Italien -Region Sizilien-  (04.12.2014)

250 Meter Anstieg auf Lavasteinpfaden, mal ohne die fette Tasche (die konnte ich im Fähr-Tiket Büro unten in Stromboli-Dorf lassen) geht die Sache echt schnell und einfach. Habe ganz schön Kondition gewonnen durch die ständige schlepperei 🙂

Stromboli ist eigentlich ein rechg steiler Berg der sich wie eine Pyramide vom Horizont des Meeres abhebt, 926 Meter aufragt und sogar 3000 Meter vom Meeresgrund.
Wenn die Vulkanaktivität mal ruhiger ist, kann der Pfad bis über den Krater gehen, bis hinunter zur anderen Bergseite.
Ständig aber raucht es da oben, und ich schaue ständig dorthin weil es so unglaublich ist….

Italien -Region Sizilien-  (04.12.2014)

Und da ist sie: Die Sciara del Fuoco (Feuerrutsche) wo noch im letzten Sommer ordentlich Lava abgegangen sei  soll. Jede Woche, ja fast täglich geht hier viele hundert Meter steil was hinab; Stromboli ist einer der aktivsten Vulkane der Welt, jedoch nicht so gewaltig, eher “zurückhaltend” fliegt  mal die eine oder andere Lavabombe in Richtung Dorf am Fuße des Berges.

Dennoch, sich da unten an der Küste sich aufhalten, kann wirklich gefährlich werden….  zum Glück bleibe ich ja nicht lang auf der Insel, so eine Inselumrundung, auch da ganz unten entlang, würde mir schon gefallen ….

Italien  -Region Sizilien-  (04.12.2014)

Von Reggio nahm ich die Fähre für 3,50€ nach Messina auf der anderen Seite, verließ die große Stadt aber schnell wieder da ich hier weder Gastgeber noch Hostel finde, und ich zufällig einen Bus mit der Aufschrift: “Millazzo” sah.
Milazzo, eine Kleinstadt mit wichtigem Fährhafen zu den Liparischen Inseln, erreiche ich natürlich mal wieder kurz vorm dunkelwerden; schnell hetzte ich aus dem langgezogenen Ort die Halbinsel hinauf an der sich die ansich schöne Stadt anschmiegt, finde in einem Garten direkt am Meer dann einen diskreten Zeltplatz. Der viele Rost am Eigangstor vermittelte etwas Sicherheit, dass hier selten jemand ist. Erst recht jetzt im Dezember.

Zum Morgengrauen mache ich mich dann schnell auf, baue – was ich ungern tue – das Nachtlager in völliger Finsterniss ab, und ziehe die zwei Kilometer zum Hafen: 22 Euro werden fällig, ganz anders als noch gestern mir erzählt wurde. Tja, in Italien wechseln Warheitsgehalte mancher Informationen recht fix; für 16 € könne ich die 60 km Überfahrt zur Vulkaninsel Stromboli bekommen….. hieß es …

Drei Stunden durch alle Häfen der vorgelagerten Inseln dauert die Tour; Vulcano (der Name sagt schon alles) Lipari (mit der gleichnamigen Haupstadt drauf) Salina, Panarea und letztlich ganz weit draußen: Stromboli.

Leider fühlt sich die ganze Nummer eher wie ein Gütertransport an, superschnell jagt, ja fliegt die Fähre über die tiefblauen Wogen des sehr tiefen Meeres, kaum was zu sehen durch die vom Salzwasser getrübten Plexiglasfenster.
Irhendwann steige ich aus und bin auf Stromboli….

(Bild: ohne tonnenschweren Rucksack dann erstmal auf Erkundungstour zum Rand des Dorfes auf Stromboli, auf dem Weg zur “Feuerrutsche”….)

Italien  -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

DA WILL ICH HIN ….

Auf die andere Seite, nach SIZILIEN.

Von Reggio fahren ständig Fähren rüber. Sizilien, ein alter Traum meiner Jugend erfüllt sich somit bald… doch mit Kalabrien bin ich noch lang nicht fertig; hier kehre ich zum März nächsten Jahres wieder zurück, erkunde die andere Seite Süd Kalabriens auf dem Weg zur Basilikata, und vor allem die spannende Küche dieser Region.
Doch dazu später mehr, Sizilien ruft jetzt, Gastgeber dort warten auf mich (oder nicht…?) und Georg kommt am 20.12. machen dann wieder zusammen “Urlaub” zwischen Trapani und Palermo, uuuuuund dann nimmt er mich mit : Heimaturlaub bis März bei Freund und Familie….  dann fliege ich wieder zurück nach Trapani …. ziehe weiter auf den Pfaden meines Weltweges …..

Italien  -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

Eine Besonderheit für Reggio dürften wohl diese Rolltreppen sein, von der Fussgängerzone quer zu den Seitenstraßen. Reggio steigt mit jeder Straße landeinwärts an und irgendein Mafia-Stadtrat wollte sich wohl mit diesem Projekt verewigen….

Dennoch sehe ich deutlich die Bemühungen, Reggio zu modernisieren, zu verschönern; der gesamte Corso Giribaldi wird aufgerissen, die alten, eigentlich schönen Marmorplatten, mit einem eher nach Krankenhausflur, steril aussehenden Marmor Imitat, gradlinig und “zeitgemäß” ersetzt.

Seit 2012 läuft vieles in Reggio anders, als der gesamte Stadtrat vom Römischen Innenministerium entmachtet wurde, weil die mafiöse Versumpfung dermaßen extreme Züge nahm, und nun ein Neustart im Gange ist.

Italien  -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

Zwei Kilometer zieht sich der Corso Giribaldi mit seinen vielen Geschäften durch die große Stadt. Mir tun die Latschen weh vom langen Tag, doch der Abend gehört heute mal mir. Endlich kann ich mal nach dem Dunkelwerden draußen sein… sowas gab es zuletzt wohl noch als ich fünf war…

Italien  -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

Mit einer hölzernen Balken-Dachkonstruktion unterscheidet sich der ansonsten einfache Bau der Kathedrale von Reggio deutlich von anderen Kirchen.

Hier kommen sie aber dann auch alle hin, die “ehrenwerten” Paten der Ndrangheta, schön ihre Beichten verrichten und dann wieder hinaus nach Gomorra ….

Italien -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

Somit “kaufe” ich mir heute auch einen ganzen Abend, den ich ansonsten ja nie habe, wenn das Zelt spätestens um halb fünf stehen muss.
In Reggio laufe ich trotz immernoch und wieder schmerzenden Fußes durch die Stadt um diese anzusehen; 1908 komplett von einem Erdbeben zerstört, wurde die gesamte Stadt im modernistischen Schachbrettprinzip wieder aufgebaut. Somit wirkt Reggio eher wie eine amerikanische Stadt mit seinen rechtwinkeligen Straßen, mit kaum historischer Baussubstanz.
Dem großen Beben von Messina 1908, wo 15.000 Menschen starben, ging das große Beben von 1783 zuvor, mit 30.000 Toten.
Allerdings und komischerweise zogen die Kalabresen wenig Lehren aus der Sache; alles andere als Erdbebensicher, was technisch nur unwesentlich aufwändiger wäre, sind die billig und einfach erbauten Hochhäuser in denen die 185.000 Einwohner der Stadt heute leben.
Die Region an der Meerenge von Messina (Messina ist eine Großstadt auf der anderen, sizilianischen Seite) ist seismisch aktiv und ein neues Beben würde wohl alle Katastrophen übertreffen….

Mit zwei Millionen Einwohnern ist Kalabrien zwar weniger dicht bewohnt, lässt aber wegen der unverhältnissmäßigen Zersiedlung den Eindruck entstehen, dass hier doppelt so viele leben, was an den vielen leeren Häusern liegt, die als zweit, dritt oder viert-Wohnung ein traditioneller Bestandteil des tiefen Südens darstellt. Zudem verschandeln die schönste Küste Italiens Unmengen an schäbigen Betonarpatments für Feriengäste. Ein Land zugebaut und frei von jeglichem Schutz davor….

(Bild: Die Basilika und Kathedrale von Reggio, ebenfalls wieder aufgebaut vor 106 Jahren nach dem Beben,  – im neoromanischem Stil.)

Italien  -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

Hmmm, da sitze ich nun auf einem weichen Bett für 40 Euro in Reggio. Wieder von einem Gastgeber versetzt scheine ich allmählich zu begreifen wie verlogen die Mentalität hier unten im tiefen Süden ist…. – fröhlich Einladungen schreiben und dann sich nie mehr melden…. sowas erlebte ich seit Napoli schon öfter. Komisch, echt komisch.

Italien  -Region Kalabrien- (02.12.2014)

Doch der Zug kommt, ich glaub es kaum.
Überfüllt und stikig, ich drücke mich auf einen der letzten freien Plätze neben einigen dicken Zigeunern.
Draußen hinter den trüben Fenstern, die wohl noch nie einen Putzlappen gesehen haben, zieht das sonnige Kalabrien vorbei, laut krachen die Gleisen während de vielen Tunnel, die Fenster sind teils offen.
Rosarno sehe ich, ein eher unschöner Ort der noch vor kurzem in die Schlagzeilen kam, weil Jugendliche mit Gewehren tötliche Jagd auf die vielen Schwarzafrikaner machten, Jungs deren Väter zur Ndrangheta gehören und der Ort von heftigen Rassen-Kravallen erschüttert wurde.
Dann Gioia Tauro, Italiens größter Containerhafen, völlig im Besitz der Mafia und deshalb Hauptumschlagplatz für harte Drogen; 80% des kolumbianischen Kokains, kommen hier ohne weiteres nach Europa. Jeder weiß es, doch der italienische Staat scheint offenbar machtlos zu sein….

Nach langer Fahrt, 100 km von Tropea weiter südlich, erreiche ich endlich Reggio di Calabria, Kalabriens größte Stadt an der Meerenge von Messina, wo ich zum ersten male Sizilien sehe, fast zum greifen nah auf der anderen Seite…

Reggio wirkt eher wie eine Stadt in Marokko oder der Türkei; einfachste, mehrstöckige Wohngebäude zweckmäßig und billig hochgezogen in den 60er und 70er Jahre, nichts altes, historisches fällt auf.

Auch am Bahnhof, nur Autos überall Asphalt, schräge Bordsteine und die Piazza Giribaldi, der davorliegende, kleine Park, ein Treffpunkt für Säufer und komische Gestalten…
Hier kehre ich schnell in einer der quirligen Bars ein, finde zum Glück WiFi und kann es wieder nicht fassen welch ein Mentalitätswechsel in Italien von Nord nach Süd herrscht: Der Gastgeber für Reggio hat immer noch nicht geschrieben, seine Adresse rausgrückt…. unglaublich, schon der dritte Fall in Serie wo Absprachen sich in Luft auflösen.
Sowas gab es im Norden nie….
Also stehe ich in Reggio auf der Straße, schaue mich um und überlege vielleicht längs des Strandes aus der Stadt zu ziehen. Mache ich nicht, besinne mich der 50 € Spende meiner Familie und mache es jetzt einfach: Ich suche ein Hotel.

Für 40 Euro, eigentlich für mich tabu, beziehe ich ein großes Zimmer im abseits gelegenen Siro-Hotel, schummerig in einer Seitengasse gelegen, inmitten gesichtsloser Zweckbauten an löcherigen Straßen.
Ein Hauptgrund ist tatsächlich mein Tablet-PC, der braucht eine ganze Nacht zum Aufladen und ist fast völlig leer…. 
Irgendwie schon sehr seltsam; ich vermisse eigentlich weder Bett noch Dusche, bin gut ausgeschlafen und sauber, bade ja immer im Meer. Doch wie mächtig  ist mittlerweile diese “digitale Krake” welche mich offensichtlich fest in ihren Fängen hält.
Ok, ist mein Apparat leer, gibt’s keine Fotos mehr, kein Internet für’s Couchsurfen, (was ich immernoch nicht aufgeben will) und das wichtigste: Der Kontakt zu meinem Freund Georg und Familie via Scype.

Außerdem brauche ich auch jede Menge Zeit um hier zu schreiben, was ich ja so gern mache 🙂