Italien  -Region Sardinien-  (03.11.1014)

Zurück zur Lagune, ein Ort den ich nur ungern verlasse, so wie heute morgen, wo ich nicht weg wollte, einfach den ganzen Tag hierbleiben. So nutze ich die Wartezeit die eigentlich keine “Wartezeit” ist hier… schwimme (natürlich nackt) im warmen Wasser….

Beeindruckend sind die nahezu geschmeidigen Formen der so harten Granitfelsen. Rundlich und glatt die Steine im Wasser, wie riesige Kiesel manchmal mit einem Seeigel darauf.

Mal sehen, ich plane wieder her zu kommen, wenn mein Weg mich zurück nach Sardinien führt, wenn ich das selbe Schiff nehme von Korsika aus…

Italien  -Region Sardinien-  (03.11.2014)

So, heute verlasse ich die Trauminsel schonwieder, erkunde oben im Ort Santa Teresa den abseits liegenden, kleinen Hafen was mit der Fähre nach Korsika los ist. Die fährt natürlich erstmal gelich vor meiner Nase fröhlich von dannen…. rüber zur Nachbarinsel .
Um 15 Uhr geht die nächste, sodass ich jetzt wieder reichlich viel Zeit habe.
Eigentlich müsste ich jetzt endlich wieder hier ins Reisetagebuch schreiben, kann aber nicht; der Akku meines Tablets ist nur noch auf 18%, gerade noch genug für’s fotografieren….
So habe ich nun “frei”, und werde es sicher ganz gut aushalten hier am Strand. Wirklich wohl schönste Mittelmeerstrand ist, den ich jemals sah… 

Italien  -Region Sardinien-  (03.11.2014)

Was für eine Nacht.
Super ausgeschlafen, dank meiner wirklich hochwertigen Luftmatte, erlebe ich einen sommerartigen Montagmorgen; fast 20 Grad und erstmal ab ins klare Wasser….  mann, so einen November hatte ich noch nie erlebt.

Unter mir glitzert die mediterrane Meereswelt, blanke, runde Granitsteine, Algen und metallisch funkelnde Fische, und immer wieder diese vielen schwarzen Punkte; Seeigel bedecken den untiefen Meeresgrund. Ich greife nur zu und halte -vorsichtig- einen in der Hand. Erinnerungen kommen auf, als ich vor 15 Jahren mit der Familie nach Kroatien Urlaub machte, dort an der Küste Seeigel sammelte, diese öffnete und den orangenen Laich aß.
Das mache ich jetzt aber nicht, gib ihm dem Meer zurück.

Italien  -Region Sardienen-  (02.11.2014)

Fast 200 km übers Meer, in sechs Stunden kam ich hierher, zur Insel Sardinien, einer eigenen Region Italiens die ich allerdings erstmal nur schneide, um weiter nach Korsika zu gelangen, später kehre ich wieder zurück und erkunde Sardienien ausführlich.
Dennlch lande ich erstmal hier in diesem traumhaften Ort Santa Taresa, ganz oben im Norden der großen Insel gelegen, mit Blick auf Korsika das 15 km auf der anderen Seite liegt.

Es ist noch nicht spät, aber ich bin total fertig. Heute wartete ich Ewigkeiten auf Busse die nicht fahren, kämpfte dann um einfachstes Essen…. am Feiertag ist im Katholischen Italien alles zu. Zumindest in den kleinen Orten habe ich keine Chance was zu finden; Geisterstädte sind da noch lebendig gegen….. so lief ich durch den ganzen Ort, auf und ab, suchte verzweifelt nach irgendwas essbaren, fand dann eine Bar, ja gleich zwei und einen Laden der doch noch offen ist. Träum ich?
Keine Ahnung, im Laden aber verwirren mich extrem hohe Preise für die ansich schon etwas teureren lokalen Produckte, aber 6 € für ein winziges (!) Glas Pesto, 10,20€ für eine Sardische Salami, gerade mal doppelt so groß wie eine Bifi…. über 20€ für Käse nicht größer als meine Faust es ist…. und so weiter, und so weiter…  WER SOLL SOWAS DENN KAUFEN ????

Die Sarden sollen vom Einkommen unter dem Italienischen Durchschnitt liegen….. ich verstehe mal wieder die (Geld)Welt nicht…. erst recht in den beiden Bars, die als einfache, schlichte Lokale mir allen ernstes die 0,33l Flasche Bier für 4€ andrehen wollen….. ich lache laut und winke ab, sage “Maaaafiaaaa” und ziehe von dannen, auch ohne die laffen Sandwiches in der Auslage, für je 3,50 bis 5€ …..

Also ziehe ich Register: Ich klingel an den Türen und “bettele” um Essen….allerdings mit einem fünf Euro Schein in der Hand, somit kommt die Sache wenigstens seriöser rüber und zak: Eine zwar etwas grantige, aber wohl verständnissvolle, ältere Frau versteht kein Wort meines Italo-Englisch, gibt mir aber nach einigen Minuten Wartezeit vor ihrer Tür mit ohrenbetäubenden bellen ihrer hysterischen Töle, eine ganze Plastiktüte voller Nahrung. Auch Wasser aus der  Leitung mit lecker Chlorgeschmack gibt’s dazu, abgefüllt in alten Weinflaschen.

Schwer, schwer bepackt finde ich instinktiv unterhalb von Santa Teresa einen traumhaften Platz für die Nacht. Inmitten der Klippen und wilden Granitfelsen, verstecke ich mich und schlafe unter freien Himmel, unter gleißenden Sternen in der Nacht….. es ist zweiter November, es ist fast wie im Sommer…

(Bild: Mein Bett in der Mondlanschaft, weich auf meiner Luftmatratze im Granit…. schlafe ich traumhaft nach einem harten Tag…)

Italien -Region Sardinien- (01.11.2014)

Ey, wir haben November !?
Rosa-blau dimmt dieser doch so spätherbstliche Tag sein junges Licht über’s Meer, kühl und im Nebeldunst liegen die Berge Sardiniens wie gemalt inenander, kontrastierend in ihren grautönen halte ich nur einige Minuten nach gut ausgeschlafender Nacht der Kälte stand. Schwer aber flüchtig ist sie, die herbe Frische dieser Jahreszeit hier weit draußen im Mittelmeer zum Morgengrauen.

Schnell wird es warm, die Fähre legt an und alles dauert total lang….doch irgendwann geht’s weiter und ich bin wieder allein, pflege mich mit meinem Akkurasierer auf dem langen Weg hinter einer Palme, vom Hafen in die Stadt Olbia.

Dort angekommen, suche ich erstmal eine Bar mit WiFi, organisiere meine Gastgeber für Korsika: Einer für Ajaccio einer für’s Landesinnere haben angebissen. Weitere sind in Arbeit; Kontaktpflege, Termine, und so weiter….. Grüße und sonstige Mails forste ich durch, beantworte so viel ich kann und informiere mich noch über die Örtlichkeiten hier, wollte noch über Rom posten, hab aber keinen Nerv jetzt dafür… zwei Stunden futsch…mal so eben wieder… inklusive freche drei Euro für die obligate Cola …..

So, ein hin und her durch den Ortbeginnt, da ich mich erkunde wo und wann ein Bus nach Santa Teresa fährt, 50 km weiter nördlich, wo ein Schiff nach Korsika geht.

Ich warte ganze vier Stunden, Falschinformationen sind in Italien keine Seltenheit, 4 Std (!) für die Katz. Heute ist Feiertag, da fährt nix…. heißt es nun plötzlich. Wobei um 16:00 was geht…. doch ich bin stinksauer und suche mir eine Karte von Olbia um die richtige Ausfallstraße zu finden. Auf dem Weg dorthin, schwer beladen mit meinen fetten Taschen, hält schon gleich jemand.

Auf Italienisch quasselt mich ein recht schmierig aussehender Mann durchs Fenster voll…ich verstehe kein Wort, sage nur Autostop…. er willigt ein und faselt aber immer von Euro, Euro, Euro…. ich sage no Euro, er sagt “ok”…. ich aber frage nochmals: “no moneta?”

Er erwiedert “si” ….. malt mir eine 30 auf einem knitterigen Papier. Das soll ich zahlen.

Ich lache schallend und zeige einen Vogel; das Busticket kostet gerade mal sechs Euro….. gehe weiter, er folgt mir und blubbert irgendwas weiter…. ich winke ab und rufe “CHIAO”…..

Sein altes, selten in den Genuss einer Wäsche kommendes Auto, rast quitschenden Reifens von dannen……

Es dauert schon eine Stunde bis dann jemand anhält, und mich kostenlos nach Santa Teresa fährt…. trampen auf Sardinien funktioniert also doch.

(Bild: Ewiges warten auf einen Bus….. z.B. hier auf dieser Piazza in Olbia)

Italien  -Region Lazio-  (31.10.2014)

Die Region Lazio ist natürlich stark von der Metropole Rom dominiert, wobei dort weniger als die Hälfte der 6 Mio Einwohner leben, verteilen sich die anderen in den vielen Kleinstädten, von denen eine der Haupthafen Civitavecchia ist, eine gemütliche, freundliche Kleinstadt mit 51.000 Bewohnern. Hier angekommen habe ich viel Zeit da die Fähre nach Sardinien erst um 22 Uhr losmacht. Passt gut, dann kann ich auf See übernachten.

Die 36 Euro berappe ich im guten Gewissen, da ich von einem Freund in Hamburg die Zusage einer Geldspende freudig empfangen habe. So allmählich schwelge ich nicht mehr im Geldsegen, da meine recht guten Ersparnisse des letzten Sommers, bis auf mittlerweile 250 € erschöpft sind. -davon zahle ich jetzt noch das Ticket, stelle mir für weitere 18 Euro ein Fresspacket zusammen aus dem Supermarkt. Mann, ist das ein teures Land………………………….

Wartend (wobei “warten” sieht anders aus…) verschlinge ich heißhungrig den Großteil meiner Essensvorräte, dümpel mit angespannten Bauch, etwas mich schämend vor dieser Zügellosigkeit, zum Hafen…. versuche noch zu posten hier, schreibe noch über Rom…bin stark im Verzug.

Später, es ist stockfinster, passiere ich die “Sicherheitskontrollen”….. heute in Zeiten der Flugzeugattentate, Salafisten-Terror und Sprengstoffgürteln streite ich heftig über mein Messer, mit einer ca 12 cm langen Klinge welches ich schon immer als alter Camper überall dabei habe. Das wollen die mir weg nehmen, da ich ansonsten auf der Fähre damit sofort jemanden töten würde. Ich zeige einen Vogel, rege mich auf, schließlich bin ich damit auf Fähren nach Gran Kanaria, Mallorca oder Irland ohne weiteres unterwegs gewesen, ganz ohne Bludbad, nur hier im -Mafia-Italia- soll das plötzlich nicht “möglich sein”?

Blablabla…. ich schimpfe und ziehe von dannen, mein gutes, altes Messer ist weg…. nur wegen dieses blöööööde Schiff….unglaublich.

Aber siehe da: Einer der Panzerartig gekleideten Sicherheitsleute, ein symphatischer, junger Mann, ziegt mir meinen Dolch versteckt in seinem Ärmel, brabbelt diskret mit den anderen Sherrifs und geht mit mir an Bord. Dort verwahrt das Personal an der Rezeption meine “Waffe” die ich mir morgen um sechs in der früh abholen kann. Dann kommt das Boot in Olbia an, dem Hafen auf der Insel Sardinien.

Stress lass nach, ich vergesse meine Sparsamkeit und kaufe eine kleine Dose Bier für 3,50€ …. gewonnen, was in kaum einem anderen Land funktioniert, geht im temperamentvollen Italien offensichtlich gut: Rege dich auf und dir wird geholfen.

Italien  -Region Lazio-  (31.10.2014)

Mein lieber Georg, bis bald….

Am Bahnhof Trastevere stehen wir jeweils an verschiedenen Gleisen: Er zum Flughafen, ich nach Civitavecchia ….dem Hafen Roms, 80 km außerhalb am Meer….
Der Abschied fällt diesmal nicht so schwer, da wir uns schon bald wiedersehen. Wenn mein Weg mich nach Sizilien führt, so ende Dezember, dann treffen wir uns in Trapani, zwei Wochen Ferienhaus und hoffentlich wieder so herrlich schöne Sonnentage wie hier …

Dennoch bin ich traurig, bin wieder allein…..  was auch nicht unschön ist.

Ich verlasse Rom, sitze für 4,80€ im Zug der schwerfällig seine Kilometer erkämpft. Ich schaue auf die Landwirtschaftlich nur mäßig nutzbaren Flächen im Gebiet abseits der Stadt bis zum Meer; die Böden sind teils zu sandig hier, etwas Hügelland mit Dornengestrüpp aber wunderschöne Ausblicke, wenns nicht wieder permanent zersiedelt ist.

Ich denke über Rom nach.

Werde ich mal wiederkommen?

Ich denke ja,

Georg sagte mal: Rom zu verlassen ist die Erkenntniss wiederkommen zu müssen; zu resümieren was man alles gesehen hat, steht im starken Kontrast zu dem, was man alles nicht gesehen hat.

Wir werden wiederkommen !!!

Italien  -Region Lazio-  (30.10.2014)

Abschied nehmen von einer Stadt in der man wiederkommt, ich, Georg und der Rad-Abenteurer Stefan aus Dresden, einst in San Marino getroffen und nun hier in Rom wiedergefunden, ziehen wir bald wieder alle für uns unserer Wege…. noch schnell das “Beweisfoto” geschafft, hier vor dem Kolosseum in ROMA.