Italien  -Region Sardinien-  (19.11.2014)

Cagliari ist nicht zu vergleichen mit ähnlich großen Städten wie Florenz, Bologna oder gar Venedig. Kulturell beschränkt sich die Stadt im historischen auf ihrem alten Kern, hochgelegen auf einem Berg, dort finde ich eine Burgfestung, eher unscheinbar da leider Asphaltstraßen hier mitten durchführen, somit hat hier das Auto das sagen und vertreibt mich eher in Richtung Kathedrale, die im Gegensatz zu jener in Sassari von außen schlicht und einfach wirkt. Doch innen prunkt sie allemal alles wieder wett; im konzentrierten, ja intensiven Barock, gut dosiert da nicht zu überladen, freue ich mich wieder über ein wirklich gelungenes Konzept. Im Grunde gibt es ja eigentlich keine “nicht gelungene Kirche” aber ich fühle mich hier sofort wohl und unterhalten, bleibe ungefähr 25 min. und bin fast ganz allein. Cagliari hat besonders jetzt im November kaum mit Touristenstöme zu tun.
Wahrscheinlich liegt das auch an ihrer geringen, historischen Ausdehnung; die Stadt besteht zu 85% aus “Citta Nuova"  – Zweckbauten die billig die letzten 60 Jahre hochgezogen die vielen Massen aufnehmen sollen, die vom Land in die wild wachsende Insel-Haupstadt zogen.

Lediglich hier und da zeugen noch Römische Überreste von längst vergangenen Zeiten, so wie hier im Hafenviertel mit seinen Dönerbuden und Indischen Läden.

Italien  -Region Sardinien-  (19.11.2014)

Cagliari hat mit seinen 400.000 Einwohnern mehr Menschen als ganz Korsika und einen der größten Häfen Italiens. Von dort geht heut Abend auch mein Schiff nach Napoli, irgendwo dahinten im weitläufigen Hafengebiet…
Doch ich habe noch viel Zeit und nehme mir vor, viel, viel zu erlaufen; bis zum Strand, ganze fünf Kilometer abseits ziehe ich heute meine Runden.

Italien  -Region Sardinien-  (19.11.2014)

Hoch über Cagliari atme ich wieder einigermaßen durch, die Brust tut nicht mehr so weh, und ich bin fit für die Stadt…..
Ja, wir haben den 19. November bei 23 Grad, Sonne und mit viel Duft der Pinien in der Luft… wenn ich da jetzt ans heimatliche Dauergrau denke…..

Heute ist zudem auch mein letzter Tag auf der Insel; Sardinien, eine eigene Welt für sich, hier weit draußen auf dem Mittelmeer konnte ich etwas erkunden…. auch hier würde ich natürlich wieder länger bleiben, doch das Ticket nach NAPOLI (Neapel) ist schon in der Täsch; das Schiff legt heut Abend um sieben ab.

Italien  -Region Sardinien-  (18.11.2014)

Uuuufff, was war los?
Super verkatert wache ich in meinem Zelt auf, nach lediglich zwei Stunden Schlaf im Garten von Rainer… der nimmt mich heute morgen mit zu seinem Arbeitsplatz, rein zufällig ein Krankenhaus wo er als Handwerker schafft….
Jajajaj…. wilde, krampfhafte Schmerzen plagten meine Nachtruhe, unter dem rechten Rippenbogen dröhnt ein völlig überfordertes Organ: Die Leber, angeschwollen und auf irgendwelche Nerven drückend, macht (zurecht) ganz schön Ärger… zudem fühle ich mich matt und platt, einfach echt krank.

Im Ospidale allerdings finde ich eine hervorragende Versorgung vor; eine ganze Schar reizender Damen, inclusive  Frau Doktorin, in grünen Kitteln empfängt den armen Wandersmann nach ca anderthalb Stunden Wartezeit, bekomme eine Kanüle gelegt, Moralpredigten gehalten über Alkoholkonsum, und ab ins nächste Wartezimmer.

Zwei Stunden später: Schiefe Leberwerte,  ….war ja zu erwarten…  allerdings nicht so schlimm wie es sich anfühlt.  – ab in die Radiologie…

Wieder eine Std später streite ich mit dem Radiologen über mein Halskettchen, dass ich ununterbrochen seit vorletzten Sommer trage, als Andenken an die Hare Krishna Farm in Schottland, und das abmachen soll.
Ich gewinne die Debatte und ziehe wenig später ins nächste Wartezimmer.

Wieder anderthalb Stunden später dann der Befund: Leber zu fett. Die drückt auf umgebendes Gewebe und erzeugt Spannungsschmerz. Die Leber selbst kann nicht weh tun.

Therapie: Eine Infusion aus Paracetamol am Tropf. Dauer: 20 min…. aaaaber erst zwei Std (!) später “befreit” mich die muffige Schwester endlich von der Kanüle.

Dennoch, ich bin begeistert von der Qualität der Untersuchung(en) die entgegen der Deutschen Medienerstattung in Italien doch so schlecht sein soll….. keinesfalls richtig, da ich hier in diesem staatlichen Krankenhaus selbst völlig ohne Krankenversicherung behandelt werden würde.
Da sind die insgesamt ACHT STUNDEN (eine Std Behandlung, sieben Std Warten…) Aufenthalt in den Mühlen des Italienischen Gesundheitssystems lediglich als Schönheitsfehler zu deuten.
Wofür nehmen wir uns alles so viel Zeit…?
Auch wenns eben fürchterlich langweilig ist, sollte es die Gesundheit wert sein! EXTREME Geduld zahlt sich allerdings aus, mann muss die Kunst des  Wartens nur beherrschen.

Jetzt gehts mir einigermaßen besser, kann wieder schlafen und nehme mir vor nicht auf jedes feuchte Angebot meiner Gastgeber einzugehen; vob Stadt zu Stadt ist es nunmal auf diesem versoffenen Kontinent immer das selbe: Ich treffe Menschen die mich aufnehmen und bekomme promt erstmal Wein, Bier oder Schnaps…. (oder auch alles zusammen)

Auch am Zelt, da schalte ich mal gleich einige Gänge runter; die übliche Tüte voller Bierflaschen wiegt ohnehin schwer, – vom Gewicht zum tragen als auch gesundheitlich. Ein Bier ok, aber immer drei, vier ?

Ich trinke gern, auschließlich aus Genuss, nicht weil ich irgendwo “traurig” bin oder die Wirklichkeit mit Alkohol verzerren will (wie es viele tun) …aber in einem Land wie Italien ist es ein Teil der Kultur; die Leute saufen das dreifache täglich als es eigentlich gut wäre…. und es ist alles verdammt lecker !!!!

So, soviel dazu.

Italien  -Region Sardinien-  (16.11.2014)

Und jetzt geht’s wirklich deftig weiter; Sardisches Ferkel vom Spieß, dazu Kannenweise Rotwein vom Lande…..
Nachdem die “Würmernudeln” den Heißhunger dämpfen, speisen wir opulent fettiges und schwemmen wie von Sinnen den Wein in die Leiber….
Rainer ist ein unglaublicher Gastgeber, lädt mich zu all dem Schmaus ein…. ich esse, schlemme, schmause…. trinke wie die alten Römer den Rebsaft hinterher….. hebe die Arme in die Luft, danke den Göttern….
Danach noch natürlich was Süßes hinterher mit reichlich Amaretto und Zitronenlikör….. ich falle um….

Italien  -Region Sardinien-  (16.11.2014)

Und die Hirten sind es auch, die Sardiniens kurioseste Spezialität pflegen und schätzen: Den Casu Marzu, einem überreifen Ziegenkäse mit Maden…
Ja, wirklich mit lebendigen Fliegen-Maden, die den alten Käse zerfressen, ihn somit andauen (verdauen) und letztendlich im Rahmen seiner härteren Umrandung, eine cremige Konsistenz in der Mitte bilden; einen scharf-kräftigen Käse (oder was davon übrig bleibt) der mit den Würmern zusammen und sardischen Fladenbrot gegessen wird.
Selbstverständlich hat die Regulierungswut der EU in Brüssel schon längst auch hier eingegriffen; nur unter der Ladentheke gibt es ihn hier noch, oder eben draußen bei den Hirten selbst. Der Casu Marzu, wohl über ein Jahrtausend gemocht -oder eben nicht, wurde schlicht verboten.

Zudem ist es jetzt im November auch kaum möglich einen solchen zu finden; Rainer, von mir beauftragt zu recherchieren wo ich einen herbekomme, findet momentan auch keinen Hinweis.
Zu gern hätte ich das mal live erlebt, ob ich ihn auch probiert hätte, weiß ich ehrlich gesagt nicht wirklich….

Doch die “Madeninsel” gibt zumindest rein optisch noch ein Andenken an ihrem Casu Marzu her; mit den “Malloreddus” (den Würmer-Nudeln) habe ich zumindest ein bischen Casu Marzu Gefühle bekommen…. auch wenn diese reine Nudeln sind die nur wie Würmer aussehen, also liebe Mama in der Heimat, keine Angst…. die sind nicht echt!

Italien  -Region Sardinien- (16.11.2014)

Und ab geht die Post wieder: Ichnusa, DAS Bier auf Sardinien als Aperitif in rauen Mengen; leicht und bekömmlich, aber nach anderthalb Litern pro Nase kommt schonmal gut Stimmung auf.
Wir sind in der Kneipe “il Frutteto” , umgeben von Orangenbäumen hier draußen ländlich vor der Stadt Cagliari gelegen, das tägliche Stammlokal von Rainer, der hier im perfekten Sardisch mit jedem Hirten zu plaudern weiß, selbstverständlich immer mit einem Mirto!
Jaja, die Hirten, immernoch und schon seit Jahrtausenden die eigentlichen Urväter der Insel; während Korsika noch die “Kastanieninsel” war, würde auf Sardinien der Begriff “Hirteninsel” perfekt passen.
Mit angeblich mehr Schafen und Ziegen als Menschen, besitzt Sardinien mit seinen weiten Weidegründen eine der urtümlichsten und authentischsten Hirtenkulturen Europas.

Italien  -Region Sardinien-  (16.11.2014)

Da kommen wir der Sache schon näher: Die “heiligen Myrten”, der Stoff aus dem Sardische (Rausch)träume sind. Aus den Myrtenbeeren, die Massenhaft in der Macchia gedeihen, wird nämlich der Mirto hergestellt, ein starker Likör dem auch mein lieber Rainer hoffnungslos verfallen ist…   überall in den Bars und auf den reich gedeckten Tischen Sardiniens, fand ich sie; Pinnchen oder Gläser mit eiskalten Mirto.
Den ähnlich dem deutschen Jägermeister (Kräuterlikör) schmeckenden Mirto fröhne ich naturgemäß weniger, da Hochprozentiges mir schnell die Latschen von den Füßen haut.
Rainer hat schonwieder Appetit, allein beim Anblick der Beeren bekommen…. doch wir ziehen weiter durch die bergige Landschaft und zeigt mir sein Land…

Italien  -Region Sardinien-  (16.11.2014)

Überall zu sehen, die Korkeichen mit ihren oft blank geschälten Unterstämmen. Die dicke, weiche Rinde erreicht oft eine Stärke von über 10 cm, soll als eine Art Branntschutz wirken. Da gewinnen sich auch die Weinkorken her, wovon wohl auch genug gebraucht werden. Der Weinkonsum auf der Insel, sowohl in ganz Italien ist immens; noch hänge ich locker und leicht in den Ästen…. habe soeben meinen letzten Kater einigermaßen verdaut…. doch gleich ist Mittag…da bahnt sich wieder Schwerstarbeit für die Leber an…. so wie es sich offensichtlich auf Sardinien gehört…

Italien -Region Sardinien-  (16.11.2014)

Wieder erlebe ich mit meinem hisigen Gastgeber Rainer eine tolle Zeit; verbringen das Wochenende vielfältig, z.B. hier in der Macchia, dem mediterranen Buschland, welches nahezu die halbe Insel in ihrer weiten Größe überzieht.
Weit drinnen, in tiefen Süden Sardiniens, finden wir noch diese Vorchristliche Grabanlage, noch aus Zeiten wo die alten Sarden an Feen und Geister glaubten. Vor 3400 Jahren soll diese Grabanlage erbaut worden sein, sogar hineinkrabbeln kann ich hier in den Schacht, würde hier gern mal übernachten ….