Italien  -Region Latium-  (22.10.2014)

Eigentlich will ich noch bleiben in den Abruzzen und zum Gran Sasso hinauf. Ein Bus soll dort hoch und wenig kosten. Doch trüb und zäh klebt das graue Gewölk am Berg, den ich schon gestern deswegen kaum erblickte.
Also entscheide ich mich kurzerhand weiter nach Westen zu reisen, ins Kernland der ersten Großmacht dieser Welt, nach Rom der ewigen Stadt….

Noch 100 km bis dorthin und nochmal nehme ich den Bus, raus aus L’Aquila, vorbei an neuen Stadtvirteln, an einer provisorischen, großen Kirche aus Blech, von der aber mit diesem hölzernen Front-Gerippe samt Kreuz, eine gewisse Würde ausgeht, sehe ich nochmal von weitem auf das erhobene Stadtzentrum L’Aquilas zurück, mit sicherlich an die 100 Baukräne. Welch ein Anblick.

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Noch weit durch grüne, hohe Berglandschaften fahre ich, habe noch nicht wirklich ein Auge für diese schöne Gegend, da mir das zuletzt gesehende noch so sehr nachgeht.
Doch als der Bus das Territorium von Lazio erreicht, sehe ich auf und wähne mich im alten, Römischen Reich… ja, das hier war und ist das alte Kernland der ersten Supermacht dieses Planeten. Lang ist’s her, aber als historisch empfindenes Wesen, eine bedeutende Sache; Rom ist das Maß aller Dinge was dieses überhaupt übervolle Kulturland anbelangt.

Zudem führen alle Wege dorthin. Stimmt, auch die “Via Terrestris” weist mir nun den Weg zum alten Zentrum.
Dort angekommen, erschleichen mich recht wenig die großen Emotionen poethischer Ergriffenheit… Kilometer um Kilometer eröffnet sich das alte Rom in seiner Gegenwärtigkeit.
Schon vor 1680 Jahren bereits Millionenstadt, hat die Metropole noch nie so viele Bewohner wie heute: 2,9 Millionen leben größtenteils in diesen schrecklichen Hochhausvirteln, wild gewachsen in den letzten Jahrzehnten. Das Rom von heute.
Über gewaltige Bahnhöfe, bemüht mich nicht zu verlieren, finde ich den Weg, ja die richtigen Züge weiter hinaus nach Ostia. Dort plane ich die zwei nächsten Tage komplett zu verbringen, am Strand Roms, ca 25 km außerhalb der Millionenstadt.

Doch ein frischer Wind weht hier, zwar vom selben Meer als noch auf der anderen, lieblicheren Seite Italiens, aber braun und wild sind hier die hohen Wellen. Fast schon wie an der Nordsee.
Für ein Fußbad muss es heute reichen, dann gehts wieder hinaus aus dem gesichtslosen Einerlei Fünfstöckiger Mietskasernen, die sich gut 20 km entlang der Küste erstrecken.
Lido di Ostia (Strand von Ostia) ist eine junge Stadt wo die meisten Häuser Zweitwohnungen der Römer sind. Zum Landesinnern hin, finde ich schnell hinaus bis zu einem wunderschönen Wald aus großen Strandkiefern (Pinien) die mir Deckung und etwas Freiraum geben; nach längerer Suche, finde ich somit am Rande einer Wiese meinen Platz im hohen Gras.

(Bild: Sie rufen mich nahezu, die lieben Pinien von Ostia laden mich heute Nacht zu sich ein…)

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