Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

Und noch ein Bild von der Zauberküste, gut 90 m steil unterhalb von Bonifacio: Deutlich zu sehen, wie der Zahn der Zeit arbeitet; schon seit einem Jahrtausend legen diese Klippenfelsen, einst Oberkante hoch über dem Meer hier im Wasser.
Bonifacio als Stadt, steht genau auf einem dieser Überhänge, gebaut vor Jahrhunderten bisher noch unversehrt, wird es irgendwann mal dem gleichen Schiksal ereilen… vielleicht schon morgen oder erst in 100.000 Jahren….

Ich hingegen habe Zeit und erkunde die Küste noch etwas weiter abseits, klettere über spannende Felsmämme, finde verlassene, malerische Buchten unter dem Klippenhang, beschließe hier mal wieder zu kommen, wenn ich wieder nach Bonifacio muss zum Rückweg nach Sardinien.

Hoffentlich stürzt bis dahin nicht alles zusammen…. sieht echt kurios aus hier ….

Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

Ich bade lang und ausgibig, schwimme um die vielen Felsen im tiefen Wasser umher, sehe unter mir ganz schön große Fische… stelle mich 50 Meter weit draußen auf einen Inselfelsen,  schaue zurück zum einsamen Steinstrand. Dort liegt ja ausgebreitet die nasse Zeltplane  zum troknen, und so manch anderes was zum “atmen” gut an der warmen Sonne aufgehoben ist.
Es ist Zeit, auch wenn ich eher ans Internet gehöre um hier regelmäßiger zu posten, mit Mama zu scypen oder die vielen Sozialkontakte (Sponsoren, Gastgeber) zu pflegen, lasse ich es gut sein; gerade noch zum Bilder machen reicht die Energie im Akku….

Wenn ich jetzt nur ein Solar-Ladegerät hätte ….

Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

MANN, DAS GIBT’S DOCH NICHT 🙂
Wieder so ein Platz wo ich es nicht glauben kann…. sooooo schön ist es hier.

Gefunden: Der Abstieg hinunter der Klippen an die Küste. Lange Treppen führen vorbei an nicht wirklich standfest aussehende Felswände, verwittert, verwaschen, teils schneeweiß mit Muschelfossilien und Sukulentenbewuchs.
Schon der Abstieg mit all dem Gepäck geht in die Knochen, doch unten angekommen zahlt sich jede Mühe und Pein doppelt aus.

Jetzt ein Bad im warmen Meer wäre genau das Richtige, und das mache ich jetzt auch…. vorsichtig schreite ich barfuss ins seichte, kristallklare Wasser, über Braunalgen bewachsene Felsen, achte gut auf die Seeigel und scharfen Steinkanten, bis 30 Meter weiter die knietiefe Felsplatte aufhört, und es vor mir gut 10 m tief abgeht… jetzt muss ich nur noch einen Satz nach vorne machen.

Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

Blickfänge am Wegesrand: 300 Jahre oder 800 ???
Solche uralten Überreste längst vergangener Existenzen laden zum verweilen ein. Im Duft von Lavendel und Rosmarin erkunde ich die verwitterten Mauerreste, das wohl mal ein einfaches Landhaus, möglicherweise eines Hirten gewesen sein könnte.
Immerhin in “Toplage”, denn glücklicherweise ist heute der Grünstreifen bei Bonifacio geschützt und darf nicht bebaut werden.

Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

Die südlichste Stadt in Frankreich ist Bonifacio, mit 3200 Einwohnern sehr überschaubar, wenn auch verwinkelt und anfangs verwirrend geschlossen auf der Anhöhe liegend. Die historische Altstadt steht hoch über die Klippen die sogar im weiten Bogen darunter, zum Meer  gut 90 Meter abfallen.

Ich laufe zurück in den Ort, der Tag ist noch so frisch. Zeit also um sich hier noch etwas umzusehen…

Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

Hier ist Frankreich am südlichsten: Die Klippen von Bonifacio im äußersten Süden Korsikas.
Bevor ich in den Ort zurückgehe, begrüße ich hier, nachdem das nasse Zelt eingepackt und ich aus dem Buschland hinausgefunden habe, den Tag.
04. November, was für ein Glück heute bei Sonne hier zu sein…

Satte 80 Meter fallen die Klippen hier ins tiefblaue Meer…. der Blick über die bröckelige Kante hat es in sich….

Frankreich  – Region Korsika –  (04.11.2014)

Keine Chance, ich verlief mich noch in Bonifacio, fand nicht hinaus aus der umgebenden Stadtmauer, schleppte mich wieder ab bis hinaus, höher auf die Klippen bis irgenwann die Luft komplett raus war: Einen Kilometer Stadtauswärts campe ich inmitten der Macchia (mediterranes Buschland) abseites der allgegenwärtigen Trampelpfade.

Schnell dunkelt es, schon um halb sechs ist es völlig finster und nur knapp fand ich einen Platz, groß genug für’s Zelt.

Heute am nächsten Morgen dann, erwache ich in bester Morgenfrische unter Korsisch-blauen Himmel.
Die zarten Sonnenstrahlen reichen bei weitem nicht aus um die von Kondenz und Tauwasser benetzte Zeltplane anzutroknen. Es ist zudem schon zu spühren dass November ist; gerade mal sechs Grad lassen mir die Finger beim Abbau des klatschnassen Außenzeltes, gründlich frosten…. eiskalt …

Doch dann schreite ich zurück Richtung Meer, Richtung Klippe und setze mich an der Natursteinmauer, lasse die Sonne intensiver wirken und frühstücke die letzten Brotreste vom Vortag, rasiere mich und putze die Zähne mit den letzten Schlücken Mineralwasser.

(Bild: Nasses Zelt….auch wenns innen wunderbar troken bleibt, oft bei kühlen Nächten ein Problem, wenns ans einpacken am Morgen geht)

Frankreich  -Region Korsika-  (03.11.2014)

Korsika ist mit 8600 Quadratkilometer nur ein ganz bischen größer als das Elsass (8200 km2) aber mit nur 322.000 Einwohnern die mit Abstand kleinste Region Frankreichs.
Über 70% der Insel sind von hohen Bergen überzogen, gut 50 davon über 2000 Meter hoch und das alles sehr steil und schroff. Im Gegensatz zur Nachbarinsel Sardinien, die flacher ist, kontrastiert Korsika als reine Gebirgsinsel.
Mit 2710 Metern ragt der Monte Chinto als höchster Gipfel, tief im Zentrum Korsikas empor. Also ein wirklich hoch montanes Abenteuer.

Lediglich an der Ostküste legt sich ein kleiner Flachlandstreifen vor die steilen Berge, dort wächst der Wein und Ackerbau im mäßigen Umfang prägt das Bild. (die Böden sind nicht sehr ertragsreich, da zu steinig oder sandig)
Mit Ajaccio (70.000 Einwohner) und Bastia (43.000) gibt’s auf Korsika nur zwei nenneswerte Städte, beide liegen jeweils an verschiedene Küsten und sind natürlich ein Ziel meines Weltweges.
Mit 35% stellen die einheimischen Korsen heute die Minderheit; Frankreich zerstörte teils mit Erfolg deren Kultur durch seine Besetzung im 18ten Jahrhundert, weshalb Festlandsfranzosen die absolute Merheit heute bilden, seit 200 Jahren siedeln sich (bis heute) mehr und mehr  vom Festland auf der Insel an. Korsika gilt als Paradies im Mittelmeer, weitaus südlicher und milder als noch an der überfüllten Cote Azur. (siehe Frankreich “Provence Alpes Cote Azur”)

Dennoch gilt Korsika als “ärmste Region” im Lande; mit kaum nenneswerten Wirschaftszweigen ist es schwer hier auf der Insel das viele Geld zu verdienen, wie es nötig ist; Korsika verzeichnet die teuersten Lebenshaltungskosten im ohnehin Teuer-Land Frankreich. Fast alles muss eingeführt werden, und die heimischen korischen Sachen (Käse, Wurst, Fleisch oder Früchte) kosten obendrauf sogar noch viel mehr…. alles nicht einfach.

Dennoch versuchen viele hier zu leben, Sonne und Meer sind immer nah, riesige Berge auch. Wer’s sich leisten kann, kann gern kommen….

(Bild: Blick von Bonifacio nach Süden. Da hinten liegt Sardinien was zu Italien gehört)

Frankreich  -Region Korsika-  (03.11.2014)

Angekommen, mal wieder in Frankreich zu dem die Insel Korsika 250 Jahre gehört, südlicher geht es in Frankreich nicht; Korsika ist die kleinste Region dieses großen “Schwerpunktlandes” meiner Systemreise durch die Welt, und die letzte Region für mich in diesem Land. Wie in Italien, und zuvor Spanien, führt mein Weltweg durch alle Regionen der großen Länder, führt mich nun nach Korsika zur Vollendung aller 22 französischen Regionen.

Ungefähr 10 Tage plane ich hier zu bleiben, ziehe über die ganze Insel von Süd nach Nord, treffe dort Gastgeber mit denen ich bereits jetzt schon in Kontakt stehe, und kehre wieder zurück nach hier in Bonifacio, um wieder nach Sardinien zu kommen.

Damals, als ich in Frankreichs Süden unterwegs war, glaubte ich garnicht wie teuer ein Fährticket von Nizza nach Korsika ist… beschloss diese letzte Region dann eben später von Italien aus, von Sardinien aus zu erreichen; 15 km Wasserweg sind da schon günstiger als jene 150 km von Nizza.

(Bild:  Die Kalksteinklippen von Bonifacio im äußersten Süden Korsikas laden mich ein dort zu nächtigen. Doch Kilometerweit scbeint es keinen Abstieg zu geben, lediglich mit dem Boot könnten die kleinen Strandbuchten unterhalb der hohen Felswände erreicht werden…. wie komme ich da wohl hin?)

Frankreich  -Region Korsika-  (03.11.2014)

Auf geht’s über’s Meer, ca 15 km mit der Fähre nach Korsika, die gleich nördlich von Sardinien inmitten der mediterranen Weiten des Meeres liegt. Schon von meinem felsigen Schlafplatz bei Santa Teresa konnte ich die hohen Kalksteincliffs sehen, die steile Südküste Korsikas….
18 € berappe ich für das Ticket hinüber, fahre gut eine Stunde übers ruhige, tiefe Meer und schaue oft zurück; Sardinien sehe ich bald wieder, dann ausführlicher, die niedrigeren Berge Sardiniens verblassen allmählich in der Ferne, die viel höheren, spitzen Gipfel Korsikas nehmen Kontur an, schneiden sich scharf in den azurblauen Himmel, weitab am Horizont.

Auch der Korsische Hafen Bonifacio kommt näher; es dunkelt bereits wieder, die Tage sind ja so kurz…. golden schimmern die Klippen im Licht, tiefblau das Meer.