Frankreich  -Region Korsika-  (06.11.2014)

Hier nahe dem Strand von Porto finde ich schon gegen Mittag so um 14 Uhr mein Endfinale für diesen Tag. Es regenet ständig, jetzt in Schüben und ich konnte somit das Zelt aufbauen während einer Ruhephase.
An trampen ist nicht zu denken, kein Schutz an der einsamen Provinzstraße und dann diese grausam, dauernassen Latschen…es ist zum verzweifeln.

Über zwei Liter Bier aus dem gottseidank vorhandenen Supermarkt, reichlich Käse, Salami und Brot sowie Schokolade helfen mir über die Zeit.

Bis morgen dürften es wieder 18 Stunden sein… die ich im Zelt verbringen muss.

Auch das ist Wanderleben… die Zeit des Sonnenscheins ist vorbei.

(Bild: Ein kleiner Ast vorm Zelt, damit wenigstens ein bischen Sichtschutz da ist… gleich vorweg sieht mich hier jeder…doch bei dem Wetter zum November…da geht sowas schon.)

Frankreich  -Region Korsika-  (06.11.2014)

Welch eine Nacht, schon um 17 Uhr gestern im Zelt verschwunden, und 15 Std später noch immer hier. Der Regen prasselt unaufhörlich danieder, ich warte, esse mein Frühstück, pflege mich aufwendigst, doch es hört währendessen einfach nicht auf.
Was machen?
Ich gucke hinaus und weiß keinen Rat.

Von innen baue ich irgendwann das Zelt ab, entkerne es, alles ist hier ja troken, ziehe zuletzt die Bodenplane zusammen, die ja ganz nass ist und das Außenzelt. Packe das in Plastiktüten während ich bereits im Regendress sicher vor der Witterung bin.
Nur wohin, dass weiß ich jetzt nicht wirklich.

In Porto ist kaum was offen, lediglich zwei Bars mit extremen Preisen für läppische Getränke verführen mit dem warmen Licht ihrer Schaufenster. Dort hänge ich einige Zeit ab, gucke Luftlöcher während das Tablet etwas auflädt dort. Ich trinke ein 0,15l Fläschchen Heineken, kann nun selbst in Frankreich nicht sooo teuer sein, latze aber drei Euro dafür….  krasses Land, murmel ich…. unglaublich.

Es regnet extrem stark, der einst seichte Fluss schwillt dramatisch an. Ich beschließe mit einigen Biervorräten den Strand aufzusuchen. Es hört nach langer Zeit endlich auf und ziehe mit stundenlang nassen Schuhen/Füßen zum Meer.

(Bild: sind 15 Stunden nicht schon genug? Wann hört der Starkregen endlich auf ???)

Frankreich  -Region Korsika-  (05.11.2014)

Schwer trage ich auf weiten Kilometern das Gepäck hinaus aus Ajaccio, die Ausfallstraße entlang eines unschönen Vorortes voller Betonwege, Autohäuser/Werkstätten, und Eiinkaufszentren mit riesigen Parkplätzen… Mezzavilla heißt das Ding, aber von hier biegt die Landstraße nach Norden ab, entlang der wilden Berge von Korsikas Westen.
Ich trampe nicht lang, brauche nur zwei Fahrer bis zum Ziel, das über atemberaubende Hochstraßen erreichbar wird. Doch mit unbehagen stelle ich fest, dass der Himmel keine Lust mehr hat auf all den Sonnenschein der letzten Tage.
Grau und düster kündigt sich der kommende Abend an… in Porto, ein Touristenkaff, größtenteils aus (momentan geschlossenen) Hotels bestehend, die außerhalb der Saison, Porto zu einer Geisterstadt machen, fängt es dann auch gleich an zu regnen.
Auch hier ist die Versorgung schon gut, ich kaufe nur ergänzend etwas im Supermarkt ein und finde schnell unterhalb zum Fluss, der das Tal bildet an dessen Ende Porto liegt, einen Stellplatz tief im Eukalyptus Wald.
Es riecht intensiv nach Menthol, die großen Eukalyptusbäume duften im Regen nochmals stärker.
Der Niederschlag prasselt gewaltig, ich trinke meine 0,75l Flasche französisches Kronenbourg, esse stinkenden Käse, dazu Taboule und schlafe sehr lang und tief…

Frankreich  -Region Korsika-  (05.11.2014)

Die nette Dame von Ajaccio, auch wenns die Tourist-Info ist, überlegen wir gemeinsam wie es am besten klappt, per Anhalter aus der Stadt hinaus zu kommen. Wichtig ist da natürlich das Ziel; Porto, ca 80 km weiter nördlich weist mir die “Via Terrestris” heute den Weg.
Neee, nicht zu vergleichen mit dem Namensvetter in Portugal, da leben eine Million, hier auf Korsika hat das Porto nur 64 Einwohner. Ein kleiner Unterschied.
*Freu*  dem Drucker sei dank, habe ich jetzt ein tolles Wegzeichen zum trampen.

Frankreich  -Region Korsika-  (05.11.2014)

Also verlasse ich Ajaccio wieder, da diese Nullnummer von Gastgeber mich offensichtlich schädigen wollte und ich nicht wieder an diesen Strand will heut Abend. – Auch wenn es ansich garnicht so schlecht dort war…

Wieder in der Bar, dort mein Tablet-PC abholend, stelle ich mit Entsetzen fest, dass nur 65% aufgeladen sind. Der Akku ist echt kaputt….jetzt wirds kritisch. Die Laune dämpft sich dramatisch, gehe online um zu sehen ob der Typ von gestern seinen Fake begründet hat; nix…. keine Meldung, ich sende ihm einen dicken Stinkefinger … wahrscheinlich freut er sich darüber sogar noch *grummel*

Jedenfalls nutze ich die Zeit und Energie um einiges über Rom zu schreiben…bin total im Verzug, bestelle aber mal nichts…. bisher kommt keiner um mich zu mahnen… zwei Stunden sitze ich “konsumfern” im Cafe.

Dann suche ich mal das Touristenbüro auf, ich brauche Infos zum trampen…. wo gehts hier raus….Richtung Norden an die Steilküste mit ihren spitzen Bergen…?

(Bild: Ajaccio, langgezogen and der Küste mit seinen Hafen, die größte Stadt von Korsika)

Frankreich -Region Korsika-  (04.11.2014)

Die “Metropole” der Insel: Ajaccio, an der steilen Westküste gelegen hat zwar nur 70.000 Bewohner, wirkt aber sehr betriebsam; auf vier Kilometer pressen sich in einem Streifen flacheren Landes jede Menge Hochhäuser, der Verkehr konzentriert sich auf eine einzige Hauptverkehrsachse längs der dichten Siedlung. Annabell setzt mich gleich neben dem “Leclerc” Supermarkt nahe dem Zentrum ab wo ich erstmal meine leere Vorratstasche auffülle und ab zum Zentrum ziehe, WiFi suchen, 3,50 für eine Cola dafür zahlen (meine Bitte eben mal kurz ins Netz zu gehen, ohne ein Getränk zu bestellen, wurde abgelehnt)  und anschließend einen Treffpunkt mit meinem Gastgeber ausmachen.
Am Bahnhof, der klein und überschaubar als Treffpunkt gut eignet, finde ich mich ein, warte und warte…. 19:00 Uhr schrieb er mir, (Name nicht bekannt) seine Telefonummer nützt mir nichts, kein (französisches) Guthaben drauf… aber egal, er schrieb mir ja deutlich wann und wo *freu*

Doch es passiert nichts, es ist bereits schon lange dunkel, ständig wuseln Personen, Autos und Besoffene die es sich in der kleinen Bahnhofshalle gemütlich machen, umher.
19:30…. immer noch keiner da…. 19:50, mir tun die Füße weh und es wird kalt….

20:15…. ich gebe auf, trotte verloren in Richtung Innenstadt, überlege mir müde einen Plan B….. bin fürchterlich sauer auf diesen Affen der mich so billig versetzt hat.

Egal, nach vorne gucken, (wenns was zu gucken gibt, denn es ist total finster)  und einkeren in eine möglichst freundlich wirkende Bar. Die finde ich, werde zwar deutlich kühl behandelt aber man hilft mir: Der Tablet PC muss dringend aufgeladen werden, da aber der Akku mindestens sechs Stunden braucht, muss ich mein “Office” nun der Kneipe anvertrauen, wo er über Nacht an die Steckdose bleibt, da habe ich keine andere Wahl…

Wieder kostet mir die Aktion 3,50€, diesmal für ein kleines Bier. Muss mir echt überlegen wie ich diese Internetkosten senke…. uuufff…

Zum Glück liegt Ajaccio am Meer und hat einen Stadtstrand. Abseits, aber direkt unterhalb der mächtigen Mauern der alten Zitadelle, finde ich die nötige Abgeschied und blase meine Luftmatratze auf, beziehe meinen Schlafsack, Decke drunter und fertig ist das Himmelbett.

Trotz der wilden Brandung, die ganz schön laut ist, finde ich schnell eine innere Ruhe und schlafe ein…

Doch was ist das?
Panisch fliege ich fast aus meiner Gemütlichkeit, irgendwann Stunden später; schäumende Gischt zischt keinen Meter neben mir über den Sand, das Meer kommt und ich muss schnellstens fliehen, packe allles zusammen, lasse Schuhe und Hose weg und wate durch den niederen Wellengang um die nächste Ecke der Mauer, dort ist viel mehr offener Strand und ich baue mein offenes Lager schnell wieder auf, ganz oben an der Grasnarbe abseits jeder Flut….

Es ist fünf, und habe noch Zeit bis zur Morgendämmerung. Träume umgeben mich wieder ganz schnell….

Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

Ganze 100 km fahre ich mit Annabell-Maria, einer Sardin (aus Sardinien) nach Ajaccio, der Haupstadt Korsikas. Unterwegs bleibt mir viel Zeit die korsische Landschaft zu bewundern, da Annabell kein Englisch kann. Musik und ein toller Weg macht die Fahrt echt entspannend.

(Bild:  Ein Foto aus dem Auto, irgendwo auf dem Weg durch den Süden Korsikas, Trampen funktioniert also auch hier.)

Frankreich  -Region Korsika-  (04.11.2014)

Soooo, nach erwartet harten Aufstieg in die Stadt, erkunde ich mich nach einem Bus, der heute das Tagesziel Ajaccio erreichen soll. Um ca 12 Uhr stelle ich aber erstens fest, dass dieser um 16 Uhr fährt, zweitens die Fahrpreise dreimal höher (!!!) sind als noch in Italien. Wilkommen im Preis-Irrsinnsland Frankreich, da besinne ich mich gern meiner Natur als Tramper und erkunde mich nach dem Weg aus Bonifacio, die Straße nach Ajaccio wo heute eine Verabredung ansteht die ich dringend brauche; meine Klamotten sind schon seit Florenz nicht mehr gewaschen. In Rom hätte ich eigentlich per Handwäsche schon was erledigen können, doch da war ja schon “mein Gast” Stefan der Rad-Aussteiger und nahm das Badezimmer in Beschlag, und Georg eben mich weshalb ich nie dazu kam.
Uff, das mieft echt und ich hoffe beim Trampen nicht zu sehr aufzufallen. Ich sprühe mich noch kräftig mit Deo ein und warte keine Stunde am Straßenrand…. der erste Lift geht 10 km, dann finde ich mich in tiefster Einsamkeit wieder, (Bild) und gleich das dritte Auto bringt mich weiter, direkt nach Ajaccio ……