Frankreich  -Region Korsika-  (11.11.2014)

Eine Gewitternacht und viel Regen, so sah es heute aus. Doch wie üblich schlief ich wunderbar in meiner “Maison Wanderleben”,allerdings in der Macchia von Porto Veccio, gerade mal 23 km vor Bonifacio, was ich per Anhalter gestern nicht geschafft hatte….
Die Tage sind einfach fürchterlich kurz; schon um 16:30 Uhr musste ich gestern meine Tramp-Tour abbrechen, nach immer kleinen 10-15 km langen Lifts mit verschiedenden Fahrern, kam ich nur langsam vorran.
Doch um halb fünf schon Feierabend machen !?
Leider ja, da ich noch im hellen, bei einigermaßen Licht einen Schlafplatz für’s Zelt, irgendwo im Gestrüpp finden muss.
Um 18:00 Uhr war es entgültig stockfinster. Dank meiner kleinen Taschenlampe konnte ich wenigstens noch bis halb acht wach bleiben, esse ausgibig, und lese in den Landkarten…..

Heute schaffe ich es schnell nach Bonifacio, werde mitgenommen, wobei ich nass am Straßenrand stehend nicht wirklich zum anbeißen aussehe; vom Zelt-Versteck hinaus durch die nassen Büsche, das war wie eine Dusche…. alles ist plädderig. Das Gepäck stelle ich auf dem nassen Sand am Straßenrand, zum Glück regnet es jetzt nicht.
10 min später hält mein Lift nach Bonifacio…

(Bild: Bonifacio, die Festung und der Hafen darunter. Hier komme ich mal wieder zu spät an; die Fähre nach Sardinien legte genau vor 30 min ab…. erst in sieben Stunden geht die nächste…. egal, somit habe ich ja jetzt endlich die Zeit hier wieder ordentlich zu schreiben 🙂  es regnet wieder in Strömen.

… Heute Abend will ich wieder in Italien sein, an meiner Bucht in Santa Teresa. Morgen versuche ich dann nach Sassari zu kommen…)

Frankreich  -Region Korsika-  (10.11.2014)

Keinen einzigen Tag komme ich wirklich zur Ruhe; der Wallnussbaum im Garten der Maison Borghetti braucht ebenfalls meine Aufmerksamkeit. Ein deftiger Kronenschnitt (ca 30% in der Höhe reduziert) und die Fällung eines Nebenstammes sind angesagt. Halt mein Handwerk… auch im Wanderleben.

Somit kann ich DANKE sagen für die tolle Zeit; warmes, gutes Essen, Wein und Kastanienbier, ein warmes Bett, und….. eeeendlich saubere Wäsche; schon am ersten Tag stand er da, der Korb voller duftender, trockener Klamotten.

Morgen ziehe ich dann wieder weiter, wieder nach Süden, nach Bonifacio. Dort wo Korsika für mich angefangen hatte, soll es wieder zu ende gehen.

Frankreich -Region Korsika-  (09.11.2014)

Nach all den gewaltigen Basilliken die mir in Rom zuteil wurden, freue ich mich jetzt mal die Kapelle von Fiuminale zu bewundern; gut 500 Jahre alt und kürzlich etwas renoviert im Innern, war sie das Zentrum des 10 – 15 Häuser Bergdorfes.
Die alten Korsen bauten ihre ersten Dörfer oft in den Hängen oder Oberlagen der Berge. Zu gefährlich war dafür das Flachland in den Küstenlagen, Piraten und Eroberer -von den Römern bis zu den Franzosen (unter Napoleon der selbst aus Korsika stammt) sorgten für Ärger.

Frankreich -Region Korsika-  (09.11.2014)

Ufff, endlich angekommen.
Nach langem Anstieg, vorbei an bis zu 500 Jahre alten Kastanien, klaren Bachläufen und immer wieder halbwilden Schweinen in Sichtweite, sehe ich das verlassene Dorf Fiuminale, halb verfallen aber auch teils von traditionsbewussten Korsen gepflegt; drei Häuser wurden erst kürzlich renoviert, sowie die winzig kleine Kapelle. Weitere ca acht Gebäude, zerfallen -so alt wie die ältesten Bäume unten im Wald, segnen sie das zeitliche.

Bis ende der 70er Jahre lebte hier noch eine einzige, alte Frau, weiß mir Brian zu erzählen.
Von ihren Ziegen und den wenigen Früchten, sowie den Kastanien versorgte sie ihr karges aber so geliebtes Leben; manchmal ist die zierliche aber zähe Gestalt (Patrick zeigte mir ein altes Foto von ihr) hinunter den beschwerlichen Weg ins Dorf Talasani gekommen, besorgte sich dort Salz, Gewürze, Obst und weiteres, was sie oben nicht hatte, wollte aber nie den Einladungen der Bewohner nachkommen, doch über Nacht zu bleiben, in einem Gästebett zu nächtigen.
Mit ihren Esel stieg sie auch im hohen Alter noch in aller Finsterniss Abends den langen Pfad wieder hinauf, dem Pfad wo sie wohl jeden Baum, jeden Fels kennt. Im eigenen Bett, in ihrem Dorf wolle sie schlafen, sagte sie mal.

Doch eines Tages wurde die alte Dame krank.
Ihre Kinder, längst ausgewandert zum Festland nach Frankreich, nahmen sie zu sich in die große Stadt, wohl gegen ihren Willen, verstarb dort recht schnell und wurde auch dort beerdigt….

Gern würde ich mal nachts hier in Fiuminale verbringen, um ihre traurige Seele zu begegnen, umherschwirrend zwischen den ihr so vertrauten Mauern ihrer alten Häuser.

Frankreich  -Region Korsika-  (09.11.2014)

Nach herrlicher Nacht, (hatte aber zuviel getrunken: Schlaf mittelmäßig) will ich aus dem weichen Bett in einem original alt-corsisch eingerichteten Raum, garnicht mehr raus.
Doch heut ist Wandertag angesagt, mit Brian der zwar schon auf die 60 zugeht, aber ganz schön fit mir über die Felsen davonläuft. Auf dem “Kastanienpfad” wandern wir hinauf, bis zu einem verlassenen Bergdorf, weit abgelegen und nur eben über solche steilen Wald und Bergwege zu erreichen.

Schon am Wegesrand stehen sie: Über 300 jährige Ess, oder Edelkastanien, deren Früchte (bei uns Maronen genannt) das “Brot” Korsikas sind. Gestern noch schlemmerte ich an der Polenta die Patrick mit viel Aufwand aus Kastanien gemacht hat; süßlich im Geschmack, aber sehr reichhaltig und sättigend.

Frankreich  -Region Korsika-  (08.11.2014)

Mein erstes echtes corsisches Essen: Frischkäse und Ei, Kastanien-Polenta und natürlich kräftig, fettige Wurst vom Schwein, die hier wie die allgegenwärtigen Esskastanien, überall halbwild umherlaufen.
Dazu natürlich einen corsischen Landwein, direkt aus der Gegend, denn hier an der Ostseite der Insel, wo es etwas flaches Land gibt, wächst der Wein.
Alternativ geht aber auch ein “Pietra” das traditionelle Bier, gebraut aus Kastanien.

Ich weiß es noch nicht genau, ob Korsika nun Kastanien-Insel oder Schweine-Insel heißen soll? Beides passt gleichermaßen, wobei sich letzteres nicht so gut anhört…  allerdings wimmelt es in den Wäldern vor Schweinen…. soviel wie ich es noch nie gesehen habe…

Frankreich  -Region Korsika-  (08.11.2014)

Soooo, endlich sind die wilden Tage vorbei und kann wieder hinter dicken Mauern in einem echten Bett nächtigen.

Verabredung diesmal geklappt: Brian und Patrick laden mich ein in ihrer Maison Borghetti, einem über 300 Jahre alten, typisch corsischen Steinhaus im Dorf Talasani, 12 km oberhalb des Strandes gelegen, idyllisch im Hang der Berge.

Brian (links) kommt aus Irland, lebte aber lang in London und Amsterdam, spricht Deutsch und lebt mit seinem Freund Patrick nun seit langem auf der Insel. Patrick ist Belgier und Koch, versteht die korsische Küche so gut, dass einheimische Nachbarn schon nach den Rezepten fragen….
Wieder war es das Internet dass mir den Weg hierher weist; drei Tage bleibe ich nun hier, drei Tage “Urlaub” machen *freu*

(Bild: Meine Gastgeber vor iher Maison Borghetti, die auch Zimmerweise gebucht werden kann; interssante Lage, bestes Personal und alles ist einfach nur “KORSIKA”.)