tag aber, fasste ich mich nochmal ans Herz und ging hinein zum Labsal der Bessern Gesellschaft, und war der erste im Morgengrauen welcher sich wie eine fremde Amöbe über die elitäre Substanz erlesenster Köstlichkeiten hermachte.
Wenn Jens, mein edler Gönner dies liest, würde er sicher fragen warum ich so empfinde.
Ich betrete schließlich hiermit einen ganz neuen Kontinent, komme aus fernen Gefilden in die Kristallwelt vollkommener Perfektion.
Es ist keine Scheinwelt, es ist die Welt auf der “anderen Seite”.
… Der Ruf Marbellas….
Lang ist’s mal wieder her, da war ich mal in Marbella, dem mondänen Ort des großen Geldes, an der Spanischen Costa del Sol. Dort wollte ich eigentlich überhaupt nicht halten, und gleich durch bis nach Gibraltar.
Doch selbst viel später, holte es mich wieder ein; mein Millionär fragte an wie es mir im Wanderleben ergeht, jener der mich schon damals so großzügig unterstützte… ich traute meinen Augen nicht, doch er ist es. Er der mich ruft – und ich folge, fliege sogar die 1400 Kilometer mittels gesponserten Tikets von Gran Canaria nach Marbella.
Ich hatte ja Zeit, und Jens (…wenn das mal nicht ein Zeichen ist, denn so heißt er ) war nur kurz aus Deutschland angereist. Er kommt oft nach Marbella und wenn auch nur für zwei Tage, dem Winter entfliehen.
“Besser als garnichts”, meinte Jens und garnierte sich die kurze Klimaflucht mit spannenden Geschichten aus dem Wanderleben, dass er teilweise auch selbst beeinflusst; wie sonst käme ich dazu in die Glitterwelt von fünf Sterne einzutauchen?
Wie, bei allem was ich schon erlebt und geschafft hatte, geriet ich sonst an solch ein “Abenteuer” mit all dem Überfluss und Prunk fertig zu werden…?
… Die süßen Tage jenseits von Afrika….
… Afrika ist nah, aber dennoch weit; die Kanarischen Inseln, gerade mal 200 Kilometer vor der Küste Marokkos gelegen, gehören Geologisch zwar zum Schwarzen Kontinent, sind aber ein Teil Spaniens, wenn auch ganze 1300 Kilometer weit vom Mutterland entfernt. Als sonnigster und Schönwetter-zuverlässigster Außenposten “Europas" sind mir die sieben Inseln nicht allein bekannt, auch Millionen Touristen, vor allem über die Wintermonate die den ganzen Kontinent nahezu komplett im Zangengriff halten, leisten sich den dreieinhalb Stunden langen Flug an den äußersten Rand der westlichen Welt, um hier nahezu wie im Paradies zu weilen….. um eines der süßesten Winkel dieser Welt zu erleben, um einfach zwei Wochen lang, faul und satt behaupten zu können: Das habe ich mir verdient….
Faul war ich nicht gewesen in den letzten zwei, drei Wochen, nur weil ich mich mal hier etwas länger nicht habe blicken lassen. Jaja, schreiben ist zwar eines meiner Lieblingsbeschäftigungen, aber nicht nur immer über das eine… dieses eine Leben, dieses Wanderleben. Ganz nebenbei habe ich fast täglich Recherchen betrieben zum Wachstum der Weltbevölkerung in Ländern, Regionen, und vor allem Städten. Weltweit bis hin zum letzten Winkel Afrikas, …oder sonstwo.
Bei einigen tausend Städten in 198 Ländern dieser Welt braucht sowas schon seine Zeit, aner nun bin ich Stolz auf das Ergebnis: Meine Website www.metropolen-der-zukunft.de ist nun wieder brandaktuell auf 2014 aktualisiert. Puh, täglich einige Stunden Arbeit sind schon ein kleiner Job gewesen, doch ich liebte es schon als Kind zu wissen wie viele Menschen in welchen Orten wohnen und wie sich alles verändert.
Bevor ich mich dazu entschlossen hatte, mein halbes Leben als Wanderleben zu planen, wollte ich eigentlich Geograph und Bevölkerungswissenschaftler werden mit dem Schwerpunkt Zukunftsforschung. Aber es kam ja bekanntlich anders und dennoch versuche ich mein liebes Hobby der statistischen Aufzählung globaler Menschenmassen zu pflegen. Möglich ist das auch nur, weil es einen der phantastischsten Gastgeber überhaupt gibt: Tony aus England, der mich schon all die Zeit in seiner Wohnung im Herzen von Mini-Las Vegas, in Playa del Ingels aufnimmt. Einfach großartig dieses Glück zu haben völlig kostenlos dort zu leben wo es mehr als anderswo Gastlichkeit nur gegen Bares zu geben scheint.
Revanchieren kann ich mich allerdings bei Tony mittlerweile auch ganz dolle…. doch das ist wieder eine andere Geschichte….
Playa del Ingles, mein Zuhause schon seit einigen Wochen, seit ich von La Palma mit dem Schiff hinübersetzte; ein urbanes Einerlei ausschließlich für Strandurlauber, ein Konglomerat aus Hotels, Ferienhäuser und alles was dem seichten Völlegefühl Leiblich sowie Geistig gerecht wird; all inklusive, Sonnenbrand und Bitburger vom Fass, -der Traum der Massen.
….. Aber dennoch, …ja dennoch habe ich mich komischerweise in diesen, ja eben diesen Ort verliebt… *nachdenklich guck* … aber warum ?
… GRAN CANARIA …
Welch eine Überschrift.
Einfach nur Gran Canaria, jene eigentlich garnicht so unbekannte Ferieninsel, auf der ich jetzt schon Wochen weile und ganz gemächlich diesen langen Winter auf dem Kontinent entfliehe…
Möglich ist das alles nur weil ich einen der besten und fantastischsten Gastgeber gefunden habe, seit ich im Wanderleben bin; Tony, ein gemütlicher Engländer, der hier schon seit sechs Jahren dauerhaft lebt, kam einst auch als Tourist nach Playa del Ingles (wie der Name schon sagt, dem Strand der Engländer, -die waren natürlich wieder als erste hier) und blieb an diesem Ort mit fast ganzjähriger Schönwetter Garantie.
Sein Haus, ein Teil einer ehemaligen Touristenanlage bestehend aus geräumigen Bungalows, hat soviel Raum, dass ich oben sogar mein eigenes Zimmer habe, mit Bett und Bad. Und das gleich in direkter Nachbarschaft zum berühmten Yumbocenter, einem Gastro-Schoppingkomplex wo jeden Abend der Daibel los ist; hier bin ich täglich unterwegs, habe Freunde gefunden und flippe durch das Nachtleben, treffe Menschen die hier Urlaub machen oder halt (und mittlerweile) ganz hier leben.
Fast drei Wochen nach La Palma, was vergleichen mit dem hier eine ganz andere Welt ist, lebe ich mich ein an einem Ort von dem ich zuvor nie und nimmer erwartet hatte, ihn dermaßen zu mögen….
Ja, ich der grooooße Weltenwanderer spreche tatsächlich von Playa del Ingles, dem fast völlig Kulturbefreiten Touristenghetto, bestehend aus fast ausschließlich einem Hotel nach dem anderen, zwischendurch immer wieder privat aussehende Bungalow Anlagen mit hohen Palmen und blätternder Bausubstanz der späten 70er Jahre.
Playa del Ingles wirkt zudem wie das Zentrum einer Millionenstadt, nur ohne Millionen Einwohner drum herum, da die Anzahl, die schiere Masse an Bars und Restaurants dermaßen konzentriert einen schnell überfordern; Spanische, Chinesische, Deutsche oder gar Norwegische Lokale sind hier im Überfluss, sowas muss man in Berlin wiederum suchen, da manchmal alles weit auseinander liegt.
Doch das Beste ist diese ausufernde Gay-Szene hier, eine Gay Kneipe neben der anderen gibt’s im Yumbocenter zu bestaunen, in einer internationalen Fülle wie sonst nirgendwo auf der Welt. Jaja, sicherlich haben Berlin oder Paris viel mehr, aber dennoch ist es hier viel, viel kompakter und überschaubarer, -wenn auch nicht auf dem ersten Blick, aber wo toben schon wilde Travestiepartys (teils offen für Jedermann einsehbar) neben gleich einem Dutzend Gay-Bars die jeweils von Engländer oder Deutsche, manchmal auch von Spanier geführt werden ? Wo kommt dieses liberale Nebeneinander vor, auf so engen Raum?
Wobei die Schwulen Touristen hier nur 20 – 30 % der Gesamtbesucher ausmachen, ist das Konglomerat Playa del Ingles – Maspalomas wohl das erste Ferienziel jener Subkultur die im Gegensatz zur mit Abstand größten Gruppe, den Rentnern und Rentnerinnen aus Zentral und Nordeuropa, deutlich mehr auffällt; der teils sehr trendige und Körperbetonte Auftritt der Schwestern (so nennt sich der Homo von heute selbst gern mal) hebt sich aus dem Einerlei Sonnenverbrannter, Übergewichtiger Normaltouristen ab. Wobei doch immer mehr “Gray Gays” schon lange den Anschluss an die nahezu hysterischen Adonis Kultur verloren haben, und eine ganz eigene Abteilung unter sich innerhalb der Sub-Kultur bilden. Die finden sich dann z.B. in der großen Bar “ Na und” ein, wo bei Deutschem Schlager und Bitburger die Dicken Bäuche geschwungen werden; Manfred und Burghardt tanzen im Glitter der Diskokugel ….
Playa del Ingles… welch ein einzigartiges Phänomen….
…. Auf Wiedersehen, La Palma.
Tja, lange habe ich überlegt, welche Landschaft, welch Wahrzeichen, was für diese Insel La Palma am typischsten wäre; Vielleicht diese schwarzen Sand/Steinstrände ? Die bunten Touristendörfer mit ihren Pamenheinen ? Oder diese fantastische Caldera, jener Senkkrater im montanen Herzen dieser Vulkaninsel ?
Das alles habe ich geliebt und viel erkundet, doch irgendwie ist es dieses Bild, mit den allgegenwärtigen Kakteen, die überall wild wachsen und mir am meisten in Erinnerung bleiben werden, wenn ich an La Palma denke…
Ja, diese Kakteen von La Palma, das ist es …
… Weiter gehts zur nächsten Insel …
Wieder Abschied nehmen, wieder (wenn auch nur ganz wenig) Tränen vergießen, als mein lieber Freund Edmond mich nun ziehen lässt, mich zum Hafen an der anderen Inselseite bringt, wo auch schon die mächtige Fähre wartet. Die geht zwar erst in ein paar Stunden los, aber besser zu früh als umgekehrt.
Ja, eine tolle Zeit hier auf La Palma geht zu ende; Weihnachten und Jahreswechsel, zusammen mit Edmond in der tollen Ferienwohnung sind nur einige Höhepunkte, ich schaue zurück auf grandiose drei Wochen: Urlaub vom Wanderleben 🙂
Jetzt aber sind wieder Abenteuer angesagt. Gran Kanaria ist zwar nicht unbedingt eine Abenteuerinsel, doch für die nächsten vier Wochen möchte ich dort bleiben und noch länger dem Winter auf dem Kontinent fernbleiben.
Es gilt wieder Unterkunft, billiges Essen und Arbeit zu finden, Kontakte habe ich übers Internet bereits geknüpft; heute Nacht, irgendwann ganz, ganz spät, erwartet mich Tony in Ferienparadies Playa de Ingles. Er wohnt dort dauerhaft, stammt aus England und hat ein Profil bei Couchsurfing; somit kommt das eine zum anderen. Ich bin gespannt.
Was gibt’s zu Essen ?
La Palma ist nur eine Insel von insgesamt sieben, den Kanarischen Inseln, deren Küche sich ziemlich ähnlich ist.
Wenn dann schon was speziell “La Palmisch” wäre, dann eben dieser Ziegenkäse, der hier geräuchert (damit soll er haltbarer gamacht werden) einen ganz eigenen Geschmack hat. Dazu noch gegrillt wird dieser fettarme Käse traditionell mit “Mojo” serviert, der bekanntesten Leckerei von den Kanaren, wie hier in Grün, stark nach Knoblauch schmeckend, als Dip zum leichten Käse einfach perfekt schmeckt.
Mojo gibt es auch in Rot, dass fettig und würzig – scharf genau so gut passt.
Fisch ist auf den Inseln zwar zu haben, doch entgegen aller Erwartungen eher weniger gegessen als herkömmliches Fleisch -eher geprägt von der Spanischen Küche des Festlandes.
Kartoffeln aber sind auf den Kanaren sehr beliebt; in Meerwasser gekocht, bis dieses fast verdampft ist, verspeist man diese mit Schale am liebsten mit Mojo. Kanarische Kartoffeln sind zudem sehr klein und handlich.
Außerdem gibt es da noch das “Gofio”, eine Art dicker, fester Brei aus Getreide und anderen heimischen Sachen, der sogar noch aus Zeiten der längst ausgestorbenen Ureinwohnern stammt. (Den Guanchen, die vor 4000 Jahren aus Afrika einwanderten und von den Spaniern vernichtet (…) wurden)
Gofio schmeckt eher mäßig, ist aber sehr Nahrhaft -wenn auch kaum noch auf den Speisekarten hier zu finden.




