Italien  -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

Noch einen Drink in der Bar genommen; hier in Tropea kann man es aushalten, lang warte ich auf irgendeinen Zug der mich nach Reggio bringen soll, 100 km weiter bis zum äußersten Zipfel des Festlandes…. doch es kommt nix, kein Zug, kein Bus…..

Zwischendurch versuche ich zu trampen, male mir auf ein Stück Pappe “Rosarno”, die  nächstgrößte Stadt mit Anschluss an Reggio; eine Stunde halte ich vergebens den Daumen die 500 Autos entgegen bis ich aufgebe. In anderthalb Stunden soll ja wider ein Zug gen Süden kommen (!?)

(Bild: Calo erzählt mir Geschichten während ich auf Züge warte die nicht kommen…. ich bin in Süd-Italien, da muss man zwar nicht so viel Geld haben, aber ZEIT….. jede Menge Zeit……)

Italien  -Region Kalabrien-  (02.12.2014)

Lustig:  Pflasterausgleich auf Kalabrisch: Zement drauf und Ritzen machen, so ähnlich wie drumherum. Fertig.
Nicht bei irgendeinem Schlendrian privat, sondern bei der Italienischen Staatsbahn auf dem Bahnsteig. Hier verbringe ich heute nähmlich genug Zeit um solch Wertarbeit zu bewundern; ganz ähnlich laufen hier auch die Informationen; Fahrpläne wiedersprechen krass den Aussagen der Leute…. fünf Stunden hänge ich hier umher, tingel zwischen Bahnhof und Stadtzentrum von Tropea und komme nicht weg…. ich könnte jetzt erzääääääählen, aber ich lass es einfach.

Italien -Region Kalabrien-  (01.12.2014)

Außerhalb der Saison gehört Tropea ganz den Kalabresen, wobei auch in den schlimmen Monaten des Jahres hier das Klima wunderbar ist.

Kalabrien ist schon was Besonderes; keine Region Italiens ist dermaßen mafiös bekannt als diese. Mit ihrer Ndrangheta hat es Kalabrien weltweit zur traurigen Berühmtheit gebracht.
Ich hatte ja schon in Napoli von der Kampanischen Camorra berichtet, doch hier kommt alles nur noch viel dicker: Mit 7000 Mitgliedern in Kalabrien und 30.000  Personen in 30 Ländern, die in den Machenschaften verstrikt sind, gehört die Ndrangheta zu einem der größten Konzerne Italiens; mit über 53 Mrd € Umsatz, natürlich komplett Steuerfrei, macht sie fast 3 % des Italienischen Bruttoinlandsprodukts her….
70% aller Kalabrischen Unternehmen, ob vom Gemüsehändler bis zum Fabrikbetreiber, zahlen eine “Steuer” an die Mafia, 30% aller kalabrischen Unternehmen stehen direkt unter iherer Fittiche. So schlimm ist es in Kampanien wohl noch nicht….

Selbst bis zu deutschen Landen hat es die Ndrangheta schon geschafft: 2007 wurde die Verbrecherorganisation mit dem seltsamen Namen bekannt, durch die Mafia-Morde von Duisburg.

Und natürlich auch hier in Tropea schimpft man, wenn auch nur kleinlaut; noch vor wenigen Jahren berichteten die Medien über das Urlaubspariadies mit Macken; Weißer Strand, blaues Meer und Müllhalden …. wie auch in Napoli ist die Müllentsorgung komplett von der Mafia organisiert. -mit der zu erwartenden Kompetenz.

(Bild: Was den Urlauber nie berührt: JEDES Geschäft, auch hier im beschaulichen Tropea, hat seine “Pizzo” zu zahlen, das Schutzgeld an die Mafia.)

Italien  -Region Kalabrien-  (01.12.2014)

Während in Norditalien z.B. in der Region Trentino (siehe Archiv: Trentino-Südtirol) der Schnee sich meterhoch stapelt, glitzert hier in Kalabrien das Azurblaue Meer zum feinen Strand.

Kalabrien dürfte neben Sizilien DIE Sonnenregion Italiens sein; mit 320 Sonnentagen (!) gehört es sogar zu den sonnigsten Europas. Selbst im Januar kann es hier an den Küsten noch um die 20 Grad warm werden, wobei es in den Bergen gleich nebenan, empfindlich kalt ist im Winter; Kalabrien ist fast vollständig von Gebirgen bedeckt, lediglich die schmalen Küstenstreifen bilden da eine Ausnahme, so wie ihr subtropisches Klima.
Bis über 2000 Meter steigen die Berge hinauf auf dem Land an der “Fußspitze” des Italienischen Stiefels, das zugleich als Waldreichste Region Italiens gilt, welches jedoch in den fürchterlich heißen Sommern oft von Bränden geplagt wird.
Stauseen im tiefen Innland stellen die einzigen Wasserreserven, da die Flüsse in der Sommerhitze nahezu alle versiegen und völlig trocken liegen.

15.000 Quadratkilometer ist dieses Land groß, weit ins Mittelmeer ragend mit hohen Bergen: Kalabrien – was ursprünglich “Stiefelabsatz” heißen sollte, wie schon vorher zurecht das Salento in Apulien genannt wurde, bekam diesen Namen einfach zugleich mit dieser Region, da Apulien “an der Ferse” damals vor 1400 Jahren im Byzantinischen Reich, eine gemeinsame  Verwaltungseinheit mit “Bruttium” – wie Kalabrien zuvor im Altertum hieß, bildete.

Italien  -Region Kalabrien- (01.12.2014)

45 Meter geht’s hier ab.
Tropea liegt hoch auf einer Felsklippe und unten sind die Strände leer um diese Zeit.
Ich denke zum Herbst wäre es hier am besten, da sind’s immernoch um die 30 Grad, aber fast alle Urlauber sind wieder fort und man kann hier hunderte von Strand-Metern für sich allein verbuchen.

Italien  -Region Kalabrien-  (01.12.2014)

Hey, wir haben den ersten Dezember !!!

… Und ich bade hier bei 21 Grad am Strand von TROPEA. 

Jaja, wobei ich hier völlig allein bin (Im Sommer verstopfen tausende Touristen den Strand) verwundern mich dennoch die Italiener, weil die wie Eskimos in fetten Klamotten eingepackt so tun, als sei es minus 21 ….

Ok, die Südländer sind eben nix gewöhnt …. 🙂

Italien  -Region Kalabrien-  (01.12.2014)

Auf der Landkarte geht die Linie die ich mal vor Jahren zog, weiter entlang der Küste in Richtung Süden… runter, immer weiter runter….

Tropea soll das nächste Ziel sein, gut erreichbar mit der schwerfälligen, schnaubenden Eisenbahn, immer mit dem tiefblauen Meer zur rechten Seite; heute scheint strahlend die Sonne, ganz entgegen der Vorhersage. Doch das ist wohl ganz kalabrisch: Immer das Gegenteil vom dem, was gesagt wird…
Dazu aber später mal mehr…

Tropea, noch ganz begeistert vom Waschküchen-Feeling am Strand von Paloa, kommt nun als ganz anderes Kaliber rüber: Azurblaues Meer, Felsen, weißer Pudersand…. eine malerische Altstadt hoch auf dem Berg der als Kliff tief zum Strand fällt.
Hier bleibe ich und mache erstmal Hausaufgaben; Mails lesen, Termine ausloten usw…  Eine Einladung für Reggio di Calabria (für morgen die Großstadt) mache ich fest.

Hier oben schaue ich auf den Strand, erkunde mich bei Deutschen Touristen nach der Lage und ab geht’s hinunter. Dort laufe ich zwei Kilometer bis ans Ende des Strandes, wo ein großer Sandsteinfelsen dem Zelt Schutz gibt, weich der Sand und weit der Lido…. ich bade wieder im frischen, blauen Nass und fühle mich dann so sauber, dass ich wohlig in die 14 Stunden Nacht entschlafe …

Italien  -Region Kalabrien-  (30.11.2014)

Paola hört sich gut an; der 16.000 Einwohner Ort ist meine erste Station in Kalabrien, diesem südlichsten Gebiet auf dem Italienischen Festland, wo es an den Küstenstreifen zu den wärmsten Gegenden Europas gehört.
Afrika liegt ja auch nicht mehr alzuweit, und somit erreiche ich wieder ein spannendes, neues Land auf diesen faszinierenden “Mini Kontinent” Italien.

(Bild: Trotz diesigem Wetters kommt Stimmung auf. Bei 22 Grad und frischen aber nicht kalten Wasser erlebe ich einen Spätherbst/Winteranfang wie noch nie…)