Heimaturlaub (22.03.2015)

Bäh ist das kalt, wieder soooo kalt und feucht.
Grau legen sich die späten Ausläufer des vergehenden Winters über die sonst so schöne Stadt Bern, die ich heut früh mit Sack und Pack verlasse.
Wieder an einer Autobahneinfahrt stelle ich mich, diesmal mit einem Pappschild mit der Aufschrift “Basel”, dem ersten Etappenziel für heute.
93 km liegt das weit, doch es geht nicht voran, ich stehe im feuchtkalten Wind ganze anderthalb Stunden. Mein tramper – Daumen friert extrem, ständig muss ich den weit in den Windzug halten, die Finger sind eiskalt…uff …

Aber nie aufgeben, ich warte und es hält endlich was, ein junges Mädel, Sitzheitzung und viel Interesse für die Geschichte in Kurzfassung über das Wanderleben. Reicht zwar nur bis zum nächsten Rasthof, doch dann die Überraschung: 10 Franken gibt sie mir als Spende…

Auto Rasthof – hopping mache ich über alle drei Raststätten zwischen Bern und Basel, lerne nette Leute kennen, schaffe den Sprung über die Grenze nach Deutschland weil ich mich zwei älteren Landsleuten ziemlich aufdränge, ja anbettel um durch Basel ins Heimatland zu kommen. Ist schon lustig, die wollen eigentlich garnicht, nehmen mich aber dennoch mit.
Dann wechsel ich in ein anderes Auto, erzähle wieder über das Wanderleben, bekomme nicht nur 200km sondern auch 20 € geschenkt. Krass, je weiter ich kostenlos vorankomme, um so mehr füllt sich das Portemonaie… hey, also weiter, weiter geht’s; “TR” lese ich, jaaaaa, hier unten am Auto-Rasthof Hockenheim finde ich einen Trierer, – will ja nach Trier.
Malermeister Zengerle im Kleinbus hat auch nichts dagegen, Platz ist ja genug sagt er freudig. Doch seine Frau ist da ganz anderer Mainung, “neeeee, also dat habi noch nie jemacht” …. “Messercheck” (!?) sagt sie noch, und ich gib alles um sie zu überreden, “hab doch nur ein Plastikmesser von Mc Donalds dabei” sag ich.
Erstmal nen Kaffee in der Tanke.
Fünf Minuten später bin ich im Maler-Meister-Kleinbus auf den weiten Weg nach Trier…. geschafft: 600 km über viele Autobahnwirren an einem Tag, plus 30€ Taschengeldzugabe.

Tag erledigt; Pizza mit Georg, fünf Tage Trier und Gartenarbeit sind angesagt.

Heimaturlaub (20.03.2015)
Nochmal in Bern, bei einem der besten Gastgeber der letzten Saison im Wanderleben; Hansrüdi hatte mich damals aufgenommen und eingeladen, nachdem er meine Website im Internet entdeckte. Mittlerweile sind wir gut befreundet, und nutze die Zeit für einen Besuch.
(Bild: Das Bundeshaus in der schweizer Hauptstadt Bern – sowas wie bei uns der Bundestag in Berlin – )

Heimaturlaub (20.03.2015)

Auf zum nächsten Treffen: Hansrüdi wartet schon in Bern, 165 km weiter südlich auf mich. Doch erstmal dort hinkommen..
Die Mitfahrzentrale “Blablacar” wäre wohl auch gut, da hier die Autofahrer lediglich Beteiligungen an die Spritausgaben verlangen, somit eben 10€ für die Strecke nach Bern.
Gesucht, gefunden; ein Fahrer kommt heute an Freiburg vorbei, ich rufe ihn (teuer) an, da er mir schonmal keine Infos zum Treffpunkt schriftlich gab, und seine schlecht gelaunte Stimme stöhnt: Komm zur Autobahn, ich hol dich dan da irgendwo…..
In die Innestadt fährt er nicht, zu stressig sagt er. Statdessen soll ich mit all dem Gepäck nun sechs Kilometer zur A-5 laufen…. und bitte statt 10 dann 16€ mitbringen….
Von wegen, ich lege einfach auf und mache mich dennoch auf den weiten Weg raus aus Freiburg um irgendeine geeigente Auffahrt zu finden. Schwer, echt schwer, Baustellen und Schnellstraßen, Gewerbegebiete ohne ende und der Rucksack lastet in voller Schwere.
Weit draußen finde ich eine Stelle, doch nach zwei Stunden warterei, gebe ich auf, ziehe wieder zurück und muss den Zug nehmen….
Saftige 45€ sind sofort fällig und mir tönt noch Hansrüdis Einladung im Ohre: “Um Reisekosten solle ich mich nicht sorgen, sollte ich mal wieder nach Bern kommen”
Das ist nun die Rettung.

Heimaturlaub (19.03.2015)
Weiter, weiter geht’s…. von Frankfurt nun nach Freiburg ganz weit in den Süden. Ich trampe recht schnell, komme gut voran und treffe Malai, eine Freundin von damals die jetzt kurz in Deutschland (wie alle hier auf dem Bild) ein Stipendium an der Uni ergattert haben.
Malai (rechts neben mir) war mal vor sechs Jahren bei meinen Eltern für ein Gastjahr zu besuch, da war sie noch 16 und mittlerweile studiert sie in Bangkok die deutsche Sprache.
Leichtes Spiel für mich: Ob aus Ecuador, Bolivien, Venezuela, den USA, Frankreich, England, Japan, oder eben Thailand; alle sprechen hier Deutsch. Schon eine coole Stimmung wenn die ganze Welt mal ausnahmsweise nicht Englisch klingt….
Dennoch übernachte ich heute mal im Hostel (für 17€) da hier im “Gasthaus” welches vom Goethe Institut für Sprachschüler eingerichtet ist, schon genug gedränge herrscht, wenn auch ein sehr gemütliches, ja so einladend kosmopolitisches…
Malai macht Essen: “Thai Nudeln superlecker” dazu natürlich Bier; Deutsch ist nicht nur Sprache allein!!!

Heimaturlaub (18.03.2015)
Und wieder sind die kurzen frankfurter Tage vorbei; Reiner (links) mit Freund & Lebenspartner Jost laden mich im “Drosselbart” gut bürgerlich ein; Schnitzel mit grüner frankfurter Soße und (schonwieder) Bier. So soll’s sein: Jost zieht mitte Mai auf den Jakobsweg los, wo ihn Reiner mit ihrem neuen Abenteuer – Kleinbuss zur Spanischen Grenze bringt, und von dort 4000 km bis nach Albanien fährt, wo ich dann schon auf ihn warten werde ………. bis bald dann 🙂

Heimaturlaub (18.03.2015)
Eure Heiligkeit: Der schnöde Mammon. Ob 185 Meter für 1,2 Mrd€ in den Himmel gebaut (sei’s drum, die EZB kann die Moneten ja einfach drucken) oder gut beschützt vom Polizeiapparat.
Was will ich eigentlich sagen? Ganz einfach: Die Vermögenen und Konzerne müssen sich mehr am Sozialstaat beteiligen. Die Verteilung von UNTEN nach OBEN muss dringend aufhören. Und dennoch, die Reichen müssen auf nix verzichten, NUR ein bischen mehr abgeben, was ihnen kaum auffallen würde und es wäre für alle genug da!

Heimaturlaub (18.03.2015)
17.000 hat der Unmut gegen die Banken-Gewalt auf Frankfurts Straßen gebracht. Auch wenn viele Kommunisten gleich ein zu schräges Bild geben, die meisten verstehen den Protest richtig. Leider war ich allein unter den vielen; mein Gastgeber Reiner sieht die Sache etwas anders; -Geld regiert die Welt- …richtig, aber muss das so bleiben?

Heimaturlaub (18.03.2015)

Viel zu tun in Deutschland: Ganz zufällig erfahre ich von der großen Blockupy Demo gegen die Macht der Großbanken in Frankfurt. Ein guter Grund hier länger zu bleiben, wobei gestern der Abend wirklich heftig war…. Reiner und Jost feierten meinen Besuch mit reichlich Bier vom Fass….ja Bier von Fässern sogar *stöööhn* und ich weiß nur noch wie ich auf allen Vieren irgendwann die Treppen hoch in ihre Wohnung gekrabbelt bin. Meine Mütze lag noch am frühen Morgen danach auf dem Gehsteig …
Frankfurter Nächte können lang sein, und das Bier schmeckt mild, besonders dann wenn’s umsonst ist; meine umwerfenden Gastgeber haben mich eingeladen. Kaum auszudenken was so eine Zechtour für ein Fegefeuer in meiner klammen Patte ausgelöst hätte.
Soviel zum ersten Abend.
Nach narkosehafter Nacht im gemütlichen Gästebett, hoch im Frankfurter Norden, wache ich schwerfällig auf, watschel im taumel einiger Restpromille im Blut umher und grüße meine wesentlich fitteren Gastgeber; ein halbes Brötchen ist drinn, ansonsten literweise Wasser; heute muss ich es schaffen zur Demo!
Schlapp und physisch antriebslos gucke ich schon im hessischen Fernsehen dem Dilemma entgegen: Schwarze Rauchschwaden zwischen den Wolkenkratzern in der Innenstadt; schon um sieben in der Frühe blockierten radikale Demonstranten die Zuwege zum nagelneuen EZB Tower, der heute feierlich eröffnet werden soll.
Das sowas natürlich knallt, weiß offenbar jeder. Selbst aus Griechenland und Spanien, aber auch von Berlin pilgerten einige Krawall Touristen um dem eigentlich wichtigen Protest gegen Banken(über)macht und Ungerechtigkeit einen irreperabelen Schaden zuzufügen. Alle Medien berichten bis zuletzt einseitig über all die Schäden von verbrannten Autos bis kaputten Schaufenstern, weniger über die anderen 17.000 die friedlich auf die Straße einen Protest zeigen, der für die Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft so wichtig ist. Auch ich bin nun dabei, erlebe ein farbiges Gemisch jedweder Richtung, von liberal bis super-radikal …. ja, dies ist nicht eine Demo, das hier sind viele verschiedene zugleich wo die einen eine objektiv klare Sicht einer Regulierung des ausufernden Kapitalismus vertreten, welcher eine Hauptursache ist für die neuen Armutsprobleme und krassen Ungleichheiten in Europa und der Welt. Andere zeigen auf ihren Schildern “Kapitalismus abschaffen” – eine eher radikale Vereinfachung eines komplexen Systems. Wieder andere sind einfach dagegen ohne irgendwas zu verstehen; “das System ist böse” und dagegen sein heißt noch lange nicht zu verstehen worum es geht. Muss man auch nicht unbedingt; dabei sein ist letztlich besser als garnicht kommen, klar ist dass es mit dieser unfassbaren Finanzwirtschaft einfach nicht weitergehen darf. Das dürfte reichen zu wissen warum man heute hier ist.

…. Viele Medien lügen: “Es gibt zu wenig Geld”…. stimmt nicht, es gibt zu viel…leider nur an der falschen Stelle.