Wieder auf dem Kontinent.

Zuletzt ging es noch wirklich heftig zu auf See. Der Atlantik wurde immer wilder, der Sturm auch… so sehr, dass sogar die Stühle im Speisesaal durch die Gegend flogen; spätestens dann war jeder wach, auch ich, eingeklemmt zwischen den Sitzreihen auf dem Boden liegend, harrte ich aus, wenn auch komfortabel auf meiner Luftmatratze eingemummelt im Schlafsack.  Meine Campingausrüstung sei dank, und überhaupt war der “Pullman”, wie solche Sitzräume ja heißen,  wenig besetzt.  Kabinen sind mir zu teuer, da die zwei Tage hier auf der Fähre schon 135 Euro kosten, -ohne Kabine eben.
Allerdings gab es dafür auch ordentlich Leckerchen: Drei Mahlzeiten am Tag waren die Höhepunkte auf einer ansich recht langweiligen Überfahrt.
Ich schaute auf’s Meer, stundenlang bis ich nicht mehr stehen konnte, sah sogar Delphine und ja, einen Mondfisch, einen echten Mondfisch in freier Wildbahn.
Mondfische sind so selten wie kurios; fast rund und silbrig glänzend im unendlich tiefen Blau des Meeres liegend, sonnen sich diese außerirdisch aussehenden Geschöpfe an der Meeresoberfläche.
Welch Moment der Freude.
(Schaut mal bei Wikipedia nach, Mondfische sehen echt seltsam aus)

Soviel noch zum Nachtrag meiner Seereise im schönem.
Wie gesagt kam dann der Sturm, und mit ihm schlug auch die Seekrankheit um sich; fast alle Toiletten waren total versaut, die Leute kotzten sich dumm und dusselig…. ich lag, lag und lag auf meinem mobilen Bett zwischen den Sitzen, rutschte etwas umher und irgendwann träumte ich….

Angst hatte ich keine, irgendwie bin ich sicher dass nichts wirklich schlimmes Passiert, zum Vergleich denke ich immer an diese schrecklichen Turbulenzen im Flugzeug.  Die kenne ich gut genug und da kann man wirklich garnichts machen, einfach nur hoffen und bangen. Ich bin wirklich froh das Wanderleben ohne den Luftweg zu gestalten. Ein sinkendes Schiff wäre da etwas Überlebensfreundlicher. Denke ich…

Ja, und jetzt?
Jetzt versinke ich wieder auf der Couch von Ana’s WG im schönen Cadiz, dem sicheren Zielhafen auf dem Kontinent.  Ana freut sich mich nach fast neun Wochen wiederzusehen,  damals kam ich nach Cadiz freudiger Dinge um über den Seeweg auf die Kanaren zu kommen.
Jetzt ist dieses Abenteuer vorbei, und ich sitze wieder hier in dieser so lebendigen Studenten-WG, schaue zurück auf eine unglaubliche Zeit die ich auf den Inseln erlebte, denke an La Palma, an Edmond, an Tony an das Sandmeer von Maspalomas, an Jens der mich mal kurz (und da “musste” ich doch noch fliegen) nach Marbella einlud,  und an die vielen Leute in deren Leben ich schauen konnte….
Jaja, Las Palmas, Maspalomas….. Maaaaspaloooomas….

….. Ich gucke auf die Landkarte: Heute geht’s wieder weiter,  über Land, weit, weit hinein bis nach Sevilla. Dort soll ich ja Oscar treffen zum “Coichsurfen”.

Es geht weiter, -mit dem Bus. Wandern wäre zu langfristig, da ich noch nach Portugal reise und etwas Geld habe ich ja dank Jens aus Marbella auch, somit leiste ich mir die günstigen Busfahrten und brause davon…..

Sturm und Monsterwellen.. (ca 400 km vor Cadiz, 03:08 Uhr.)

Heftiger Sturm und meterhohe Wellen, (hier auf Hochsee eher in Form von Wogen) krachen dermaßen gegen das Schiff,  dass sogar in der Kantine nebenan die Teller umherfliegen, die Stühle kippen um und Mülleimer machen sich selbstständig.
Wohl keiner, selbst ja ich bleiben wach dieser Stunden…
Bin mal gespannt wie’s weitergeht, Cadiz (der sichere Hafen) dürfte noch mindestens 400 Kilometer weit sein, und hier draußen tobt der wütende Atlantik total…

Liebe Grüße von hoher See.
Soeben hat die Fähre Gran Canaria verlassen,  ich konnte noch bei Sonnenschein auf Las Palmas blicken,  Abschied nehmen von der Trauminsel,  meinen lieben Freund Tony den ich niemals vergessen werde.
Jetzt bin ich wieder auf See, zwei volle Tage dauern die 1200 Kilometer zurück nach Cadiz,  zum Festland in Südspanien.

Nur ein einziges Bier habe ich im Gepäck.  Nur ein einziges…..

Gran Canarias Ureinwohner lebten hier mal bis vor 300 Jahren in kleinen Wohnhöhlen, die im weichen Gestein an den Rädern des “Guanchentals” noch heute oft zu finden sind.
Einige der Höhlen waren allerdings so groß,  dass heute ganze Restaurants dort Platz finden. Also schon etwas geräumiger als hier meine auf dem Bild 🙂

Tja, Ureinwohner, Einwohner,  …. Einheimische.
Ein spezielles Thema hier auf den Kanaren, denn ganz besonders Playa del Ingles ist irgendwie eine fast komplette Exklave Mitteleuropas, hier im allertiefsten Süden,  den Spanien zu bieten hat, weil eben hier die Spanier fast fehlen.
Die Kanaren bleiben nahezu unter sich. Zwar lernte ich hier viele “Einheimische” kennen, doch die heißen Tony, Mario, oder Klaus, Auswanderer aus der Nasskälte unserer Breiten.
Einen echten Kanaren habe ich bisher nicht wirklich kennenlernen dürfen,  da gibt es einfach zu viel Abstand. 

Mein letzter Tag….

…. auf der Insel.
Heute muss ich noch einiges machen; am Wanderwagen etwas besteln, ein Ersatzteil für mein Rasierapparat finden und nahezu alles an Wäsche was ich besitze in Tonys Waschmaschine befördern. Morgen werde ich dann um halb elf von Klaus abgeholt und nach Las Palmas  gebracht,  zum Hafen wo das Schiff nach Cadiz wartet.
Momentan übernachte ich wieder bei Tony, diesmal aber in meinem Zelt, dass auf dem Pflaster seines kleinen Hinterhofes noch Platz findet. Im Haus ist schon alles belegt; die zwei Jungs aus Polen (die hier für immer bleiben wollen und nach einer Wohnung suchen) und Tonys Ex-Freund aus London,  der hier zu Besuch weilt, sorgen für Hostelfeeling im kleinen Habitat.

Gleich aber, ziehe ich noch durch die mir mittlerweile so vertrauten Straßen,  um’s berühmte Yumbocenter bis hin zu den Dünen,  vorbei ans Riu Palace, dem allerseits bekannten Strandhotel mit Sicht auf das Sandmeer und hinüber zum Strand,  wo ich fast jeden Tag bin.

Ich werde es vermissen,  immerhin führte ich hier ein kleines Leben in sich, fand Freunde und sah hinter den Kulissen (im wahrsten Wortsinn – Playa del Ingles besteht fast nur aus Fassaden touristischen Lebens) – wie die wenigen Einwohner ihren Alltag verleben, sah ihr Zuhause und lauschte ihren Geschichten,  Geschichten wie jene vom lieben Klaus, der mal vom ach so fernen St. Peter Ording nach hier her zog, sich zuvor von seiner Ehefrau trennte, die aber später als Trauzeugin auf der Hochzeit mit seinem Mann dabei war.
Klaus wechselte die Ufer, liebt nun Yoshi der 28 Jahre jünger ist.
Eine von vielen Storys hier im Klein-Las Vegas, oder dem Klein-San Francisco der 68er, welches hier -im Gegensatz zum Original,  nie wirklich seine alte Freiheit vergessen hat.

Doch ich fühle es; ich will wieder weiter.

Der Horizont ruft….

…. Der Blick in die Zukunft verheißt zumindest nichts schlechtes;  eine tolle Zeit bisher auf den Inseln, tolle Menschen die mir halfen (danke Tony, danke Jens aus Marbella) gute Gesundheit,  und wackere Pläne…. das alles ermöglicht mir einen entspannten Blick jenseits der Wolken, hier oben auf dem “Dach Gran Canarias”, am Roque Nublo.

… Über den Wolken….  muss die Freiheit ja Grenzenlos sein ….*sing*

Die letzten Tage auf der Insel…

Noch vier Tage, dann geht’s wieder los, endlich wieder los.
Ja, so allmählich kommt wieder Lust auf in die Ferne zu schweifen, bin ja fast schon “Zuhause” hier in Playa del Ingles…
Hans, der Urlauber von der tollen Clubanlage mit Pool, habe ich nun verabschiedet;  wieder ist einer weg… sie kommen und gehen,  all die Menschen die ich hier kennenlernen durfte, und ich  -bin immernoch da…

Wieder bei Tony, der guten Seele von Playa del Ingles, finde ich meinen sicheren Hafen, schreibe jetzt ein wenig, und bereite auch schonmal über “Couchsurfing” die ersten Stationen des geplanten Weges in Spanien und Portugal vor; Profile ansehen,  anschreiben und Antworten abwarten & verwalten. Das alles in enger Abstimmung meines Reisekalenders…. da versuche ich zu ergründen,  wo und wann ich sein werde.
Sicher ist diese Planerei zwar nicht, aber potentielle Gastgeber brauchen erstmal eine Zeitangabe. Sollte sich der “Plan” ändern,  muss zwischendurch immer “zwischenverwaltet” werden, Absprachen geändert oder gar verworfen werden, denn manchmal entscheide ich erst im Moment, vor Ort dann was ich mache, bleibe mal länger oder suche schnell -entgegen eigentlicher Planungen,  das Weite.

Letztlich soll das Wanderleben ja kein Termin-hinterher-hetz-Leben sein, sondern möglichst frei, wie das eines Vogels im blauen Himmel über mir….

Jaja, mein lieber Hans.
Er war so traurig gestern noch, als er mich bis zu meinem Versteck, tief in den Wirren dichten Gestrüpps der Sanddünen von Masplomas folgte und zuschaute, wie ich meine mobile Villa, das Zelt mit all den gemütlichen Kissen und Schlafsäcken (inklusive weichen Bettüberzugs) aufbaute.
Ein Hauch Wanderleben für ihn, während dieser kurzen Minuten als wir uns dort zum letzten mal sahen.
“Mir wird ganz anders, wenn ich nur an morgen denke” , klagt Hans, dann geht nämlich der Flieger wieder zurück in die Kälte… nach Mannheim.

Ich aber, bleibe noch etwas. Am Samstag legt das Schiff ab, was mich nach Cadiz zurückbringt,  1200 Kilometer nach Norden zum Spanischen Festland.
Dort möchte ich wieder bei Hannah unternommen,  wo ich schon vor gut zwei Monaten gewesen bin, in der Riesen-WG, im Herzen der Stadt.  Damals freute ich mich so auf die Kanarischen Inseln, jetzt freue ich mich wieder auf weites, weites Land……

Noch schwach, aber wieder fit genug um zumindest einen Autoausflug mit meinem Gastgeber zu schaffen,  zum Pico Nueblo, dem Wahrzeichen von Gran Canaria.
Der ca 60 Meter hohe Fels, exakt im Herzen der Insel gelegen war schon vor einigen Jahrtausenden den “Guanchen” heilig, die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, die heute nahezu ausgestorben sind…
Lediglich solche Monumete der Natur zeugen authentisch aus Zeiten, lang, lang bevor ganze Heerscharen von Touristen die Inselwelten überschwemmen.

Der Pico Nueblo steht in ungefähr 1800 Metern Höhe,  und jetzt an diesem recht klaren  1. Februar sind es hier oben immerhin frühlingshafte 18 Grad.

… Krank im Paradies …

Uuufff, jetzt hats mich mal auch erwischt.  Bei all den Freuden und Paradiesischen Zuständen eines nahezu perfekt funktionierenden Projektes namens Wanderleben,  lag ich gestern komplett flach.
Ein Glück dass ich zur Zeit bei Hans, einem Urlauber aus Mannheim Unterschlupf fand umd mich auf dessen Couch perfekt auskuriere… im Zelt, irgendwo in tiefen Walde wäre sowas nicht wirklich toll…

Naja, Durchfall, Erbrechen und schreckliche Schwächeanfälle können ja eine Übung sein für das was mich zukünftig öfter Erwarten kann, wenn ich jenseits von Jerusalem für Jahre durch Afrika ziehe (siehe www.wanderleben -Reiseroute)
… Es sollte ja immer das Gute an einer Sache gesehen werden… und ohne Dengue, Malaria und Gelbfieber war man eben nicht wirklich in Afrika gewesen, sagte mir mal jemand, der dort mal lang gewesen ist.

Doch heute, einen Tag nach meinem Totalausfall,  geht’s deutlich besser, Durchfalltabletten aus Hans reichhaltiger Reiseapotheke sorgen für etwas Ruhe und ich kann schonwieder spazieren.
Gleich wage ich mich sogar an lecker Spagetti Bolognese… Hans lädt mich ein.

Noch acht Tage, dann gehts wieder weiter und das Schiff legt nach Cadiz ab…. mein Herz ruft zudem, wenn auch noch ganz leise, nach Ferne…. nach den Weiten hinter den Horizonten….

… So sieht Couchsurfen dann aus; da ich mit Hans nicht unbedingt in einem Bett nächtigen mag, nehme ich in ganz gewohnter Manier Vorlieb mit der Couch.
Bei Tony ist “Full House” und somit bin ich erstmal hier in dieser Ferienanlage, weitab vom Zentrum in Playa del Ingles.
Doch täglich besuche ich meinen liebsten Freund Tony, der sich immer so freut mich wiederzusehen.
Ist schon toll hier überall seine Freunde gefunden zu haben…