Da habe ich immer etwas Angst im Bauch, oder besser gesagt Respekt; wenn ich mich den Metropolen nähre, Orte die Millionen Menschen begehren, wo ein Wettbewerb um alles entbrennt, was dem menschlichen Naturell eher fernliegt; Stress, Aggression und Anonymität sind die Folgen dieses eher weniger artgerechten Phänomens, was Millionenstadt heißt.
In Barcelona war es so, in Valencia und Sevilla, jetzt brause ich im Bus hoch über den Tejo in die Hafenstadt ein, unter mir das Zuhause von 1, 5 Millionen Menschen die in und um Lissabon leben, die Hauptstadt Portugals.
Der Tejo breitet sich hier ganze zwei Kilometer aus, der Fluss an dem “Lisboa”, wie die Stadt auf Portugiesisch heißt, liegt, und geht hier gleich in den Atlantik über. Nocheinmal habe ich das Gefühl im Jumbojet einfliegend in die Stadt zu kommen, so gewaltig hoch prangt dieser kolossale Brückenbau über allem. Nur dass es ausgerechnet jetzt grau und verregnet sein muss, ärgert mich wahnsinnig. Kein Ausblick also. Nur schemenhaft nehme ich den fast 100 Meter hohen steinernen Jesus war, der mit ausgebreiteten Armen (wie in Rio de Janeiro) auf die Stadt schaut.
Lange brauche ich bis zum Zentrum, und dort im Herzen der großen Stadt, mitten in der “Beixa”, der Modernen Altstadt, gleich neben der “Alten Altstadt”, der Alfama gelegen, mein Heim für die nächsten drei Tage zu finden, dem wohl coolsten Hostel überhaupt.
Ja, außer dem Wetter ist es freundlich dieses Lissabon, meine Angst im Bauch verfliegt als ich überall die günstigen Preise sehe an den Schautafelen der Restaurants, mit den relaxten Leuten plaudere, und ohne Weiteres für faire 11 Euro pro Nacht ein Bett (im 4-Bett Zimmer) ergattere.
Kein London Stress, wo alles ausgebucht und extrem überteuert ist, kein Paris Wahnsinn, wo das 0, 4 Liter Glas Bier vom Fass 8 Euro kostet…. hier lösche ich gleich erstmal für ein viertel des Pariser Wuchers meinen Durst auf Wasser, Malz & Hopfen. Frisches “Sagres” vom Fass ist angesagt, nachdem das klatschnasse Zelt ( noch vom Campingplatz in Evora) sowie alles andere Nasse im Gepäckraum einigermaßen ausgebreitet Luft bekommt.
———
Mittlerweile bin ich schon zwei Tage hier und morgen geht’s wieder weiter. Lissabon gefällt mir, die Stadt erinnert mich irgendwie an Berlins der 90er, etwas Schrullig und zerfallen ist’s hier immer wieder mal; völlig vergammelte Häuser, ja ganze Straßenzüge sehen aus wie jene Favelas in der alten Kolonie drüben, in Brasilien. Die Mieten hier sind billig, Essen gehen erschwinglich und überhaupt sind die Leute hier viel relaxter, man hat Zeit und redet mit jedem, ist nicht überheblich als Haupstädter. Lissabon ist für Menschen gemacht, und nicht umgekehrt wie gar London es zeigt…
Doch mittlerweile umgibt mich eine urbane Müdigkeit, auch freundliche Städte verlangen einem was ab; viel gelaufen bin ich die letzten Tage, und ständig war ich im Dialog mit ihr: Dem Charakter dieser eben ganz speziellen Persönlichkeit, der sich nach und nach eröffnet wenn man sich in ihr treiben lässt, in Lissabon der Freundlichen….