Italien -Region Kampanien- (24.11.2014)

Napoli verlasse ich natürlich wieder mit dem Zug, ganz wie in Italien üblich; für 4,50€ rattern die eisernen Megatonnen über die alten Gleise, vorbei an eben diesen Vierteln wo wirklich noch echt die Mafia-Post abgeht…. und auch das: Notdürftig verscharrte, halb mit alten Plastikplanen verdeckte Müllhaufen auf brachen Gewerbeflächen lassen ahnen wie es möglich ist, gleich hunderte illegale Müllhalden im dicht besiedelten Stadtbereich unterzubringen….

Mein Ziel heute: Benevento, stategisch ausgewählt weil exakt in der Mitte Kampaniens gelegen, eignet sich die 60.000 Einwohnerstadt gut um die Gegend zu erkunden.
Zu sehen gibt’s allerdings nich ganz so viel, die Piazza Orsini (Bild) mit ihrem Barocken Brunnen steht als Zentrum des Ortes nicht gerade repräsentativ da; als Parkplatz genutzt ist es hier nicht so schön wie es eigentlich mehr sein könnte.

Interessant: Der alten Dom mit seinem neuen Kirschenschiff, das aufgrund einer Bombenattake im zweiten Weltkrieg komplett neu aufgestzt wurde.

Italien  -Region Kampanien-  (23.11.2014)

Zuletzt noch etwas Kunst: Das beliebteste Motiv Neapels, der Vesuv in allen Varianten, in allen Farben schon seit Menschengedenken hier das Markenzeichen überhaupt.

Napoli, eine fantastische Stadt verabschiede ich morgen dann mal wieder, ich ziehe weiter ins Zentrum Kampaniens nach Benevento, habe dort trotz totaler Couchsurfing Recherche immer noch keinen Gastgeber gefunden. Keiner hat geantwortet, keiner lädt den Nomaden zu sich ein, – auch in Campobasso, dem übernächsten Ziel. Es ist zum verzweifeln.

So, habe nun eine ganze Menge über Napoli geschrieben und hoffe nicht zu viel…. bald möchte ich hier die Sache auch als Blog ergänzen, so kann jeder mal seinen Senf dazutun…. wäre mal ganz interessant.

Italien -Region Kampanien-  (23.11.2014)

Die Piazza Piedigrotta mit ihren prolligen Bahnhof. Kurz hinter den Gleisen liegt das Hostel etwas versteckt in einem Gewerbegebiet. Hier holten mich vor 15 Jahren meine Eltern aus einer Notsituation herraus; in der Türkei räumte man mir die Kontokarte leer, nachdem ich diese völlig besoffen aus der Hand gab. War dann auf dem Rückweg von dort bis Napoli hier ins Hostel angekommen und pleite. Papa aber kam mit dem Auto herbei und rettete mich, verbrachten dann anschließend in Kroatien den Familienurlaub….
Starke Erinnerungen die einfach genial sind. Nun bin ich wieder hier, zwar auch fast pleite aber das ist ja mittlerweile ganz normal.

Italien  -Region Kampanien-  (23.11.2014)

Guten Morgen, Sonntag der 23 November, und schon startet der Tag schräg: Silvio hat mir abgesagt, kurz und bündig: “Sorry, i can’t host you today"  ….das wars, keine Begründung kein garnichts.
Ich ärgere mich deshalb weil wir noch viel in Kontakt standen, er schrieb mir mehrmals mit mir noch schwimmen zu wollen, und gut Kampanisch für mich zu kochen, worauf er sich freue.
Und dann das… einfach so..

Jaja, die Gastfreundschaft, in Süditalien eine Art Heiligtum. Entweder der Gast bekommt satte fünf Sterne Vollpension mit allem pi-pa-po, oder garnichts. Letzteres wahrscheinlich um sich selbst vor dem Aufwand zu bewahren; in Süditalien ist es eben üblich und Sitte einen Gast umfangreich zu verwöhnen, – das kann ich noch von Donnerstag bestätigen!
Aber nur eine Couch anbieten, dazu ein Kaffee vielleicht oder ne Dose Bier….sowas mag in Deutschland kein Problem sein, wohl aber nicht hier am Vesuv.
Lieber sagt man dann ganz ab, frei dem Motto: Entweder alles oder nix …
So kommt es mir zumindest vor.

Aaaaaber welch ein Glück, dass ich im Hostel Mergellina bin. Hier ist es ja so billig, dass ich mir tatsächlich noch eine weitere Nacht leisten kann. Ich knalle neun Euro auf den Tisch und bin sicher unter Obdach.

Sehr sauber ist alles hier, mehrer Toiletten mit Dusche auf den Fluren, alles was man so braucht. Ja und Wiiiiifiiiiiii….. juhuuuu ich kann ausgibig Skypen mit Mama und Georg :-):-):-)

(Bild: Auch im Preis inbegriffen: Ein Schoko Croissant + Cappuccino zum Frühstück. Bella Italia!)

Italien  -Region Kampanien-  (22.11.2014)

Da ist sie, die günstigste Absteige Napolis, das Ostello Mergellina nahe der Piazza Piedigrotta, versteckt hinter der Brücke, rechts einer schäbigen Straße folgend hoch an den Tuffsteinbruch irgendwie deplaziert wirkend.
Für neun Euro aber bekomme ich was im Acht-Bett Zimmer. Toll: Ich bin hier fast allein. Nicht toll: Eine Art Obdachloser mindestens 70 Jähriger hat sich im hintersten Bett des Raumes dauer-eingerichtet. Offenkundig verdient er mit seinen Trommeln genug Geld auf der Straße um hier die 63 Euro pro Woche berappen zu können. Morgens zieht er sehr früh los, Abends zählt er dann Unmengen an Kleingeld, offenbar sein Tagesverdienst.
Schlimm ist eigentlich nur dass er fürchterlich stinkt nach uralten Zigarettenrauch und in der Nacht entsetzlich schnarcht………….   ich liege maximal weit von ihm an der anderen Raumseite. Sprechen können wir kaum miteinander, wir keine gemeinsame Sprache können.
Egal, morgen ist Sonntag und dann gehe ich noch eine Nacht zu Silvio zurück.

Doppelzimmer: 36 €

Einzelzimmer: 22 €

Bett im Mehrbettzimmer:  9 €

….Das sind noch D-Markpreise ….oder soll ich eher Lire-Preise sagen?

Italien  -Region Kampanien-  (22.11.2014)

Allein am Abend.
Da sitze ich nun im Speisesaal meines alten Hostels, wo die Erinnerungen so toll sind. Naja, damals war ich auch im Sommer hier, da war jede Menge los. Heute, im November ist tote Hose, fand noch nicht einmal ein “Mädel” für des Lokal an der Piazza Sannazaro, wo ich vor 15 Jahren zum Weintrinken zur Pizza war….  war gestern allein dorthin und fühlte mich ganz wohl.

Überhaupt ist das ganze große Haus fast verlassen. Sehr überschaubar treffe ich hier lediglich einige schlecht gelaunte Studenten oder Arbeiter, keine Ahnung, die sprechen kein Englisch und gucken nur muffig aus der Wäsche.

Doch das Essen ist hier gut und echt billig.

Italien  -Region Kampanien-  (22.11.2014)

Endlich bin ich auch mal in einer Stadt wo ich mir die lokalen Spezialitäten mal leisten kann.
Napoli ist eßtechnisch leicht zu fassen: Pizza, Pasta und Sfogliatelle (Bild).

Was soll ich schon zur Pizza groß sagen, außer dass sie in Napoli mal erfunden wurde. Dünn und gut belegt, saftig und kräftig gewürzt schmeckt sie mir hier einfach am besten.
Zusammen mit dem Kaffee bildet die Pizza -ob als mittaglicher Snack oder Hauptmahlzeit eine Art Neapolitanisches Lebensgefühl, ein Heiligtum. Und überhaupt ist man stolz hier auf das, was mittlerweile in der ganzen Welt einen gewaltigen Siegeszug geschafft hat; ob in Frankreich, England, Indien, China oder die USA, überall gibt es an jeder Ecke eine Pizzaria, ja auch in Indien, wo ich schon öfter war, ist Pizza einfach voll im Trend. – Einmal Pizza-Curry-Massala bitte ….

In Napoli streiten gleich mehrer Adressen um die “beste Pizza” der Stadt, sowie um den Titel der ersten Pizzeria der Welt….  ganz ähnlich wie bei uns mit der Currywurst.

Mein Gastgeber Silvio aber schimpfte über die kulinarische Mentalität seiner Kampanischen Landsleute; sie gelten im Verglich zum Norden als eher fetter, essen ständig Pizza wo sie gehen und stehen. So haben die Frauen in Milano mehr Form, sind schlanker…. sagte er.

Auch Pasta gehören hier öfter auf dem Tisch als anderswo im Land; als “Primi Piatti” (erster Gang) sind sie in allen Varianten Standart und mit drei bis fünf Euro recht billig und total LECKER…

Letztendlich landen wir dann alle noch bei den Sfogliatella in Napoli, den berühmten Blätterteigtaschen mit süßer Ricottafüllung (süßer weicher Käse) die mit 1,50 € das Stück gleich mehrfach für mich erschwinglich sind, an jeder Straßenecke zu haben und so Kalorienreich sind, dass sie mich über den ganzen Mittag bringen.

Jaja, einmal ausprechen bitte: Sfogliatelle, ….ist auch richtig geschrieben, musste ich auch noch lang üben. Aber eben sehr Neapolitanisch!

Bier allerdings ist auch hier immernoch etwas Luxeriöses, sofern es vom Fass kommt; mit vier Euro je 0,4 l liegt es noch im oberen Preisberiech und wird künstlich aufgewertet.
Anders der Wein: Kampanischer Rotwein schmeckt fruchtig frisch, ist leicht und bekömmlich. Ich trank gestern mal ganz vorsichtig einen “Piccolo” und vertrug den echt gut. Auch Weißwein gibt’s viel in der Region, habe den aber noch nicht probiert, muss ja eben runterfahren mit all der Sauferei…..uuuff.

Dennoch denke ich viel an den himmlischen Limoncello, dem Zitronenlikör der hier an den steilen Küsten aus den Sonnenverwöhnten Zitronen gewonnen wird… mmmmmmhhhhh…..

(Bild: Sfogliatelle – Blätterteigtaschen)

Italien -Region Kampanien- (22.11.2014)

Auch eine Neapolitanische Besonderheit: Alte Wohnhäuser reicher Familien mit ihren hohen Räumen und großen Fenstern. Im 19ten Jahrhundert bis noch vor einigen Jahrzehnten lebte die Oberschicht hier im Prunk und Gloria, ganz zentral in der Stadt.
Doch heute sind viele dieser bis zu 250 Jahre alten Bauten im Zentrum der Stadt, völlig heruntergekommen. Der Grund ist die Verarmung großer Bevölkerungsteile Anfang des vorletzten Jahrhunderts, die ihren Besitz nicht mehr pflegen konnten, die Flucht vieler Aristokraten aus der wilden Innenstadt.
So kommt es dazu, dass z.B. hier in diesem alten Adelshaus, heute ärmere Bewohner leben, teils Migranten aus Bangladesch in großer Zahl sich ein Zimmer teilen.
Eine Renovierung und “Aufwertung” solcher Gebäude kostet gleich mehrer Millionen, findet also (noch) keinen Geldgeber. Ich erinnere mich aber noch an Berlin, da war es in den Neunzigern ganz ähnlich. Heute kosten die Renovierten Altbauten am Prenzlauer Berg nun so viel wie in Hamburg oder Milano…. Napoli braucht da (gottseidank-?-) noch etwas länger.

Italien -Region Kampanien- (22.11.2014)

Gleich neben der Galleria verirre ich mich in den engen Straßen eines eigentlich einfach zu durchschauenden, Schachbrettartig angelegten Virtels. Hier tobt das Leben in allen Gassen, plötzlich aber -von einer Straßenseite zur anderen, prallen die Gegensätze aufeinander; ganz anders als in Rom, Milano oder Florenz wechseln im Zentrum Napolis die reichen mit den armen Vierteln promt ab; völlig überfüllte, fast baufällig aussehende Wohnhäuser, sechs Stockwerke hoch, voller Wäscheleinen, offenen Fenstern, überall Lärm hier, auf der anderen Straßenseite dann gepflegte Fassaden, Gardienen und weniger Lärm, ja fast schon Ruhe, alles ist sauber.
Das ist einzigartig in Italien.
Das ist NAPOLI.