Frankreich  -Region Korsika-  (08.11.2014)

Über Corté wo wir eine Pause machen reisen wir weiter gen Westen.
Corté liegt genau im Zentrum von Korsika, war sogar mal kurz Haupstadt der Insel. Heute leben mit 7000 Einwohner gerade mal ein Bruchteil so viel wie in Ajaccio, wenn auch Corté noch bis heute das Zentrum der Unabhängigkeits Bewegung der Korsen ist. Nicht so dramatisch wie in Spanien, gibt es auch in Frankreich Regionen mit dermaßen starker Identität, dass diese nach Unabhängigkeit von Paris streben.
Nur sind auf Korsika solche Energien heute sehr in den Hintergrund gerückt.
Corté verlassen wir wieder, und ich mit dem Gefühl hier eigentlich nicht weg zu wollen, einiges würde ich hier noch erkunden, und lediglich in einer Bar waren wir, um im Internet nach dem Rechten zu schauen; meine nächste Verabredung ist somit auch bestätigt: im Dorf Talasani, nur unweit in den ersten Berghängen vor der flachen Küste, laden mich Brian und Patrick -Einwanderer aus ganz anderen Ecken Europas- in ihrer Meson Borghetti ein, eine Art Ferienhaus was jetzt außerhalb der Saison freie Zimmer hat.

Doch so weit schaffe ich es heute nicht ganz. Claudio setzt mich in tiefster Dunkelheit kurz vor der Küste ab, dort suchen wir noch einen einigermaßen brauchbaren Platz fürs Zelt, finde eine zwar offene aber gute Stelle zwischen lichten Sträuchern, ca 30 m vom Straßenrand entfernt. Das muss reichen.

Mein Weg führt nach Norden, längs der Hauptstraße an der Küste.
Heute erwache ich im Sound der Lastwagen in meinem Zelt, habe gut geschlafen und bin aber mehr als bereit für nun völlig andere Tage, endlich mal in Gesellschaft und in einem echten Bett.

Schon um acht morgens stehe ich am Straßenrand, stehe lange da trampen ganz früh bekanntlich nie gut funktioniert; die Leute sind dann noch muffig und erst nach dem zweiten oder dritten Caffe steigt die Laune. Da werde ich selten mitgenommen.

Doch nach vier Stunden “on the road” schaffe ich es bis nach Moriani Plage, einem Touristendorf wo mich Brian abholen will.

(Bild: Hastig im Morgengrauen packte ich das Zelt zusammen; die Polizei gleich zum Tagestart wäre auch für mich nicht unbedingt schön. Doch ohne Zelt gehts dann immer, da kann mir keiner was und ich frühstücke, pflege mich usw…)

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Sagenhaft: Wieder und jetzt erst recht fahren Claudio und Erika mit mir durch die Mitte Korsikas. Ihr Ziel ist auch meines: Die Ostküste. Ein Treffer wie ihn nur der Himmel schiken kann…. unterwegs sehe ich sie dann aber nur eingeschränkt; nach wochenlangen Sonnenschein liegt der Monte Cinto, Korsikas höchster Berg, im Nebel.
Doch egal, weiter unten sind die Gipfel klar, und manchmal strahlt die Sonne durch das fette Gewölk, lässt einen der hohen Berge erstrahlen.

Unterwegs sprechen wir viel über alles; Claudio zeigt mir ladinische Musik aus seiner Heimat Südtirol… da war ich ja schon vor einigen Wochen. Erika kommt aus Nordtirol in Österreich, eine Gegend die ich erst viel später im Wanderleben aufgreife…. vielleicht sieht man sich ja dann mal wieder..

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

DIE RETTER VON EVISA: Claudio und Erika aus Österreich & Südtirol, unterwegs durch Korsika auf Kletterreise. Bergsteigend und im Auto schlafend finden sie mich völlig verloren hier am Straßenrand, halten an, wobei überhaupt kein Platz im Wagen ist…. doch was nicht passt, wird passend gemacht; geschoben, gedrückt und gewendet machen sich die Nischen frei die ich brauche.
Es darf doch nicht wahr sein…. es geht weiter nach satten 4 STUNDEN WARTEZEIT…. juhuuuuuuuuuu….

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Das ist typisch korsisch: Halbwilde Schweine die auf der ganzen Insel in großer Zahl umherlaufen. Natürlich auch hier bei mir in der Einöde heute.
Ich zähle mehr Schweine als Autos hier an der Straße kurz hinter Evisa.

Die Stunden vergehen und so allmählich mache ich mir ernsthaft Sorgen…. hier zu zelten wäre nicht unbedingt ein Erlebniss. Zumal können es die Tierchen kaum erwarten in der Nacht auf Besuch zu erkunden, was sich so alles bei mir finden lässt….

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Da stehe ich nun und bin froh wenn ich überhaupt mal den Daumen zeigen kann; unglaubliche 30 Minuten stehe ich hier ohne dass auch nur ein Auto vorbei kommt.
Mit leeren Vorräten, kalten 15 Grad und auf offensichtlich komplett verlorenen Posten kommt die ganze Sache momentan echt mies rüber. Hier gibt es nur ein Taxi, was man aus Porto bestellen muss und ungefähr ein Monatsgehalt kostet, egal wohin es fährt….
Somit bin ich jetzt so lange hier, bis irgendwann, ja irgendwann, irgendjemand mich mitnimmt.

Ich stehe, stehe, sitze und stehe…. die Schuhe, dauerfeucht und mit viel Papier ausgefüllt werden nur sehr langsam troken. Und hunger habe ich nun auch noch bekommen …….

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Das Kaff Evisa.
Eigentlich wirklich schön gelegen, etwas landeinwärts von Porto aber wegen der heftigen Berge dazwischen, tief irgendwo im Landesinnern.
Auffällig sind schon seit Ajaccio die vielen halbwilden Schweine. Die laufen wie in Indien die Kühe, einfach auf den Straßen herum, und sonstwo.
In Evisa, wo ich abgesetzt und somit einer noch einsameren Einöde ams noch in Porto überlassen werde, begegne ich gleich auf dem Weg zu  Ortsausgang einer Rotte Schweinen, die zerwühlten sogar mitten im Dorf eine Wiese, wie es unschwer zu erkennen ist.

Evisa hat nur eine recht einfache Bar, das macht mir Mut zum verweilen. Doch als ich hungrig nach einer Portion des einfachen Essens dort frage, malt mir der Wirt eine 15 auf ein Stück Pappe. Natürlich ohne Getränke…. ich verzweifele, und rätsele darüber, wie sich die drei alten, bärtigen Bauerntypen die hier deftig  speisen, sich das almes leisten können; die Löhne hier sind nicht wirklich die höchsten der Welt…. und zusammen mit zwei Getränken müsste ich jetzt almein für’s Mittagessen mindestens 22 Euro “herrausrücken”…..

Ich muss also fasten und nehme mir eine große Pulle Mineralwasser und eine Dose Cola aus dem Kühlschrank, frage erst garnicht, aber als der Bandit noch sechs Euro dafür verlangt, lache ich laut, winke ab und stampfe wütend von dannen……………………. das ist hier doch nur ein einfaches Dorf, was ist den hier nur los in diesem Land ??????????

Mein Gott, kch hab echt die Schnauze voll von diesen verdammten “Teuer Ländern” … Italien, Schweiz, UK, und Frankreich…. warum habe ich eigentlich das Wanderleben nicht in Afrika oder Asien oder irgendwo in den 80% der Welt angefangen wo einfach alles (oder das meiste) völlig billig ist?

Ich ziehe hoch, finde den Ortsausgang schnell und bruhige mich. Zeit dazu ist ja genug…. hier fährt nämlich keiner über die leeren Straßen. Ganze zwei Autos zähle ich in der ersten halben Stunde…. ba dann mal Prost Mahlzeit: Nix zu Essen im Gepäck und nun wirklich komplett lost im Nirgendwo ….

Bild: Das Dorf Evisa, idyllisch gelegen, tief in den korsischen Bergen, aber trotz seiner bäuerlich einfachen Art, verhungere ich hier, da für einfachstes Essen extrem viel Geld verlangt wird…)

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Da posiere ich gern, bei solch einem Panorama.
Die “D84” eine Hochgebirgs-Straße die sich in unendlich wirkenden Serpentinen recht hoch entlang der steilen Berge windet, führt quer durch das wilde Herz der Insel, wo ich heute noch hin will…
Korsika ist wirklich ein sehr spezielles Land, solche Abgründe und das alles auf einer Insel hat was für sich.
Kalt ist es zudem hier oben…. muss mich dick einpacken.

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Welch ein Feeling, es geht tatsächlich weiter in die gewünschte Richtung; bis nach Evisa, vielleicht nur 12 Kilometer weiter, aber ich brauche jetzt unbedingt das Gefühl einfach nur weiter zu kommen.
Und Gefühle gibt’s nun wirklich; auf dem Weg komme ich an unglaublichen Bergextremen vorbei; die schmale Provinzstraße, gerade mal vier Meter breit windet sich abenteuerlich entlang steilster Hänge.
Mindestens 500 Meter gehts manchmal hier ab, vielleicht sogar auch 1000 Meter….  mein Fahrer, ein lustiger junger Typ in meinem Alter spricht zwar kein Wort meiner Sprachen, doch wir verständigen uns irgendwie, er zeigt mir Musik seines Dorfes über schrabbelige Radio und erzählt dazu jede Menge Kauderwelsch auf Französisch, was ich kaum verstehe.
Trotz seiner Eile, hält er an und besteht schon fast auf Fotos die ich von seiner Heimatinsel machen soll.

Ich verstehe ich nur zu gut. Was für eine Aussicht hier oben….

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Selbst wenn ich es wollte, mit dem teuren Bussen käme ich hier nicht weg.
Es fährt nichts, kein Zug, kein Bus…. somit bleibt trampen die wirklich einzige Möglichkeit für mich, hier wieder weg zu kommen.
Doch auch das erweist sich nicht einfach; ganze fünf Autos zähle ich in einer halben Stunde.
Die Straße ins Landesinnere wählte ich einst bei der Schaffung meines Weltweges, vorbei an Korsikas höchste Berge bis zur anderen Seite, der Ostküste.
Doch die scheint hier erstmal Lichtjahre entfernt…. ich MUSS hier einfach so lange warten bis irgend jemand mich mitnimmt…

Nach anderthalb Stunden schaffe ich es ein Postauto zu stoppen. Mehr fährt hier oben eben nicht zu dieser Zeit. Ich komme weiter 🙂

(Bild: Hey, ein Auto?  Schnell den Daumen raus…….  )

Frankreich  -Region Korsika-  (07.11.2014)

Steinig ist der Strand von Porto, an Korsikas sehr steilen Westküste. Dort sind ohnehin Stände selten, und stellen eine gelegentliche Abwechselung zur üblichen Felsküste dar.
Hier wasche ich mich in den hohen Wellen an diesem Morgen, nachdem unglaubliche 18 Stunden im Zelt, davon ungefähr 11 schlafend (ich kann das) verbracht wurden.
Der Regen soll ausbleiben. Die Füße sind wieder einigermaßen normal. Gestern noch sahen die echt gruselig aus; so extrem verschrumpelt und mattweiß wie ich sie noch nie gesehen habe. Zwei Tage nasse Füße sind eben nicht von Pappe…
Ein Dilemma: Die nassen Schuhe troknen einfach nicht. Zwischen Außen und Innenzelt lagen sie gut geschützt vor jedem Wasser, aber nass bleiben sie permanent.
Ich fülle die noch feuchten Schuhe mit dem Papier der Bio-Einkauftasche aus, das hilft echt ungemein.