Frankreich – Region Bretagne – (04.07.2014)

An einer Tankstelle lasse ich mich absetzen, kurz vor der Stadt Vannes in der ich als Tramper erstmal verloren wäre;  an der Schnellstraße irgendwo neben der Leitplanke stehen ist sinnlos beim Anhalten, kaum jemand hält im Verkehrstrom an, da alle einfach zu schnell sind…
Im Wald abseits der Tankstelle verrichte ich erstmal eine Notdurft, dann gehts wieder zur Autobahn, stelle mich an den gewaltigen Verkehrsstrom und halte den Daumen hoch bis mir der Arm wehtut.
Diesmal sind es drei ziemlich ruppige Jungs, die mich in ihr Auto quetschen, nicht mal im Ansatz des Englischen mächtig und gewaltig am kiffen, allesamt. Der sehr junge, tunesische Fahrer wie auch alle anderen hauen sich das Zeug rein als gäbe es kein morgen mehr…. die Luft ist zum schneiden…

Ich lobe ja schon die Hilfsbereitschaft, aber die drei sind –  ich muss es leider sagen, sehr, sehr einfach gestrikt; lachen, gröhlen und albern herum…. paffen sämtliche Tüten und plappern mich mit irgendeinem Kram voll…ich verstehe nur Bahnhof und überlege wie ich die 220 Kilometer bis Brest hier nur schaffe… immerhin geht’s direkt nach Brest, wo ich heute verabredet bin mit Benoit.

Frankreich – Region Bretagne – (04.07.2014)

Wieder auf der Straße, diesmal mit der Pappe in der Hand wo BREST draufsteht… Alain setzte mich morgens hier an der Ausfallstraße am Stadrand von Nantes ab. Strategisch gut um von hier weiter in die Bretagne zu trampen, der nächsten und vorletzten Region in diesem “Schwerpunktland” meines Wanderlebens.
45 Minuten stehe ich im Staub dieser Parkbucht kurz vor der Autobahn, halte mein Pappschild und den Arm mit dem Daumen zur Straße.
Vielleicht dröhnen 10.000 Autos und LKWs an mir vorbei…irgendwann hält dann doch eines, …… “Bonjour Monsieur” schaffe ich noch zu sagen, aber dann, “sorry, i speak english”….  halb so wild, der Fahrer und ich versuchen mit allen Mitteln uns zu verständigen.
Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, -wie gesagt, trampen ohne Französischkenntnisse in Frankreich, kein Problem 🙂

Frankreich  – Region Pays de la Loire – (03.07.2014)

Allerliebsten Dank für diese wunderbare Zeit Alain.
Was wäre mein Wanderleben ohne solche Glücksengel wie dich?
Er macht mir dieses Erlebnis möglich hier das Land von ganz anderen Seiten zu erleben, weit jenseits vom Zelt im Wald, oder den Konservendosen auf der Parkbank.
Er ist angetan von meinem Vorhaben auf der “Via Terrestris” ein Leben lang auf Reisen zu bleiben, will mir helfen es möglich zu machen.
Toll das es solche Leute gibt wie Alain.
– Das hat er auch zu mir gesagt.

Frankreich  – Region Pays de la Loire – (03.07.2014)

Also das habe ich mir schlimmer vorgestellt: Frosch in Kartoffelpüree auf Salatbett…  zumindest übersetzt mir Alain das so und ich sage einfach, nimm ich…..

Was überrascht: Das Froschfleisch ist völlig zerfasert worden, sodass es erstmal garnicht als solches erkennbar ist. Ich dachte es mit offensichtlichen Froschchenkeln zu tun zu haben, doch hier im “La Cigale” ist es schon ganz raffiniert.
Hmmm, schmeckt irgendwie zwischen Rind und Ente…. hat gut Biss ist aber nicht zäh. Also Frosch  (?!)… finde ich ganz gut…

Frankreich -Region Pays de la Loire- (03.07.2014)

Wieder zurück in Nantes, zeigt mir Alain die Traditionsadresse Nr.1 der Stadt: Das “La Cigalle” (die Grille) was über 120 Jahre der Treffpunkt ist.
Mit unglaublich vielen Details macht es echt Spaß hier seinen Blick umherschweifen zu lassen; nie langweilen sich die Augen beim Betrachten.
Feine Kellner treffen hier auf sehr legeres Puplikum; dennoch fehlt dieses “überfeine Feeling” gottseidank, so dass ich mich hier einfach wohlfühlen kann.

Selbstverständlich ist das Essen hier sowas von Französisch… ich hoffe Alain erklärt mir die Speisekarte. Die verstehe ich trotz meiner langen Zeit in Frankreich, immernoch kaum…

Frankreich  -Region Pays de la Loire- (03.07.2014)

Ohne weiteres komme ich auf das Dach des Mega – Bunkers, schaue weit über den eher langweiligen Industriehafen von St. Nazaire und höre Alain zu, der mir zu erzählen weiß, wie viele abertausende Tonnen Bomben der Amerikaner vergeblich versuchten, den meterdicken Beton zu sprengen…  noch nicht einmal größere Einschläge sind zu endecken hier…. entweder die Amis hatten damals lediglich Chinaböller zum Einsatz gebracht, oder diese Festung ist tatsächlich unzerstörbar…

Frankreich  -Region Pays de la Loire – (03.07.2014)

St. Nazaire (70.000 Einwohner/60 km von Nantes entfernt) hat zumindest ein historisches Gemäuer zu bieten, wenn auch jüngerem Ursprungs; die Hafenbunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg, in sagenhafter Geschwindigkeit von der Deutschen Besatzung errichtet, ist heute das Wahrzeichen der Stadt.
Meterdicker Beton so weit man gucken kann lassen mir ein Gefühl der Beklemmung als auch Überforderung aufkommen, das Ganze hier zu fassen; einige hundert Meter dehnt sich dieses Betonungetüm, wie ich es noch nie in meinem Leben sah, aus….
Heute ist die Nutzung des grauen Kolosses wesentlich friedlicher; ein Museum, Läden und das Touristen-Info Büro finden hier -teils etwas verloren wirkend, ihren Platz. Viel Leere und ungenutzte Flächen inklusive… verständlich, ein lebendiges Kulturzentrum wird man die nächsten 5000 Jahre hierraus wohl nicht machen können…

Frankreich  – Region Pays de la Loire – (03.07.2014)

Wieder ein neuer Tag, wieder Sonnenschein. Die Nacht verbrachte ich im Gästezimmer mit eigenem Bett. Alain lebt in einer großen Disntwohnung in Nantes, da ist Platz genug.

Vormittags sind wir dann zu einem Ausflug nach St. Nazaire gestartet. 60 Kilometer mit dem Auto übers platte Land bis zur Hafenstadt mit ihrer speziellen Geschichte.
Komplett zerstört während des zweiten Weltkrieges verlor St. Nzaire nahezu alles an historischen Gebäuden. Die Deutsche Wehrmacht hielt den strategischen Hafen an Frankreichs Atlantikküste besetzt, was später zum Nachteil aller führte.

Heute ist der Industriehafen wieder einer der größten im Lande; eine zwei Kilometer lange Brücke fällt schon von weitem auf.

Außerdem rieche ich auch wieder das Meer… mmmhhh, Pinien und das Salz des Atlantik… 
Doch unten ist momentan nur Schlamm; bei Ebbe sieht es hier wie am Wattenmeer aus. Baden kann man nur bedingt.

Frankreich  – Region Pays de la Loire – (02.07.2014)

Wie gut es mir wieder tut, dieses Land….
Alain ist ja ein Teil dieses Landes und er spendiert mir das Fischfilet “Tricolore” – dreifarbiges Wurzelgemüse (ganz zart und schmackhaft) im Zeichen der drei Farben von Frankreichs Flagge, mit einer so guten Kräuter-Weinsoße.
Dazu selbstverstänlich einen samt-weichen Weißwein von der Loire….

Gern würde ich jetzt irgendwas auf Französisch schreiben, doch bei aller Liebe, diese Sprache ist echt nicht einfach…. ich belasse es einfach mal beim Essen….

Frankreich – Region Pays de la Loire – (02.07.2014)

Ein echt reichhaltiger Tag neigt sich dem Ende…. selbstverständlich ganz stilvoll an der Loire, dem geliebten Fluss, – Frankreichs längster,  lädt mich Alain noch zum Essen ein… ein mir eigentlich nicht zugängliches Vergnügen, was natürlich auch sehr schade ist; somit bleibt mir meistens ein ganz, ganz wichtiger Bestandteil der Französischen Kultur verborgen, dem Essen.
Ich sage ja immet wie teuer in diesem Land der kulinarische Zauber kommt… doch wäre ich nicht im Wanderleben wo ich Alain treffem einfach so?
Der hat Zeit und zeigt mir gern seine Heimat.
Hier an der Loire, etwas auswärts von der Innenstadt, reien sich einige Lokale. Hier gehts jetzt gaaanz Französisch zu Tisch….*freu*