Italien -Region Sizilien-  (11.12.2014)

Selbst einen Hai kann ich hier kaufen.
Neben den seltenen Thunfischen die bis zur baldigen Ausrottung gejagt werden, gibt es hier alles was das ohnehin überfischte Meer noch zu bieten hat. Im ständigen Kampf gegen die riesigen Industrie-Fangflotten weit draußen auf der Hochsee, werfen die kleinen Fischer von hier ihre Netze immer weiter und umfänglicher bis in die letzten Buchten der Küsten, alles wird rausgeholt.
Da frage ich mich wie wichtig im Vergleich zur Vernichtung der Seefauna die Arbeitsplätze von Fischern sind…. ganz abgesehen von den gewaltigen, schwimmenden Fischfabriken, so groß wie Öltanker, welche die abermillionen Menschen auch weit im Innland Europas, täglich mit Frischfisch versorgen “müssen”.
Doch alles fängt bei einem selbst an: Heute Abend hätte ich mal Lust auf eine leckere Dorade ala Siziliana vom Grill…. solange es die noch gibt …..

Italien -Region Sizilien-  (11.12.2014)

Catania, welch eine dichte Stadt…. seit Napoli habe ich keine solch kompakte, lebendige Stadt erlebt, kein Ort wo das Treiben dermaßen mediterran, ja orientalisch anmutet.
Als zweitgrößte Stadt der großen Insel Sizilien stellt es aber einen ebenbürtigens Konzentrat zu Palermo, ein Gegengewicht mit seiner sogar größeren Wirtschaftskraft, seiner Kultur (z.B. mit dem Teatro Bellini  – wo der berühmte catanische Komponist Bellini wirkte) und Universitäten.
Dennoch kommt mir die Stadt ärmer vor. Bettler nerven hier öfter als in jeder anderen Stadt zuvor, zumal nahezu jeder von denen entweder zu den Sinti oder den Roma gehören.
Im Süden Catanias, so weiß mir mein Gastgeber zu berichten, sollte ich im Stadtteil Lebrino selbst am Tage nicht umherlaufen. Nahe dem Flughafen verirren sich manchmal  die Mietautos der Touristen im Viertel, die dann von Motorrollern abgedrängt, überfallen werden.
Solche Storys kenne ich bisher nur aus Nigeria… oh je….

Weit weg aber von solchen Gegenden, finde ich eine entspannte Innenstadt voller römischen Barock, damals ähnlich noch wie einst Messina und Reggio wiederaufgebaut nach Vulkanausbruch und Erdbeben. 350 Jahre ist das jetzt her und Catania hat sich im Schatten des mächtigen Berges Ätna, der täglich Rauch vom Kratergipfel zeigt, prächtig entwickelt; 450.000 Einwohner leben in und um die Stadt, 200.000 Autos scheinen täglich alle gelichzeitig die engen, Pflasterstraßen komplett zu verstopfen.
Catania kommt mir wie die kleine Schwester Napolis vor; was für ein Durcheinander hier …..

(Bild: Täglicher Fischmarkt, daneben ganze Gassen voller Gemüsehändler im dichten Gedränge. Laut und ungestüm preisen die Fischer hier,  es riecht intensiv nach Fisch und im Gedränge versuchen die Taschendiebe jede Gelegenheit….)

Italien  -Region Sizilien-  (10.12.2014)

Auf Sizilien bei dem Sizilianer Giuseppe Zuhause; Cousurfing im sechsten Stock bei bester Ätna-Aussicht. Endlich mal wieder bei jemanden zu Gast.
Giuseppe selbst hält sich nicht für sehr sizilianisch. Zwar ist er Einheimisch, ärgert sich aber oft über die eigene Mentalität seiner Landsleute, vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb es so gut klappte mit unserem Treffen: Er hielt sich an Verabredungen ….

Ein eigenes Bett im eigenen Zimmer ist meins, wenn auch italienische Wohnungen zu dieser Zeit Kühlschränken gleichen, weiß ich mir mit den Schlafsäcken aus dem reichen Fundus meines Gepäcks zu helfen; Heizungen, Isolierungen oder sonstiges an wärmespendenden Sachen gibt es in den Wohnungen Italiens nämlich nicht.

Italien  -Region Sizilien-  (10.12.2014)

Jaaaa, bei Giuseppe zu Hause mitten in Catania, hoch oben im sechsten Stock, selbstverständlich mit Panoramablick auf den Ätna.

Hier bleibe ich erstmal bis Freitag, hab mich gut mit Giuseppe angefreundet und bin jetzt mal auf Catania gespannt. Gut ausgeschlafen (10 Stunden) müsste das ja klappen.
Wetter: 16 Grad, oft Wolken aber nie grau (wie jetzt permanent in der Heimat…) nachts aber schmettert heftiger Regen übers Land. Sizilien im Winter, gut auszuhalten wenn auch nicht immer so gemütlich wie der tiefe Süden zu erwarten gibt.

Italien  -Region Sizilien-  (09.12.2014)

Total zersiedelt ist auch die Ostküste Siziliens, überall Häuser, Straßen und so weiter….  der Blick schweift hier nach Süden, die Richtung meines Weges heute: Steil runter klettere ich diesen recht verfallenden, uralten Treppenpfad um zum Bahnhof zu gelangen.
Doch plötzlich fluppt es hinter mir, ein Band löst sich und ich greife vergebens nach dem großen Schlafsack der oben am Rucksack gebunden ist…. der schießt wie ein Torpedo in die unendlichen Tiefen (siehe Bild – wo ich zuvor noch so schön Pause mit Aussicht hatte) …neiiiiiiiin, mein 700 Euro teuerer super-Schlafsack verschwindet zig Meter unten im Dickicht aus Sträuchern und Feigenkakteen… was jetzt?

In einer waghalsigen Kletteraktion abseits des ohnehin abenteuerlichen Pfades, schaffe ich es dann doch, finde den kompakten Schlafsack klemmend zwischen den platten Ohren der Kakteen, die wie große Korallen weit verzweigt ihre Arme in allen Richtungen strecken.
Nur ein paar winzige Löcher sind zu beklagen, ich bin total naßgeschwitzt und gehe erstmal runter an den Strand…..

Für 3,90€ reise ich dann weiter, 45 km nach Süden zun nächsten größeren Ziel: CATANIA, die große Stadt wo mich nun ausnahmsweise ein Gastgeber aufnimmt; Couchsurfen ist angesagt; Adresse hab ich schon…  auf geht’s 🙂

Italien  -Region Sizilien-  (09.12.2014)

Wohl die einzige bescheidene Seele der 11.000 Bewohner von Taormina, die ansonsten gierig dem Reisenden alles Geld aus der Tasche zu saugen versuchen; Francesco, dem das Hostel-Taormina gehört, schafft auch für kleine Verhältnisse eine Bleibe im Ort und hilft mit Rat und Tat beim Sparen und Reisen.
Zwei Tage weilte ich in seinem kleinen, recht familieren Hostel und der stolze Sizilianer hatte echt Spaß an meinen Abengeuergeschichten vom jahrelangen Wanderleben…  dort soff ich zudem Bier mit einem Engländer, einer Australierin, einer Ungarin sowie Amanda aus Argentinien… typisches Hostel-Feeling wie ich es einfach liebe.

Italien  -Region Sizilien- 

Im “teuer hot-spot” Siziliens: Taormina, schwer erreichbar (zu Fuß) da weit oben auf einem Berg gelegen und auch jetzt im Dezember recht voll mit Touristen, wenn auch nur Italiener aus dem Norden.
Der Ort erinnert mich etwas an Killarney im südlichen Irland, ebenfalls ein Ort in dem der Tourismus mal erfunden wurde. Taormina besuchte einst auch schon mal Goethe und noch lang vor Rimini und der Toskana, die ersten Urlauber der modernen Zeit.
Heute ist das natürlich auch so und die gesamte historische Innenstadt platzt vor kitschigen Souveniershops aus allen Nähten, Restaurants preisen überhöht das banale “Menu Touristiko”…. und dennoch, ganz früh morgens schlendere ich ganz allein durch den Corso Umberto, der langen Hauptgasse Taorminas, sowie auf dem Festungsberg über der Stadt, hoch oben, bin ich nur für mich…. dazu sind die weichgespülten Airline-Touris eh zu faul, klettern ungern 200 Meter die alten, verfallenden Stufen hinauf.

(Bild: Taormina liegt verteilt auf mehreren Bergvorsprüngen, links oben das berühmte Teatro Greco, die alte Arena von vor 2500 Jahren…. dort durfte ich mit meinem Budged allerdings nicht hin: Freche acht Euro verlangten die Mafiosis vor den hohen Gittertoren am Eingang… )

Italien  -Region Sizilien-  (09.12.2014)

Wieder im Hostel gelandet, da einfach so wunderbar günstig…. hier in Taormina dem absoluten Touristen-Epizentrum auf Sizilien.  Wobei hier eigentlich garnichts wirklich billig ist, steht dem ein Überangebot an Betten in den vielen Hotels gegenüber; während für 35 € ein Zimmer jetzt im schlappen Dezember zu haben ist (im Sommer das Doppelte) kosten allerdings die Restaurants wahnsinnig viel… zum Glück fand ich einen Markt; Dosenfutter, dickes Brot und dicke Bierflaschen zum Bruchteil der Lokalpreise.

Noch 11 Tage, dann treffe ich ja Georg wieder und treiben uns im Westen Siziliens rum, kann jetzt -zugegeben- etwas Geld ausgeben und mich über die tolle Gesellschaft hier im Hostel freuen.

(Bild: Tormina heutmorgen um 7:30 Uhr: Sonnenaufgang und der winterliche Etna)

Italien  -Region Sizilien-  (07.12.2014)

Messina und die Meerenge im Blick. Hier treffen sich Festlanditalien und Sizilien, drüben liegt Reggio in Kalabrien, wo ich die Tage noch gewesen bin. Jetzt setze ich den “Weltweg” fort, ziehe heute an diesem Sonntag weiter nach Süden, entlang der Ostküste bis nach Tormina.

Das Ticket hab ich schon in der Täsch, 3,90€ für 45 km. Leider aber erst um 14:00 Uhr… so dass ich nun hier warten muss, ganz allein…..

Auch zum “Kaffee trinken” hat sich weder bei Couchsurfing noch bei Planet Romeo jemand gemeldet…. als ich im Hotel noch jemanden ansprach, kam ich mir schon echt doof vor. Kein Arsch interessiert sich hier für mich….. keiner will mir was erzählen …. oder was vom Wandersmann wissen….

Hmmm, hoffentlich sind nicht alle Sizilianer so kalt…  bin ja auf der ganzen Insel unterwegs.

(Bild: Messina, die Meerenge und drüben Kalabrien)

Italien  -Region Sizilien-  (06.12.2014)

Und doch gibt’s in Messina einiges zu sehen.
Selbstverständlich ist es die Kathedrale die mich anzieht, die “Seele von Messina” mit ihren vom großen Erdbeben unversehrten Portal aus dem 12ten Jahrhundert, voller verspielter Elemente.
Drinnen wieder ein sehr kunstvolles Holsbalken-Dach, und alle zwölf Aposteln in Lebensgröße als Galerie; diese gucken allesamt sowas von individuell, wie ich es noch nie in einer der vielen Gotteshäuser gesehen habe. Klare Gesichtszüge, Emotionen die wohl nur der (mir unbekannte) Bildhauer weiß, sind deutlich zu sehen. So macht es Spaß dort zu verweilen. ….Wenn nur Georg jetzt bei mir wäre…

Vor der Kirche fällt noch dieser “Orionsbrunnen” auf mit seinen sexistischen Mischwesen, was eher Besonderes im katholischen Italien.