Italien -Region Kalabrien- (02.12.2014)
Somit “kaufe” ich mir heute auch einen ganzen Abend, den ich ansonsten ja nie habe, wenn das Zelt spätestens um halb fünf stehen muss.
In Reggio laufe ich trotz immernoch und wieder schmerzenden Fußes durch die Stadt um diese anzusehen; 1908 komplett von einem Erdbeben zerstört, wurde die gesamte Stadt im modernistischen Schachbrettprinzip wieder aufgebaut. Somit wirkt Reggio eher wie eine amerikanische Stadt mit seinen rechtwinkeligen Straßen, mit kaum historischer Baussubstanz.
Dem großen Beben von Messina 1908, wo 15.000 Menschen starben, ging das große Beben von 1783 zuvor, mit 30.000 Toten.
Allerdings und komischerweise zogen die Kalabresen wenig Lehren aus der Sache; alles andere als Erdbebensicher, was technisch nur unwesentlich aufwändiger wäre, sind die billig und einfach erbauten Hochhäuser in denen die 185.000 Einwohner der Stadt heute leben.
Die Region an der Meerenge von Messina (Messina ist eine Großstadt auf der anderen, sizilianischen Seite) ist seismisch aktiv und ein neues Beben würde wohl alle Katastrophen übertreffen….
Mit zwei Millionen Einwohnern ist Kalabrien zwar weniger dicht bewohnt, lässt aber wegen der unverhältnissmäßigen Zersiedlung den Eindruck entstehen, dass hier doppelt so viele leben, was an den vielen leeren Häusern liegt, die als zweit, dritt oder viert-Wohnung ein traditioneller Bestandteil des tiefen Südens darstellt. Zudem verschandeln die schönste Küste Italiens Unmengen an schäbigen Betonarpatments für Feriengäste. Ein Land zugebaut und frei von jeglichem Schutz davor….
(Bild: Die Basilika und Kathedrale von Reggio, ebenfalls wieder aufgebaut vor 106 Jahren nach dem Beben, – im neoromanischem Stil.)
