Heimaturlaub (18.03.2015)

Viel zu tun in Deutschland: Ganz zufällig erfahre ich von der großen Blockupy Demo gegen die Macht der Großbanken in Frankfurt. Ein guter Grund hier länger zu bleiben, wobei gestern der Abend wirklich heftig war…. Reiner und Jost feierten meinen Besuch mit reichlich Bier vom Fass….ja Bier von Fässern sogar *stöööhn* und ich weiß nur noch wie ich auf allen Vieren irgendwann die Treppen hoch in ihre Wohnung gekrabbelt bin. Meine Mütze lag noch am frühen Morgen danach auf dem Gehsteig …
Frankfurter Nächte können lang sein, und das Bier schmeckt mild, besonders dann wenn’s umsonst ist; meine umwerfenden Gastgeber haben mich eingeladen. Kaum auszudenken was so eine Zechtour für ein Fegefeuer in meiner klammen Patte ausgelöst hätte.
Soviel zum ersten Abend.
Nach narkosehafter Nacht im gemütlichen Gästebett, hoch im Frankfurter Norden, wache ich schwerfällig auf, watschel im taumel einiger Restpromille im Blut umher und grüße meine wesentlich fitteren Gastgeber; ein halbes Brötchen ist drinn, ansonsten literweise Wasser; heute muss ich es schaffen zur Demo!
Schlapp und physisch antriebslos gucke ich schon im hessischen Fernsehen dem Dilemma entgegen: Schwarze Rauchschwaden zwischen den Wolkenkratzern in der Innenstadt; schon um sieben in der Frühe blockierten radikale Demonstranten die Zuwege zum nagelneuen EZB Tower, der heute feierlich eröffnet werden soll.
Das sowas natürlich knallt, weiß offenbar jeder. Selbst aus Griechenland und Spanien, aber auch von Berlin pilgerten einige Krawall Touristen um dem eigentlich wichtigen Protest gegen Banken(über)macht und Ungerechtigkeit einen irreperabelen Schaden zuzufügen. Alle Medien berichten bis zuletzt einseitig über all die Schäden von verbrannten Autos bis kaputten Schaufenstern, weniger über die anderen 17.000 die friedlich auf die Straße einen Protest zeigen, der für die Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft so wichtig ist. Auch ich bin nun dabei, erlebe ein farbiges Gemisch jedweder Richtung, von liberal bis super-radikal …. ja, dies ist nicht eine Demo, das hier sind viele verschiedene zugleich wo die einen eine objektiv klare Sicht einer Regulierung des ausufernden Kapitalismus vertreten, welcher eine Hauptursache ist für die neuen Armutsprobleme und krassen Ungleichheiten in Europa und der Welt. Andere zeigen auf ihren Schildern “Kapitalismus abschaffen” – eine eher radikale Vereinfachung eines komplexen Systems. Wieder andere sind einfach dagegen ohne irgendwas zu verstehen; “das System ist böse” und dagegen sein heißt noch lange nicht zu verstehen worum es geht. Muss man auch nicht unbedingt; dabei sein ist letztlich besser als garnicht kommen, klar ist dass es mit dieser unfassbaren Finanzwirtschaft einfach nicht weitergehen darf. Das dürfte reichen zu wissen warum man heute hier ist.

…. Viele Medien lügen: “Es gibt zu wenig Geld”…. stimmt nicht, es gibt zu viel…leider nur an der falschen Stelle.

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