Welch eine Überschrift.
Einfach nur Gran Canaria, jene eigentlich garnicht so unbekannte Ferieninsel, auf der ich jetzt schon Wochen weile und ganz gemächlich diesen langen Winter auf dem Kontinent entfliehe…
Möglich ist das alles nur weil ich einen der besten und fantastischsten Gastgeber gefunden habe, seit ich im Wanderleben bin; Tony, ein gemütlicher Engländer, der hier schon seit sechs Jahren dauerhaft lebt, kam einst auch als Tourist nach Playa del Ingles (wie der Name schon sagt, dem Strand der Engländer, -die waren natürlich wieder als erste hier) und blieb an diesem Ort mit fast ganzjähriger Schönwetter Garantie.
Sein Haus, ein Teil einer ehemaligen Touristenanlage bestehend aus geräumigen Bungalows, hat soviel Raum, dass ich oben sogar mein eigenes Zimmer habe, mit Bett und Bad. Und das gleich in direkter Nachbarschaft zum berühmten Yumbocenter, einem Gastro-Schoppingkomplex wo jeden Abend der Daibel los ist; hier bin ich täglich unterwegs, habe Freunde gefunden und flippe durch das Nachtleben, treffe Menschen die hier Urlaub machen oder halt (und mittlerweile) ganz hier leben.
Fast drei Wochen nach La Palma, was vergleichen mit dem hier eine ganz andere Welt ist, lebe ich mich ein an einem Ort von dem ich zuvor nie und nimmer erwartet hatte, ihn dermaßen zu mögen….
Ja, ich der grooooße Weltenwanderer spreche tatsächlich von Playa del Ingles, dem fast völlig Kulturbefreiten Touristenghetto, bestehend aus fast ausschließlich einem Hotel nach dem anderen, zwischendurch immer wieder privat aussehende Bungalow Anlagen mit hohen Palmen und blätternder Bausubstanz der späten 70er Jahre.
Playa del Ingles wirkt zudem wie das Zentrum einer Millionenstadt, nur ohne Millionen Einwohner drum herum, da die Anzahl, die schiere Masse an Bars und Restaurants dermaßen konzentriert einen schnell überfordern; Spanische, Chinesische, Deutsche oder gar Norwegische Lokale sind hier im Überfluss, sowas muss man in Berlin wiederum suchen, da manchmal alles weit auseinander liegt.
Doch das Beste ist diese ausufernde Gay-Szene hier, eine Gay Kneipe neben der anderen gibt’s im Yumbocenter zu bestaunen, in einer internationalen Fülle wie sonst nirgendwo auf der Welt. Jaja, sicherlich haben Berlin oder Paris viel mehr, aber dennoch ist es hier viel, viel kompakter und überschaubarer, -wenn auch nicht auf dem ersten Blick, aber wo toben schon wilde Travestiepartys (teils offen für Jedermann einsehbar) neben gleich einem Dutzend Gay-Bars die jeweils von Engländer oder Deutsche, manchmal auch von Spanier geführt werden ? Wo kommt dieses liberale Nebeneinander vor, auf so engen Raum?
Wobei die Schwulen Touristen hier nur 20 – 30 % der Gesamtbesucher ausmachen, ist das Konglomerat Playa del Ingles – Maspalomas wohl das erste Ferienziel jener Subkultur die im Gegensatz zur mit Abstand größten Gruppe, den Rentnern und Rentnerinnen aus Zentral und Nordeuropa, deutlich mehr auffällt; der teils sehr trendige und Körperbetonte Auftritt der Schwestern (so nennt sich der Homo von heute selbst gern mal) hebt sich aus dem Einerlei Sonnenverbrannter, Übergewichtiger Normaltouristen ab. Wobei doch immer mehr “Gray Gays” schon lange den Anschluss an die nahezu hysterischen Adonis Kultur verloren haben, und eine ganz eigene Abteilung unter sich innerhalb der Sub-Kultur bilden. Die finden sich dann z.B. in der großen Bar “ Na und” ein, wo bei Deutschem Schlager und Bitburger die Dicken Bäuche geschwungen werden; Manfred und Burghardt tanzen im Glitter der Diskokugel ….
Playa del Ingles… welch ein einzigartiges Phänomen….