Italien  -Region Sizilien-  (06.12.2014)

Messina ist die drittgrößte Stadt Siziliens deren 241.000 Bewohner offensichtlich so beengt leben, dass es wirklich unmöglich war hier jemanden zu finden der mich aufnimmt.
Wie in allen Großstädten Italiens ist es besonders für Autofahrer der reinste Horror hier einen Platz zu finden, ein Ding der Unmöglichkeit wie das Bild von einer ganz normalen Wohnstraße in Messina zeigt.

Messina hat zusammen mit Reggio di Calabria eine schwere Geschichte; 2008 verwüstete das große Beben von Messina beide Städte vollständig; 60.000 Todesopfer gab es allein hier in Messina, doch wie auch drüben auf der anderen Seite der Meerenge, in Reggio, wurde kaum irgendwie Erdbebensicher gebaut. Die ganze Stadt besteht wie überall, aus billigster Bausubstanz. Ein erneutes Erdbeben würde somit vielleicht noch schlimmer ausfallen.

Doch so lebt man hier; heute ist heute und morgen ist morgen…. Verabredungen hält man wie Lust und Laune liegt, an sowas wie Erbeben denkt man heute erst recht nicht.

Italien  -Region Sizilien-  (06.12.2014)

Ein Zimmer in Messina !!!

Das geht hier nun nicht mehr anders; ich verließ Milazzo mit dem Bus um die Reiseroute durch Sizilien fortzusetzen: Messina, Taormina, Catania, Enna und Palermo sind die nächsten Ziele, doch als ich hier in Messina ein WiFi finde, bei Couchsurfing aber nur gähnende Leere feststelle, steht fest: Entweder ich zahle, oder muss die Großstadt Messina auslassen…. letzteres wäre ein totalversagen, und somit suche ich aufwändig das billigste Zimmer der Stadt, finde direkt an der zentralen Piazza Cairoli, dem Zentrum Messinas, eine Absteige für 40 Euro…. ich bettele fast schon wie ein Zigeuner in der Fußgängerzone…. schaffe es den Preis auf 30 zu drücken.

Komisch: Offensichtlich scheint Süditalien (neben England) das schwierigste Gebiet zu sein was Kontakte zu Einheimischen betrifft, was mich echt überrascht, da es ja immer hieß “ Süditalien sie im Gegensatz zum Norden soooooo freundlich, soooooo offen” ….. mitnichten, seit Napoli wo ich es einmal auf Silvios Couch schaffte, hat sich bisher keiner für mich interessiert…. ganze 45 Anfragen bei www.Couchsurfing.com wurden noch nicht einmal beantwortet. Acht weitere Anfragen endeten bisher als Absage; “keine Zeit, keine Zeit” … oder eben als Luftlöcher, den leeren Zusagen um mich am Stichtag zu versetzen…. welch eine schlimme Mentalität hier….

Allerdings bleibe ich drann: Für den 09. habe ich von Giuseppe in Catania eine recht zuverlässig aussehende Einladung. Wir schreiben uns kurz alle paar Tage mal, und er sicherte deutlich zu in Catania mich aufzunehmen…. ich bin sehr gespannt!

Italien  -Region Sizilien-   (05.12.2014)

Der Regen draußen wird heftiger, das Schiff scbwankt auch immer mehr.
Doch irgendwann sind die grellen Lichter des Hafens von Milazzo zu sehen, die wirren Lichter dieser großen Raffinerie dort die wie eine Kirmes von weitem aussieht.
Rabenschwarz ist aber die Nacht und zum Glück regnet es jetzt mal nicht, ich laufe in die Straßen Milazzos umher, flirte mit dem Gedanken hier einfach ein Zimmer zu nehmen, finde ein Hotel und flüchte anschließend vor den 65 Euro Zimmerpreis…. gehe in eine Bar, die hier so zahlreich sind, spreche irgendwelche Leute an ob jemand einen Platz für mein Zelt wüsste, oder irgendwas für mich hätte, eine Garage, einen Flur, eine Gartenlaube, was weiß ich…. doch wie so oft hier in Süditalien, die Leute sind unnahbar, recht uninteresiert mir zu helfen….
Draußen plästert es mal wieder heftig, der Wirt fordert mich auf mal was zu bestellen…. ich stürze in ein Loch, fühle es zumindest so.
Die alten, löcherigen Schuhe schützen kaum noch vor Nässe, schnell sind die Füße wieder eiskalt und nass. Eine Zeitung konnte ich noch klauen und stopfe Papier hinein, das lindert wirklich gut.

Instinktiv laufe ich zum Strand, der Wind bläst aber wirklich heftig….. soll ich denn jetzt doch für 65 Euro ins Hotel?
Was machen jetzt?
In tiefer Finsterniss das Zelt bei Sturm am offenen Strand aufbauen?

Ratlos stapfe ich durch den groben Sand, das schwarzdunkle Meer tobt. Ich laufe wie ferngesteuert in eine schmutzige Halle, die offensichtlich leersteht, finde eine saubere Stelle auf dem Beton und freue mich über dieses Glück; laut prasselt der Regen auf das Wellblech über mir. Alles hier ist trocken, nur dahinten plätschert laut das Nass vom Dach auf den Müllbedeckten Beton….

Ich baue das Nachtlager auf, jeder Handgriff sitzt auch bei absoluter Dunkelheit – glaube ich….

Mein Gott, geschafft, diese Nacht ist sicher ….

Italien  -Region Sizilien-  (05.12.2014)

Auch Salina fährt das Schiff an, einer der sieben Inseln, und mir bleibt viel Zeit auf Deck die Sicht zu bewundern. Zwischendurch rauschen dicke Regensturmfronten über’s Meer. Kurz danach aber belohnt eine so klare und farbenfrohe Sicht so wie hier auf Salina.

Leider ist es schonwieder 16:15 Uhr, und die schwarze Nacht bedeckt jedes farbenfrohe Licht….  ein Fluch um diese Zeit.

Diese ständige Dunkelheit, zum verzweifeln….

Italien  -Region Sizilien-  (05.12.2014)

Auf der Fähre habe ich wenigstens noch die Chance meine nasse Hose und vor allem die Schuhe etwas zu trocknen. Zeit dafür ist genug, die Überfahrt nach Milazzo dauert über vier Stunden, da alle anderen fünf Inseln des Archipels angesteuert werden.
Sogar richtig friedlich ist es geworden, die Sonne strahlt noch golden über den Horizont, das Meer ist noch ruhig….
Wechselhaft und schnell geht es hier zu im Süden, doch ich kann es mir leider nicht leisten, tagelang auf einer der teuren Inseln zu verharren….

Die Liparischen Inseln sind allesamt völlig vulkanischen Ursprungs, sieben an der Zahl gibt es gleich nördlich von 20 bis 80 km vor Siziliens Küste.
Die wenigen Einwohner der seit mindestens 4000 Jahren bewohnten Inseln, fühlen sich zwar schon in ihrer Identität “Lipari” ,sind aber auch Sizilianer, was als Region gleich mehrere kleine Inseln um das große Sizilien zusammenfasst.
Ein tolles, sehr eindrückliches Ziel auf meinem Weltweg.

(Bild: Oft am Tag versorgen die Fähren die Inseln vor Sizilien. Panarea – gleich hinter dem Boot zu sehen, musste ich ja fluchtartig verlassen, daneben links, erhebt sich in der Ferne, wei eine Pyramide, Stromboli.)

Italien  -Region Sizilien-  (05.12.2014)

Doch kaum auf Panarea angekommen, bahnt sich plötzlich eine Katastrophe an; fast schwarze, Kilometer hohe Wolken entladen sich in einem für mich noch nie gesehender Wucht; ich renne noch aus der Fähre, suche ein Unterstellplatz, werde von einer Windböhe erfasst und stürze in den Dreck… Hose und Schuhe sind total nass, und zum Glück aber sehe ich eine Überdachung, flüchte dorthin zwischen Tischen und Stühlen.
Bei einer weiteren, unglaublich starken wenn auch kurzen Windböhe, fliegt alles hier umher, ich helfe noch dem Barmann dabei die Plastikstühle und Tische einzusammeln, damit sie nicht ganz ins nahe Meer verschwinden.

Uuufff, klatschnass stehe ich da nun dicht an der Wand, die Gullys laufen stark über, die Straße wird zu einem reißenden Fluss braunen Wassers, und die Treppen hier im Dorf San Pietro gleichen Wasserfällen…. au Backe, sowas hatte ich nur einmal in Indien erlebt, damals vor 15 Jahren….

Nach zwei Stunden, meine Latschen sind Eiskalt durchnässt, lässt das Unwetter nach. Ich erkunde mich im Dorf nach den Wetteraussichten. Die sind ganz böse; über die Tage soll es immer wieder so weitergehen…. und das noch ruhige Meer soll schon heut Nacht gewaltig toben… so dass auf unabsehbarer Zeit auch keine Schiffe mehr fahren.
Ups, da muss ich aber schnell weg hier…. leider.

Die nächste Fähre kommt schon viel früher, wegen der Unwetterwarnung und ich steige schnell zu, ab nach Milazzo zurück in Sizilien….

(Bild: Im Dorf San Pietro auf der kleinen Insel Panarea sind Straßen und Treppen kaum noch zu erkennen, reißende Fluten, braun vom Schlamm des Berges strömen ins Hafenbecken.)

Italien -Region Sizilien-  (05.12.2014)

Nach einem einzigen Tag verlasse ich die überschaubare Insel Stromboli ungern wieder. Zeit habe ich zwar genug, aber eben kein Geld; der kleine Laden im Dorf hat kaum Auswahl, da die Italiener kaum fertige Sachen kaufen, sondern immer selbst alles zubereiten, recht aufwändig kochen was ich ja nicht kann.
Deshalb esse ich mal wieder einzig und allein einfaches Brot mit kalter Tomatensoße aus dem Glas, dazu möglichst Obst und einfachen Rotwein.
Dramatisierend hinzu kommt noch, dass alles entsetzlich teuer kommt; fast 10 Euro latze ich für so ein spärliches Abendessen…..
Da versteht sich von selbst dass die wenigen Esslokale, geschweige das eine Restaurant im Ort völlige Tabuzone ist; hier kostet allein schon der Teller Spagetti 12,50 €  –  die eigentliche Hauptspeise (Secondi Piatti) nochmal 15 €. Eine Cola dazu für 3,50 € – und eigentlich müssten es zwei sein… also mal eben schlappe 30 Penunsen für lediglich ein Mittagessen ODER zu Abend….
Ich wiederhole mich wenn ich erzähle, dass ich aufgrund meines ohnehin sehr schweren Gepäcks, kaum noch großartig Lebensmittel mitschleppen kann, so bin ich halt immer auf die örtlichen Versorgungsmöglichkeiten angewiesen, was hier im hochpreisigen Europa oft eine schwierige Sache ist.

Dennoch, ich greife wieder ganz tief in die nicht üppig gefüllte Tasche, besorge mir nochmal den gleichen, geschmacklosen Kram für Unmengen Geld, und gehe auf’s Boot zur kleineneren Nachbarinsel Panarea. Dort gibt es offenkundig noch weniger Versorgung, aber dafür viel Natur und Abgeschiedenheit. Das suche ich jetzt….

(Bild: Wieder übers Meer hinweg, wobei ich noch so gern einen weiteren Tag auf Stromboli geblieben wäre..)

Italien  -Region Sizilien-  (05.12.2014)

Ja, was wäre ich nur ohne meine “Villa Wanderleben”?

Mobil, alles in Sack und Pack auf dem Rücken, wenn auch so schwer, kann ich überall die Nacht verbringen. So wie hier an dem einsamen Strand auf Stromboli.
Nur in großen Städten muss sich irgend ein Gastgeber finden, da dort das schlimmste Raubtier ansonsten den Campingfrieden im Park bedroht: Der Mensch, entweder als Polizist (Zelten jenseits spießiger Campingplätze ist verboten, -schließlich soll man ja Geld zahlen, …für alles was uns ausmacht) oder Junkis greifen mich an…. rauben mich aus… 

Nicht aber hier draußen.

Somit nochmal eine Homage an mein trautes Heim, wo ich nahezu und mittlerweile fast jede Nacht verbringe.

Italien -Region Sizilien-  (05.12.2014)

Aufwachen im Paradies; ca einen Kilometer abseits von Stromboli-Dorf finde ich nach langem, anstrengenden Klettergang entlang der Felsenküste diesen ca 300 Meter langen, einsamen Strand.
300 Meter Stromboli nur allein für mich…. das kann hier nun wirklich kein Hotel bieten, oder?

Auch wenn im Dorf alles extrem teuer war, ich zu Luxuspreise einfaches Brot, Aufschnitt und etwas Wein kaufen musste, lohnt sich das allemal. Selbst baden kann ich im kristallklaren Wasser, bei 20 Grad klappt das ja.  – Nur, unheimlich ist es schon; 10 Meter raus, sehe ich unter mir nur blauschwarze Tiefen…. bis zu 1500 Meter geht’s hier hinunter, setzt sich praktisch der Berg fort in die Tiefsee….
Ich denke dann an sowas wie Monsterkraken und riesige Augen die unter mir starren…..   schnell wieder zurück ans Land … *strampel*