Frankreich -Region Korsika- (09.11.2014)
Ufff, endlich angekommen.
Nach langem Anstieg, vorbei an bis zu 500 Jahre alten Kastanien, klaren Bachläufen und immer wieder halbwilden Schweinen in Sichtweite, sehe ich das verlassene Dorf Fiuminale, halb verfallen aber auch teils von traditionsbewussten Korsen gepflegt; drei Häuser wurden erst kürzlich renoviert, sowie die winzig kleine Kapelle. Weitere ca acht Gebäude, zerfallen -so alt wie die ältesten Bäume unten im Wald, segnen sie das zeitliche.
Bis ende der 70er Jahre lebte hier noch eine einzige, alte Frau, weiß mir Brian zu erzählen.
Von ihren Ziegen und den wenigen Früchten, sowie den Kastanien versorgte sie ihr karges aber so geliebtes Leben; manchmal ist die zierliche aber zähe Gestalt (Patrick zeigte mir ein altes Foto von ihr) hinunter den beschwerlichen Weg ins Dorf Talasani gekommen, besorgte sich dort Salz, Gewürze, Obst und weiteres, was sie oben nicht hatte, wollte aber nie den Einladungen der Bewohner nachkommen, doch über Nacht zu bleiben, in einem Gästebett zu nächtigen.
Mit ihren Esel stieg sie auch im hohen Alter noch in aller Finsterniss Abends den langen Pfad wieder hinauf, dem Pfad wo sie wohl jeden Baum, jeden Fels kennt. Im eigenen Bett, in ihrem Dorf wolle sie schlafen, sagte sie mal.
Doch eines Tages wurde die alte Dame krank.
Ihre Kinder, längst ausgewandert zum Festland nach Frankreich, nahmen sie zu sich in die große Stadt, wohl gegen ihren Willen, verstarb dort recht schnell und wurde auch dort beerdigt….
Gern würde ich mal nachts hier in Fiuminale verbringen, um ihre traurige Seele zu begegnen, umherschwirrend zwischen den ihr so vertrauten Mauern ihrer alten Häuser.
