Frankreich  – Region Pays de la Loire – (02.07.2014)

Vor dem Brunnen in Nantes, wieder einem Wahrzeichen, sowie beliebter Treffpunkt in der Großstadt, freue ich mich nicht nur über’s tolle Wetter. Alain erzählt mir viel von seiner Stadt. Eigentlich sind wir hier in der Hauptstadt der Pays de la Loire, einer großen Region die aber eher administrativer Natur ist; Nantes und seine ländliche Umgebung waren (und sind) ein Teil der Bretagne, einer weiteren Region (und auch meine vorletzte von insgesamt allen 22 Regionen Frankreichs) die ich noch beschen werde. Doch so war es wohl ein zentralistischer Streich aus Paris, während der Regionalen Aufteilung vor einigen Jahrzehnten, die kulturell recht einheitliche Bretagne zu zerschneiden; die recht randlagige Haupstadt regional auszulagern.
Komischerweise verlief die Sache ohne nennenswerte Proteste, wie gesagt ist die Bretagne schon seit langem ein integraler, wenn auch kulturell eigenständiger Bestandteil Frankreichs und besteht teils Reginalübergreifend zwischen der Pays de la Loire und der eigentlichen Region Bretagne, die weiter nordwestlich angrenzt.

Frankreich -Region Pays de la Loire- (02.07.2014)

Kunst überall.
Solche für sich “bedeutungslosen” Kunstwerke, sollen Spielraum im Geiste für eigene Ideen aufwerfen; dem “offenen Kunstwerk” gemäß, macht sich der Betrachter sein eigenes Bild und nimmt dem Künstler somit einiges an Arbeit ab…
Hier, in Nantes finde ich diese Konstruktion an sich schon toll… Sinn hin, Sinn her…. ich schaue hinein und überlege, schaue wieder und freue mich für was so eine Öffentlichkeit so alles Zeit hat, die Energie aufbringt sich mit Dinge zu befassen die so weit jenseits liegen wie das tägliche Überleben.
Wir müssen aufpassen in Europa, damit es auch so bleibt; so ein stacheliges Gebilde mahnt somit auch dazu kritisch zu sein, hinzugucken und zu kämpfen. Unser Wohlstand ist wesentlich unbewehrter als so manch Kunstwerke auf den Plätzen von Nantes…

Frankreich – Region Pays de la Loire – (02.07.2014)

So eine große, alte Stadt hat oft mehrere Wahrzeichen, wenn auch einige eben nicht so ganz beliebte, wie dieser Tour de Bretagne, dem “Turm der Bretagne”.
Damals, von Mitte der Sechziger bis Mitte der Siebzigerjahre, war es halt Mode solche Ästhetkatastrophalen Monoliten ins Stadtbild zu stampfen. Doch wie dem auch sei, es ist ein wesentlicher Bestandteil unserer architektonischen Stadtgeschichte, ein unübersehbarer Trend seiner Zeit.
Somit erfüllt auch eine gewisse Würde ein solcher “Antiästhet”, ja sogar dermaßen, dass die allumfassende Frage ” was ist schön und was nicht” schonwieder eine andere Perspektive erhält.

Jedenfalls finde ich es schonmal toll, dass die Aussichtsplatform da oben ganz kostenlos zu besuchen ist. Drei Symphatiepunkte schonmal für den grauen Klotz in Nantes.

Frankreich  – Region Pays de la Loire – (02.07.2014)

Eine andere Perspektive aus 119 Metern Höhe; die Kathedrale von Nantes die eigentlich nur von hier oben in ihrer Gänze zu bewundern ist. Unten auf der Straße stehen überall Autos im Weg, zudem ist rund um den sakralen Großbau auch alles dicht Zugebaut. Schlechte Karten für eine fotografische Fassbarkeit im Großen.
Rechts davon erkenne ich komischerweise recht gedrungen das mächtige Stadtschloss, was von der Nähe als gewaltiger Komplex mit sechs Meter dicken Mauern fürchterlich beeindruckt; das “Chateau des Ducs de Bretagne” steht mir sogar offen, warum? Weil Alain es als Ehrensache sieht, mir den Eintritt zu zahlen und somit durch die fast unüberschaubaren Räume, Säle und Flure des heutzutage als Museum unfunktionierten Bollwerks, mein Wanderleben führt….

Frankreich  -Region Pays de la Loire- (02.07.2014)

Nantes von oben, auf dem Dach des “Tour de Bretagne” einem großen, alten Wolkenkratzer der wie ein monströser Fremdkörper schon seit 38 Jahren das Stadtbild seltsam entstellt.
Der größte Vorteil aber ist, die tolle Aussicht: von 119 Metern höhe sehen wir auf Nantes hinab, einer in Frankreich eher mittelmäßigen Großstadt mit 570.000 Einwohnern (inklusive angrenzender Vororte) die aber das Zentrum einer riesigen Region ist, mit Universitäten, Kulturleben, Krankenhäuser und einer langen historischen Vergangenheit als Bretonische Haupstadt.
Ja, eigentlich bin ich hier schon in der Süd-Bretagne, dieser damals so kämpferischen Ecke der sich bildenden Französischen Nation.
Die Bretonen, zusammen mit den Corsen (auf der Insel Korsika) sind bis heute noch sehr unabhängig im eigenen Kulturempfinden, wobei die Nationale Integrigtät weit besser funktioniert als heute noch z.B. in Spanien (Baskenland, Katalonien) oder Großbritannien (Schottland).
Man fühlt sich (mittlerweile) völlig Französisch, pflegt aber noch den eigenen Dialekt, das Bretonische, welches oft in Museen oder auf Schautafeln in der Öffenlichkeit zu sehen ist.

Frankreich -Region Pays de la Loire-  (02.07.2014)

Und da sind wir nun; Reisender und Gastfreundschaft haben sich gefunden. Alain erzählt mir auf sein “altes Deutsch”,wie er es selbst nennt, was man über Nantes wissen muss, wie er hier lebt und was es hier gab; viel Geschichte sowie sein eigenes Leben als Professor, als Student und Schüler, der einst die Deutsche Sprache erlernte. Lang ist’s her, doch die meisten Sätze fallen meinem über 60 Jährigen Gastgeber noch ein. Er sieht es als geistige Jungkur seinen alten Wortschatz  wieder zu beleben.

Frankreich -Region Pays de la Loire- (02.07.2014)

Stööööhhn, lost in Nantes…. mein Gastgeber wohnt ja garnicht in der Stadt, sondern ca 30 km außerhalb, in einem Dorf das Malville heißt. Da fährt aber kein Bus oder sonstwas hin. Mein Gastgeber ist 28 Jahre alt und irgendwie komisch; wir chatten miteinander und er gibt mir kaum Info’s wie ich aus der Großstadt in sein Dorf komme. Statdessen organisiert er eine Party für mich, lässt er mich wissen…. 
Währenddessen treffe ich bei meinen schweißtreibenen Streifzügen von Touristen-Info, zu sämtliche Bushaltestellen in der Innenstadt und einer Kneipe mit WiFi (die ich immer suchen muss) jemanden, der mich anspricht auf meine vielen Flaggenaufnäher am Rucksack.
Alain heißt der etwas ältere Mann und spricht sogar etwas Deutsch, ja und das hier in Nantes…tiefer in Frankreich drinn geht nicht.
Ich rege mich auf über die komplizierte Informationsbeschaffung (auch im Internet blicke ich bei den Fahrplänen oft nicht durch, erst recht auf Französisch nicht) und über meinen komischen Gastgeber der anstatt mir irgendwas nützliches mitzuteilen, die große Party organisiert.

Alain winkt mit dem Zaunpfahl; fragt ob es mir gut gehe und ich vielleicht nicht bei ihm “zur Ruhe finden” solle.
Hmm, warum eigentlich nicht. Gerade solche Zufallsbegegnungen sind doch immer die besten, auch wenn man übers Internet so schön im Vorraus sein “Übernachtungsnetzwerk” vorbereiten kann. Alain muss aber noch weiter, er arbeitet und seine Pause ist bald vorbei. Wir verabreden uns für 17:00 Uhr an der Kathedrale von Nantes, den Party People maile ich meinen glücklichen Treffer, worauf der stinksauer mit einer gesalzenen Abfuhr reagiert; egal, meine Couch in Nantes habe ich ja jetzt sicher.  – und das ohne die Nacht durchmachen zu müssen.

Frankreich  -Region Pays de la Loire-  (02.06.2014)

Angekommen in NANTES, der Regionalhaupstadt hier im Westen Frankreichs.
Orme hatte mich heute um 10 Uhr an der Straße vor der großen Autobahn, nahe seines Dorfes abgesetzt, 45 Minuten stand ich dann auf einem staubigen Parkplatz und machte als Tramper auf mich aufmerksam….
Und zak, ich hatte es wieder geschafft; 110 Kilometer im Land mit der wohl teuersten Bahn zum Nulltarif. Mittlerweile kommt man mit Englisch sogar durch Frankreich ganz gut durch…. es versteht hier fast jeder, wenn auch nur etwas.

Nun schlendere ich durch Nantes, schwer beladen mit dem dicken Rucksack, bin noch mit den Gedanken bei Orme und dem alten Kloster… entspannt, trotz schwerer Last auf den Schultern, schlendere ich sogar fast unbeschwert durch diese Stadt im Sommertaumel, schaue den vielen gutaussehenden Menschen beim Schlemmen ihrer überteuerten Salate zu und freue mich, wie gut es uns doch allen in Europa geht….

Für mich reichen die billigen Reisnudeln vom Asiaten-Imbiss, die sind mit sieben Euro ja hier fast schon gratis…

Doch bald ist’s vorbei mit dem Lotterleben, ich muss schauen wie ich nach Malville komme, einem Dorf außerhalb der Stadt wo ich heute eingeladen bin… welcher Bus? Wo ist die Touristen Info? Ich brauche einen Stadtplan… auf gehts…

Frankreich   -Region Pays de la Loire-  (01.07.2014)

Ja, ihr habt richtig gelesen: Blaue Kartoffeln…
Habe ich auch noch nie gesehen, und ein bischen fürchte ich diese nicht zu überleben heute Abend…. aber was soll ich bis Afrika warten mit dem exotischen Zeugs, hier in Frankreich gibt’s auch schon Sachen die komisch genug sind, oder?

Frankreich  – Region Pays de la Loire –  (01.07.2014)

Wieder ist der Tisch reich gedeckt, wie hier bei Orme.
Teils rohe Sardienen (neben gut durchgebratenen) dazu blaue Kartoffeln (???) Bohnen und Salat aus dem üppigen Gemüsegarten vor der Tür, und natürlich guter Bordeaux.
Wieder bin ich ein kleiner Gott in Frankreich. Heute Abend in Oulmes…. weit im Westen, wo man fast schon den nahen Atlantik riechen kann.