Vatikanstadt  (29.10.2014)

Wer kennt den nicht:  “Papa” in der Menge… zu der wir auch gehören. 80.000 sind gekommen um ihn zu sehen, viele aus fernen Ländern wie Argentinien oder Nigeria. Die Emotionen schlagen Wellen…

Jaja, wenn schon in Rom, dann aber auch richtig; so eine Papstaudienz ist jeden Mittwoch, sofern der Pontifex nicht auf Reisen ist, für jeden zugänglich. Früh genug da sein und einen Platz sichern gehört dazu. Anschließend Endloslesungen von Bischöfen auf allen Sprachen anhören, dann redet der Chef selbst, beten und fertig.
Alles in allem satte vier Stunden, zwei davon als Wartezeit zuvor.
Egal, einmal dabei sein hat schon was.

Vatikanstadt  (29.10.2014)

So lang its es nun wieder her seit meinen letzen Eintrag vor sechs Tagen, gefühlt noch länger, da ich zwischenzeitlich soooo viel erlebt & gesehen habe; somit einen Sprung, ganz, ganz hoch über Rom hinüber ins Herz der Katholischen Welt, ins Epizentrum von 1,225 Milliarden Gläubigen weltweit dass hier seit über 1700 Jahren – mit nur unwesentlich, kleinen Unterbrechungen, seinen Sitz hat: Der Vatikan.

Nicht nur den Chef (Papst Franziskus) finde ich hier, umher fahrend in seinem Papa-Mobil, sondern auch meinen lieben Freund Georg, mit dem ich all die wunderschönen, reichhaltigen aber auch entspannten Tage hier in Rom verbringe; ein Bett in seiner Ferienwohnung + sein unheimlich ausschweifendes Wissen und Verständniss gegenüber all der Theologischen Substanz und Geschichte die sich hier wie nirgends sonst auf der Welt dermaßen überdicht konzentriert, verschaffen mir und uns, wieder eine unvergessliche Zeit.

Ja, wie man hört, es geht mir gut und selbstverständlich zieht es den Humanisten (mich) sowie den kritischen Katholiken-Veteranen Georg, heute zur Papa Audienz; früh morgens, schon um sieben gings ab zur Piazza S. Pietro, (Petersplatz) direkt vor dem kollosalen Petersdom gelegen, an dessen Front der Papst seine wöchendliche Rede hält. Ja gesehen habe ich ihn ganz nah, wobei er es mir so in keinster Weise ist. Doch wie dem auch sei, berührt sowas irgendwie die kühlste, dem ganzen religiösen Spiel noch so ferne Seele; die symphatische Aura eines solch großen Führers lässt keinem kalt. Ich konvertiere für nur wenige Sekunden zum Christen, fühle mich unglaublich wohl inmitten der 80.000 die hier und jetzt versammelt sind, höre das raunen und staunen der Masse, lasse mich einfach mitziehen. Ganz sanft.

Dann bin ich wieder -ganz automatisch, zurück in meinem Haus, im Haus meiner Gedankenwelt und freue mich über diesen kleinen Ausflug ins andere Universum; ja, denn ganz genau so kann man all das hier wirklich nennen: Mit welch einer reichen Geschichte, welch einer geballten Konzentration “erschlägt” einem die gegenwärtige Materie der Christlichen Welt, und das nur jene hier vor Ort.
Aber dann noch dieser Berg an Geschichte und Mythologien, Ritualen und Kultur, ja an all diese Leidenschaft und Glaube, aber auch Kritik und Politik diese Lehre vermag, erschlägt mich im Geiste….. 

…so würde es wohl kommen, wenn da nicht jemand wäre, der da einen Durchblick hat, ja einen Überblick und ein langes Leben im Schatten oder Licht dieser Welt kennt; mein Georg, der alte Weggefährte aus Trier, seit dem Gang nach Santiago.

Hier treffen sich wieder unsere Wege, diesmal in der ewigen Stadt, so fern und doch so nah -ob  von Santiago oder Trier.

Italien  -Region Latium- (23.10.2014)

Eiskalt war die Nacht diesmal. Ganz anders noch als üblich für diesen wärmsten Oktober seit langem in Italien.
Zwar bin ich warm und sehr gemütlich in gleich zwei Schlafsäcken eingepackt, doch das aufstehen und rein in die eisgekühlten Klamotten, kalt-verschwitzt vom Vortag ist eine harte Sache.
Spontan entscheide ich mich heute dem Ruf der Stadt zu folgen, gehe in irgendein Hostel und warte dort auf GEORG, der ja am Samstag kommt und wir dann ganze sechs Tage zusammen verbringen.
Auch Stefan, der junge Rad-Abenteurer dürfte ich bald begegnen; ich lud ihn ja damals in San Marino ein bei uns in Rom in die Gästewohnung, die Georg angemietet hat. Bin mal gespannt ob und wann er kommt…

Doch zuerst muss ich irgendwie das Zelt trocken kriegen. Ja richtig schmerzhaft gestaltet sich sogar der Abbau; voller Raureif glitzert die Plane im kalt-morgentlichen Sonnenschein. Auch das Gras liegt im sanften Frostkleid danieder, und meine Hände tuen so weh vor Kälte als ich Zeltstangen und Plane einpacke…. der Frost blättert nur so und meine Finger schmerzen sehr…

Geschafft, mit noch 12% im Akku, (damit meine ich mein Tablet-PC) finde ich ein WiFi und buche erstmal ein Bett im Hostel. 45 Euro, eigentlich viel zu viel kostet mir der Spaß, aber noch zwei Nächte will ich mal ganz stressfrei, ganz für mich und auch mal wieder ganz international mit “Hostel Puplikum” verbringen. Ich leiste mir das jetzt, auch weil ein guter Freund mir 30 Euro auf’s Spendenkonto überweisen will. *freu*

Schnell wird es wieder deutlich wärmer, und drüben am Strand lasse ich mich in den graubraunen Sand fallen und breite das nasse Zelt zum trocknen aus. Ich döse vor mich hin, zu sehen gibt’s nichts hier an diesem so verbauten Lido, laufe auf und ab mit den Füßen durch die Brandung, packe irgendwann die trockene Zeltplane ein und fahre nach ROM.

(Bild:  Typisches Bild für Lido di Ostia mit seinen Pinien längs der geraden Straßen.)

Italien  -Region Latium-  (22.10.2014)

Die Wiese neben dem Wald in Ostia. Hier hinten bin ich fast unsichtbar und abgeschieden genug. Dennoch baue ich das Zelt erst zur Dämmerung auf. Noch in der Ferne sehe ich die Ruinen des alten Ostia, was vor 1600 Jahren der große Hafen Roms war, bis dieser aber später mehr und mehr versandete.

Italien  -Region Latium-  (22.10.2014)

Eigentlich will ich noch bleiben in den Abruzzen und zum Gran Sasso hinauf. Ein Bus soll dort hoch und wenig kosten. Doch trüb und zäh klebt das graue Gewölk am Berg, den ich schon gestern deswegen kaum erblickte.
Also entscheide ich mich kurzerhand weiter nach Westen zu reisen, ins Kernland der ersten Großmacht dieser Welt, nach Rom der ewigen Stadt….

Noch 100 km bis dorthin und nochmal nehme ich den Bus, raus aus L’Aquila, vorbei an neuen Stadtvirteln, an einer provisorischen, großen Kirche aus Blech, von der aber mit diesem hölzernen Front-Gerippe samt Kreuz, eine gewisse Würde ausgeht, sehe ich nochmal von weitem auf das erhobene Stadtzentrum L’Aquilas zurück, mit sicherlich an die 100 Baukräne. Welch ein Anblick.

…….

Noch weit durch grüne, hohe Berglandschaften fahre ich, habe noch nicht wirklich ein Auge für diese schöne Gegend, da mir das zuletzt gesehende noch so sehr nachgeht.
Doch als der Bus das Territorium von Lazio erreicht, sehe ich auf und wähne mich im alten, Römischen Reich… ja, das hier war und ist das alte Kernland der ersten Supermacht dieses Planeten. Lang ist’s her, aber als historisch empfindenes Wesen, eine bedeutende Sache; Rom ist das Maß aller Dinge was dieses überhaupt übervolle Kulturland anbelangt.

Zudem führen alle Wege dorthin. Stimmt, auch die “Via Terrestris” weist mir nun den Weg zum alten Zentrum.
Dort angekommen, erschleichen mich recht wenig die großen Emotionen poethischer Ergriffenheit… Kilometer um Kilometer eröffnet sich das alte Rom in seiner Gegenwärtigkeit.
Schon vor 1680 Jahren bereits Millionenstadt, hat die Metropole noch nie so viele Bewohner wie heute: 2,9 Millionen leben größtenteils in diesen schrecklichen Hochhausvirteln, wild gewachsen in den letzten Jahrzehnten. Das Rom von heute.
Über gewaltige Bahnhöfe, bemüht mich nicht zu verlieren, finde ich den Weg, ja die richtigen Züge weiter hinaus nach Ostia. Dort plane ich die zwei nächsten Tage komplett zu verbringen, am Strand Roms, ca 25 km außerhalb der Millionenstadt.

Doch ein frischer Wind weht hier, zwar vom selben Meer als noch auf der anderen, lieblicheren Seite Italiens, aber braun und wild sind hier die hohen Wellen. Fast schon wie an der Nordsee.
Für ein Fußbad muss es heute reichen, dann gehts wieder hinaus aus dem gesichtslosen Einerlei Fünfstöckiger Mietskasernen, die sich gut 20 km entlang der Küste erstrecken.
Lido di Ostia (Strand von Ostia) ist eine junge Stadt wo die meisten Häuser Zweitwohnungen der Römer sind. Zum Landesinnern hin, finde ich schnell hinaus bis zu einem wunderschönen Wald aus großen Strandkiefern (Pinien) die mir Deckung und etwas Freiraum geben; nach längerer Suche, finde ich somit am Rande einer Wiese meinen Platz im hohen Gras.

(Bild: Sie rufen mich nahezu, die lieben Pinien von Ostia laden mich heute Nacht zu sich ein…)

Italien  -Region Abruzzo-   (21.10.2014)

Nach so einen langen, anstrengenden Tag in der verwüsteten Stadt, ist natürlich ein gewaltiges Abendessen angesagt, hier oben im duftenden Gras des Berges mitten in der Stadt.
Hier sieht mich keiner, doch ich sehe alles…. der Ausblick ist fantastisch auf Landschaft sowie dem leiblichen Wohl; wie heißt es doch…. Essen & Trinken hält Leib und Seele beisammen…

Italien  -Region Abruzzo-  (21.10.2014)

L’Aquila liegt in einem großen Tal, umgeben von ehabenen Bergen und zusammen mit sich weit ausdehnenden Vororten eine Stadt von 120.000 Einwohnern bildend.
Hier oben auf einer Brachfläche, wie es sie viele hier gibt, finde ich sogar einen Panoramaplatz für die Nacht, samt Supermarkt unten. Perfekt.

Ob ich morgen noch einen Tag länger bleibe, weiß ich noch nicht genau… hängt vom Wetter ab welches sich allerdings ändern soll.

Eines ist jedoch klar: Ein starkes Stück Italien, was mich bisher am meisten beeindruckt hat ist dieses Abruzzo. Hier will war ich nicht zum letzten mal… 🙂

Italien  – Region Abruzzo-  (21.10.2014)

Doch ich freue mich eines der wenigen Fassaden mal unbeschadet zu sehen, wie diese der Basillika Santa Maria di Collemaggio. Allerdings ist es wirklich nur die Vorderfront, dahinter shokt mich der Anblick des eingestürzten Daches, welches improvisiert durch eine große Blechkonstrucktion ersetzt wird, und das lediglich um das Innere vor der Witterung zu schützen. Hineingehen ist derzeit unmöglich.

Italien  -Region Abruzzo-  (21.10.2014)

Staubig und laut geht es in der historischen Alststadt von L’Aquila zu. Ich ziehe durch die Gassen die so anders sind als üblich in Italien, vergesse fast, hier ebenfalls keinen Gastgeber zu haben (der war dann auch beleidigt, weil ich nicht täglich mit ihm chatten kann…) und gehe eher ziellos umher.